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Das Verständnis des Bösen in der christlichen Theologie. Welche Bedeutung hat die aristotelische Lehre von der Privation?

Titel: Das Verständnis des Bösen in der christlichen Theologie. Welche Bedeutung hat die aristotelische Lehre von der Privation?

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2014 , 28 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Doris Glanz (Autor:in)

Philosophie - Epochenübergreifende Abhandlungen
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Terroranschläge, Massaker, Amokläufe, Vergewaltigungen und Völkermorde als grauenvolle, böse Taten lassen kaum einen anderen Schluss als diesen zu: Das Böse im Menschen existiert und kann nicht geleugnet werden. Besonders in der christlichen Theologie entfachte diese Erkenntnis bei der Betrachtung des Menschen eine kontroverse Diskussion. Schließlich steht in Gen 1: „Und Gott sah alles, was er gemacht hatte, und siehe es war sehr gut“. Wie kann dies trotz der Realität des Bösen im Menschen angenommen werden und was hat es unter Berücksichtigung des Bösen im Menschen mit Gott auf sich? Diesen Fragen wurde in der christlichen Theologie von der Antike bis heute große Aufmerksamkeit geschenkt und unterschiedliche Wege zum Verständnis des Bösen im Menschen eingeschlagen. Ein christlicher Theologe, der sich mit der Frage nach dem Bösen im Menschen beschäftigte, war Thomas von Aquin. Besonders an ihm war, dass er das umfassende philosophische Gedankengut des Aristoteles nutzte, um im christlichen Kontext zu Erkenntnissen in der Frage nach dem Bösen im Menschen zu gelangen.

In dieser Arbeit soll nun untersucht werden, inwiefern insbesondere die aristotelische Lehre von der Privation in seiner „Physik“ zum Verständnis des Bösen im Menschen im Sinne der christlichen Theologie herangezogen werden kann. Aus diesem Grund wird zunächst die Bedeutung der Privation in der aristotelischen Ursachenlehre zu thematisieren sein, woran Aquins Lehre vom ‚malum‘ angeschlossen wird. Basis dieser im Folgenden auszuführenden malum-Theorie werden die deutschen Übersetzungen der „Summa contra Gentiles“ und der „Quaestiones disputate de malo“ bzw. „De malo“ von Aquin sein.

Um zu zeigen, dass Aquin auf die aristotelische Lehre von der Privation aufbaut, werden zunächst begriffstheoretische Übereinstimmungen der Begriffe Privation von Aristoteles und ‚malum‘ von Aquin herausgestellt und anschließend dargestellt, wie die ‚malum‘-Theorie als Privationstheorie gestaltet ist. Letztendlich werden zur abschließenden Beantwortung der Fragestellung die aristotelische Lehre von der Privation der thomasischen Lehre vom ‚malum‘ gegenübergestellt, auf Übereinstimmungen und Unterschiede hin untersucht und das Potential der aristotelischen Privation zum Verständnis des Bösen im Menschen im christlichen Kontext herausgestellt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Privation in der aristotelischen Ursachenlehre

2.1 Rolle der Privation in den Ausführungen über die Prinzipien

2.2 Bedeutung der Privation in der Abhandlung über die Gründe

3. Thomas von Aquins Lehre vom malum aufbauend auf dem aristotelischen Verständnis von der Privation in seiner Ursachenlehre

3.1 Begriffstheoretische Übereinstimmungen der Begriffe Privation bei Aristoteles und malum bei Thomas von Aquin

3.2 Thomas von Aquins Lehre vom malum zum Verständnis des Bösen im Menschen

3.2.1 Die Konvertibilitätsthese

3.2.2 Die Privationsthese

3.2.3 Die Trägerthese

3.2.4 Die Kausalthese

3.2.5 Die Antidualismusthese

4. Die aristotelische Lehre von der Privation zum Verständnis des Bösen im Menschen im Sinne der christlichen Theologie

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern die aristotelische Lehre von der Privation in seiner Physik genutzt werden kann, um das Phänomen des Bösen im Menschen aus der Perspektive der christlichen Theologie zu verstehen. Dabei wird insbesondere analysiert, wie Thomas von Aquin diese philosophischen Konzepte aufgreift und für seine Theologie adaptiert, um die Existenz des Bösen in einer als gut geschaffenen Welt zu erklären.

  • Die Einordnung der Privation in die aristotelische Ursachenlehre
  • Die Analyse der thomasischen Lehre vom malum als Privation
  • Die Strukturierung des Bösen anhand der fünf Thesen nach Friedrich Hermanni
  • Die kritische Gegenüberstellung von aristotelischer Naturphilosophie und christlicher Theodizee
  • Die Grenzen der Erklärung des Bösen als reines privatives Fehlen bei moralischen Fehlentscheidungen

Auszug aus dem Buch

3.2.2 Die Privationsthese

Die Privationsthese ergibt sich aus der Konvertibilitätsthese, sodass entsprechend der Gleichsetzung von Sein und Gutsein das malum nichts eigenständig Seiendes sein kann. Vielmehr sei das malum als spezifische Privation, also als ein Fehlen oder Mangel an einem bestimmten Sein oder Gutsein, zu verstehen. Einem Sein fehlt oder mangelt etwas, was es aufgrund seines natürlichen Wesens besitzen sollte. Genauso wie eine Verwirklichung des spezifischen Wesens in der Form wie Tätigkeit gegeben sein könnte, kann nach Aquin die wesensbestimmte Form oder Tätigkeit ausbleiben bzw. Mängel aufweisen, also von einem malum gesprochen werden. Entsprechend ist von der Privation der jeweiligen wesensbestimmten Form oder Tätigkeit als malum die Rede und nicht von der bloßen Negation als malum. Anhand von Christian Schäfers Beispiel gilt es, die Differenzierung zwischen Privation und Negation für die Bedeutung des malum aufzuzeigen: Das Besitzen einer Nase wird für den Menschen als ein Gut, ihre Abwesenheit hingegen als ein malum angesehen. Niemals sei jedoch das Fehlen mehrerer Nasen als malum zu bezeichnen, da sie nicht der wesensbestimmten Form des Menschen entspreche. Das malum als Negation zu bezeichnen, lehnt Aquin deshalb ab.

Nicht nur in Bezug auf den Seinsstatus des malum, sondern auch in Bezug auf dessen Tätigkeit sei von einem Ausbleiben oder Fehlen des Guten als Erstrebenswerten auszugehen, was sich für Thomas ebenfalls aus der Konvertibilitätsthese ableitet. Auf diese Weise sei das malum zwar im gewissen Sinne dem Sein entgegengesetzt, jedoch nicht als etwas wirklich Existierendes. Deshalb „kann es nichts erstreben noch von anderen erstrebt werden, und folglich hätte es keinerlei Tätigkeit und keinerlei Bewegung, da doch alles nur wegen eines zielhaften Strebens zur Tätigkeit oder Bewegung kommt“. Demgemäß seien Wirkungen nur im Hinblick auf das vorhandene Sein und seine Kraft zurückzuführen, was jedoch aufgrund vom malum als spezifische Privation in der Verwirklichung der optimalen Wirkungsweise beeinträchtigt werden könne. Dem malum bei Tätigkeiten schreibt Aquin demnach insgesamt keinerlei Positivität zu.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik des Bösen ein und erläutert die Forschungsfrage, ob Aristoteles’ Physik zur theologischen Erklärung des Bösen bei Thomas von Aquin beitragen kann.

2. Die Privation in der aristotelischen Ursachenlehre: In diesem Kapitel wird die Bedeutung der Privation als notwendiges Prinzip für das Verständnis von Veränderung und Naturprozessen innerhalb der aristotelischen Ursachenlehre herausgearbeitet.

3. Thomas von Aquins Lehre vom malum aufbauend auf dem aristotelischen Verständnis von der Privation in seiner Ursachenlehre: Hier wird die Adaption der aristotelischen Privation durch Thomas von Aquin dargestellt, um das malum systematisch als Mangel an Sein oder Gutsein zu definieren.

4. Die aristotelische Lehre von der Privation zum Verständnis des Bösen im Menschen im Sinne der christlichen Theologie: Dieses Kapitel vergleicht die Ansätze von Aristoteles und Aquin und bewertet das Potenzial dieser Philosophie für die christliche Theodizee.

5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und reflektiert die Grenzen der Privationstheorie, insbesondere im Hinblick auf die christliche Schuldfrage und die Theodizee-Problematik.

Schlüsselwörter

Aristoteles, Thomas von Aquin, Privation, malum, Ursachenlehre, Naturphilosophie, christliche Theologie, Konvertibilitätsthese, Privationsthese, Trägerthese, Kausalthese, Antidualismusthese, Theodizee, Böses, Sünde.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die philosophischen Grundlagen des Bösen im Menschen, indem sie die aristotelische Lehre der Privation (das Fehlen eines Wesensguten) auf die theologische Systematik des Thomas von Aquin anwendet.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die aristotelische Physik, die thomasische Lehre vom malum, das Verhältnis von Sein und Gutem sowie die christliche Theodizee.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, den Nutzen der aristotelischen Privations-Philosophie für das Verständnis des Bösen im christlichen Kontext zu prüfen und aufzuzeigen, inwieweit dadurch komplexe theologische Fragen beantwortet oder präzisiert werden können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine hermeneutisch-vergleichende Methode angewandt, die auf der Analyse von Primärtexten (Aristoteles, Thomas von Aquin) und der Strukturierung durch Sekundärliteratur (insb. Friedrich Hermanni) basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Erläuterung der aristotelischen Ursachenlehre, die systematische Darstellung der fünf Thesen zur malum-Theorie bei Aquin und deren kritische Anwendung auf das menschliche Handeln.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Privation, malum, Konvertibilitätsthese, Naturteleologie und theologische Anthropologie charakterisieren.

Was unterscheidet bei Aquin das Böse bei natürlichen Tätigkeiten vom Bösen bei menschlichen Willensentscheidungen?

Während natürliches Böses (Defizite) oft auf Schädigungen des Materials zurückgeht, ist das Böse bei Willensentscheidungen an die eigenständige Fähigkeit zur Wahl gebunden, weshalb Aquin hier von einem „Fehlensfehler“ spricht.

Warum lehnt Aquin die Existenz eines „Summum malum“ ab?

Aquin lehnt ein höchstes Böses ab, da das malum keine eigenständige Existenz besitzt, sondern immer ein parasitäres Fehlen von Gutem an einem Träger ist, der in seinem Sein grundsätzlich gut bleibt.

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Details

Titel
Das Verständnis des Bösen in der christlichen Theologie. Welche Bedeutung hat die aristotelische Lehre von der Privation?
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
1,3
Autor
Doris Glanz (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
28
Katalognummer
V342331
ISBN (eBook)
9783668321106
ISBN (Buch)
9783668321113
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aristoteles Physik Thomas von Aquin Böse Theodizee
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Doris Glanz (Autor:in), 2014, Das Verständnis des Bösen in der christlichen Theologie. Welche Bedeutung hat die aristotelische Lehre von der Privation?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/342331
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Leseprobe aus  28  Seiten
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