Multiple Rationalitäten am Finanzmarkt. Außerökonomische versus konventionelle Kriterien


Hausarbeit, 2015

21 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Ethikfonds
2.1 Definition
2.2 Anlagestrategien / Screening
2.2.1 Vermeidungsstrategie / negative screening
2.2.2 Auswahlstrategie / positive screening
2.2.3 Aktivismusstrategie

3.Islamic Banking
3.1 Definition und Begriffsabgrenzung
3.2 Islamisches Recht
3.3 Gebote und Verbote des Finanzsystems
3.3.1 Riba - Zinsverbot
3.3.2 Halal und Haram - erlaubte und verbotene Geschäfte
3.3.3 Maysir- Glücksspielverbot
3.3.4 Gharar - Spekulationsverbot
3.3.5 Zakat - Gebot der Almosen
3.4 Finanzkonzepte
3.4.1 Eigenkapital-Finanzierungen
3.4.1.1 Mudaraba - stille Partnerschaft
3.4.1.2 Musharakah - Beteiligungskapital
3.4.2 Fremdkapital-Finanzierungen
3.4.2.1 Murabaha - Handelsfinanzierung
3.4.dah - Leasing
3.4.2.3 Salam und Istina-Terminkontrakte

4.Multiple Rationalitäten aufdem Finanzmarkt

5 Quellenverzeichnis
5.1 Literaturquellen
5.2 Abbildungsverzeichnis
5.3 Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

Die Bedeutung von Ethikfonds, Islamic Banking und anderen Finanzprodukten, die sich nicht mit den konventionellen Investmententscheidungen Rentabilität, Risiko und Rendite kategorisieren lassen, wird immer größer. In der vorliegenden Arbeit möchte ich auf die Fragestellung eingehen, ob der Finanzmarkt als ein Ort zu sehen ist, auf dem verschiedene Rationalitäten aufeinandertreffen. Bei der Analyse geht es mir vorrangig um die konventionellen Anleger, die nach oben aufgeführten Kriterien handeln, um ethische Investoren und Investoren, die nach dem islamischen Finanzkonzept handeln. Zunächst möchte ich auf einige Zahlen eingehen, die den Anteil und die Bedeutung der genannten Finanzierungskonzepte verdeutlichen. Im nächsten Schritt werde ich Ethikfonds und Islamic Banking genauer vorstellen und auf Besonderheiten hinweisen. Im letzten Teil der Arbeit werde ich mich mit der Beantwortung der Fragestellung beschäftigen.

Aufgrund der schwierigen Definition von Ethikfonds ist eine klare numerische Analyse nur sehr eingeschränkt möglich. Im Jahre 2006 gab es in Europa insgesamt 388 ethisch orientierte Fonds, mit einem Gesamtvolumen von ca. 34 Milliarden Euro.[1] Vier Jahre später beträgt der Anteil an Ethikfonds in Europa 11% und besitzt ein Volumen von rund 5 Billionen Euro.[2] In Deutschland waren im Jahr 2005 ca. 4,1 Milliarden Euro nach ökologischen und sozialen Kriterien angelegt, wobei das Volumen von 2003 bis 2005 jährlich um rund 28% gewachsen ist und die Anzahl auf ca. 100 Fonds geschätzt wird.[3] Im Jahr 2010 ist das Marktvolumen für Ethikfonds in Deutschland schon auf 57 Milliarden Euro gestiegen.[4] Das folgende Diagramm zeigt den rasanten Anstieg der Fondsanzahl ab 1999 in Deutschland.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das gesamte Marktvolumen für Islamic Banking lässt sich schwer bestimmen und es kursieren unterschiedliche Zahlen zwischen 200 und 700 Milliarden US-Dollar (2006)[5] [6] und 1.000 Mrd. US-Dollar (2011)[7] mit bis zu 350 Finanzdienstleistern in ca. 70 Ländern. Die Ratingagentur Standard & Poors geht davon aus, dass das potentielle Volumen mittelfristig auf 4.000 Milliarden US-Dollar ansteigen könnte.[8] Bis 2015 sollte das islamkonform investierte Geld bei ca. 2,8 Billionen US-Dollar liegen.[9] Die Lage in Deutschland lässt sich nur schwer erfassen, da die Herkunftsnation nicht mit der Religion gleichgesetzt werden kann. Weiterhin ist die Zahl der konvertierten und in Deutschland lebenden Muslime unklar. Eine Studie ergab, dass das jährliche Sparvolumen muslimischer Haushalte ca. 2,2 Milliarden Euro beträgt.[10]

2 Ethikfonds

Ethikfonds spielen in vielen Ländern eine untergeordnete Rolle, obwohl sie an Bedeutung gewinnen. „Außerhalb Europas und den USA spielen Ethikfonds, bis auf Einzelfälle wie Australien, Japan und Kanada, noch eine untergeordnete Rolle.“[11] Vor allem die gestiegene gesellschaftliche Sensibilität und die mögliche Vermeidung solcher Ereignisse, wie Naturkatastrophen, Umweltprobleme oder auch Betrugsskandale[12], machen die Investition in Ethikfonds auch für nicht-ethisch- motivierte Anleger interessant.

2.1 Definition

Ethikfonds ist ein Begriff, der sich in eine ganze Reihe von Termini eingliedert, die eine ethisch motivierte Geldanlage beschreiben. In den USA wird diese Art von Anlage meist mit „Socially Responsible Investment“ (SRI) betitelt, im Vereinigten Königreich spricht man eher vom „Ethical Investment“.[13] In Deutschland verwendet man eher die Begriffe nachhaltige, ökologische oder grüne Investments.[14] Wobei der Begriff Nachhaltigkeit vor allem für Dauerhaftigkeit stehen soll.[15]

Zunächst möchte ich versuchen eine Definition festzulegen, die ich in dieser Arbeit nutzen werde. Den ersten Schritt werde ich mit der Teilung des Wortes Ethikfonds vollziehen, um im Anschluss eine allgemein gültige Festlegung zu definieren. Nitzl definiert das Wort „Fonds“ nach dem Investmentgesetz, wo es heißt, dass es sich hierbei um eine Vermögensmasse handelt, die von einer Investmentgesellschaft aufgelegt wird und in der das Geld von meist vielen Anlegern eingesammelt wird, um die summierten Geldmittel in der Gesamtheit nach dem Prinzip der Risikostreuung anzulegen und fachmännisch zu verwalten.[16] Die Definition des Wortes „Ethik“ gestaltet sich schon wesentlich schwieriger, wobei genau dieser Sachverhalt wahrscheinlich die Begriffsbildung des zusammengesetzten Wortes „Ethikfonds“ beeinflusst. Die Ethik ist ein Teilbereich der Philosophie, welche das Wollen und Handeln des Menschen in unterschiedlichen Situationen danach untersucht, inwieweit es einer Idee des Guten entspricht.“[17] Hierbei spielen die Prinzipien des Altruismus und die Selbstaufopferung eine Rolle.[18] Zusammenfassend lässt sich aus diesen Definitionen herausfinden, dass Ethikfonds eine Form der Geldanlage sind, welche die Frage nach der moralisch richtigen Handlung in einer ethisch orientierten Wertpapierselektion widerspiegeln, wobei durch die nicht-allgemeingültige Definition, unterschiedliche Anlagekonzepte unter den Begriff fallen.[19] Neben den traditionellen ökonomischen Kriterien Risikoeinstellung, Rentabilität und Liquidität, werden zusätzlich auch nicht-finanzielle Kriterien, wie ökologische und soziale Auswirkungen, in der Anlageentscheidung berücksichtigt.[20] Das traditionelle magische Dreieck der Kapitalanlage wird um um den vierten Punkt Nachhaltigkeit ergänzt.[21] Letztendlich halte ich mich in dieser Arbeit an Nitzls Definition, nach der,,... unter einem Ethikfonds ein Fonds verstanden [...] [wird], der neben monetären auch nicht-monetäre Zielgrößen, wie ethische, ökologische und/oder soziale Kriterien bei der Anlagenauswahl explizit berücksichtigt.“[22]

2.2 Anlagestrategien / Screenings

Die Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie erfolgt mit Hilfe verschiedener Verfahren. Hierbei werden die Fonds, die sich im Anlageuniversum befinden auf verschiedene Kriterien überprüft, um letztendlich einen Ethikfonds zu identifizieren. Die Kriterien befolgen dabei ökologischen, ökonomischen und sozialen Prinzipien.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] vgl. Nitzl, Christian: „Ethikfonds aufdem deutschen Kapitalmarkt“, Seite 16

[2] vgl. Nessel, Sebastian: „Ethisches Investment, Islamic Finance und politische Fonds“, Seite 8

[3] vgl. Nitzl, Christian: „Ethikfonds aufdem deutschen Kapitalmarkt“, Seite 15 f.

[4] vgl. Nessel, Sebastian: „Ethisches Investment, Islamic Finance und politische Fonds“, Seite 8

[5] eigene Darstellung des Verfassers nach: Nitzl, Christian: „Ethikfonds aufdem deutschen Kapitalmarkt“, Seite 16

[6] vgl. Käseberg, Patrick: „Islamic Banking“, Seite 7

[7] vgl. Nessel, Sebastian: „Ethisches Investment, Islamic Finance und politische Fonds“, Seite 14

[8] vgl. Biermeier, Christoph: „Islamic Finance im konventionellen Banksystem“, Seite 2

[9] vgl. Käseberg, Patrick: „Islamic Banking“, Seite 7

[10] vgl. ebenda, Seite 10

[11] Nitzl, Christian: „Ethikfonds aufdem deutschen Kapitalmarkt“, Seite 19

[12] vgl. ebenda, Seite 18

[13] vgl. ebenda, Seite 11

[14] vgl. ebenda, Seite 11

[15] vgl. Seitz, Johann: „Nachhaltige Investments“, Seite 12

[16] vgl. Nitzl, Christian: „Ethikfonds aufdem deutschen Kapitalmarkt“, Seite 10

[17] ebenda, Seite 10

[18] vgl. ebenda, Seite 10

[19] vgl. ebenda, Seite 10 f.

[20] vgl. ebenda, Seite 12

[21] vgl. Seitz, Johann: „Nachhaltige Investments“, Seite 14

[22] Nitzl, Christian: „Ethikfonds aufdem deutschen Kapitalmarkt“, Seite 12

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Multiple Rationalitäten am Finanzmarkt. Außerökonomische versus konventionelle Kriterien
Hochschule
Universität Hamburg  (Wirtschafts- und Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Geld und Gesellschaft
Note
2,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
21
Katalognummer
V342402
ISBN (eBook)
9783668321496
ISBN (Buch)
9783668321502
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ethikfonds, ethisches Investment, konventionelles Investment, Rentabilität, Risiko, Rendite, Islamic Banking, multiple Rationalitäten, Soziologie
Arbeit zitieren
Hannes Kaupert (Autor:in), 2015, Multiple Rationalitäten am Finanzmarkt. Außerökonomische versus konventionelle Kriterien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/342402

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