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Die Gretchenhandlung in Johann Wolfgang von Goethes Faust I. Raumsemantische Betrachungen

Titel: Die Gretchenhandlung in Johann Wolfgang von Goethes Faust I. Raumsemantische Betrachungen

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2016 , 22 Seiten

Autor:in: Florian Leiffheidt (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

„So schreitet in dem Bretterhaus / Den ganzen Kreis der Schöpfung aus, / Und wandelt mit bedächt'ger Schnelle / Vom Himmel durch die Welt zur Hölle.“ (V. 241 f.) Bereits dieses Eingangszitat aus dem Vorspiel auf dem Theater des Faust I von Johann Wolfgang von Goethe verdeutlicht die ungemeine Fülle an zu erkundenden Räumen, Plätzen und Orten innerhalb des Bühnenwerkes. Straßen, Stuben, Gärten, sakrale wie weltliche oder gar heidnisch-okkulte Schauplätze – sie alle finden ihren Platz im Drama des ewig strebenden Faust. In ihnen wird monologisiert, reflektiert und ebenso agiert wie interagiert.

Doch welche Bedeutungen besitzen die vorhandenen Räume für die in ihnen geschehenden Handlungen und die in ihnen agierenden Figuren? Welche semantischen Beziehungen lassen sich zwischen einzelnen Szenen bzw. Szenengruppen konstatieren? Entstehen letztlich die Handlungen 'lediglich' durch mögliche Überschreitungen räumlicher oder sozialer Grenzen?

Auf diese Fragen soll der vorliegende Text den Versuch einer Antwort wagen, wobei keineswegs der gesamte Faust, nicht einmal der gesamte erste Teil, sondern lediglich eine der wesentlichen Handlungen im Zentrum stehen soll: Die Handlung um Faust und Margarete, genannt Gretchen. Hierfür soll die Theorie der Raumsemantik nach Lotman auf die Gretchenhandlung angewendet werden, um mögliche (raum)semantische Bezüge innerhalb des Handlungsverlaufes ausmachen und darstellen zu können.

Hierzu soll zunächst in einem theoretischen Abschnitt sowohl die Raumsemantik nach Lotman erläutert als auch an einem Beispiel veranschaulicht werden. Anschließend folgen Aussagen zur Gretchenhandlung und ihrem Inhalt innerhalb des Faust I. Im Zentrum des Textes soll ein raumsemantischer Streifzug durch die Gretchenhandlung stehen, dessen Ziel es sein ist, anhand beispielhafter Szenen semantische Beziehungen gemäß der Theorie von Lotman zu beschreiben und durch Sekundärliteratur zu belegen. An die Betrachtungen raumsemantischer Art schließt sich eine Betrachtung der Gretchenhandlung unter dem Aspekt der Grenzüberschreitungen an. Schließlich werden die durch diesen Text erlangten Einsichten noch einmal zusammenfassend und abschließend formuliert. Einsichten in ein Thema, möglicherweise aber auch neue Einsichten in alte, seit langem bestehende Räume.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Vorbemerkungen

2.1 Raumsemantik nach LOTMAN

2.2 Handlung als Grenzüberschreitung

3 Inhalt der Gretchenhandlung innerhalb des Faust I

3.1 Position innerhalb des Faust I

4 Raumsemantische Betrachtungen innerhalb der Gretchenhandlung

4.1 Stadt, Garten, Natur – eine raumsemantische Trias?

4.2 Privatheit und Öffentlichkeit als raumsemantische Opposition

5 Grenzüberschreitungen im Verlauf der Gretchenhandlung

5.1. Faust

5.2 Margarete / Gretchen

6 Schlussbemerkungen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Gretchenhandlung in Goethes Faust I unter Anwendung der raumsemantischen Theorie von Jurij Lotman. Ziel ist es, die semantische Aufladung verschiedener Handlungsräume und die Bedeutung von Grenzüberschreitungen für die Konstituierung der tragischen Handlung zu analysieren.

  • Raumsemantik nach Lotman als methodischer Rahmen
  • Die Oppositions-Trias von Stadt, Garten und Natur
  • Die Spannung zwischen privaten Rückzugsräumen und öffentlicher Moral
  • Grenzüberschreitungen als handlungsstiftende Ereignisse
  • Soziale und religiöse Implikationen der Gretchen-Tragödie

Auszug aus dem Buch

Privatheit und Öffentlichkeit als raumsemantische Opposition

Privatheit und Öffentlichkeit bilden ein weiteres interessantes Paar innerhalb der Gretchenhandlung. Das Wechselspiel von Handlungen, welche in engen, abgeschlossenen und somit geschützten Räumen stattfinden und solchen, welche im öffentlichen Raum geschehen, gestaltet sich gerade im späteren Verlauf der Handlung um Margarete und Faust zu einem interessanten Untersuchungsgegenstand. Betrachtet man die Szenen, welche mit Begriffen wie 'privat', 'geschützt' versehen werden können, so kann man, bei einer Beschränkung auf die Figur der Margarete resp. des Gretchens, feststellen, dass die stattfindenden Reflexionen sich selten auf die eigene Person beziehen, viel mehr drehen sich die Gedanken um Faust, eine ihr zunächst unbekannte Person, welche sie schließlich kennen und letztlich lieben lernt.

Dass sie nicht nur gedanklich, sondern auch bezüglich ihrer Taten sich selber in den Hintergrund stellt (weniger als sie sich dorthin stellen lässt), bemerkt sie am Ende der Szene Marthens Garten nach der Planung des intimen Treffens mit Faust (vgl. 3524 f.). Anders, geradezu entgegengesetzt verhält es sich, wenn Margarete im öffentlichen Raum der Stadt agiert und in ihm mit Aussagen anderer konfrontiert wird. Ein Beispiel hierfür ist die Szene Am Brunnen, in welcher sie die Geschichte von Bärbelchen erfährt – hier nun tritt Margarete heraus aus dem privaten in einen öffentlichen Raum und ist somit auch den damalig geltenden Konventionen und Erwartungen ausgesetzt. Gerade die Szene Am Brunnen ruft die drohenden Konsequenzen einer unehelichen Liebe und einer daraus resultierenden unehelichen, ungewollten Schwangerschaft in Margarete hervor. Sie sieht ihre Gedanken, welche sie im privaten Raum hegte, nun mit der Außenwelt der Stadt konfrontiert und erkennt schnell, wie unversöhnlich beide sich gegenüber stehen. Der Brunnen wird somit nicht nur zu einem Ort der Kommunikation, er fungiert ebenso als eine Art Umschlagplatz für kursierende Wahrheiten, Halbwahrheiten und auch Gerüchte.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Fragestellung nach der Bedeutung von Räumen und Grenzüberschreitungen in der Gretchenhandlung von Goethes Faust I vor.

2 Theoretische Vorbemerkungen: Hier wird die raumsemantische Theorie nach Lotman erläutert, die Räume als semantisch aufgeladene Orte und Handlung als Grenzüberschreitung definiert.

3 Inhalt der Gretchenhandlung innerhalb des Faust I: Dieser Abschnitt gibt einen Überblick über den Verlauf der Gretchenhandlung innerhalb des Dramas.

4 Raumsemantische Betrachtungen innerhalb der Gretchenhandlung: Dieses Kapitel untersucht die Dichotomie zwischen Stadt und Natur sowie das Spannungsfeld zwischen privatem und öffentlichem Raum.

5 Grenzüberschreitungen im Verlauf der Gretchenhandlung: Hier werden die Grenzübertritte von Faust und Margarete analysiert, die maßgeblich zur tragischen Eskalation beitragen.

6 Schlussbemerkungen: Die Arbeit fasst die Erkenntnisse zusammen und resümiert das Potenzial raumsemantischer Analysen für das gesamte Werk.

Schlüsselwörter

Faust I, Johann Wolfgang von Goethe, Raumsemantik, Jurij Lotman, Gretchenhandlung, Grenzüberschreitung, Literaturwissenschaft, Privatheit, Öffentlichkeit, Drama, Szenenanalyse, Semantisierung, soziale Konventionen, Kindsmord, Literaturtheorie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die räumlichen Strukturen und deren Bedeutung in der Gretchenhandlung von Goethes Faust I.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Raumsemantik, das Spannungsfeld zwischen individuellem Handeln und gesellschaftlichen Zwängen sowie das Motiv der Grenzüberschreitung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, anhand der Theorie von Jurij Lotman aufzuzeigen, wie Räume semantisch aufgeladen werden und wie Grenzübertritte das Schicksal der Figuren bestimmen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Untersuchung nutzt die raumsemantische Analysemethode nach Jurij Lotman, ergänzt durch textnahe Szenenanalysen und den Einbezug aktueller Sekundärliteratur.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die inhaltliche Einordnung der Gretchenhandlung, die raumsemantische Betrachtung von Handlungsorten und die Analyse spezifischer Grenzüberschreitungen der Protagonisten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Raumsemantik, Grenzüberschreitung, Gretchenhandlung, Faust I, Privatheit und Öffentlichkeit.

Welche Rolle spielt der Garten in der Untersuchung?

Der Garten wird als ein Ort analysiert, der sowohl als geschützter privater Rückzugsraum als auch als Ort des Sündenfalls und der gesellschaftlichen Entdeckung fungiert.

Wie unterscheidet sich die Flucht von Faust und Margarete?

Während Margarete sich in ihre privaten Gemächer zur Reflexion zurückzieht, flüchtet Faust durch räumliche Mobilität in die weite Natur, was seine Unstetigkeit widerspiegelt.

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Details

Titel
Die Gretchenhandlung in Johann Wolfgang von Goethes Faust I. Raumsemantische Betrachungen
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Deutsche Philologie)
Veranstaltung
Seminar "Faust. Zugänge"
Autor
Florian Leiffheidt (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2016
Seiten
22
Katalognummer
V342100
ISBN (eBook)
9783668317338
ISBN (Buch)
9783668317345
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Goethe Faust Gretchen Lotman Raum Raumsemantik; Drama Räume Semantik Klassik Theater Mephisto Marthe Valentin Gretchenhandlung Gretchentragödie Tragödie Garten Gartenhäuschen Kerker Wald und Höhle Gretchens Stube Am Brunnen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Florian Leiffheidt (Autor:in), 2016, Die Gretchenhandlung in Johann Wolfgang von Goethes Faust I. Raumsemantische Betrachungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/342100
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  22  Seiten
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