Die Bildungskrise bei männlichen Jugendlichen. Was könnten individuelle und institutionelle Gründe für das schlechte schulische Abschneiden der Jungen sein?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Pisa-Studie

3. Entwicklungspsychologische Faktoren

4. Genderfaktoren

5. Unser Bildungssystem

6. Precht`s Forderung nach einer Bildungsrevolution

7.Fazit

Literaturverzeichnis

Die Bildungskrise bei Männlichen Jugendlichen:

Was könnten individuelle und institutionelle Gründe für das schlechte schulische Abschneiden der Jungen sein?

1.Einleitung

In den letzten Jahrzehnten hat sich unsere Gesellschaft sehr gewandelt, dies hatte auch Auswirkungen auf unser Bildungssystem. Durch die 69er Bewegung und die damit verbundene Frauenbewegung trat die Gleichberechtigung der Frau in den Focus. Hierdurch kam es schleichend in den vergangenen 30 Jahren zu einer Vernachlässigung der Bildung von Jungs. In den späten 60ern galten Mädchen vom Land als Bildungsverlierer, heute sind an diese Stelle Männliche Immigranten aus der Arbeiterschicht gerückt. Hier stellt sich die Fragen ob unser Bildungssystem den gewandelten Anforderungen gerecht wird.

Wie der Titel dieser Arbeit schon vermuten lässt, soll hierbei die Fragestellung erörtert werden, ob Männliche Jugendliche in einer Bildungskrise stecken. Wenn ja durch welche Faktoren wird sie ausgelöst und wie können wir diesem Problem begegnen. Um zu klären ob die Bildungskrise von Männlichen Jugendlichen tatsächlich existiert, ist es notwendig die Ergebnisse der Pisa-Studie zu Vergleichen.

Und anschließend die Faktoren der Entwicklungspsychologie und ihren Einfluss auf das Lernverhalten von Jungen zu analysieren. Der Gender-Faktor ist hierbei auch nicht zu vernachlässigen, die Feminisierung in unseren Bildungseinrichtungen beeinflusst die Männlichen Jugendlichen von klein auf in ihrem lernverhalten. In diesem Zuge bleibt ein Kritischer Blick auf unser bestehendes Bildungssystem nicht aus. Hierzu bietet es sich an Richard David Precht mit seiner Forderung nach einer Bildungsrevolution zu Rate zu ziehen. In dieser Arbeit soll geklärt werden, ob wir eine Drastische Veränderung des Bildungssystems brauchen, und ob es besonders wichtig ist den Gender-Faktor zu berücksichtigen. Also die Frage zu klären; Brauchen wir eine spezielle Förderung für unsere Jungen.

2. Pisa-Studie

Im Jahr 2000 fand die erste Pisa-Studie statt, sie brachte erschreckende Ergebnisse ans Tageslicht. Deutschland erreichte bei den Lesekompetenzen gerade mal Platz 9 von 13, somit lag Deutschland unter dem OECD-Durchschnitt. Finnland belegte Platz eins darauf folgten Kanada, Neuseeland, Australien, Norwegen, Frankreich und die Vereinigten Staaten lagen über dem Durchschnitt, Spanien, Deutschland, Portugal, die Russische Föderation, Mexiko und Brasilien bildeten das Schluss Licht. In Deutschland stellte sich das Defizit im lesen wie folgt da, annähernd 25% der SchülerInnen verfügten nur über minimale Lesefähigkeiten somit gehören sie zur „Risikogruppe“. Hiervon liegen fast 10% unter Kompetenzstufe I, diese 10% teilen sich in die Hälfte SchülerInnen mit Migrationshintergrung und zwei Drittel männliche Jugendliche, größtenteils aus Haupt und Sonderschulen. Ein großer Aufschrei ging durchs Land, „wir die Dichter und Denker“ und dann so ein schlechtes abschneiden im lesen. Getestet wurden 15Jährige in Basis-Kompetenzen, für diese sollten sie schon in den ersten Grundschuljahren den Grundstein gelegt haben. Also stellte man sich die Fragen, was läuft falsch, wer ist schuld an dieser Krise. Die Unterschiedlichsten Theorien wurden aufgestellt. Eine Lösung ist bis heute nicht gefunden worden. Während der Pisa-Studie wurden die Schüler und Schülerinnen auch zu ihrem leseverhalten befragt. Hier viel bei den Antworten auf das die Jungen kaum einen Zugang zu Literatur finden. Hier trafen 26,4% der Mädchen die Aussage „Ich lese nur, wenn ich muss“ bei den Jungs waren es 51,8%. Bei der Überprüfung der Basiskompetenzen in Mathematik viel auf das Jungs hier etwas besser abschnitten als Mädchen. Dieser Leistungsunterschied ist allerdings wesentlich geringer als der Signifikant höhere Testwert der Mädchen im lesen. Im laufe des 20. Jahrhunderts stiegen die Bildungsmöglichkeiten der Mädchen zunehmend. Besonders in den 1960er Jahren konnten die Mädchen die Bildungsexpansion für sich nutzen. Erst in den späten 1980er Jahren entwickelte sich ein Bewusstsein für die „Bildungskrise der Jungen“. Diese Krise zeigt sich wie folgt: Jungen erreichen häufiger niedrige Schulabschlüsse, es tauchen vermehrt Probleme im Sozial- verhalten auf, Jungen legen ein riskanteres Gesundheitsverhalten an den Tag und haben häufiger politische Einstellungen in Richtung Fremdenfeindlichkeit. Schon bei der Einschulung stehen die Jungen hinten an, sie werden häufiger zurückgestellt als Mädchen (über 60%), dies erzeugt allerdings keine besseren Start Bedingungen.

Auch bleiben Jungen häufiger sitzen als Mädchen, hier liegt das Verhältnis circa bei 60 zu 40Prozent. Auch im Bereich der Sonderschulen bzw. Förderschulen ist eine auffällig wachsende Tendenz zu beobachten. Jungen werden viel häufiger dorthin überwiesen als Mädchen. Seit den 70ern steigen die Zahlen konstant, während es 1960 60% Jungen waren es im Jahr 2003 schon 64%. In den letzten Jahrzehnten ist zu beobachten das Jungen immer seltener das Abitur machen. Während 1970 unter den Abiturienten noch 60% Jungen waren, im Jahr 2005 waren es nur noch 44%. Es handelt sich hier um ein relatives Versagen der Jungen, die meisten Schüler und Schülerinnen erreichen heute höhere Schulabschlüsse als ihre Eltern und Großeltern. Das Problem das hier zu beobachten ist, besteht in einer stetig steigenden Minderheit. Hier sind folgende Risikofaktoren zu benennen, Männliches Geschlecht, untere Sozialschicht und Migrationshintergrund. Wie kann man sich die Bildungskrise erklären, hierfür gibt es verschiedene Erklärungsansätze. Der zunehmenden Feminisierung der Erziehung wird ein Anteil an der Bildungskrise der männlichen Jugendlichen nachgesagt. Im Jahr 1960 unterrichteten in Grundschulen 45% Frauen, im Jahr 2004 waren es 86% somit hat sich der Anteil der Frauen im Grundschulwesen innerhalb von 44Jahren fast verdoppelt. Sieht man sich die Statistik für das gesamte Schulwesen an waren es 1960 41%Frauen und 2004 66%. Ob zwischen der steigenden Anzahl weiblicher Lehrkräfte und dem Leistungsrückgang männlicher Jugendlicher ein Kausalzusammenhang besteht ist nicht sicher. Es gibt bis lang kaum Wissenschaftliche Belege für einen Zusammenhang zwischen den Leistungen von Schülern und dem Geschlecht der Lehrkräfte. Es gibt allerdings die Theorie dass die weiblichen Lehrkräfte unbewusst dazu neigen Literatur zu wählen die eher die Mädchen anspricht. Hierdurch könnte das schlechte abschneiden der Jungen im lesen erklärt werden. Der Konsum von Medien wird auch als Auslöser der Bildungskrise verdächtigt. Durch übermäßig viel Fernsehen, Internet und Videospielen drohe jeder dritte Junge abzurutschen. Die Folge dessen währen, schlechte Schulleistungen und der Hang zu Gewalttätigkeiten. Zu diesem Schluss kommt Prof. Dr. Christian Pfeiffer (Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen). Desweiteren werden diese Medien auch verdächtigt die Kinder von der Literatur zu entfremden. Die Hypothese hierfür ist, das diese Medien inhaltlich und formal die Interessen von Jungen besser bedienen als der Großteil der aktuellen Kinderliteratur. Ein weiterer Ansatz ist die „Krise der Männlichkeit“, da es heute eine gestiegene Anforderung an die Konstruktion vielfältiger „Männlichkeiten“ gibt, sind die Jungen mit den Anforderungen der Konstruktion einer „modernen Geschlechtsidentität“ überfordert. Der letzte Erklärungsansatz ist die Mangelnde Passung zwischen Jungen und Schule, Da Jungen tendenziell andere Verhaltensweisen an den Tag legen wie Mädchen ist das Ökosystem Schule für das Lernen und die Entwicklung von Jungen ungünstig. Da die Fähigkeiten und Interessen von Jungen im Unterrichtsinhalt und den Lehrmethoden nicht befriedigt werden. Wo liegt jetzt also die Lösung des Problems, laut Rohrmann muss eine Schule, um Jungengerecht zu sein eine gute Schule sein. Da Jungen durch schlechtes Verhalten auf Probleme aufmerksam machen die alle Schüler und Schülerinnen betreffen. (Internet-Quelle, Garbe 2009, Ist die Bildungskrise eine Krise der Jungen?, Hannover)

3. Entwicklungspsychologische Faktoren

Um die Frage zu klären wie es um die Bildungsbereitschaft der Jungen und Männlichen Jugendlichen steht, ist ein Blick in die Entwicklungspsychologie hilfreich. Laut Piaget treten Kinder zwischen dem fünften und sechsten Lebensjahr in die Phase des konkret operatorischen Denkens ein, sie sind zu einfachen logischen Operationen in der Lage, sie denken kaum abstrakt und sind an konkrete Phänomene gebunden (Piaget/Inhelder 1975). Daher fällt es Erstklässlern schwer mit der Klassischen Unterrichtsmethodik und dem Alltag in Klassischen Schulen umzugehen. Da in unserem momentanen Bildungssystem kein Raum ist um Individuell auf die Bedürfnisse der Schüler und Schülerinnen einzugehen. Im Gegenteil es wird erwartet das die Kinder sich dem Schulbetrieb vollkommen unterordnen. Da hier davon Ausgegangen wird das Grundschüler nicht in der Lage sind eigene Hypothesen zu bilden und mit diesen zu Arbeiten. Sodian ging 1998/2000 der Frage nach, ob Kinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren nicht doch in Ansätzen, in der Lage sind Hypothesen zu bilden und über die Wege ihrer Überprüfung nachzudenken. Sie kam zu dem Ergebnis das Kinder am Ende des Grundschulalters dies teilweise schon können. Hier stellt sich die Frage ob es Kindern möglich wäre diese Fähigkeit früher auszubilden, wenn man sie gezielt dorthin fördert. Und in wieweit die Entwicklung von Kindern durch andere

Unterrichtsmethoden positiv beeinflusst werden kann. Laut Selman vollziehen sich im Bereich der sozialen Kognitionen bedeutsame Entwicklungen. Diese sind allerdings zunehmend altersinhomogen und sowohl von der kognitiven Kompetenz Entwicklung als auch von den sozialen Erfahrungen des Kindes abhängig. (vgl. Reader/Köckeritz, Christine [2004] S.42 u. 43) Demnach ist das soziale Umfeld in dem die Kinder leben und lernen von maßgeblicher Bedeutung für Ihre Entwicklung und die damit verbundenen Kompetenzentwicklungen. Für Kinder stellt die Schule ein Feld für Kompetenzerfahrungen da, die Einschulung stellt sie vor vollkommen neue Entwicklungsaufgaben. Hier sollen sie in der institutionellen und sozialen Umgebung der Schule möglichst positive Erfahrungen mit eigenen Kompetenzen und Stress Bewältigung machen. Durch die Auseinandersetzung mit dieser Aufgabe erwerben die Kinder nicht nur Schulisches Wissen, sondern auch differenziertere Deutungs- und Handlungsmuster für die Mitgestaltung der sozialen Zusammenhänge außerhalb der Familie. Die Schüler sind damit konfrontiert das die Außenwelt, in diesem Fall das Lehrpersonal sie differenziert als Mädchen und Jungen wahrnimmt, und so auf sie reagiert. Als Schulanfänger zeigen die Kinder große Lernfreude und schätzen ihre eigene Lernfähigkeit überdurchschnittlich gut ein. Mit zunehmendem Alter wird dies durch das tatsächliche Notenbild abgelöst. (vgl. Reader/Köckeritz, Christine [2004] S. 45) Die Kontextbedingungen des schulischen Lernens haben einen großen Einfluss auf das selbstbild der Leistungsfähigkeit der Schulkinder. Krampen stellte fest das offene Unterrichts-Methoden, positives sozio-emotionales Lernklima und individuelle Rückmeldungen über Lernfortschritte Schülern helfen zu sehen das sich eigene Anstrengungen lohnen. Leider sieht der Schulalltag oft anders aus, es zeigt sich schon gegen Ende der Grundschulzeit ein Rückgang der Lernfreude (Helmke 1993). Die feministische Bildungsforschung hat festgestellt das Mädchen und Jungen in der Schule unterschiedlich angesprochen werden. In einer Studie 1982 fanden Frasch und Wagner heraus das Jungen im Unterricht häufiger aufgerufen, gelobt, getadelt, ermahnt und angesprochen werden als ihre Mitschülerinnen. Eisenberg stellte 1996 fest, dass Lehrer Jungen gezielt für intellektuelles Arbeiten lobben, während Mädchen willkürlich gelobt werden. Horstkemper stellte 1987 fest das die Entwicklung von leistungsbezogenem Selbstbewusstsein bei Jungen und Mädchen

Durch die ungleiche Behandlung in Schulen beeinflusst wird. Mädchen bringen zwar die besseren Schulleistungen trotzdem haben Jungen ein deutlich stärkeres Selbstvertrauen und weniger leistungsbezogene Ängste. (Reader/ Köckeritz, Christine [2004] S. 46 u. 47) Ob die Feststellung von Horstkemper aus den späten 1980ern heute im 21 Jahrhundert noch gänzlich zutrifft ist fraglich, in unserer hoch Technologiesierten und Erwebsarbeitszentrierten Gesellschaft ist es wahrscheinlich das auch die Jungen leistungsbezogene Ängste haben. In der Konstanzer Längsschnittstudie wurde deutlich das Schüler in Deutschland ab der 7. Klasse mit Beginn der Pubertät, sich vom Schulbetrieb distanzieren. Dies wird deutlich durch den Rückgang der Lernbereitschaft und anstieg von Disziplinschwierigkeiten. Aus Entwicklungspsychologischer Sicht ist die Distanzierung und Differenzierung gegenüber dem Unterricht und Lehrern sinnvoll. Da sich die Jugendlichen durch diesen Entwicklungsschritt von Autoritäten unabhängig machen und somit eigenständige Interessenstrukturen entwickeln können. Die Schüler distanzieren sich von der Schule, da die Art des Unterrichts für sie fast nicht nachvollziehbar ist. Ob die Schüler diese Distanzierung gut überstehen hängt von verschiedenen Faktoren ab, der Leistungskultur in einer Gesellschaft, den Pädagogischen Konzeptionen, dem kulturellen Milieu der Schulkinder und dem Verhältnis zu den Eltern. Ein positives Lernumfeld und unterstützende Lehrer, sowie motivierte Mitschüler können Jugendliche in dieser Phase unterstützen, Leistungsstabil zu bleiben. Schüler erleben den Lernstoff in der Schule als Lebensfern und die Notengebung als ungerecht und schikanös. Durch Misserfolge werden die Jugendlichen in ihrer Lebenszufriedenheit und Zukunftsgewissheit verunsichert. Schüler und Schülerinnen erwarten von ihren Lehrern gelingenden und interessanten Unterricht sowie Respekt und Freiheitsgrade. Dies bietet unser Schulsystem leider viel zu selten. Die Kinder und Jugendlichen empfinden das Schulsystem häufig als Zumutung. (Reader/Köckeritz, Christine [2004] S. 55 u. 56)

4. Genderfaktoren

Da es hier um die Bildungskrise bei Männlichen Jugendlichen geht, gilt es auch den Genderfaktor nicht zu vernachlässigen. Die seit den 1970er Jahren existierende Frauenbewegung und die daraus resultierende feministische Mädchenarbeit haben die Chancen von Mädchen und Frauen erheblich Verbessert. Aus diesem Kontext heraus wurde die Jungenarbeit gebildet, zur Umsetzung dieses Ansatzes wünscht man sich bis heute mehr Männliche Pädagogen, die es leider nicht gibt. Für die Notwendigkeit genderbezogener Pädagogik, gibt es vielfache theoretische und empirische Belege. Sogar im Gesetz hat dies schon Einzug gehalten, §9.3 KJHG besagt: Die besonderen Lebenslagen von Mädchen und Jungen zu berücksichtigen, Benachteiligung abzubauen und die Gleichberechtigung zu fördern sind. (vgl.Reader/Böllert, Karin/Karsunky, Silke [2008] S.49) Geschlechterpädagogik arbeitet mit einer gemeinsamen Pädagogik unter Anerkennung von geschlechtshomogenen und koedukativen Arbeitsweisen. Sie nimmt die Dynamik zwischen den Geschlechtern war und arbeitet auf Geschlechterdemokratie hin (vgl./s.o.S.52). In den 1990ern vollzog sich der Wandel vom Streit über den „richtigen“ Ansatz hin zur Pädagogischen Professionalität. Durch den Begriff der „Reflexiven Koedukation“ brachte das Geschlechterverhältnis in den Blick der Schulen. Dies brachte bis heute leider kaum Erfolge. Es ist auffällig das Jungen trotz des größeren Selbstwertgefühls und der geringeren Leistungsängste die schlechteren Schulischen Leistungen bringen. Liegt dies vielleicht an dem Verhalten der Lehrer/innen gegenüber den Schülern? Wenn dies der Grund ist, liegt die Lösung auf der Hand. Wir müssten nur lernen die Verschiedenheit der Mädchen und Jungen zu schätzen und auf die Fähigkeiten und Bedürfnisse jedes einzelnen Einzugehen. „In den 1990er Jahren fand Annedore Prengels Theorie von einer „Egalitären Differenz“ hohe Resonanz. Es könne keine Gleichheit im Sinne der Durchsetzung gleicher Rechte ohne die Anerkennung von Verschiedenheit geben.“ (Reader/Böllert, Karin/Karsunky, Silke [2008] S.55 Zeile 6-8, Zitat) Die dringend benötigte End-Dramatisierung des Geschlechterverhältnisses lässt leider auf sich warten. Liegt dies vielleicht an mangelnder Genderkompetenz? Dies ist wahrscheinlich der Grund für die Misere, vielleicht würden sich zu diesem Thema großangelegte Fortbildungen für Lehrer/innen, Pädagogen und Erzieher/innen anbieten. Hierdurch könnte ein erster Schritt in Richtung Chancengleichheit der Geschlechter erreicht werden. Ab 2000 gab es einen neuen Ansatz zur Geschlechtergerechtigkeit, diese sollten durch das gemeinsame Arbeiten der Geschlechter in gemeinsamer Verantwortung erarbeitet und umgesetzt werden. Heute definiert man Genderkompetenz darin, ohne feste Leidbilder auszukommen und offen zu bleiben für die Entwicklungen von Jungen und Mädchen. Pädagogen sollen die Kinder und Jugendlichen in ihren individuellen Suchbewegungen im Prozess des Doing Gender begleiten.(vgl. Reader/s.o.S.55u.56)

5. Unser Bildungssystem

Die Schule stellt für Kinder und Jugendliche die zweit wichtigste Sozialisationsinstanz da, sie hat das Ziel den Schülern und Schülerinnen Bildung und Erziehung zu vermitteln. Und bei der Herausbildung eines stabilen Selbstwertes zum Umgang mit Herausforderungen zu Helfen. Der Leistungsdruck, soziale Konkurrenz, schlechtes Klassenklima und Ausgrenzungssituationen können bei Kindern und Jugendlichen die Gesundheit beeinträchtigen. Mit Beginn der ersten Klasse steht die Leistung des Kindes im Focus. Da die Eltern wissen dass ihre Kinder in der Schule sehr viel leisten müssen, um später gute Chancen im Berufsleben zu haben, gibt es häufig auch noch Druck von zu Hause. Schlechte Noten führen häufig zu Konflikten mit den Eltern. Die Kinder erleben dies als Liebesverlust, dies führt zu Zweifeln an den eigenen Möglichkeiten. Bei den Kindern und Jugendlichen kann dies Ängste vor Fehlern und Versagen auslösen. (vgl. Reader/ Abels, Heinz/ König, Alexandra [2010] S.148) Die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen setzt sich also in erster Linie aus Elternhaus und Schule zusammen. Wenn man nun bedenkt das Psychische Beeinträchtigungen bei Kinder und Jugendlichen meist durch die Lebensbedingungen entstehen, muss man sich fragen welchen Anteil unser Schulsystem an den steigenden Psychischen Problemen von jungen Menschen hat. Die psychosozialen Faktoren im Lernort Schule, die Anspruchshaltung der Eltern, die Berufswahl und die Ausbildung stellen häufig Ansprüche an die Kinder und Jugendlichen die sie nicht bewältigen können. (vgl.Reader/ s.o. S.246) Die Schulen bieten sich aber auch als Raum für Gesundheitsförderung und Präventionsprogramme an. Da grundsätzlich alle Kinder schulpflichtig sind bietet sich erreicht man so auch schwer zugängliche Zielgruppen. So kann beispielsweise den Kindern Gesunde Ernährung und Zahnpflege näher gebracht werden, oder mit den Jugendlichen Aids-Prävention betrieben werden. Das Konzept der „guten gesunden Schule“ beabsichtigt eine nachhaltige Steigerung der Bildungsqualität sowie der Erziehungsqualität. Brägger, Paulus und Posse definierten dies 2005 wie folgt: „Eine gute gesunde Schule“ leistet einen Beitrag zur Bildung für nachhaltigen Entwicklung. Gute Qualität wird durch folgende Bereiche ausgewissen. Bei Schülerinnen und Schülern werden Kompetenzen gefördert die ihre Bereitschaft zum lebenslangen Lernen fördern. Und sie befähigen in der sich verändernden Gesellschaft ein erfolgreiches und gesundes Leben zu führen. Eine gute Schule wendet konsequent Erkenntnisse aus der Gesundheitswissenschaft und der Bildungswissenschaft an. Nun bleibt die Frage offen ob wir „gute gesunde Schulen haben“. (vgl. Reader/ s.o. S.254 u. 255)

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Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Bildungskrise bei männlichen Jugendlichen. Was könnten individuelle und institutionelle Gründe für das schlechte schulische Abschneiden der Jungen sein?
Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
14
Katalognummer
V342158
ISBN (eBook)
9783668319943
ISBN (Buch)
9783668319950
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bildungskrise, männlichen, jugendlichen, gründe, abschneiden, jungen
Arbeit zitieren
Sandra Stockham (Autor), 2013, Die Bildungskrise bei männlichen Jugendlichen. Was könnten individuelle und institutionelle Gründe für das schlechte schulische Abschneiden der Jungen sein?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/342158

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