Wir leben heute in einer Zeit, wo das Internet unser Leben in vielfacher Weise beeinflusst. Es ändert die Art und Weise, wie wir lernen, uns Informationen beschaffen, Kontakte knüpfen und vieles mehr. Soziale Kontakte werden im Internet gepflegt, oder sogar gefunden. Das Internet ist zu einem festen Bestandteil unseres Lebens geworden, in dem Online-Einkäufe und ähnliche Aktivitäten, die man im Internet betätigt, zur Normalität geworden sind. Sie sind in unserer modernen, immer sich weiter entwickelten Gesellschaft, nicht mehr wegzudenken. Sie helfen uns mit der Komplexität der Welt klarzukommen.
Das Internet hat auch einen sehr großen Einfluss auf unsere Liebesbeziehungen und allgemein auf unser Verständnis von Liebe. Durch die vielfältigen Möglichkeiten wachsen unsere Ansprüche und es wird immer schwieriger einen Partner, der unseren Idealen entspricht, zu finden. Eva Illouz betrachtet die moderne Liebe als einen offenen Marktplatz, der durch Angebot und Nachfrage geregelt wird.
Die vorliegende Arbeit geht der Frage nach, wie sich die Liebe und damit verbundenen Partnerwahlkriterien im Verlauf der Zeit verändert haben. Dank des Internets haben die Menschen nämlich unzählige neue Möglichkeiten gewonnen, die die Suche nach ihrem Traumpartner ermöglichen aber nicht unbedingt einfacher gestalten. Zwei wichtige Varianten der Partnersuche im Internet bilden Singlebörsen und Partnervermittlungen. In Singlebörsen sind eher junge Leute zu finden, die auf der Suche nach Flirt und Spaß sind. Bei Partnervermittlungen handelt es sich um älteres Publikum, das an längerfristigen Partnerschaften interessiert ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Was ist Liebe?
2.1 Niklas Luhmann und seine Sicht auf die Liebe
2.2 Die Transformation der Liebe
3 Die Partnerwahl
3.1 Die Veränderung der Partnerwahlkriterien
4 Die Suche nach der Liebe im Internet
4.1 Online-Dating
4.1.1 Die Dating-Plattformen und die Vorstellung über die romantische Liebe
4.2 Partnerwahl im Internet
4.2.1 Kennenlernen Online vs. Offline
4.2.2 Übertragung der Online Freundschaften ins reale Leben
5 Schlussfolgerung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht soziologisch, wie sich das Verständnis von Liebe sowie die Kriterien der Partnerwahl im Zuge der Digitalisierung und der Etablierung des Internets als Heiratsmarkt gewandelt haben.
- Die soziologische Einordnung der Liebe als Kommunikationsmedium nach Niklas Luhmann.
- Die Transformation romantischer Beziehungen durch marktbasierte Strukturen und das Internet.
- Vergleich der Dynamiken von Online-Dating-Plattformen und traditionellen Kennenlernwegen.
- Die Herausforderungen bei der Übertragung virtueller Bekanntschaften in reale Partnerschaften.
- Der Einfluss der Selbstpräsentation und Objektivierung auf die Partnerwahl.
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Kennenlernen Online vs. Offline
Wenn man sich einerseits den Prozess des Kennenlernens im Internet, andererseits des wirklichen Lebens anschaut, so stellt sich die Frage, ob die beiden in ähnlicher Form zu Stande kommen.
So behauptet Hofele, dass ein Kennenlernen im Internet ähnlich wie im realen Leben stattfindet. Die Frauen gehen jedoch im Netz offener auf die Männer zu als sie es im wirklichen Leben tun. Mit Worten von Hofele ausgedrückt: „Man könnte also sagen, dass das Flirt-Verhalten in Online-Singlebörsen ein Verhalten im realen Leben wiederspiegelt, welches dem männlichen Geschlecht traditionell den aktiven Part zuteilt. Trotzdem scheint es Online einfacher zu sein, auf andere zuzugehen.“ Positiv gesehen wird also in den Single-Portalen, das Faktum, dass man hier die „Hemmungsschwellen“ überwinden kann und schnell den Kontakt zu einem Anderen aufnimmt. So sagte ein Informant zu der oben zitierten Forscherin: „Es gibt sehr viele Leute, die im realen Leben erhebliche Probleme haben, jemanden anzusprechen. Da ist das Internet sicher einfacher.“ Wer aber Online-Kontakte knüpft, muss leider auch damit rechnen, dass sie genauso schnell auseinander gehen können.
Im Netz ist es auch einfacher, Abweisungen zu bekommen. Viele Leute stufen es als angenehmer ein, weil sie der Person nicht gegenüber stehen und in die Augen schauen müssen. Ein großer Unterschied besteht auch darin, dass man nach einer Abfuhr im Netzt direkt weiter suchen kann, was im wirklichen Leben nicht so schnell geht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Relevanz des Internets für soziale Kontakte und die Forschungsfrage zur Veränderung der Partnerwahlkriterien.
2 Was ist Liebe?: Theoretische Fundierung des Liebesbegriffs durch Erich Fromm und andere Autoren als aktive Leistung.
2.1 Niklas Luhmann und seine Sicht auf die Liebe: Analyse der Liebe als symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium innerhalb der Systemtheorie.
2.2 Die Transformation der Liebe: Historische Betrachtung des Wandels romantischer Beziehungen von gesellschaftlichen Zwängen hin zu individuelleren Wahlmöglichkeiten.
3 Die Partnerwahl: Allgemeine Darstellung der Rivalität bei der Partnersuche und die Entwicklung hin zu einer marktähnlichen Logik.
3.1 Die Veränderung der Partnerwahlkriterien: Untersuchung, wie sich Anforderungen an Partner durch gesellschaftliche Veränderungen und technische Medien wie das Internet verschoben haben.
4 Die Suche nach der Liebe im Internet: Einleitung in die Bedeutung des Online-Datings als moderne Form der Partnersuche.
4.1 Online-Dating: Überblick über die Funktionsweise und das wirtschaftliche Potenzial spezialisierter Single- und Partnerbörsen.
4.1.1 Die Dating-Plattformen und die Vorstellung über die romantische Liebe: Untersuchung der Ambivalenz zwischen dem Wunsch nach romantischer Liebe und der zweckgerichteten aktiven Suche.
4.2 Partnerwahl im Internet: Analyse des Einflusses von Profilerstellung und Selbstpräsentation auf den Auswahlprozess.
4.2.1 Kennenlernen Online vs. Offline: Vergleich der Dynamiken bei der Kontaktaufnahme in virtuellen versus physischen Räumen.
4.2.2 Übertragung der Online Freundschaften ins reale Leben: Diskussion der Hürden und Erfolgsfaktoren beim ersten Treffen nach virtuellem Kontakt.
5 Schlussfolgerung: Synthese der Ergebnisse über die veränderten Partnerwahlkriterien und die Herausforderungen der Liebe im digitalen Zeitalter.
Schlüsselwörter
Liebe, Partnerwahl, Internet, Online-Dating, Niklas Luhmann, Soziologie, Partnervermittlung, Singlebörsen, Romantische Liebe, Heiratsmarkt, Kommunikationsmedium, Selbstpräsentation, Digitale Transformation, Soziale Kontakte, Beziehungsformen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit thematisiert den soziologischen Wandel der Liebe und der Kriterien bei der Partnerwahl unter dem Einfluss des Internets.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der Systemtheorie der Liebe, der Transformation romantischer Märkte und der Praxis des modernen Online-Datings.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu ergründen, wie sich Liebeskonzepte und Partnerwahlkriterien im Zeitverlauf verändert haben, insbesondere durch die neuen Möglichkeiten und Anforderungen der virtuellen Suche.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit basiert primär auf einer theoretischen Aufarbeitung soziologischer Literatur (u.a. Luhmann, Illouz) sowie der Analyse von empirischen Studien zum Online-Dating.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Definition der Liebe, die Analyse des Heiratsmarktes und die spezifische Untersuchung der Mechanismen von Dating-Plattformen.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie "Kommunikationsmedium", "Heiratsmarkt", "selbstregulierende Kontaktmärkte" und "digitale Transformation" charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Online-Suche laut der Autorin vom Kennenlernen im realen Leben?
Während im Internet die "Anziehung" oft durch Profile vorweggenommen wird und eine stärkere Objektivierung stattfindet, fehlt beim virtuellen Kennenlernen das wichtige "Live-Erleben" und die unmittelbare physische Resonanz.
Warum wird die Partnerwahl im Internet als "marktähnlich" bezeichnet?
Die Arbeit beschreibt, wie Nutzer auf Portalen als "Bündel von Attributen" betrachtet werden, was eine rationale Kalkulation von Angebot und Nachfrage begünstigt, ähnlich wie auf einem kapitalistischen Markt.
Welche Rolle spielt die Selbstpräsentation bei der Online-Partnersuche?
Die Selbstpräsentation wird zu einer zentralen Anforderung, bei der das private Selbst in einen "öffentlichen Auftritt" transformiert wird, um auf dem digitalen Heiratsmarkt zu bestehen.
Was ist das zentrale Fazit der Autorin bezüglich der Erfolgsaussichten beim Online-Dating?
Obwohl das Internet neue Möglichkeiten schafft, zeigt die Realität, dass das Finden einer dauerhaften "großen Liebe" auch online schwierig bleibt und oft durch Enttäuschungen geprägt ist, da die bildhafte Präsentation häufig wichtiger ist als die tieferen Charaktereigenschaften.
- Quote paper
- Kamila Cyrulik (Author), 2013, Die Veränderung der Liebe und der Partnerwahlkriterien. Liebesbeziehungen früher und in Zeiten des Internets, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/342078