Die Berliner Mauer als Kunstobjekt


Hausarbeit, 2011

20 Seiten, Note: 2,3

Clara Göbel (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Mauerbau
Grenzmauer 75

Anfänge und Entwicklungstendenzen der Mauerkunst
Graffiti
Thierry Noir - „Klotz- Stein und Eierköpfe“
Keith Haring - „Figurenkette“
Installationskunst
Christophe Bouchet - „Hommage a Marcel Duchamp“
Peter Unsicker - die „Wall Street Gallery“
Aktionskunst
Allan Kaprow und René Block - „Sweet Wall“
Die tödliche Doris
Kain Karawahn - „Berliner Mauer - Flammen“
Stephan Elsner - „Grenzverletzung“
Die Aktion weißer Strich

Die Mauer in der Erinnerungskultur
Die East Side Gallery

Zusammenfassung

Literaturverzeichnis
Quellen
Literatur
Internetseiten

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

Diese Arbeit soll sich mit der künstlerischen Auseinandersetzung mit der Berliner Mauer beschäftigen. Dabei soll die Mauer selbst nicht ausschließlich als „Schandmauer“ verstanden, sondern unter anderen Aspekten als Leinwand, Inspirationsquelle und Gesamtkunstwerk betrachtet werden.

Um die Rahmenbedingungen nachvollziehen zu können, soll zunächst ein zeitlicher Abriss über den Mauerbau wiedergegeben werden. Im Anschluss werden die einzelne Aktivitäten verschiedener Künstler vorgestellt, um die Vielseitigkeit der künstlerischen Auseinandersetzung mit der Mauer zu verdeutlichen.

Mauerbau

Der Bau der Mauer war ein stetig wandelnder Prozess. Die Abwanderung aus der DDR war stets das dominierendes Problem, dessen Eindämmung sich zur Hauptaufgabe der Regierung entwickelte. So wurde bereits 1946, noch vor der Staatsgründung der DDR, mit dem Aufbau einer eigenen Grenzpolizei begonnen. Da diese jedoch hauptsächlich an den Grenze zwischen der sowjetischen - und der amerikanischen - bzw. britischen Besatzungszone eingesetzt wurden, war es in Berlin noch immer möglich, in die westlichen Sektoren zu fliehen. Um auch diese Fluchtbewegung langfristig einzudämmen, wurden die Ein- und Ausreisegesetze immer weiter verschärft. Dennoch gelang es der Regierung nicht, Berlin als Schlupfloch zu schließen.

Ein Vorgehen, wie an der innerdeutschen Grenze war für die SED - Regierung aufgrund der Sonderstellung Berlins erschwert, da der östliche Teil der Stadt somit von wichtigen wirtschaftlichen Sektoren abgeschnitten worden wäre. Nachdem für die Regierung ein zunächst zufriedenstellender Weg gefunden wurde, die Versorgung Ostberlins zu sichern, musste der „Eiserne Vorhang“ auch in der Hauptstadt gezogen werden. Als man in der Nacht vom 13. August, 1961 begann die Sektorengrenzen abzuriegeln, war im Westen noch nicht absehbar, welch dramatisches Ausmaß dieser Vorgang annehmen sollte: „Von den 81 Übergangsstellen zwischen den drei Westsektoren und dem Ostsektor verblieben schließlich sieben besonders gekennzeichnete Kontrollstellen; die Sperrmaßnahmen in Berlin beendeten gleichzeitig den Durchgangsverkehr von 8 S- Bahn und 3 U Bahn Linien; 193 Haupt und Nebenstraßen wurden zerschnitten“.1

Die Grenzsicherung wurde noch im selben Jahr vollständig militarisiert. Zunächst wurden Barrikaden aus Stacheldraht und Betonpfählen errichtet, die im Laufe weniger Monate immer systematischer und komplexer ausgebaut wurden. Bis 1964 existierten 165 Beobachtungstürme 130 km waren umzäunt, auf weiteren 15 km wurde bereits eine Mauer errichtet.2

Jedoch gelang noch immer zahlreichen Menschen die Flucht durch z.B. durch „Unterkriechen, Zerschneiden und Übersteigen der Stacheldrahtsperren“3, sodass Generalmajor Poppe 1965 dem Verteidigungsministerium eine umfassende Planung für den Ausbau der Grenzanlagen bis 1970 vorlegte. Die Umsetzung dieser Pläne und damit die Mauer 2. Generation erfolgte in den Jahren von 1966 bis 1971. Charakteristisch für diese etwa 100 km Grenzanlagen waren die erstmals industriell hergestellten Betonplatten, mit einem aufgesetzten Rohr, das dem finalen Zustand der Berliner Mauer schon recht ähnlich war. Dennoch war sie den Witterungsbedingungen und raffinierten Flüchtlingen nicht gewachsen.

Erst die „Grenzmauer 75“ setzte völlig neue Maßstäbe und war den Ansprüchen der Regierung, eines „wartungsarmen und formschönen“4 Schutzwalls gerecht.

Grenzmauer 75

Die Mauer der 4. Generation, wie sie bis 1989 bestehen blieb, war ein ca. 3,6 m hohes Sperrelement aus Stahlbetonplatten, die einen halben Meter in den Boden ragten, sodass eine Untergrabung nahezu auszuschließen war. Insgesamt machte ein System aus 11 Sperrelementen, wie Signalzäune und -geräte mit Selbstschussanlagen, sowie Stahligeln die Grenze nahezu unüberwindbar.5 Bis 1980 gelang es, diesen Typ der, aufgrund seiner Homogenität, nun auch „ästhetischen Ansprüchen“ entsprach im gesamten Berliner Raum zu etablieren. Tatsächlich konnte nun eine dramatische Verringerung der Fluchtversuche zu verzeichnet werden.

Dennoch arbeitete man bis 1989 weiter an der „Perfektionierung der Mauer. Zahlreiche Pläne, wie die Einführung von Reizwurfkörpern oder Schürfpfeilern, konnten glücklicherweise nicht mehr verwirklicht werden.

Anfänge und Entwicklungstendenzen der Mauerkunst

Während es im Osten gänzlich untersagt war, Meinungen gegen das Grenzregime zu äußern, nutzte man das „Niemandsland“, westlich der Mauer u.a. für kritische Graffitis gegen das DDR Regime. Zwar war es auch dort verboten, die Mauer zu bemalen, denn laut dem Gesetz über die Staatsgrenze der Deutschen demokratischen Republik hieß es: „Grenzzeichen dürfen ohne Zustimmung der zuständigen Organe der Deutschen Demokratischen. Republik und ohne Vereinbarung mit den zuständigen Organen der benachbarten Staaten nicht entfernt oder versetzt werden. Sie sind vor Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung ihrer Lage zu schützen“6

Die Mauer befand sich auf dem Territorium der DDR, doch war es für die Grenzsoldaten nur schwer möglich, das Gebiet westlich der Mauer einzusehen und zu kontrollieren. Zu diesem Zweck existierten sogenannte „Schlupftore“, die es den Grenzern ermöglichten auf die andere Seite zu gelangen, jedoch war dies nur Grenzern mit besonderen Qualifikationen erlaubt und es gelang selten, Grenzverletzer auf diese Art und Weise zu überführen.

Erst mir der Errichtung der 4. Mauergeneration, „Grenzmauer 75“, begann die künstlerische Ausgestaltung, da sich die hohen, glatten und vor allem langen Betonwände besonders gut bemalen und beschriften ließen.7

Zunächst zierten vereinzelte Tags, Sprüche, Bemerkungen, Aufrufe und Slogans sowie politische Parolen, Sprüche und Bekundungen vor Ort gewesen zu sein, die Mauer. Erst mit der Zeit entwickelte sich das Bedürfnis, der Mauer einen künstlerisch - moralischen Inhalt zu verleihen. „Symbole des Sich Öffnens, der Hoffnung auf Überwindung der Grenzen, der Wunsch die Mauer durchsichtig zu machen, standen an erster Stelle. In Reißverschluss, Loch , Tür, Leiter oder Treppe vergegenständlichten sie sich.“8

Erst 1982 begann man mit der flächendeckenden Ausgestaltung der Mauer. „Running Man“ des amerikanischen Künstlers Jonathan Borofsky war das erste Kunstwerk dieser Art.

Dennoch traten im Anschluss daran hauptsächlich die französischen Künstler, Thierry Noir und Christophe Bouchet, mit ihren großflächigen Motiven in Erscheinung.

Die Beschaffenheit der Mauer nutzen die Künstler auf verschiedene Art und Weise, so z.B. betonte eine Serie mit Freiheitsstatuen von Noir und Bouchet eher die Höhe und Vertikalität der Mauer, die sich aus den einzelnen Segmenten ergab und Keith Hambleton, der eben dieses Werk für seine horizontale Figurenkette nutzte, verwies so eher auf die scheinbar endlose Weite des Bauwerkes.Der Mauersockel, sowie die Rolle, wurden meist für Signaturen, oder Titelangaben genutzt.

Die Vielzahl der künstlerischen Auseinandersetzung mit der Mauer soll nun anhand von Beispielen gezeigt werden.

Graffiti

Diese Kunstrichtung etablierte sich im Laufe der 1980er Jahre im gesamteuropäischen Raum. Ihren Ursprung findet zu Beginn der 1930er Jahren in Amerika. Anfang der 1970er Jahre war das „Taggen“, also das Signieren mit Slogans, auf europäischem Raum hauptsächlich bei den Punkern verbreitet. Die bildlichen Darstellungen entwickelten sich tatsächlich erst im Laufe der 1980er Jahre. Als besondere Zentren galten Paris, oder Amsterdam - Berlin wurde erst mit der Errichtung der Mauer für Künstler und Sprayer aus verschiedensten Nationen attraktiv.

Für internationale Künstler machte die Mauer nicht nur aufgrund ihrer Beschaffenheit, sondern auch auf Grund ihrer sozial - politisch Funktion einen besonderen Reiz aus. „Viele Künstler trafen sich dort, spürten in dem tiefsten Innern, daß diese Stadt etwas mehr hatte, das ihnen Schaffenslust eintauchte. Es gab in Berlin so etwas wie einen Notstimmung, welche die Künstler einlud, sich stets zu übertreffen und dank des Schaffens zu überleben.“9

Den Künstlern wurde eine besondere Anerkennung zuteil, wenn es ihnen gelang, ihr Werk an einem außergewöhnlichen, oder gefährlichen Ort anzubringen. Die Berliner Mauer war aufgrund dessen zu einem beliebten Untergrund geworden. Noch heute gilt sie als das größte Graffiti - Objekt der Welt.

Thierry Noir - „Klotz- Stein und Eierköpfe“

Thierry Noir trat als erstes als bedeutender Mauerkünstler in Erscheinung und beteiligte sich auch nach dem Fall noch aktiv an der Gestaltung von Mauersegmenten in der East Side Gallery.

Der gebürtige Franzose reiste 1982, im Alter von knapp 24 Jahren, nach Westberlin, jedoch zunächst ohne Zukunftsaussichten oder jeglicher beruflicher Perspektive. Im Kreis der Kreuzberger Künstlerszene fühlte er sich schnell heimisch und sah sich gezwungen, den tristen, grauen Alltag mit seiner Kreativität farbig auszugestalten.

So begann er, im Frühjahr 1984, die Mauer zu bemalen - ohne damit jedoch eine tiefgehende Absicht zu verfolgen. Er wohnte zu jener Zeit im „Georg von Rauch Haus“, einem zu jener Zeit besetzen Haus in Berlin Kreuzberg, in dem er auch auf andere Künstler, wie Christophe Bouchet oder Kiddy Citny traf, die sich später an der Mauergestaltung beteiligten.

Sie verfolgten mit ihrer Bemalung lediglich die Absicht, sich den Blick nach draußen etwas bunter zu gestalten.10 Noir verspürte den Drang, „irgend etwas gegen diese beängstigende Mauer zu tun. Eine Art körperliche Reaktion gegen den Druck des täglichen Lebens neben der Berliner Mauer.“11

Erschwert war dies durch die finanzielle Situation des Künstlers, die es ihm nur erlaubte, Farbreste zu verwerten. Zusammen mit dem Christophe Bouchet, Kiddy Citny und Alexander Hacke gestalteten sie die Mauer immer umfassender aus.

Alexander Hacke meinte dazu: “Ich glaube, keiner von uns hatte einen großartigen Kunstanspruch! Wir haben einfach gemacht, was wir gemacht haben und nicht daran gedacht, dass es jemals als Kunst ausgelegt werden wird.(...)“12

Immer mehr Bewohner des Rauchhauses schlossen sich den Künstlern an und begannen die Mauer mitzugestalten, allerdings gebührt Thierry Noir besondere Aufmerksamkeit, da er über die Jahre hinweg, mit einer bemerkenswerten Konsequenz zur Gestaltung beitrug. Dennoch musste auch er die Erfahrung machen, dass seine Werke, auf die er nach Fertigstellung keinerlei Anspruch mehr hatte, schnell mit Kritzeleien wieder verunstaltet wurden.

[...]


1 Ritter, Jürgen/ Lapp Peter Joachim: Die Grenze, ein deutsches Bauwerk, S. 26.

2 Flemming, Thomas: Die Berliner Mauer, Grenze durch eine Stadt, S. 35.

3 Ebenda, S. 36.

4 Ebenda, S.44.

5 Abb. 1: Rathje, Wolfgang: Prinzipschema „Ausbau der Staatsgrenze der DDR zu BERLIN - West“, aus Gründer, Ralf: Verboten: Berliner Mauerkunst, Eine Dokumentation von Ralf Gründer, S. 24.

6 Gesetzblatt der Deutschen Demokratischen Republik 1982, Teil II. S. 19.

7 Gründer, Ralf: Verboten: Berliner Mauerkunst, S. 92.

8 Kuzdas, Heinz J.: Berliner Mauer Kunst, Mit East Side Gallery, S. 22.

9 Noir, Thierry: Die Geschichte der Berliner Mauer bei Thierry Noir, in: Thierry Noir Temporary Web Encourage, Letzte Aktualisierung unbekannt, URL: http://www.galerie- noir.de/ArchivesDeutsch/mauer.htm.

10 Abb.2: Noir, Thierry: „Blick aus der Toilette im 1. Obergeschoss des Rauchhauses über der Berliner Mauer am Bethaniendamm“, 1987, aus Gründer, Ralf: Verboten: Berliner Mauerkunst, S. 42.

11 Noir, Thierry: Die Geschichte der Berliner Mauer bei Thierry Noir, in: Thierry Noir Temporary Web Encourage, Letzte Aktualisierung unbekannt, URL: http://www.galerie- noir.de/ArchivesDeutsch/mauer.htm.

12 Gründer, Ralf: Verboten: Berliner Mauerkunst, S. 43.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Berliner Mauer als Kunstobjekt
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Die Mauer. Errichtung, Überwindung, Erinnerung
Note
2,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
20
Katalognummer
V342470
ISBN (eBook)
9783668324831
ISBN (Buch)
9783668324848
Dateigröße
1504 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
berliner, mauer, kunstobjekt
Arbeit zitieren
Clara Göbel (Autor), 2011, Die Berliner Mauer als Kunstobjekt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/342470

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