Lachen ist nicht gleich Lachen. Wenn vom Lachen die
Rede ist, dann ist meist das spontane, natürliche
Lachen in komischen Situationen gemeint. Es gibt jedoch erheblich mehr Arten: das echte, fröhliche, befreiende, alberne, schallende, kokette, übermütige, ansteckende, unechte, hinterhältige, dumme, unterwürfige, kumpelhafte, arrogante, drohende, unbeherrschte, gehemmte, schadenfrohe, um nur einige zu nennen. Lachen kann verschiedene Ursachen und Absichten haben. Es hat viele Gesichter und muß nicht unbedingt etwas mit Humor zu tun haben, wie diese Varianten des Lachens zeigen: Das höhnische oder das verspottende Lachen hat ebensowenig mit dem Humor als Lebenshaltung zu tun wie das Lachen aus Schadenfreude.
Diese Arten des Lachens möchte ich als "böses" Lachen bezeichnen, weil es als Waffe gegen jemanden eingesetzt wird, mit dem Ziel zu verletzen, zu kränken oder zu demoralisieren. Jeder weiß aus Erfahrung, wie unangenehm es ist, wenn jemand
unfreiwillig komisch wirkt und sich Gelächter über ihn ergießt, ohne daß derjenige selbst mitlacht - er wird als Außenstehender zum Opfer.
Dem Menschen eigen sind allerdings auch Formen des
Lachens, die weder "böse" noch "gut" sind. So wird aus Verlegenheit oder aus Unsicherheit gelacht, etwa um eine peinliche Situation zu überspielen. Reine Freude und Glücksmomente gelten dagegen als Quelle des ursprünglichen Lachens "aus dem Bauch heraus". Das Lachen, das einen Menschen mit Sinn für Humor
auszeichnet, zeigt sich nicht nur in angenehmen,
lockeren Lebenssituationen, sondern eben auch oder
gerade in mißlichen Lagen. Ich bezeichne dieses Lachen als "gutes" Lachen, weil es sich nicht über etwas lustig macht, sondern in konstruktiver Weise einer bitteren Seite des Daseins ein Lächeln abgewinnen kann. Es ist frei von Überheblichkeit und Arroganz und belustigt sich nicht auf Kosten eines anderen. Um sich dem Phänomen Humor zu nähern, ist es wichtig, es gegen "verwandte" Kategorien wie Witz, Ironie, Satire und anderen abzugrenzen. [...]
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Das "gute" und das "böse" Lachen - Definitionen
III. Erkenntnisse über den Humor
1. Die Sicht des Volksmundes
2. Medizinische Aspekte
3. Psychologische Aspekte
4. Soziologische Aspekte
5. Philosophische Aspekte
IV. Humor in der Sozialpädagogik
1. Entwicklungspsychologie
2. Bedeutung der Sozialisation
3. Geschlechtsspezifische Aspekte
4. Funktionen des Humors in der Erziehung
EXKURS: Provokation und Humor: Neue Ansätze in der Psychotherapie
V. Humor in der sozialpädagogischen Praxis - zwei Beispiele
1. Lachen im Beratungsgespräch
2. Lachen mit chronisch Kranken
VI. Schlußbemerkung
VII. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht die Bedeutung und Wirkungsweisen von Lachen und Humor in der sozialpädagogischen Praxis. Das Hauptziel der Arbeit besteht darin, herauszuarbeiten, warum Humor, der in der Medizin und Psychologie bereits als heilsam erkannt wurde, auch in der Sozialpädagogik gezielt als therapeutisches oder unterstützendes Mittel eingesetzt werden kann, um Probleme zu relativieren und Klienten zu entlasten.
- Kategorisierung von Lachen (z.B. "gut" vs. "böse") und Humor.
- Wissenschaftliche Perspektiven auf Humor (Medizin, Psychologie, Soziologie, Philosophie).
- Die Rolle von Humor in der kindlichen Entwicklung und Sozialisation.
- Anwendungsmöglichkeiten von Humor in Beratungsgesprächen und in der Arbeit mit chronisch Kranken.
- Der therapeutische Nutzen von provokativen Ansätzen.
Auszug aus dem Buch
II. Das "gute" und das "böse" Lachen - Definitionen
Lachen ist nicht gleich Lachen. Wenn vom Lachen die Rede ist, dann ist meist das spontane, natürliche Lachen in komischen Situationen gemeint. Es gibt jedoch erheblich mehr Arten: das echte, fröhliche, befreiende, alberne, schallende, kokette, übermütige, ansteckende, unechte, hinterhältige, dumme, unterwürfige, kumpelhafte, arrogante, drohende, unbeherrschte, gehemmte, schadenfrohe, um nur einige zu nennen. Lachen kann verschiedene Ursachen und Absichten haben. Es hat viele Gesichter und muß nicht unbedingt etwas mit Humor zu tun haben, wie diese Varianten des Lachens zeigen:
Das höhnische oder das verspottende Lachen hat ebenso wenig mit dem Humor als Lebenshaltung zu tun wie das Lachen aus Schadenfreude. Diese Arten des Lachens möchte ich als "böses" Lachen bezeichnen, weil es als Waffe gegen jemanden eingesetzt wird, mit dem Ziel zu verletzen, zu kränken oder zu demoralisieren. Jeder weiß aus Erfahrung, wie unangenehm es ist, wenn jemand unfreiwillig komisch wirkt und sich Gelächter über ihn ergießt, ohne daß derjenige selbst mitlacht - er wird als Außenstehender zum Opfer.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Arbeit thematisiert das bisher vernachlässigte Feld des Humors in der Sozialpädagogik und stellt die Forschungsfrage nach dessen Bedeutung und praktischer Anwendbarkeit.
II. Das "gute" und das "böse" Lachen - Definitionen: Dieses Kapitel differenziert zwischen destruktiven Formen des Lachens als Waffe und konstruktiven, humorvollen Formen des Lachens.
III. Erkenntnisse über den Humor: Eine interdisziplinäre Untersuchung beleuchtet Humor aus volksmundlicher, medizinischer, psychologischer, soziologischer und philosophischer Sicht.
IV. Humor in der Sozialpädagogik: Dieses Kapitel analysiert die entwicklungspsychologischen Grundlagen, die Bedeutung der Sozialisation, geschlechtsspezifische Unterschiede sowie Funktionen des Humors in der Erziehung.
EXKURS: Provokation und Humor: Neue Ansätze in der Psychotherapie: Die Provokative Therapie nach Frank Farrelly wird als innovativer, humorbasierter therapeutischer Ansatz vorgestellt.
V. Humor in der sozialpädagogischen Praxis - zwei Beispiele: Praktische Anwendungsfelder für Humor werden anhand von Beratungsgesprächen und der Arbeit mit chronisch Kranken konkretisiert.
VI. Schlußbemerkung: Ein Fazit, das die Relevanz des Humors als personale Ressource und hilfreiches Instrument in der professionellen Sozialarbeit zusammenfasst.
Schlüsselwörter
Humor, Lachen, Sozialpädagogik, Gelotologie, Gesundheitsförderung, Psychotherapie, Provokative Therapie, Sozialisation, Entwicklungspsychologie, Stressabbau, Humorverständnis, Soziale Funktion, Lebenshaltung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit erforscht die Bedeutung und die Wirkungsweisen von Lachen und Humor in der sozialpädagogischen Praxis und setzt sich dafür ein, Humor als gezieltes Hilfsmittel in der sozialen Arbeit zu etablieren.
Welche thematischen Schwerpunkte werden behandelt?
Die Arbeit deckt die Definitionen von Lachen, interdisziplinäre wissenschaftliche Erkenntnisse (Medizin, Psychologie, Soziologie, Philosophie), humorvolle Erziehung, sowie spezifische Anwendungen in der Beratung und Therapie ab.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Humor als "Lebenshilfe" und therapeutisches Mittel genutzt werden kann, um den Betroffenen bei der Bewältigung von Belastungen und Krisen zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die Erkenntnisse aus verschiedenen Fachgebieten wie Psychologie, Medizin und Soziologie zusammenführt, um fundierte Rückschlüsse für die sozialpädagogische Praxis zu ziehen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Auseinandersetzung mit dem Humorverständnis, die Untersuchung der kindlichen Entwicklung und Sozialisation sowie die Darstellung konkreter Beispiele aus der therapeutischen und sozialpädagogischen Praxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Humor, Lachen, Sozialpädagogik, Provokative Therapie, Gesundheit, Selbstbehauptung, Stressabbau und pädagogisches Klima.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen "gutem" und "bösem" Lachen?
Die Autorin definiert "böses" Lachen als destruktive Waffe, die zur Demoralisierung und Abwertung anderer eingesetzt wird, während "gutes" Lachen konstruktiv ist, auf Mitgefühl basiert und dabei hilft, die Schwierigkeiten des Lebens gelassener zu betrachten.
Welche Rolle spielt die Provokative Therapie in diesem Zusammenhang?
Die Provokative Therapie dient als Exkurs, um aufzuzeigen, wie Humor und gezielte Provokation eingesetzt werden können, um psychische Blockaden zu lösen und Klienten zur Selbstverantwortung anzuregen.
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- Christiane Welding (Author), 1997, Lachen hilft Heilen. Humor in der Sozialpädagogik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34204