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Literatur als System - zur Methodik einer systemtheoretisch orientierten Literaturwissenschaft

Title: Literatur als System - zur Methodik einer systemtheoretisch orientierten Literaturwissenschaft

Seminar Paper , 2004 , 16 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Marcel Funken (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Literatur als System
– zur Methodik einer systemtheoretisch orientierten Literaturwissenschaft

1. Einleitung
Die germanistische Literaturwissenschaft ist heute, anders als zur Zeit ihrer Anfänge, gekennzeichnet durch einen kaum zu überschauenden Methodenpluralismus. Dabei wird alle paar Jahre ein neuer methodologischer Ansatz ausgerufen wobei vorgegeben wird, diese ‚neue’ Methode würde das Vorgehen in der Wissenschaft und gleichzeitig deren Inhalte revolutionieren. Einige Wissenschaftler schließen sich dann in ihren Arbeiten an, andere versuchen traditionalistisch zu bleiben oder entwickeln ältere Methoden weiter. So kommt es zu einem vielfältigen Nebeneinander verschiedenster Methoden der Literaturwissenschaft. Die in dieser Arbeit knapp dargestellte Methode ist die systemtheoretisch orientierte Literaturwissenschaft nach dem Vorbild von Niklas Luhmann. Luhmanns Theorie sozialer Systeme zählt zu den in den letzten Jahren am meisten beachteten Theorien, da ihre Anhänger glauben, die Systemtheorie breche völlig mit den traditionellen germanistischen Auffassungen von Wissenschaft als hermeneutischer Textwissenschaft und sei neu in dem Anspruch einer umfassenden, interdisziplinären Sozialwissenschaft. Ähnlich wie in der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule, von der sich Luhmann jedoch klar distanzieren möchte, soll hier das Verhältnis von Literatur und Gesellschaft näher betrachtet werden.(1)
Ziel dieser Arbeit ist es, im nächsten Kapitel die historische Einordnung der Methode vorzunehmen und den philosophiegeschichtlichen Kontext kurz darzustellen. Dazu wird die Handlungstheorie Talcot Parsons beschrieben, um sie anschließend mit der Systemtheorie Luhmanns in Verbindung zu setzen. Im weiteren Verlauf soll ein Kapitel über die Grundlagen der Systemtheorie die wichtigsten Begrifflichkeiten und Konzepte darstellen, mit denen die Methode arbeitet. Das folgende Kapitel soll dazu dienen aufzuzeigen, wie diese allgemein-theoretischen Konzepte in der Literaturwissenschaft verwendet werden können. Weiterhin soll dieses Kapitel den Stil-Begriff Luhmanns und damit seine Sichtweise auf die Kunst erläutern. Im Schlusskapitel werden [...]
__________
(1)vgl. Sill, Oliver: Literatur in der funktional differenzierten Gesellschaft. Systemtheoretische Perspektiven auf ein komplexes Phänomen. Wiesbaden 2001, S.11f.
[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historische Einordnung und Philosophiegeschichtlicher Kontext

3. Zentrale Begrifflichkeiten und Konzepte der Systemtheorie

4. Systemtheorie in der Literaturwissenschaft – Luhmanns Stil – Begriff

5. Vorteile und Grenzen einer systemtheoretischen Literaturwissenschaft

6. Anhang: Literatursoziologie

7. Literaturverzeichnis

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die Arbeit untersucht die Anwendung der Systemtheorie nach Niklas Luhmann auf die Literaturwissenschaft, um deren Potenzial und Grenzen als methodischen Ansatz im Kontext einer interdisziplinären Sozialwissenschaft zu evaluieren.

  • Grundlagen der Systemtheorie und deren Übertragbarkeit auf literarische Systeme.
  • Vergleich der systemtheoretischen Methode mit handlungstheoretischen Ansätzen.
  • Analyse des Luhmannschen Stil-Begriffs und dessen Bedeutung für das Kunstsystem.
  • Diskussion der Vorteile und methodischen Herausforderungen einer systemtheoretisch orientierten Literaturwissenschaft.
  • Einordnung der Systemtheorie innerhalb der Literatursoziologie.

Auszug aus dem Buch

4. Systemtheorie in der Literaturwissenschaft – Luhmanns Stil – Begriff

Für Niklas Luhmann ist die Kunst ein gesellschaftliches Teilsystem, welches sich neben anderen Systemen ausdifferenziert hat. Das Kunstsystem unterliege dem (binären) „... Sondercode schön/hässlich“ Dieser Code grenze also das Kunstsystem gegenüber seiner Umwelt ab: alles, was nicht Kunst ist. Das Kunstsystem betrachtet alles nach dem Code schön/hässlich: Malerei wird nicht nach dem zu erzielenden Kaufpreis beurteilt, sondern alleine unter diesem ästhetischem Gesichtspunkt. Ebenso würde eine Kaffeemaschine nicht nach ihrer Funktionalität – heißen Kaffee zu produzieren – beurteilt, sondern ausschließlich nach diesem Sondercode.

Das Kunstsystem ist folglich ein ebenso autopoietisches System wie andere gesellschaftliche Teilsysteme. Das System Kunst ist selbstbestimmend, es produziert sich selbst, orientiert sich an sich selbst und beschreibt sich selbst. Ziel Luhmanns ist es, dieses System Kunst zu beschreiben und gleichzeitig festzustellen, wie sich das Kunstsystem unter gesellschaftlichen Bedingungen als geschlossenes, autopoietisches Teilsystem in der Gesellschaft behaupten kann.

Die Literatur ist ein Subsystem des Systems Kunst und gleichzeitig ein System neben anderen wie Wirtschaft, Recht oder Politik. Diese anderen Systeme können bestimmte Leistungen für die Literatur erbringen und markieren deren Umweltbedingungen mit eigenen Vorstellungen über Kunst, z.B. der kommerziellen Verwertbarkeit. Kunst könnte einerseits über alle systemexternen Faktoren hinwegsehen, so jedoch Gefahr laufen keine Abnehmer mehr zu finden. Andererseits könnte sie in einem evolutionären Prozess neue Formen entwickeln, die sich veränderten Bedürfnissen anpassen können. Solange ihr Code systemintern programmiert bleibt, ist auch die Kunst bzw. Literatur weiterhin selbstbestimmt. Eine systemtheoretische Literaturwissenschaft sollte deshalb nicht nur das System Literatur analysieren, sondern auch den Blick der Literatur auf andere Systeme beachten sowie die Literatur als Umwelt für andere Systeme erfassen. Nur so erfüllt die Literaturwissenschaft Anforderungen der Polykontextualität.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in den Methodenpluralismus der Literaturwissenschaft und Zielsetzung der Arbeit, die systemtheoretische Methode nach Niklas Luhmann vorzustellen.

2. Historische Einordnung und Philosophiegeschichtlicher Kontext: Darstellung des handlungstheoretischen Kontexts und Abgrenzung der Luhmannschen Systemtheorie zu den Ansätzen von Talcott Parsons.

3. Zentrale Begrifflichkeiten und Konzepte der Systemtheorie: Erläuterung der Grundbegriffe wie System/Umwelt-Differenz, Autopoiesis und binäre Codierung innerhalb der sozialen Teilsysteme.

4. Systemtheorie in der Literaturwissenschaft – Luhmanns Stil – Begriff: Analyse der Literatur als autopoietisches Subsystem des Kunstsystems und Erläuterung des Stil-Begriffs als Strukturmerkmal.

5. Vorteile und Grenzen einer systemtheoretischen Literaturwissenschaft: Kritische Reflexion des hohen Abstraktionsgrades und der praktischen Anwendbarkeit der Theorie auf konkrete literarische Analysen.

6. Anhang: Literatursoziologie: Einordnung der Systemtheorie als Komplementärmethode innerhalb des breiteren Feldes der Literatursoziologie.

7. Literaturverzeichnis: Auflistung der für die Arbeit herangezogenen Fachliteratur und Quellen.

Schlüsselwörter

Systemtheorie, Niklas Luhmann, Literaturwissenschaft, Autopoiesis, Kommunikation, Soziales System, Stil-Begriff, Literatursoziologie, Differenztheorie, binäre Codierung, Kunstsystem, Feldtheorie, Pierre Bourdieu, Interdisziplinarität, Methodenpluralismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den methodischen Ansatz einer systemtheoretisch orientierten Literaturwissenschaft, basierend auf den Theorien von Niklas Luhmann, und vergleicht diese mit traditionellen literaturwissenschaftlichen Auffassungen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit behandelt die Systemtheorie, deren historische Einordnung, die Konzepte der funktionalen Differenzierung, den Stil-Begriff in der Kunst sowie die Einbettung der Literatur in soziologische Theoriebildungen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die Funktionsweise der systemtheoretischen Methode darzustellen, deren Anwendbarkeit auf literarische Texte zu prüfen und die Vor- sowie Nachteile dieses theoretischen Rahmens aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine theoretisch-analytische Methode verwendet, die systemtheoretische Konzepte auf literaturwissenschaftliche Fragestellungen überträgt und diese mit handlungstheoretischen und literatursoziologischen Ansätzen kontrastiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil umfasst die theoretischen Grundlagen der Systemtheorie, die Analyse des Kunstsystems inklusive des Stil-Begriffs sowie eine kritische Diskussion der Grenzen systemtheoretischer Textanalysen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen Systemtheorie, Autopoiesis, Kommunikation, Kunstsystem, Literatursoziologie und Differenztheorie.

Wie unterscheidet sich Luhmanns Systemtheorie von Talcott Parsons' Handlungstheorie?

Während Parsons den handelnden Akteur in den Mittelpunkt stellt, blendet Luhmann individuelle Akteure aus und fokussiert stattdessen auf soziale Systeme, die sich ausschließlich aus Kommunikationen konstituieren.

Warum wird die Literatursoziologie im Anhang thematisiert?

Die Literatursoziologie dient als notwendige Komplementärmethode, da die Systemtheorie methodisch unter diesen Oberbegriff gefasst werden kann, um das Verhältnis von Literatur und Gesellschaft ganzheitlicher zu untersuchen.

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Details

Title
Literatur als System - zur Methodik einer systemtheoretisch orientierten Literaturwissenschaft
College
RWTH Aachen University  (Germanistisches Institut)
Course
Proseminar III: Tendenzen der Literaturwissenschaft im 20. Jahrhundert
Grade
1,0
Author
Marcel Funken (Author)
Publication Year
2004
Pages
16
Catalog Number
V34235
ISBN (eBook)
9783638345279
ISBN (Book)
9783640856435
Language
German
Tags
Literatur System Methodik Literaturwissenschaft Proseminar Tendenzen Literaturwissenschaft Jahrhundert
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marcel Funken (Author), 2004, Literatur als System - zur Methodik einer systemtheoretisch orientierten Literaturwissenschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34235
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