Einführung
In den letzten Jahrzehnten hat sich das Kleidungsverhalten in Bezug auf Tracht grundlegend geändert und hat, zum Teil bis in unsere Tage der Fall, neben Bayern vor allen Dingen in Österreich zunehmend Eigenheiten des Folklorismus angenommen.
Dies erfordert natürlich für die Kleidungsforschung eine eingehende Beschäftigung mit Erscheinungsformen und Ursachen, die „aus einem differenzierten Geflecht sozialer und historischer Bedingungen heraus zu interpretieren“(1) sind. Dabei spielt Hans Moser eine bedeutende Rolle, der um 1962 „das Problem zum Gegenstand des Faches“(2) Volkskunde gemacht und eine intensive wissenschaftliche Auseinandersetzung ins Rollen gebracht hat.
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1 Bausinger (1969), S. 2.
2 Hörandner (1982), S. 10
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Begriffsklärung
2.1. Folklore/ Folklorismus
2.2. Tracht
3. Geschichte der Trachtenbewegung
3.1. Trachtenvereine
3.2. Trachtenerneuerung
4. Tracht und Gesellschaft in jüngerer Zeit
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel des Kleidungsverhaltens in Bezug auf Trachten in Österreich, wobei ein besonderer Fokus auf den Auswirkungen des Folklorismus liegt. Ziel ist es, die Entwicklung von traditioneller Tracht hin zur modernen, teilweise kommerzialisierten Trachtenmode historisch und soziologisch zu analysieren.
- Historische Entwicklung und Einflüsse der Trachtenbewegung
- Die Rolle von Trachtenvereinen bei der Fixierung und Verbreitung
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Begriff des Folklorismus
- Einfluss von Tourismus, Medien und Modeindustrie auf den Trachtenbegriff
- Spannungsfeld zwischen Tradition, Identität und kommerziellem Kitsch
Auszug aus dem Buch
2.2. Tracht
Aber welche Art von Kleidung versteht man nun unter Tracht? Man könnte vom Wort ausgehen, also der Gegenstand des Getragenwerdens. So meint Tracht jede Form von Kleidung, der man ein echtes oder nur eingebildetes Bedürfnis entgegenbringt.
Dieses Bedürfnis kann eine Gewohnheit nach sich ziehen, die auch auf längere Dauer konstant bleiben und somit eine Tradition begründen kann, nämlich in den Eigenschaften der auftretenden Formen und durch eine gewachsene Bindung zum örtlichen Umfeld. Eine gewisse Stetigkeit ist zwar kennzeichnend, jedoch vollzieht sich immer ein Wandel oder sogar Wechsel, nur langsamer und anders als beispielsweise in der Mode. Volkstracht verbindet seit jeher die Bedürfnisse eines Volkes immanent mit seiner Mystik oder Religiosität. Daher ist dieser äußere Aspekt auch oft Anlaß zu Veränderungen, dem entgegen sich eine eingefahrene Formgebundenheit wiederum hemmend auf die Entwicklung einer Tracht auswirken kann, sei es aus Bequemlichkeitsgründen oder als bewußtes Festhalten an bestimmten Formen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet den Wandel des Kleidungsverhaltens in Österreich und verweist auf die wachsende Bedeutung des Folklorismus, die eine wissenschaftliche Auseinandersetzung notwendig macht.
2. Begriffsklärung: Dieses Kapitel definiert und differenziert die zentralen Begriffe „Folklore“, „Folklorismus“ und „Tracht“ als wissenschaftliche Grundlage der Untersuchung.
2.1. Folklore/ Folklorismus: Hier wird der Bedeutungswandel von traditioneller Volkskultur hin zur kommerziellen, touristischen „Vermittlung aus zweiter Hand“ analysiert.
2.2. Tracht: Es wird erörtert, was unter einer Tracht zu verstehen ist und wie sie sich in Abgrenzung zur Mode durch Stetigkeit und regionale Bindung definiert.
3. Geschichte der Trachtenbewegung: Das Kapitel zeichnet den historischen Weg der Trachtenvereine und die Kommerzialisierung der Tracht ab dem späten 19. Jahrhundert nach.
3.1. Trachtenvereine: Dieser Abschnitt beschreibt die Gründung der ersten Vereine in Bayern und Österreich, die zur Fixierung und teils uniformen Stilisierung der Tracht führten.
3.2. Trachtenerneuerung: Es werden Bemühungen beschrieben, die Tracht durch Forschung und Arbeit von Heimatwerken wieder näher an zeitgemäße Anforderungen und regionale Vorbilder anzupassen.
4. Tracht und Gesellschaft in jüngerer Zeit: Das Kapitel analysiert die moderne Bedeutung der Tracht als identitätsstiftendes Merkmal in einem globalisierten Umfeld und ihre Rolle in Mode und Vermarktung.
5. Literaturverzeichnis: Auflistung der für die Untersuchung herangezogenen Fachliteratur und Quellen.
Schlüsselwörter
Tracht, Folklorismus, Österreich, Trachtenbewegung, Trachtenvereine, Identität, Volkskultur, Landhausstil, Tourismus, Heimatwerk, Trachtenmode, Trachtenkitsch, Tradition, Industrialisierung, Kleidungsforschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den Wandel des Kleidungsverhaltens in Österreich, insbesondere im Hinblick auf den Übergang von traditioneller Tracht zur kommerziell genutzten Trachtenmode und den damit verbundenen Phänomenen des Folklorismus.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Geschichte der Trachtenbewegung, die Entstehung von Trachtenvereinen, die wissenschaftliche Definition von Folklore und Tracht sowie die Rolle von Medien und Tourismus bei der Vermarktung von Trachten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Entwicklung der Tracht von einer bodenständigen, traditionellen Kleidung hin zu einem modischen Symbol mit oft verzerrtem Lokalkolorit zu verstehen und soziologisch einzuordnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse volkskundlicher Fachliteratur sowie auf die Auswertung historischer und soziologischer Forschungsergebnisse zur Trachtenforschung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsklärung, die historische Entwicklung der Trachtenvereine, die Bestrebungen zur Trachtenerneuerung sowie die Analyse der Bedeutung von Tracht in der heutigen Gesellschaft.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Tracht, Folklorismus, Identität, Heimatwerk, Tradition und den Einfluss von Kommerzialisierung auf kulturelle Ausdrucksformen charakterisiert.
Warum wird das Aufkommen der Trachtenvereine als ambivalent betrachtet?
Während die Vereine einerseits zur Erhaltung der Tracht beitragen wollten, führten sie andererseits zu einer Standardisierung, Stilisierung und teils künstlichen „Vereinstracht“, die sich von der ursprünglichen Alltagskleidung unterschied.
Inwiefern hat der Tourismus die Trachtenentwicklung beeinflusst?
Der Tourismus hat durch das Bedürfnis nach einer „heilen Welt“ und dem Wunsch der Gäste nach Urwüchsigem die Nachfrage nach folkloristischen Elementen massiv gefördert, was oft zu einer kommerziellen Verzerrung und „Trachtenkitsch“ führte.
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- Manfred Sailer (Author), 2000, Trachtenbewegung und Folklorismus in Österreich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/3420