Die Französische Revolution im Jahre 1789 – ein geschichtliches Ereignis, welches nicht nur politische Auswirkungen hatte, sondern ebenso die deutsche Sprache beeinflusst hat. Welche Wirkungen diese Revolution und die damit verbundene Propaganda auf das Deutsche hatte, soll innerhalb dieser Hausarbeit genauer beleuchtet werden. Dabei wird neben der Wirkung durch die Befürworter der Revolution auch jene der Revolutionsgegner aufgezeigt, da von den verschiedenen Blickwinkeln aus neue Aspekte in die Sprache gebracht wurden, was diese Hausarbeit ebenfalls verdeutlichen soll. Dieser Kontrast wird insbesondere am Beispiel des Schlagwortes verdeutlicht werden.
Einen thematischen Einstieg soll jedoch zunächst eine Erläuterung, die die „deutschen Jakobiner“, deren ursprüngliche Propaganda und damit verbundene Texte und Textstellen betrifft, bieten. Weitere Schwerpunkte sind eine Rede des Mainzer Revolutionsbefürworters Georg Forster, die politische Aufklärungstätigkeit im Volk, das Jakobinertheater, der „Kurswechsel“ des Argumentationsstils der Jakobiner sowie Euphemismen, Heteronymie und Polysemie zu dieser Zeit.
Die vorliegende Hausarbeit orientiert sich in Inhalt und Aufbau stark an den Unterpunkten P bis X im Abschnitt Ansätze zu öffentlicher Sprache in Deutsche Sprachgeschichte vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart. Band II: 17. und 18. Jahrhundert von Peter von Polenz, da hierin eine hervorragende Grundlage an Wissen für dieses Thema geboten wird. Anhand von zusätzlicher Literatur werden verschiedene Abschnitte weiterführend und vertiefend behandelt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Die Propaganda der „deutschen Jakobiner“
2 Georg Forsters Rede vom 15. November 1792
3 Volksagitation
4 Das Jakobinertheater
5 „Kurswechsel“
6 Schlagwörter
6.1 Schlagwörter von revolutionsfreundlicher Seite aus
6.2 Schlagwörter der Revolutionsgegner
7 Euphemismen, Heteronymie und Polysemie
7.1 Euphemismen
7.2 Heteronymie
7.3 Polysemie
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachlichen Auswirkungen der Französischen Revolution auf die deutsche Öffentlichkeit des 18. Jahrhunderts. Ziel ist es, durch eine kontrastive Analyse der Propaganda von Revolutionsbefürwortern und -gegnern aufzuzeigen, wie politische Umbrüche die Lexik, Rhetorik und Argumentationsmuster maßgeblich verändert haben.
- Die propagandistische Tätigkeit der sogenannten „deutschen Jakobiner“.
- Methoden der politischen Volksagitation und des Jakobinertheaters.
- Die Veränderung persuasiver Argumentationsstile („Kurswechsel“).
- Einsatz von Schlagwörtern, Euphemismen, Heteronymie und Polysemie in der politischen Kontroverse.
Auszug aus dem Buch
3 Volksagitation
Unter Agitation versteht man intensive politische Aufklärung, politische Hetze (vgl. Wermke (Hrsg.) 2009: 183) und somit auch Propaganda. Mit Volksagitation bezeichnet man also den Versuch, auch unterhalb der bildungsbürgerlichen Ebene der rational argumentativen Propaganda an die mündliche Volkskultur anzuknüpfen. Dies geschah unter dem „Motto“ Souveränität des Volkes (vgl. POLENZ 2013: 428).
Bezeugt sind solche propagandistischen Versuche vor allem bei den Mainzer Jakobinern, die auch das „gemeine Volk“ von der Revolution überzeugen wollten. Dies geschah mit Hilfe von semioralen Texten, die für das Ausrufen, Vorlesen, Aufführen oder Singen entwickelt wurden, da die Volkskultur in erster Linie auf illiterater, mündlicher Ebene stattfand. Beispiele für diese semioralen, für die mündliche Vortragsweise ausgelegten Texte sind Dialoge, Theaterszenen oder -stücke, Gedichte, Fabeln, Lieder oder Maueranschläge (vgl. POLENZ 2013: 428).
Neben dieser halbmündlichen Art von Texten spielten auch nichtsprachliche Kommunikationsformen eine große Rolle in der das Volk betreffenden Revolutionspropaganda. Dabei handelte es sich um visuelle oder gesellige Formen der Kommunikation; genauer gesagt beispielsweise um Bildflugblätter, das Pflanzen und Tanzen um Freiheitsbäume, Umzüge, Feste oder Kleingruppenversammlungen (vgl. POLENZ 2013: 428).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung des Themas und der Forschungsabsicht, die Auswirkungen der Französischen Revolution auf die deutsche Sprache und Publizistik zu untersuchen.
1 Die Propaganda der „deutschen Jakobiner“: Analyse der radikalaufklärerischen Bestrebungen und deren Verbreitung durch verschiedene Medienformen.
2 Georg Forsters Rede vom 15. November 1792: Untersuchung der politischen Rhetorik und des aufkommenden „Sprache der Vernunft“-Konzepts.
3 Volksagitation: Darstellung der Strategien, mit denen versucht wurde, die breite Bevölkerung außerhalb des Bildungsbürgertums anzusprechen.
4 Das Jakobinertheater: Analyse der Funktion des Theaters als Instrument für kulturrevolutionäre und politische Bildung.
5 „Kurswechsel“: Betrachtung der Wandlung von rationalen hin zu emotionaleren, persuasiven Überzeugungsstrategien.
6 Schlagwörter: Klassifizierung und Vergleich von politisch geladenen Begriffen beider Parteien.
7 Euphemismen, Heteronymie und Polysemie: Untersuchung sprachlicher Verschleierung, alternativer Benennungen und Mehrdeutigkeiten im politischen Diskurs.
Fazit: Zusammenfassende Bewertung des dauerhaften Einflusses der revolutionären Sprachveränderungen auf das moderne Deutsch.
Schlüsselwörter
Französische Revolution, Deutsche Jakobiner, politische Rhetorik, Volksagitation, Schlagwörter, Jakobinertheater, Georg Forster, Sprache der Vernunft, Euphemismen, Heteronymie, Polysemie, Aufklärung, Publizistik, Sprachgeschichte, Persuasion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie die Französische Revolution die deutsche öffentliche Sprache und politische Publizistik am Ende des 18. Jahrhunderts nachhaltig geprägt hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Propagandatechniken der Jakobiner, die Rolle des Theaters, die Wandlung rhetorischer Stile sowie die Analyse spezifischer Wortphänomene wie Schlagwörter und Euphemismen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll verdeutlicht werden, welche sprachlichen Neuerungen der Revolution sich im Diskurs etablierten und wie die gegensätzlichen Lager ihre politischen Ideologien sprachlich vermittelten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven und vergleichenden Analyse historischer Texte und stützt sich methodisch stark auf die sprachgeschichtlichen Ansätze von Peter von Polenz.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zur Propaganda der Jakobiner, die Untersuchung von Reden (z. B. Georg Forster), Ansätze zur Volksagitation und eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Begriffsgeschichte der Zeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen unter anderem Politische Sprache, Jakobinismus, Schlagwortforschung, Semioralität und historische Semantik.
Warum war für die Jakobiner eine „Volksagitation“ notwendig?
Da das „gemeine Volk“ der neuen schriftlichen Öffentlichkeit misstraute, mussten Jakobiner auf mündliche und visuelle Formen der Propaganda ausweichen, um ihre Ideale zu verbreiten.
Wie unterscheidet sich der Sprachstil der Revolutionsgegner von den Jakobinern?
Die Revolutionsgegner nutzten vermehrt traditionelle, oft mythisch-religiöse Ausdrücke und ein historisch rückwärtsgewandtes Vokabular, während Jakobiner verstärkt auf aufklärerische Bildungssprache setzten.
Inwiefern hat das „Jakobinertheater“ politische Ziele verfolgt?
Es diente als Laienbühne, um aufklärerisches Gedankengut und patriotische Stücke zu präsentieren, die Partei für die Interessen der niederen Schichten ergriffen und das Gesetz der Revolution propagierten.
- Arbeit zitieren
- Konrad Altmann (Autor:in), 2016, Auswirkungen der Französischen Revolution auf die Sprache der Öffentlichkeit im 18. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/342022