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"Am Beispiel meines Bruders" von Uwe Timm. Ein Beitrag zur literarischen Erinnerungskultur

Titel: "Am Beispiel meines Bruders" von Uwe Timm. Ein Beitrag zur literarischen Erinnerungskultur

Wissenschaftlicher Aufsatz , 2016 , 21 Seiten

Autor:in: Hans-Georg Wendland (Autor:in)

Didaktik für das Fach Deutsch - Literatur, Werke
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

In den fünfziger und sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurden die zwischen 1933 und 1945 und vor allem während des zweiten Weltkriegs verübten
Verbrechen der NS-Gewaltherrschaft in der Öffentlichkeit kaum kontrovers diskutiert.

Die Adenauer-Regierung verfolgte eine Strategie der Wiedereingliederung erfahrener Funktionseliten in den politischen und wirtschaftlichen Wiederaufbau Westdeutschlands.

Anstatt sich kritisch mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, nahm man eine Haltung des so genannten „kollektiven Beschweigens“ ein – eine Haltung des „Nicht-darüber-Sprechen“ , die Uwe Timm in seinem Buch als „Feigheit“ und „Totschweigen“ anprangert.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit Uwe Timms Erzählung 'Am Beispiel meines Bruders' und stellt sich die Frage, inwiefern dieser Text einen Beitrag zur literarischen Erinnerungskultur leistet.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Vom Vergessen und Verschweigen zum Erinnern

2. „Am Beispiel meines Bruders“ als Beispieltext der literarischen Erinnerungskultur

3. Zwischen Nähe und Ferne: Das Beziehungsgeflecht der Figuren und der zeitgeschichtliche Hintergrund

3.1 Der Vater

3.2 Die Mutter

3.3 Die Schwester

3.4 Der Bruder

4. Zusammenfassende Schlussbemerkung

Zielsetzung & Themen

Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Untersuchung von Uwe Timms Werk „Am Beispiel meines Bruders“ im Kontext der deutschen Erinnerungskultur. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie der Autor durch die Aufarbeitung der eigenen, komplexen Familiengeschichte und der Rolle seines Bruders sowie der Eltern die Grenzen zwischen privater Erinnerung und allgemeiner Zeitgeschichte literarisch verarbeitet und reflektiert.

  • Analyse des Wandels der deutschen Erinnerungskultur vom „kollektiven Beschweigen“ zur kritischen Reflexion.
  • Untersuchung des Werks als „hybride Gattung“ zwischen Autobiografie, Familiengeschichte und historischer Dokumentation.
  • Differenzierte Charakterisierung des Beziehungsgeflechts innerhalb der Familie Timm (Vater, Mutter, Schwester, Bruder).
  • Herausarbeitung der ambivalenten Rolle des Bruders Karl-Heinz als „Täter und Opfer“.

Auszug aus dem Buch

3. Zwischen Nähe und Ferne: Das Beziehungsgeflecht der Figuren und der zeitgeschichtliche Hintergrund

Bei der Lektüre merkt der Leser schon nach wenigen Seiten, dass es in diesem Buch keinesfalls nur – und vielleicht nicht einmal in erster Linie – um den Bruder des Erzähler-Autors geht. Zwar bildet der Tod des Bruders als traumatisches Erlebnis das Kernstück des Buches und steht an besonders exponierter Stelle (Anfang, Mitte und Ende). Sein kurzes Leben an der Ostfront bleibt jedoch in ein rätselhaftes Dunkel gehüllt, das nur im letzten Tagebucheintrag wie durch einen „Lichtstrahl in die Finsternis“ (BB 151) etwas aufgehellt zu werden scheint. Hinsichtlich der Struktur wurde bereits auf die montageartige Zusammenfügung ganz unterschiedlicher Textsorten und eine Form des Schreibens verwiesen, die nicht streng an der chronologischen Reihenfolge der geschilderten Ereignisse orientiert ist und für den Leser, der einen zeitlich gegliederten Überblick über die Familiengeschichte erwartet, eine besondere Herausforderung darstellt. Hier wird daher der Versuch unternommen, das Geschehen soweit als möglich in seiner zeitlichen Abfolge zu erfassen und dabei zu untersuchen, in welchem Verhältnis die Figuren zueinander stehen und welche Haltungen sie den zeitgeschichtlichen Ereignissen gegenüber einnehmen. Damit vergegenwärtigen wir uns ausschnitthaft wichtige Teile aus Uwe Timms Familiengeschichte.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vom Vergessen und Verschweigen zum Erinnern: Dieses Kapitel erläutert den Wandel des gesellschaftlichen Umgangs mit der NS-Vergangenheit in Deutschland, vom anfänglichen „kollektiven Beschweigen“ bis hin zur Etablierung einer aktiven „Erinnerungskultur“.

2. „Am Beispiel meines Bruders“ als Beispieltext der literarischen Erinnerungskultur: Hier wird das Werk als ein hybrider Text zwischen Autobiografie und Zeitgeschichte analysiert, der Leerstellen der offiziellen Geschichtsschreibung durch die subjektive, familiäre Perspektive hinterfragt.

3. Zwischen Nähe und Ferne: Das Beziehungsgeflecht der Figuren und der zeitgeschichtliche Hintergrund: Dieser Abschnitt bietet eine detaillierte psychologische und biographische Untersuchung der einzelnen Familienmitglieder – Vater, Mutter, Schwester und Bruder – und ihrer jeweiligen Rollen vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte.

4. Zusammenfassende Schlussbemerkung: Das Fazit resümiert die exemplarische Bedeutung des Bruders und der Eltern als Stellvertreter für ihre Generation und betont die nie endende, schwierige Aufgabe des Erzählers, das „Halbdunkel“ der Vergangenheit durch Schreiben zu erhellen.

Schlüsselwörter

Uwe Timm, Erinnerungskultur, NS-Zeit, Familiengeschichte, Kollektives Gedächtnis, Literarische Erinnerungsliteratur, Väterliteratur, Nationalsozialismus, Trauma, Identitätsfindung, Schuld und Verantwortung, Kommunikatives Gedächtnis, Zeitgeschichte, Autobiografie, Opfer und Täter.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Uwe Timms autobiografisch geprägtes Werk „Am Beispiel meines Bruders“ und dessen Bedeutung für die deutsche Erinnerungskultur nach 1945.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Vergangenheitsbewältigung, die Dynamik des Vergessens und Erinnerns, familiäre Generationenkonflikte sowie das Spannungsfeld zwischen privater Biografie und großer Zeitgeschichte.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, das Werk als ein komplexes Gewebe aus persönlichen Dokumenten und historischer Reflexion zu entschlüsseln, um die Identität des Autors im Verhältnis zu seiner Familie zu verstehen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine strukturelle und inhaltliche Textanalyse, um die erzählerischen Strategien und das Beziehungsgeflecht der Akteure anhand des Buches und ergänzender Sekundärliteratur aufzuarbeiten.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einordnung des Werks als Erinnerungsliteratur und eine detaillierte, psychologisch fundierte Charakterstudie der Familienmitglieder Vater, Mutter, Schwester und Bruder.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind Erinnerungskultur, Familiengeschichte, kollektives Gedächtnis, NS-Verbrechen, Aufarbeitung, Identität, Täter-Opfer-Problematik und autobiografisches Schreiben.

Wie bewertet der Autor die Rolle des Vaters im Buch?

Die Vaterfigur wird als schillernd und widersprüchlich dargestellt; als jemand, der trotz fehlender NSDAP-Mitgliedschaft die „Vätergeneration“ repräsentiert und an einer Relativierung der Schuld festhielt.

Warum ist das Tagebuch des Bruders für die Arbeit von Bedeutung?

Das Tagebuch nimmt eine Schlüsselfunktion ein, da es ein authentisches, wenn auch lückenhaftes Dokument des letzten Lebensabschnitts des Bruders bietet und den Versuch des Erzählers legitimiert, sich dem „Abwesenden“ schreibend anzunähern.

Welche Rolle spielt die Schwester innerhalb der Familiengeschichte?

Die Schwester Hanne Lore wird als „Mauerblümchen“ beschrieben, das zeitlebens unter der Bevorzugung des Sohnes Karl-Heinz durch den Vater litt, jedoch eine wichtige, fürsorgliche Rolle für die Familie einnahm.

Was bedeutet die These, der Bruder sei „Täter und Opfer“?

Die These reflektiert die Ambivalenz eines jungen Mannes, der einerseits als Soldat einer „Eliteeinheit“ der SS am Vernichtungskrieg teilnahm, andererseits aufgrund seiner Jugend und Indoktrination als tragisches Opfer elterlicher Erziehung und zeithistorischer Umstände betrachtet werden kann.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten  - nach oben

Details

Titel
"Am Beispiel meines Bruders" von Uwe Timm. Ein Beitrag zur literarischen Erinnerungskultur
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Deutsches Seminar)
Autor
Hans-Georg Wendland (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2016
Seiten
21
Katalognummer
V342483
ISBN (eBook)
9783668335240
ISBN (Buch)
9783668335257
Sprache
Deutsch
Schlagworte
beispiel bruders timm beitrag erinnerungskultur
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Hans-Georg Wendland (Autor:in), 2016, "Am Beispiel meines Bruders" von Uwe Timm. Ein Beitrag zur literarischen Erinnerungskultur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/342483
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  21  Seiten
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