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Im Zeichen des Priapus - Erotik und Gewalt in der römischen Antike

Title: Im Zeichen des Priapus - Erotik und Gewalt in der römischen Antike

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 41 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Tina Hanke (Author)

Theater Studies, Dance
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Es erhob sich eine Wolke – für den Betrachter aus der Ferne unkenntlich, auf welchem Berge; später erfuhr man, es sei der Vesuv gewesen -, deren Gestalt am ehesten einer Pinie ähnelte. Schon fiel Asche auf die Schiffe. Es regnete geschwärzte, verbrannte und durch das Feuer zersplitterte Steine. Inzwischen leuchteten vom Vesuv her an mehreren Stellen weite Flammenherde und hohe Feuersäulen auf, deren strahlende Helle durch die dunkle Nacht noch gehoben wurde. [...] Man hörte Weiber heulen, Kinder jammern, Männer schreien; die einen riefen nach ihren Eltern, die anderen nach ihren Kindern, wieder andere nach ihren Männern oder Frauen und suchten sie an der Stimme zu erkennen; manche flehten aus Angst vor dem Tod, viele beteten zu den Göttern, andre wieder erklärten, es gebe nirgends noch Götter, die letzte ewige Nacht sei über die Welt hereingebrochen. Dann endlich begann sich der Rauch zu heben, und die Sonne strahlte wieder, jedoch fahl, wie bei einer Sonnenfinsternis: Den noch verängstigten Augen erschien alles verwandelt und mit einer hohen Aschenschicht wie mit Schnee überzogen.

Diesen bewegenden Augenzeugenbericht über den Untergang Pompejis am 24. August 79 n.Chr. verdanken wir Plinius dem Jüngeren, Neffe des berühmten Naturhistorikers Plinius der Ältere. Zum Zeitpunkt des Vesuvausbruchs hielten sich Onkel und Neffe zusammen am Kap Misenum nahe Pompeji auf. Plinus der Ältere hatte dort das Kommando über den Flottenstützpunkt und überlebte den Vulkanausbruch im Unterschied zum Jungen, der sich retten konnte, nicht. So grauenhaft das Schicksal der Opfer auch gewesen sein muss, so qualvoll ihr Tod – man ist doch versucht, Goethe zuzustimmen, der am 13. März 1787 nach dem Besuch dieser „mumisierten Stadt“ notierte: „Es ist viel Unheil in der Welt geschehen, aber wenig das den Nachkommen so viel Freude gemacht hätte.“ Ja, in der Tat, es ist ein geradezu erhebendes Gefühl, heute durch die Gassen dieser Geisterstadt zu wandern und sich dem Leben der römischen Antike näher zu fühlen, als wohl an sonst irgendeinem Ort der Erde. Pompeji legt Zeugnis ab über eine Zeit, die uns aus Erzählungen häufig sehr fremd und grausam vorkommt. Doch hier spürt man, wie die Römer gelebt haben, was sie erfreut hat, wie sie gewohnt, genossen und - nicht zuletzt – wie sie geliebt haben.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Ein Spaziergang durch Pompeji

2. Der soziale und rechtliche Rahmen der römischen Erotik

2.1. Mann

2.2. Frau

2.3. Prostituierte

2.4. Sklave

3. Priapus – Gott der Erotik und Gewalt

4. Erotik in der römischen Literatur

4.1. Ovids Ars amatoria

4.2. Petrons Satyricon

4.3. Apuleius‘ Der goldene Esel

5. Erotik in der Arena

5.1. Sexsymbol Gladiator

5.2. Sadomasochistische Atmosphäre

5.3. Erklärungsversuche

6. Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das ambivalente Verhältnis der römischen Gesellschaft zu Erotik und Gewalt. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie die gleichzeitige Faszination für körperliche Lust und die explizite Lust an der physischen Zerstörung in der Arena miteinander in Einklang zu bringen sind.

  • Soziale und rechtliche Rahmenbedingungen römischer Sexualität
  • Die Rolle von Priapus als Symbol für Erotik und Gewalt
  • Analyse erotischer Narrative in der antiken Literatur
  • Psychologische Untersuchung der Faszination für Gladiatorenkämpfe
  • Theoretische Auseinandersetzung mit Sadomasochismus und Tabubruch

Auszug aus dem Buch

4.1. Ovids Ars amatoria

Als junger Mann von den Frauen vergöttert, als Liebesdichter gefeiert von ganz Rom, ein Klassiker bereits zu Lebzeiten – und dann der Sturz aus der Höhe des Glücks: Augustus verbannt ihn in ein Provinznest am Ende der Welt, ohne Hoffnung auf Begnadigung. Das ist das Leben des Publius Ovidius Naso (43 v.Chr.-17/18 n.Chr.).

Doch was machte Augustus so rasend, dass er den populären Dichter gleich nach Tomi ans Schwarze Meer „entsorgen“ musste, was machte ihn so besorgt um die sittliche Ordnung? Neben all den kleinen Spitzen, die Ovid schon immer gegen den konservativen Kaiser losgelassen hatte, war Augustus wohl vor allem eines ein Dorn im Auge: Ovids moderner Liebesratgeber Ars amatoria, die „wohl originellste Leistung der literarischen Erotik in Rom“ (Wilfried Stroh).

Augustus hatte das neue Rom auf den Fundamenten der republikanischen Traditionen und Wertvorstellungen erbaut. Das Hauptziel seiner moralischen Aufrüstung war die Familie, die Augustus durch eine eigene Gesetzgebung zu stärken und zu reformieren gedachte. So verabschiedete er infolge seiner bereits erwähnten lex Iulia de adulteriis, die Ehebruch nun strafrechtlich verfolgen sollte, ein weiteres Gesetz, das die Freiheit der Römer stark einschränkte: die lex Iulia de maritandis ordinibus, ein Gesetz über die Verheiratung der oberen Stände.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Ein Spaziergang durch Pompeji: Einführung in die Thematik anhand der archäologischen Befunde von Pompeji und Darstellung der Verknüpfung von Sexualität und Alltagsleben.

2. Der soziale und rechtliche Rahmen der römischen Erotik: Untersuchung der Geschlechterrollen und Rechtsverhältnisse für Männer, Frauen, Sklaven und Prostituierte im antiken Rom.

3. Priapus – Gott der Erotik und Gewalt: Analyse der mythologischen Figur des Priapus als personifizierte Verbindung von Fruchtbarkeit und Gewaltandrohung.

4. Erotik in der römischen Literatur: Literarische Fallstudien zu Ovids Ars amatoria, Petrons Satyricon und Apuleius' Der goldene Esel.

5. Erotik in der Arena: Untersuchung der Gladiatorenkämpfe unter dem Aspekt der sadomasochistischen Faszination und der psychologischen Massenphänomene.

6. Schlussbemerkung: Synthese der Ergebnisse, die Erotik und Gewalt als untrennbar miteinander verbundene Pole des römischen Weltbildes identifiziert.

Schlüsselwörter

römische Antike, Erotik, Gewalt, Priapus, Gladiator, Sexualität, Pompeji, Ars amatoria, Sadomasochismus, antike Literatur, Lupanar, Gesellschaftsordnung, Tabubruch, Körperlichkeit, Massenpsychologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die spezifische Verflechtung von Erotik und Gewalt im antiken Rom und stellt die Frage, wie eine Kultur gleichzeitig Sinnlichkeit feiern und extreme körperliche Gewalt in der Arena zelebrieren konnte.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die rechtliche Stellung der Geschlechter, der Einfluss antiker Götterbilder, die literarische Verarbeitung von Erotik und die soziopsychologische Analyse der Gladiatorenspiele.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, dass Erotik und Gewalt im römischen Denken keine Gegensätze bildeten, sondern sich gegenseitig bedingten und verstärkten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine kulturhistorische und literaturwissenschaftliche Analyse, die antike Quellen durch die Linse soziologischer und psychologischer Konzepte (z.B. Bataille, Freud, Fromm) betrachtet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der rechtlichen Rahmenbedingungen, die Rolle des Gottes Priapus, literarische Analysen bekannter Werke und eine tiefgreifende Betrachtung der Faszination für Gewalt in der Arena.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Erotik, Gewalt, römische Antike, Gladiatoren, Tabubruch und Körperlichkeit.

Welche Rolle spielt Priapus in der Arbeit?

Priapus dient als zentrale Leitfigur, da seine mythologische Darstellung als Fruchtbarkeitsgott mit gewaltsamen Zügen genau das Spannungsfeld verkörpert, das die gesamte Untersuchung durchzieht.

Warum wird Pompeji als Ausgangspunkt gewählt?

Pompeji bietet als "mumifizierte Stadt" einzigartige archäologische Zeugnisse wie Graffiti, Wandmalereien und Statuen, die einen direkten und sehr anschaulichen Einblick in das Alltagsleben und die Erotik der damaligen Zeit ermöglichen.

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Details

Title
Im Zeichen des Priapus - Erotik und Gewalt in der römischen Antike
College
LMU Munich  (Institut für Theaterwissenschaft)
Course
Hauptseminar: Bühnen- und Arenenspektakel der Römer
Grade
1,0
Author
Tina Hanke (Author)
Publication Year
2004
Pages
41
Catalog Number
V34196
ISBN (eBook)
9783638344920
ISBN (Book)
9783656760382
Language
German
Tags
Zeichen Priapus Erotik Gewalt Antike Hauptseminar Bühnen- Arenenspektakel Römer
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tina Hanke (Author), 2004, Im Zeichen des Priapus - Erotik und Gewalt in der römischen Antike, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34196
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