Dieser Text behandelt die Grundlagen der Pflegetheorie.
Aus dem Text:
-Was ist unter einer Theorie zu verstehen;
-Was sind die Unterschiede zwischen Konzept, Modell und Theorie;
-Die globale Theorie am Beispiel Orem;
-Gründe für die weitere Theorieentwicklung
Inhaltsverzeichnis
Was ist unter einer Theorie zu verstehen?
Beschreiben sie die Unterschiede zwischen einem Konzept, einem Modell und einer Theorie?
Was versteht man unter Theorienpluralismus? Was ist der überwiegende Konsens darüber?
„Die meisten Pflegetheorien dienen primär der Existenzberechtigung der Pflegewissenschaft und weniger der Praxis der Pflege.“
Beschreibung und Betrachtung einer globalen Theorie am Beispiel Orem.
Welchen Zweck erfüllten globale Theorien und welche Hauptkritikpunkte werden in der Literatur genannt?
In der Literatur genannten Gründe für die Abflauung des theoretischen Diskurses.
Gründe für die Wichtigkeit weiterer Theorieentwicklung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit der Rolle und Bedeutung von Pflegetheorien in der wissenschaftlichen Entwicklung sowie in der pflegerischen Praxis auseinander. Dabei wird insbesondere untersucht, warum der theoretische Diskurs an Bedeutung verloren hat, welche Herausforderungen die Anwendung globaler Modelle wie das von Orem in der Langzeitpflege mit sich bringt und wie die Kluft zwischen Forschung und Theorieentwicklung in der heutigen Zeit geschlossen werden kann.
- Grundlegende Definition und Differenzierung von Theorien, Modellen und Konzepten.
- Diskussion des Theorienpluralismus als moderne Sichtweise in der Pflege.
- Kritische Reflexion der Existenzberechtigung und Praxisrelevanz globaler Pflegetheorien.
- Analyse der Anwendbarkeit des Modells von Orem in der Langzeitpflege.
- Untersuchung der Gründe für den aktuellen Stillstand des theoretischen Diskurses.
- Notwendigkeit und Perspektiven für eine zukünftige Theorieentwicklung in der Pflege.
Auszug aus dem Buch
Was ist unter einer Theorie zu verstehen?
Das Wort Theorie stammt aus dem altgriechischen theorein und bedeutet „schauen“ oder „beobachten“.
Theorie im etymologischen Sinn bedeutet eine „Beobachtung“ bzw. „Anschauung“, dem entsprechend eine besondere Art der Wahrnehmung unter dem Gesichtspunkt der Domäne einer Profession, wobei kein einheitliches wissenschaftliches Begriffsverständnis existiert (Neumann-Ponesch, 2014). Kirkevold beschreibt 2002 Theorie als „abstraktes Bild“ der Wirklichkeit, wobei eine Theorie „ausgesuchte Phänomene“ und die Interaktion der Beziehung untereinander beschreibt (zitiert nach Neumann-Ponesch, 2014, S.65). Ähnlich dessen definiert Schäfers 1986 Theorie als „begründeter Aussagezusammenhang über bestimmte Aspekte der dem Menschen zugänglichen Wirklichkeit“ (zitiert nach Neumann-Ponesch, 2014, S. 66).
Ungeachtet der verschiedenen Definitionsformen, die allesamt einen gemeinsamen Kontext linguistisch-kreativ ausformulieren, muss eine Theorie einheitliche Kriterien erfüllen, d. h. eine logische Konsistenz und damit verbundene Widerspruchsfreiheit aufweisen, informativ in Bezug auf die Realität und an deren überprüfbar sein, sowie eine, den Korrespondenzregeln entsprechende Operationalisierung möglich machen (Neumann-Ponesch, 2014).
Zusammenfassung der Kapitel
Was ist unter einer Theorie zu verstehen?: Dieses Kapitel beleuchtet die etymologische Herkunft des Theoriebegriffs und diskutiert verschiedene wissenschaftliche Definitionen sowie die notwendigen Kriterien für eine fundierte Theorie.
Beschreiben sie die Unterschiede zwischen einem Konzept, einem Modell und einer Theorie?: Hier erfolgt eine präzise Abgrenzung der drei Begriffe, wobei Konzepte als Bausteine von Theorien und Modelle als vereinfachte, anschauliche Darstellungen von Sachverhalten definiert werden.
Was versteht man unter Theorienpluralismus? Was ist der überwiegende Konsens darüber?: Das Kapitel erläutert den Übergang von der Suche nach einer einheitlichen Pflegetheorie hin zur Akzeptanz pluralistischer Ansätze, da weder in der Medizin noch in den Sozialwissenschaften ein einheitliches Grundprinzip existiert.
„Die meisten Pflegetheorien dienen primär der Existenzberechtigung der Pflegewissenschaft und weniger der Praxis der Pflege.“: Diese kritische Aussage wird historisch eingeordnet und hinterfragt, wobei der Wandel von globalen Theorien hin zu praxisnäheren Ansätzen betont wird.
Beschreibung und Betrachtung einer globalen Theorie am Beispiel Orem.: Anhand der Selbstpflegedefizit-Theorie nach Orem werden Anwendungsmöglichkeiten, aber auch die Grenzen und Herausforderungen in der stationären Langzeitpflege praxisnah analysiert.
Welchen Zweck erfüllten globale Theorien und welche Hauptkritikpunkte werden in der Literatur genannt?: Es wird aufgezeigt, dass globale Theorien ursprünglich der Emanzipation der Pflegewissenschaft dienten, jedoch aufgrund ihres hohen Abstraktionsgrades und mangelnder Praxisnähe zunehmend in die Kritik gerieten.
In der Literatur genannten Gründe für die Abflauung des theoretischen Diskurses.: Dieses Kapitel identifiziert Faktoren wie die Kluft zwischen Forschung und Theorie, den Einfluss von Evidence Based Health Care sowie hochschulpolitische Rahmenbedingungen als Ursachen für den nachlassenden theoretischen Diskurs.
Gründe für die Wichtigkeit weiterer Theorieentwicklung: Abschließend wird die Notwendigkeit einer Reanimation induktiver Theorieentwicklung hervorgehoben, um den Menschen wieder in den Fokus zu rücken und innovative, wissenschaftlich fundierte Pflegeinterventionen zu ermöglichen.
Schlüsselwörter
Pflegetheorie, Pflegemodell, Pflegewissenschaft, Theorienpluralismus, Selbstpflegedefizit-Theorie, Dorothea Orem, Langzeitpflege, Theorieentwicklung, Evidence Based Health Care, Existenzbegründung, Praxisnähe, Pflegediskurs, Humanwissenschaft, Pflegeforschung, Handlungsautonomie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der wissenschaftstheoretischen Fundierung der Pflege, der Bedeutung von Pflegetheorien für die Disziplin sowie der kritischen Auseinandersetzung mit deren Anwendung in der Praxis.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Theorie und Modell, dem Theorienpluralismus, der kritischen Analyse globaler Theorien wie der von Orem und der Diskussion über den aktuellen Stillstand des theoretischen Diskurses.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Entwicklung der Pflegetheorien nachzuvollziehen, deren Funktion zur Etablierung der Pflegewissenschaft zu verstehen und die Gründe für die aktuelle Distanz zur Theoriebildung kritisch zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte, diskursive Analyse, bei der existierende wissenschaftliche Beiträge und Theorien aus der Pflegewissenschaft kritisch reflektiert und zusammengeführt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine begriffliche Klärung, die Diskussion des Theorienpluralismus, eine Fallreflexion zu Orem sowie eine detaillierte Analyse der Ursachen für die Abflauung des theoretischen Diskurses.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Pflegetheorie, Pflegemodell, Pflegewissenschaft, Theorienpluralismus, Praxisnähe und Theorieentwicklung.
Warum wird das Modell von Orem in der Langzeitpflege als kritisch angesehen?
Obwohl Orem das Empowerment des Patienten stärkt, wird das Modell oft als zu defizitorientiert wahrgenommen, was bei unreflektierter Anwendung die Eigenständigkeit der Bewohner eher mindern als fördern kann.
Wie lässt sich laut Autor der Stillstand im theoretischen Diskurs begründen?
Der Stillstand wird unter anderem durch die veränderte Forschungshaltung im Zuge von Evidence Based Health Care, den Fachhochschulcharakter der Studiengänge und den enormen administrativen Druck auf wissenschaftliche Akteure erklärt.
- Arbeit zitieren
- Bianca Konrad (Autor:in), 2016, Theoretische Grundlagen in der Pflege, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/342463