Physiologie im Berufskontext Shiatsu

Auswirkung von Entspannung auf das vegetative Nervensystem und die Atmung


Hausarbeit, 2013
20 Seiten, Note: 1,6

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Entspannung als Ausgleich stressbelasteter Situationen

2 Entspannung aus physiologischer Sicht
2.1 Einfluss auf das vegetative Nervensystem
2.2 Einfluss auf die Verdauung
2.3 Einfluss auf die Atmung

3 Förderung der Entspannung im Shiatsu
3.1 Erklärungsmodelle der japanischen Medizin
3.1.1 Meridian-Entwicklung
3.1.2 Wandlungsphasenmodell
3.2 Wirkweise von Shiatsu
3.2.1 Wirkung auf das vegetative Nervensystem
3.2.2 Wirkung auf die Verdauung
3.2.3 Wirkung auf die Atmung

4 Bewertung physiologischer Kenntnisse für die Ausübung von Shiatsu
4.1 Physiologie der Entspannung
4.2 Persönliche Betrachtung

5 Komplementärmedizin als Ergänzung zur Schulmedizin

6 Literaturverzeichnis

7 Verzeichnisse
7.1 Abbildungsverzeichnis
7.2 Tabellenverzeichnis
7.3 Abkürzungsverzeichnis

1 Entspannung als Ausgleich stressbelasteter Situationen

Der richtige Ausgleich zwischen Spannung und Entspannung ist wichtig für eine gesunde Lebensführung und die Aufrechterhaltung der Gesundheit. Die Lebensweise in der westlichen Gesellschaft führt häufig zu einer Überstimulation des Sympathikus. Zeitdruck, Stress im Büro, der tägliche Stau auf dem Weg zur Arbeit und vieles mehr erzeugen Stress, der oft nicht durch körperliche Bewegung kompensiert werden kann und somit zu einer dauerhaft erhöhten Spannung führt. Langfristig werden durch dieses Ungleichgewicht körperliche Funktionen beeinflusst, was zu Störungen und letzten Endes zu Krankheiten führen kann – Burn-Out als ein Phänomen sei hier beispielhaft erwähnt.

Die Arbeit im Shiatsu beeinflusst durch den in der Behandlung entstehenden physischen Kontakt zwischen Behandlerin und Klient die Körperfunktionen und somit auch das vegetative Nervensystem. Die Gestaltung der Rahmenbedingungen und die spezifische Berührungsqualität erleichtert es dem Klienten, einen parasympathischen Zustand zu erreichen und leistet so einen Beitrag zur Gesundheitsförderung, indem einseitige Alltags-Belastungen auf der Ebene des vegetativen Nervensystems ausgeglichen werden. Da im Shiatsu keine symptombezogene Behandlung erfolgt und der Empfänger der Behandlung nicht als „Kranker“ gesehen wird, sondern als Mensch mit einem persönlichen, individuellen energetischen Muster, wird nicht von Patienten, sondern von Klienten gesprochen.

Die Ansätze, auf denen die Arbeit im Shiatsu basiert, werden im Folgenden beleuchtet und in Bezug zu den physiologischen Grundlagen gesetzt. Nach einer kurzen Betrachtung der relevanten physiologischen Phänomene, allen voran des vegetativen Nervensystems, wird die Wirkungsweise von Shiatsu zur Entspannung des Klienten beschrieben und ein Überblick über die in diesem Zusammenhang relevanten theoretischen Grundlagen der asiatischen Medizin gegeben.

Anschließend erfolgt eine Diskussion des Nutzens physiologischer Kenntnisse für die entspannungsfördernde Arbeit im Shiatsu sowie für die praktische Arbeit allgemein. Die Arbeit schließt mit der Überlegung, wie Schul- und komplementäre Medizin einander befruchten können.

In dieser Arbeit wird für die behandelnde Person die weibliche und für die behandelte Person die männliche Form verwendet, um eine bessere Unterscheidung treffen zu können, auch wenn die Rollen in der Praxis natürlich auch anders verteilt sein können. Im übrigen Text wird aus Gründen der Lesbarkeit die männliche Form verwendet.

2 Entspannung aus physiologischer Sicht

2.1 Einfluss auf das vegetative Nervensystem

Das vegetative Nervensystem (VNS) setzt sich aus dem Sympathikus, dem Parasympathikus und dem enterischen (auch intrinsischen, enteralen) Nervensystem im Magen-Darm-Trakt zusammen, das seinerseits von den beiden erstgenannten beeinflusst wird. Es kontrolliert die grundlegenden Körperfunktionen, innerviert alle inneren Organe mit Ausnahme der Skelettmuskulatur und kann nicht willkürlich gesteuert werden. Das VNS ermöglicht eine direkte Steuerung von Organfunktionen und unterstützt die Aufrechterhaltung der Homöostase (vgl. (Klinke, et al., 2010 S. 800ff).

Eine gute Darstellung des Zusammenspiels findet sich im Sobotta (Paulsen, et al., 2010c S. 341).

In dieser Arbeit wird hauptsächlich die Wirkungsweise von Shiatsu auf das Zusammenspiel von Sympathikus und Parasympathikus untersucht.

Sympathikus und Parasympathikus unterscheiden sich sowohl hinsichtlich des Verlaufs der Synapsen und der der Umschaltpunkte (Ganglien) als auch der grundlegenden Funktionalität voneinander.

Der Parasympathikus bildet den kraniosakralen Teil des VNS und tritt aus dem Rückenmark im Bereich der Hals- und Steißbeinwirbel (Hirnnerven III bis X und S1 bis S4) aus. Die Umschaltung erfolgt in der Nähe der innervierten Organe. Der Sympathikus bildet den thorakolumbalen Anteil (T1 bis L2) des VNS, die Ganglien befinden sich als Kette (Grenzstrang) paarig beidseitig der Wirbelsäule bzw. kaudal unpaarig für die Organe des Abdominalraums.

Sympathikus und Parasympathikus fungieren als Antagonisten. Die Erregung des Sympathikus führt zu einer Mobilisierung des Körpers („fight or flight“), die in Notsituationen bzw. allgemein für körperliche Aktivität benötigt wird. Pupillen und Bronchien werden erweitert und der Herzschlag erhöht sich, um die Muskulatur optimal versorgen zu können. Durch die erhöhte Adrenalin-Ausschüttung im Nebennierenmark werden weitere Körperfunktionen aktiviert, die vermehrte Bildung roter Blutkörperchen durch die Milz und weißer Blutkörperchen durch das Knochenmark dienen als Vorsorge für potentielle Verletzungen. Die Zuckerproduktion und –freisetzung in der Leber wird erhöht, um ausreichend Energie für die erwartete körperliche Aktivität zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig werden die Verdauungsfunktionen von Magen und Darm vermindert und die Blasenkontraktion gehemmt.

Der Parasympathikus beruhigt das Organsystem, er aktiviert die Verdauung („rest and digest“) und die sexuelle Erregung und ist zuständig für die „Routinefunktionen des Körpers“ (Gerrig, et al., 2008 S. 90). Neben der Aufnahme von Nährstoffen über die Verdauung fällt hierunter auch die Beseitigung von Abfallprodukten über die Ausscheidung. Die Wirkung auf die Organe ist gegensätzlich zur parasympathischen (vgl. (Klinke, et al., 2010 S. 800ff), (Gerrig, et al., 2008 S. 89ff, 468ff).

2.2 Einfluss auf die Verdauung

Um eine gute Versorgung des Organismus zu gewährleisten, ist ein Gleichgewicht zwischen Sympathikus und Parasympathikus notwendig. Befindet sich der Körper permanent in einem sympathikotonen Zustand, sind Verdauung und damit die Aufnahme von Nährstoffen auf Dauer eingeschränkt, was zu einer Mangelversorgung der Zellen und somit zu Schädigungen und Erkrankungen - sowohl auf physischer als auch auf psychosomatischer Ebene – führen kann. Eine mangelhafte Ausscheidung von Abfallprodukten kann zudem toxische Wirkungen haben. In der westlichen Gesellschaft ist durch Stress, Lärmbelastung und die allgemeine Lebensweise eine Überstimulation des Sympathikus festzustellen (vgl. (Wernicke, 1992 S. 894). Stressabbau führt somit insgesamt zu besserer Versorgung des Körpers.

Selye beschreibt die Reaktion des Körpers auf chronischen Stress als „allgemeines Adaptionssyndrom“ in den drei Stufen Alarmreaktion, Wiederstand und Erschöpfung. In der letzten Phase sind der Körper und das Immunsystem durch die permanente Belastung geschwächt, das Krankheitsrisiko steigt an. Das Modell unterstützt die Erklärung psychosomatischer Störungen: „Was den Körper bei der Anpassung an akuten Stress gesund erhält, beeinträchtigt ihn bei chronischem Stress.“ (vgl. (Gerrig, et al., 2008 S. 471f).

2.3 Einfluss auf die Atmung

In den Lungenalveolen findet der Gasaustauch mit dem Blut statt. Sauerstoff (O2) aus der Atemluft diffundiert ins Blut, Kohlendioxid (CO2) als Abfallprodukt der Energieerzeugung in den Zellen wird abgegeben und mit der Ausatmung ausgeschieden.

Die beim Einatmen aufgenommene Luft gelangt nur zum Teil bis in die Alveolen, wo sie für diesen Vorgang genutzt werden kann. Der im Totraum der Lunge verbleibende Anteil (bei Erwachsenen ca. 150 ml bei einem normalen Atemzugvolumen von 500 ml) steht nicht für den Gasaustausch zur Verfügung. Bei einer flachen Atmung, im Extremfall bei der Hyperventilation, gelangt somit weniger Sauerstoff ins Blut, eine tiefe Atmung unterstützt hingegen die Sauerstoffversorgung des Körpers (vgl. (Klinke, et al., 2010 S. 258ff).

3 Förderung der Entspannung im Shiatsu

Shiatsu ist eine in Japan entwickelte Manual-Therapie, bei der durch Druck (japanisch shi=Finger, atsu=Druck) entlang der Leitbahnen („Meridiane“) sowie Dehnungen und Rotationen eine „Harmonisierung innerhalb des Organismus angestrebt“ wird (deGruyter, 2011 S. 390).

3.1 Erklärungsmodelle der japanischen Medizin

Die östliche Medizin basiert auf einem ganzheitlichen Verständnis des Menschen, die in der westlichen Medizin gebräuchliche Trennung zwischen Körper, Geist (und Seele) findet nicht statt. Basis des Erklärungsmodells ist die Vorstellung einer universellen Lebensenergie „Ki“, die in allem, was auf der Erde existiert, vorhanden ist und auf Leitbahnen, den „Meridianen“, durch den menschlichen Körper fließt.

Bezogen sowohl auf die Erscheinungen der Natur als auch den menschlichen Körper gibt es verschiedene Ki-Qualitäten (vgl. (Platsch, 2009 S. 3f). Befindet sich das Ki im Gleichgewicht, ist der Mensch gesund. Krankheit in diesem Sinne bedeutet ein längerfristiges Ki-Ungleichgewicht bzw. eine Störung im Ki-Fluss (vgl. (Wernicke, 1992 S. 892f).

3.1.1 Meridian-Entwicklung

Analog der Kindesentwicklung nach westlichem Verständnis entfalten sich auf die Meridiane nach einem bestimmten Entwicklungsmuster. In den ersten Lebensjahren bis zum aufrechten Gang sind die Funktionen zu Gruppen von jeweils vier Meridianen zusammen gefasst („Familien“), entsprechend den aus der Akupunktur bekannten Umläufen (vgl. (Kalbantner-Wernicke, 2010 S. 60ff).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Familien und wesentliche Aufgaben

Bis zum Beginn der Schulzeit differenzieren sich die Meridiane weiter aus und erreichen das Stadium der Wandlungsphasen. In der weiteren Entwicklung entfalten sich die bekannten 12 Meridiane. In stressbehafteten Situationen kann es jedoch zu einem Rückfall auf die Verhaltensmuster früherer Stufen kommen, weshalb die Ebene der Familien auch bei der Arbeit mit Erwachsenen interessante Möglichkeiten in der Behandlung bietet.

3.1.2 Wandlungsphasenmodell

Die Lehre von den fünf Elementen oder Wandlungsphasen bildet eine der wesentlichen theoretischen Grundlagen von Shiatsu in Europa (vgl. (Rappenecker, 2007 S. 11).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Fünf Elemente oder Wandlungsphasen

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Details

Titel
Physiologie im Berufskontext Shiatsu
Untertitel
Auswirkung von Entspannung auf das vegetative Nervensystem und die Atmung
Hochschule
Steinbeis-Hochschule Berlin  (Institut für körperbezogene Therapien)
Veranstaltung
MG3: Einführung in die Physiologie
Note
1,6
Autor
Jahr
2013
Seiten
20
Katalognummer
V342334
ISBN (eBook)
9783668327740
ISBN (Buch)
9783668327757
Dateigröße
623 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Shiatsu, Physiologie, Atmung, Verdauung, Komplementärtherapie, komplementäre Methoden, VNS, vegetatives Nervensystem, Parasympathikus, manuelle Therapie, Japan, TCM
Arbeit zitieren
Karin Koers (Autor), 2013, Physiologie im Berufskontext Shiatsu, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/342334

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