In einem Seminar zur Interreligiösität meinte die Professorin, dass Interreligiösität eine überarbeitete [angepasste?] Christologie benötige. An der Frage nach der Identität Jesu scheiden sich die Geister.
Das Christentum als Religion hat Gemeinsamkeiten mit anderen Religionen, ist gleichzeitig aber auch in seiner Vielgestalt eine Besonderheit innerhalb der Religionen.
Neben einem veränderten „Verständnis des Heiligen“ und des Gottesdienstes hat das Christentum eine Symbiose aus Geschichte und Glaube in der Person Jesu Christi gefunden. In dieser spezifischen Geschichtsoffenbarung hat das Christentum nicht nur seine Eschatologie, sondern auch sein weltweites Sendungsbewusstsein begründet.
Inhaltsverzeichnis
1. Dogmatik
1.1 §6 Glaube und Religion
1.2 Das Christentum selbst ist Religionskritik
2. § 17 Einführung in die Christologie
3. Ansätze in der Ökumene?
3.1 Was bedeutet dies für andere Religionen?
3.2 These 1: In Gedanken werden die (Fremd)Religionen von der eigenen Religion beansprucht.
3.3 These 2: Christologie müsste von der Soteriologie, Ekklesiologie gelöst werden.
4. Die ökumenische Bewegung ist christozentrisch
4.1 Eine kritische Beschreibung der ökumenischen Bewegung aus dem Jahr1974:
4.2 These 3: Für einen erfolgreichen Dialog zwischen den Religionen muss sich europäisch christlicher Glaube um einen gelingenden Austausch mit Christen in anderen Kulturkreisen auseinandersetzen, sowohl die eigene Kulturbefangenheit hinter sich lassen.
5. Religionsbegriff
6. Theologie braucht für die Interreligiösität die Religionswissenschaft
6.1 Ein Beisiel aus der Religionsphilosophie
6.2 These: Der christliche Glaube ist nur relevant, wenn er dieser Welt etwas zu geben hat.
6.3 These: Mit Hilfe des Christentums kann eine Ethik für andere Religionen entwickelt werden.
7. Was nun mit der Christologie?
7.1 Christologie verabsolutiert das Christentum.
7.2 Christologie muss „depotenziert“ werden, um Interreligiösität im Wortsinn zu gewährleisten.
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Herausforderungen und Spannungsfelder, die sich aus einem christozentrischen Christologieverständnis für den interreligiösen Dialog ergeben. Dabei wird analysiert, inwieweit das christliche Absolutheitsbewusstsein mit der religiösen Pluralität vereinbar ist und welche Ansätze existieren, um eine zeitgemäße Theologie zu entwickeln, die den Dialog mit anderen Weltreligionen ermöglicht, ohne dabei den eigenen Glaubenskern aufzugeben.
- Das Spannungsverhältnis zwischen christlichem Universalismus und interreligiöser Offenheit.
- Die Rolle der Christologie als „Unterscheidungskriterium“ und ihre Bedeutung für den Religionsbegriff.
- Der Einfluss ökumenischer Leitlinien auf das christliche Selbstverständnis im Dialog.
- Die Notwendigkeit einer „Depotenzierung“ der Christologie zur Ermöglichung echter Interreligiösität.
Auszug aus dem Buch
Die ökumenische Bewegung ist christozentrisch
Eine kritische Beschreibung der ökumenischen Bewegung aus dem Jahr1974:
1. es gibt keine kritische Unterscheidung der „unterschiedlichen Typen neutestamentlicher Christologie“
2. Texte vermitteln eine Christologie „von oben““ („inkarnatorisch“, „Kosmokrator“)
3. der historische Jesus (Christologie von unten/ Kreuzestheologie) tritt zurück
1964 aus einem Vortrag Visser`t Hooft: »Christen im Welthorizont«: „Europa ist der Kontinent, der als ein Ex-Corpus-Christianum bezeichnet werden kann. […] Die Kirchen sind immer noch weitgehend damit beschäftigt, die Reste der alten christlichen Kultur zu konservieren.“ „Das Finale der Synphonie der Beziehung zwischen Christentum und europäischer Kultur.“
These 3: Für einen erfolgreichen Dialog zwischen den Religionen muss sich europäisch christlicher Glaube um einen gelingenden Austausch mit Christen in anderen Kulturkreisen auseinandersetzen, sowohl die eigene Kulturbefangenheit hinter sich lassen.
Zusammenfassung der Kapitel
Dogmatik: Dieses Kapitel erläutert das Verhältnis von Glaube und Religion bei Gerhard Ebeling und thematisiert den Absolutheitsanspruch des Christentums als Form der Religionskritik.
§ 17 Einführung in die Christologie: Hier wird die untrennbare Verknüpfung von Christologie und Soteriologie aufgezeigt, wobei Jesus Christus als unverzichtbarer Glaubensgrund des Christentums definiert wird.
Ansätze in der Ökumene?: Es wird untersucht, wie Konzepte wie der „christliche Universalismus“ in der ökumenischen Bewegung verstanden werden und welche Herausforderungen dies für das Verständnis anderer Religionen birgt.
Die ökumenische Bewegung ist christozentrisch: Dieses Kapitel kritisiert die eurozentrische und christozentrische Befangenheit der Ökumene und plädiert für einen Austausch mit außereuropäischen Perspektiven.
Religionsbegriff: Eine Gegenüberstellung der Positionen von Karl Barth und Paul Tillich verdeutlicht die Debatte um Offenbarung, Sündenfall und die Bewertung nicht-christlicher Religionen.
Theologie braucht für die Interreligiösität die Religionswissenschaft: Anhand von Albert Schweitzer wird diskutiert, ob das Christentum den Religionen eine ethische Dimension hinzufügen kann und wo die Grenzen christlicher Relevanz liegen.
Was nun mit der Christologie?: Abschließend werden Lösungsansätze erörtert, wie Christologie „depotenziert“ werden kann, um den interreligiösen Dialog auf eine urteilsfreie Basis zu stellen.
Schlüsselwörter
Christologie, Interreligiösität, Ökumene, Christozentrismus, Religionskritik, Soteriologie, Absolutheitsanspruch, Dialog, Religionstheologie, Offenbarung, Anonyme Christen, Weltreligionen, Ethische Religion, Evangelium, Hermeneutik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theologischen Untersuchung, wie eine christologische Ausrichtung des Glaubens im Kontext einer pluralistischen, interreligiösen Welt gestaltet sein muss.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Christologie, der interreligiöse Dialog, die ökumenische Theologie, der Religionsbegriff sowie die kritische Reflexion des christlichen Universalitätsanspruchs.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie das christliche Bekenntnis zu Jesus Christus in einen Dialog mit anderen Religionen treten kann, ohne diese abzuwerten oder den eigenen Glaubenskern zu verleugnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt primär eine systematisch-theologische Methode durch die Auswertung maßgeblicher dogmatischer und religionsphilosophischer Texte (u.a. Ebeling, Raiser, Tillich, Schweitzer).
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert das Spannungsfeld zwischen Christozentrismus und religiöser Vielfalt, diskutiert verschiedene Religionsbegriffe und lotet Möglichkeiten einer „depotenzierten“ Christologie aus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Christologie, Interreligiösität, Christozentrismus, Dialog und Offenbarung charakterisiert.
Wie bewerten Rahner und Pannikar andere Religionen?
Sie vertreten eine inklusive Position, nach der Gott auch außerhalb des Christentums wirksam ist und Menschen als „anonyme Christen“ durch Begegnung mit Gnade Heil erfahren können.
Welche Rolle spielt der „christliche Universalismus“?
Er fungiert als Paradigma für die ökumenische Bewegung, steht jedoch in der Kritik, da er oft als Instrument der Selbstbehauptung des Christentums wahrgenommen wird.
Was bedeutet „Depotenzierung“ der Christologie?
Es handelt sich um einen Lösungsvorschlag, bei dem das Grundverständnis der Christologie so reformuliert wird, dass sie nicht mehr exklusiv-dogmatisch, sondern als Selbstdarstellung des Glaubensaktes urteilsfrei bezüglich anderer Religionen fungiert.
- Arbeit zitieren
- Marcel Gundermann (Autor:in), 2016, Einsprüche der Christologie zur Interreligiösität. Ausweitung der Ökumene?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/342203