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Die Konstruktion von Heiligkeit am Beispiel der Johanna von Orléans

Title: Die Konstruktion von Heiligkeit am Beispiel der Johanna von Orléans

Term Paper , 2016 , 21 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Stefan Schätzler (Author)

Cultural Studies - European Studies
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Heiligkeit ist keine natürliche Eigenschaft des Menschen, sondern wird konstruiert. Heilige werden gemacht, weil an ihrer Existenz ein Interesse besteht. Dies ist gerafft die Kernthese des amerikanischen Religionswissenschaftlers Kenneth L. Woodward, der ich in der vorliegenden Arbeit nachgehe und am Beispiel der Johanna von Orléans untersuche.

Leitende Fragestellung soll hierbei sein, in welchen Phasen dieser Prozess ablief und welche Bedingungen und Interessen hierbei eine Rolle spielten. Hierzu erscheint es hilfreich, zunächst in gebotener Kürze aufzuzeigen, wo die Heiligenverehrung ihren Ursprung hat und wie die Kirche das Verfahren der Heiligsprechung formalisierte und praktizierte. Die Figur Johanna ist historisch wie mythologisch, nur vor dem Hintergrund des bedeutendsten Ereignisses ihrer Zeit zu verstehen: Dem Hundertjährigen Krieg. Zunächst bestimmt dieser ihre Kindheit, später greift sie in ihn ein, schließlich wird sie durch ihn zur historischen Gestalt und bis in die heutige Zeit zur Ikone Frankreichs.

Der vorgegebene Rahmen lässt hierbei eine lediglich kursorische Darstellung zu, wobei das hauptsächliche Interesse der Frage gilt, wie sich diese längste militärische Auseinandersetzung der europäischen Geschichte auf das Leben Johannas auswirkte. Im darauf folgenden Abschnitt unternehme ich den Versuch, das historisch Gesicherte über die Gestalt Johannas auszubreiten, wobei die Frage, an welchen Lebensstationen die künftige Heilige aufscheint, den Schwerpunkt bildet. Im Hauptteil identifiziere ich schließlich Phasen der „Heiligwerdung“ Johannas, beginnend mit ihren Visionen im Kindesalter bis zu ihrer Kanonisierung im 20. Jahrhundert.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Fragestellung, Herangehensweise und Abgrenzung

2. Kanonisierung als interessengeleiteter Prozess

3. Johanna von Orleans

3.1 Der Hundertjährige Krieg und die politische Situation im Frankreich des 15. Jahrhunderts

3.2 Die historische Figur der Johanna

4. Phasen der Heiligwerdung

4.1 Johannas Selbstbeschreibung als Mystikerin und Gottgesandte

4.2 Chinon, Poitiers uns Orleans als Beginn der tätigen Verehrung durch das Volk „Per viam cultus“

4.3 Der Prozess gegen Johanna und ihre Rehabilitation

4.4 „Johanna nostra est“ Die Ausbildung der Johanna-Verehrung in Frankreich, Mythisierung und Entwicklung zur „Nationalheiligen

4.5 Bischof Dupanloup und die Heiligsprechung der Johanna

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Konstruktion von Heiligkeit am historischen Beispiel der Johanna von Orléans. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, in welchen Phasen dieser Prozess der Heiligwerdung verlief und welche kirchenpolitischen sowie machtpolitischen Interessen dabei eine Rolle spielten.

  • Historische Einordnung des Hundertjährigen Krieges
  • Analyse des Kanonisierungsverfahrens der katholischen Kirche
  • Untersuchung der Selbstwahrnehmung Johannas als Mystikerin
  • Darstellung der Instrumentalisierung Johannas im Prozess und nach ihrem Tod
  • Die Entwicklung vom historischen Individuum zur Nationalheiligen

Auszug aus dem Buch

4.1 Johannas Selbstbeschreibung als Mystikerin und Gottgesandte

Johanna hat durchgängig davon gesprochen, Visionen in Gestalt von Stimmen und Lichterscheinungen gehabt zu haben. Schilderungen dieses Phänomens begegnen uns im gesamten Mittelalter. Besonders in Kriegs- und Notzeiten verzeichnen die Chroniken eine Konjunktur von Mystikern, von denen einige - Männer wie Frauen - zur Kanonisation gelangt sind. Auch war es Usus, dass sich Herrscher häufig ratsuchend an Visionäre wandten. Zum Verständnis dieser spirituellen Erscheinung müssen wir wiederum die Warte unseres aufgeklärten Weltbildes verlassen und uns vergegenwärtigen, dass die Mentalität der Zeit eine Dichotomie von Rationalem und Übersinnlichem nicht kannte. Beide Sphären sind zu denken, als nebeneinander bestehende „der mittelalterlichen Bewusstseinsstruktur adäquate Widerspiegelung der objektiven Realität.“

Nach ihrer Aussage im Verurteilungsprozess hörte Johanna erstmals im Sommer 1425 die Stimme des Erzengels Michael, der sie zunächst zu einem gottgefälligen Lebenswandel ermuntert habe. Diese Darstellung deckt sich mit jener, die sie bereits gegenüber der königlichen Kommission in Poitiers abgegeben hatte. In der Folge wurden die Visionen häufiger. Dem Erzengel traten bald die Heiligen Margareta und Katharina hinzu. Bei der dritten Erscheinung wurde ihr erstmals ein konkreter Auftrag erteilt: „Die Stimme hieß mich, nach Frankreich zu gehen, und ich konnte nicht bleiben, wo ich war. Die Stimme befahl mir, die Belagerung von Orléans aufzuheben.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Heiligenverehrung und Darlegung der wissenschaftlichen Fragestellung sowie der methodischen Abgrenzung der Arbeit.

2. Kanonisierung als interessengeleiteter Prozess: Erläuterung der historischen Entwicklung des kirchenrechtlichen Verfahrens zur Heiligsprechung von der spontanen lokalen Verehrung zur päpstlichen Kontrolle.

3. Johanna von Orleans: Historische Kontextualisierung durch den Hundertjährigen Krieg sowie Überblick über die Quellenlage zur historischen Figur Johanna.

4. Phasen der Heiligwerdung: Untersuchung der verschiedenen Stationen von den ersten Visionen über den Prozess und die Rehabilitation bis hin zur endgültigen Kanonisierung durch die Kirche.

5. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Ausgangsfrage, wobei Johanna als ein durch gesellschaftliche und politische Interessen konstruiertes Symbol identifiziert wird.

Schlüsselwörter

Johanna von Orléans, Heiligenverehrung, Kanonisierung, Hundertjähriger Krieg, Heiligwerdung, Mystik, Katholische Kirche, Nationalheilige, Prozessakten, Karl VII., Instrumentalisierung, Geschichte Frankreichs, Mythos, Machtpolitik, Glaubensgeschichte

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die historische und kirchenpolitische Konstruktion von Heiligkeit am Beispiel von Johanna von Orléans.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zentral sind der Prozess der Heiligwerdung, die Rolle der Kirche bei Kanonisierungen und die Instrumentalisierung historischer Persönlichkeiten für politische Zwecke.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie und in welchen Phasen Johanna zur Heiligen gemacht wurde und welche Interessen dabei eine treibende Rolle spielten.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung von Primärquellen, insbesondere Prozessakten, und relevanter Fachliteratur basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Phasen von Johannas Sendungsbewusstsein, ihren Prozess, ihre spätere Rehabilitation und die systematische Entwicklung ihres Status als Nationalheilige.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kanonisierung, Heiligwerdung, Instrumentalisierung, Johanna von Orléans und Machtpolitik sind die prägenden Begriffe.

Welche Rolle spielte der Hundertjährige Krieg für Johannas Heiligwerdung?

Er bildete den politisch-militärischen Rahmen, in dem Johanna als göttliches Werkzeug für dynastische Ansprüche instrumentalisiert wurde.

Warum war die Rehabilitation für die Kirche und den französischen Hof so bedeutend?

Die Aufhebung des Urteils war notwendig, um Karl VII. zu legitimieren und Johanna als Symbol für die französische Nation zu etablieren.

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Details

Title
Die Konstruktion von Heiligkeit am Beispiel der Johanna von Orléans
College
University of Hagen  (Institut für Kultur- und Sozialwissenschaften)
Grade
1,3
Author
Stefan Schätzler (Author)
Publication Year
2016
Pages
21
Catalog Number
V342362
ISBN (eBook)
9783668321083
ISBN (Book)
9783668321090
Language
German
Tags
Kulturwissenschaften Geschichte Heilige Heiligenverehrung Johanna von Orleans Jeanne d´Arc
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stefan Schätzler (Author), 2016, Die Konstruktion von Heiligkeit am Beispiel der Johanna von Orléans, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/342362
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