Demographische Entwicklung der Guaraní-Bevölkerung der TCO Itika Guasu

Darstellung, Analyse und Projektion der demographischen Situation der indigenen Guaraní in Itaka Guas


Essay, 2005

19 Seiten


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Gliederung

1. Einleitung

2. Einführung in das Arbeitsgebiet

3. Allgemeiner, demographischer Überblick Boliviens und Tarijas

4. Darstellung und Analyse der demographischen Situation der Guaraní in der Region Itika Guasu

5. Methode und Anmerkungen zur Datengrundlage

6. Schlussfolgerungen

7. Quellen

1. Einleitung

Die Bevölkerung Boliviens ist in grossem Masse durch indigene Einwohner geprägt. Von den etwas über acht Millionen Einwohnern sind ca. 70% indigenen Ursprungs. Die grössten indigenen Bevölkerungsgruppen werden von den Ninguno, den Quechua und den Aymará gestellt. Die Guarani stellen nur einen kleinen indigenen Bevölkerungsteil. In ihrem Sieldungsgebiet, dem bolivianischen Chaco, sind sie hingegen die grösste indigene Bevölkerungsgruppe. Das Gefälle bezogen auf Infrastrukturausstattung, Versorgung, Wirtschaftsleistung oder Bildung zwischen den ländlichen Gebieten des Chaco und den Städten ist enorm, wobei die Wohn- und Lebenssituation der Guaraní meist noch sehr ursprünglich und, in unseren Augen, wenig entwickelt ist. Dies spiegelt sich auch deutlich in der demographischen Situation der indigenen Bevölkerung wieder. Diese Situation zu dokumentieren, zu analysieren, Projektionen fuer die kommenden Jahre aufzuzeigen und die Auswirkungen auf die Lebensverhältnisse der Guaraní zu umreissen soll die Hauptaufgabe dieser kurzen Abhandlung sein. Konzentriert wird sich dabei auf das indigene Siedlungsgebiet Itaka Guasu, eine TCO (Tierra Comunitaria de Origen) in der Provinz Burnet O’Connor.

2. Einführung in das Arbeitsgebiet

Die Region Itaka Guasu, ein Siedlungsgebiet der Guaraní seit historischen Zeiten, gehört der Gemeinde Entre Rios an, welche Teil der Provinz O’Oconnor ist. Das Gebiet besitzt ungefähr eine Nord-Süd-Ausdehung von 70km und West-Ost-Ausdehnung von 50km. Nach Norden hin wird es von der Grenze zum Departement Chuquisaca, gen Osten von der Provinz Gran Chaco, gen Süden und Westen vom zentralen Teil der Provinz O’Connor eingegrenzt.

Die Oberflächengestallt des Gebietes, welches dem andinen Chaco zugeordnet wird, wird durch Gebirgszüge und Hügellaender mit Höhen bis 2.000m, Bergfüssen und Talböden gekennzeichnet. Es wird durch eine Vielzahl von Flüssen entwaessert, die bedeutensten darunter sind der Rio Pilcomayo im Norden und Osten des Terrains sowie der Rio Pilmaya. Entsprechend der Lage im Relief (Hang, Bergfuss, Talboden) sind die Böden verschieden entwickelt und unterschiedlich fruchtbar. Es sind schwach entwickelte und wenig fruchtbare Böden an Berghängen und in Flusstälern zu finden (Entisole, Inceptisole), sowie gut entwickelte, recht fruchtbare Alfisole, welche typisch fuer sommerfeuchte Regionen sind. Klimatisch lässt sich die Region in ein tropisches-wechselfeuchtes, subhumides bis trockenes Regime einordnen. Die durchschnittliche, jährliche Niederschlagssumme liegt bei 700-1.000mm, wobei ein deutlichen Maximum in den Sommermonaten November bis März zu verzeichnen ist. Die restliche Jahreszeit ist durch deutlich aride Verhältnisse bestimmt. Die monatliche Durchschnitttemperatur schwankt zwischen 14ºC im Jui und 23ºC im Januar, Nachtfröste können im Winter vereinzelt auftreten (Jahresdurchnittstempertaur liegt bei 19ºC). Die Bodenverhältnisse lassen zum groessten Teil ausschliesslich eine Waldnnutzung und den extensiven Anbau perennierender Kulturen zu. Nur auf drei Prozent der Gesamtfläche ist eine geordnete Forstwirtschaft oder der Anbau anueller Kulturen möglich.

Über drei verschiedene Migrationsrouten wurde das Gebiet des Chaco im 14. und 15. Jahrhundert von den Guaraní, aus den Ebenen Paragauays und Brasilien kommend, besiedelt. Bis zum 18. Jhd behielten die Guaraní den grössten Teil des Gebietes, doch Expiditionen, Kolonisten und Misionare drangen nun immer häufiger in diese Region ein. Mit Hilfe der neugegründeten Nationalregierung gelang es den Kolonisten schliesslich im 19. Jhd die Guaraní auch in Itika Guasu zu schlagen und das Gebiet zu besiedeln. Obwohl die Guaraní eine gewisse Unabhängigkeit bewahren konnten, waren viele traditionelle Lebensweisen nicht mehr möglich. Erst die Agrarreform im Jahre 1953, welche die “Kultur der Hacienda” einführte und ungewohnte ideologische Systeme aufzwang, führte zu einer Abhängigkeit und dem Verlust der traditionellen Kulturformen. Erst 1989 konnte man sich, gestärkt durch die Gründung der Asamblea del Pueblo Guaraní (APG), einer eigenen Organisation, von den Haciendas lösen. Dieser Prozess konnte 1994 abgeschlossen werden, doch besteht noch immer die Forderung auf Rückanspruch weiterer, ehemaliger Gebiete. Die Gebiete, welche bis jetzt den Guaraní zurückgesprochen wurden, sind kaum ausreichend und sehr dispers in der Region verteilt.

Die Region Itika Guasu ist mit der Reorganisastion im Jahr 1989 in drei Zonen unterteilt worden. Diese Teilung richtet sich vorrangig nach den orographischen Merkmalen, welche durch die Berge vorgegeben sind, und der davon abhängigen Kommunikationswege. In der ersten Zone (die westlichste) finden sich neun Gemeinden, in der zweiten 15 und in Zone 3 sind 8 Gemeinden lokalisiert. Insgesamt leben in der Region Itika Guasu knapp 2.900 Guaraní in 462 Familien (Stand: 2000).

3. Allgemeiner, demographischer Überblick Boliviens und Tarijas

Die Bevölkerungszahl Boliviens ist derzeit in einem starken Wachstum begriffen. Das Wachstum hat sich ab den 80er Jahren deutlich beschleunigt. Wie auch in Abb. 1 erkennbar, werden die momentanen Wachstumsraten bis ca zum Jahre 2030 anhalten und erst dann abnehmen. Fuer das Jahr 2000 wird eine Einwohnerzahl von 8,4 Mio angegeben, welche sich bis 2050 verdoppelt haben wird (16,7 Mio).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Projektion der Entwicklung der Bevölkerungszahlen Boliviens zwischen 1950 und 2050 (Quelle: eigene Darstellung)

Grund der Entschleunigung des Wachstums ist der Geburtenrückgang. So sinkt z.B. die Nettoreproduktionsrate (Anzahl der Töchter die eine Frau in ihrem Leben gebährt) von 2,0 (1950) und 1,7 (2000) auf 0,87 zur Mitte des 21. Jhd’s. Mit diesem rasanten Wachstum gehört Bolivien neben Franz. Guayana und Paraguay zu den drei Ländern Südamerikas mit den höchsten Wachstumsraten. In dem Prozess der Demographischen Transition befindet sich Bolivien in einer Phase, welche, gekennzeichnet durch eine hohe Geburten und eine deutlich abnehmende Sterberate typisch für sich entwickelnde Länder ist. Die Fertitlität bleibt zwar zunächst hoch, doch die Sterblichkeit (s.u.), besonders die Kindersterblichkeit, sinkt deutlich und die Lebenserwartung steigt.

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Abbildung 2 Projektion der Nettoreproduktionsrate in Fünfjahresschritten von 2000 bis 2030 für Bolivien und Tarija (Quelle: eigene Darstellung)

Auffällig ist, dass das Departemento Tarija im Vergleich zum Rest des Landes einen Vorsprung von einigen Jahren im der demographischen Tansition hat; die Bevölkerungsentwicklung Boliviens sozusagen vorwegzeichnet.

So lag im Quintal 2000-05 die Nettoreprodurktionsrate im Departemento Tarija bei gut 1,5, anstatt, wie in Bolivien gesamt bei 1,7. Besonders auffällig wird dieser “Vorsprung” in der Entwicklung bei der Mortalitätsrate (Todesfälle je tausend Einwohner), welche im Qunital 00-05 in Tarija um gut 1,5 Punkte geringer (6,5 zu 8,1) ist.

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Abbildung 3 Abb. 3: Projektion der Sterblichkeitsrate in Fünfjahresschritten für Bolivien und Tarija (Quelle: eigene Darstellung)

Aufgrund einer frühzeitigeren Alterung der Bevölkerung im Tarija steigt die Mortalitätsrate entgegen dem landesweiten Trend ab dem Quintal 20-25 in Tarija sogar wieder leicht an. Die Geburtsrate (Neugeborene pro 1.000 Einwohner) sinkt im gleichen Zeitraum von 30,5 (Bolivien) bzw. 28,1 (Tarija) auf 18,7 bzw. 17,4. Dadurch verrinngert sich die Schere zwischen Geburten und Todesfällen, aufgrund des demographischen Momentums bleibt das Wachstum der Bevölkerung aber noch etliche Jahre darauf konstant auf hohem Niveau (siehe Abb. 1). Das die Zunahme der Gesamtbevölkerung Tarijas trotz der geringen Geburtenzahlen sehr hoch ist (knapp 400.000 im Jahre 2000 auf 760.000 im Jahre 2030), liegt wohl zum Einen an der geringen Mortalität, zum Anderen aber auch an einer starken Zuwanderung aus anderen Landesteilen, so z.B. dem Altiplano.

Die zeigt, dass es in Bolivien gerade regional deutliche Unterschiede der demographischen Verhältnisse gibt. Die verschiedenen demographischen Zustände zeichnen dabei grob den Enticklungsgrad der Region wieder. Man kann demnach davon ausgehen, dass die eher rückständigen, peripheren, ländlichen Gebiete, so wie z.B. die indigene Region Itika Guasu, eine dem Landestrend abweichende Bevölkerungsentwicklung ausweisen.

4. Darstellung und Analyse der demographischen Situation der Guaraní in der Region Itika Guasu

Wie die folgenden Erläuterungen aufzeigen sollen, unterscheiden sich die demographische Situation und Entwicklung der Guaraní in der Region Itika Guasu nicht nur recht deutlich von denen Boliviens, sondern auch von denen der Provinz O’Connor, in welcher Itika Guasu zum grössten Teil verortet ist.

Von den knapp zwanzigtausend Einwohnern der Provinz O’Connor im Jahre 1997 zählten 2.163 zu der indigenen Bevölkerung der Guaraní, was einen Anteil von 11% ausmacht (siehe Tab. 1).

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Tab. 1: Aufteilung der Bevölkerung der Provinz O'Connor (1997 )

Die rohe Geburtenrate der Guaraní lag zur Jahrtaudsendwende bei 43,3 und damit deutlich Höher als im landesweiten Schnitt. Diese Kennziffer gibt alle Lebendgeborenen eines Jahres pro 1.000 Einwohner an. Im weltweiten Vergleich haben Länder wie Jemen oder Angola gleich hohe Geburtenraten.

Vergleicht man die Prozentsätze der in Tab. 2 aufgelisteten Altersgruppen zwischen Itika Guasu und O’Connor, fällt auf, dass im Jahr 2000 in Itika Guasu ca. 53% der Bewohner unter 15 Jahre alt sind (44% in O’Connor) und gerade einmal 2,8% über 60 (5,7%). Die breite Basis an Kindern in jungem Alter führt dazu, dass die Bevölkerung von Itika Guasu mit aller Wahrscheinlichkeit noch längere Zeit einem höheren Bevölkerungswachstum ausgesetzt sein wird als der Rest der Provinz O’Connor. Mit einem Anteil von Kindern bis unter 15 Jahren von über 50% liegt Itika Guasu gleichauf mit Ländern des südlichen Afrika wie Uganda, Kongo oder Niger. In Bolivien gesamt lag dieser Prozentsatz im Jahr 2000 bei 39,6.

Von der Gesamtbevölkerung der Guaraní befinden sich 40,5% der Frauen im gebährfähigen Alter (15 – 49 Jahre), 57,4% aller Einwohner befinden sich im arbeitsfähigen Alter (10 – 59 Jahre). Beides sind hohe Kennziffern, welche aber aufgrund der hohen Anzahl an ins Erwachsenenalter eintretender Kinder noch steigen werden. Die Anzahl der Frauen im reproduktiven Alter ist ein wichtiges Indiz für die Fähigkeit neue Generationen zu zeugen.

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Tab. 2: Demographische Kennzahlen der Guaraní in Itika Guasu aus dem Jahre 2000 (*Alter: 15 – 49 Jahre; **Alter: 10 - 59 Jahre)

Die Bevölkerungspyramide in Abbildung 4 verdeutlicht die starke Basis der jungen Einwohner Itika Guasu’s zwischen 0 und 14 Jahren. Die Pagodenform der Pyramide ist charakteristisch für Länder, die erst zu Beginn ihrer Entwicklung stehen. Es werden zwar viele Kinder geboren, aber aufgrund einer hohen Sterblichkeit im Säuglings- und Kindesalter ergibt sich eine konkav durchgebogene Flanke. Vom Entwicklungsstadium der Bevölkerung her sind die Guaraní in Itika Guasu mit den Bevölkerungen von Ländern des südlichen Afrika vergleichbar.

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Abbildung 4 Bevölkerungspyramide der indigenen Population von Itika Guasu (Jahr: 2000; (Quelle eigene Darstellung)

In O’Connor selber geht das Wachstum der Bevölkerung langsam zurück, während es bei den Guaraní sogar noch zunimmt.

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Abbildung 5 Wachstumsprognose der indigenen Bevölkerung in Itika Guasu von 2000 a 2025 (Quelle: eigene Darstellung)

Wohnten im Jahr 2000 noch 2.874 Indigene in Itika Guasu, wird sich ihre Zahl bis in das Jahr 2022 verdoppelt haben. Im Jahr 2025 wird Itika Guasu nach dieser Vorhersage 6.232 indigene Einwohner haben (siehe auch Tab. 3). Im Vergleich dazu beträgt die prognostizierte Verdopplungszeit der Gesamtbevölkerung Boliviens laut einer Statistik des Instituto Nacional de Estatistica (INE, Jahr 2000) genau 50 Jahre.

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Abbildung 6 Prognose der Entwicklung der jährlichen rohen Geburtenrate der Guarani von 2005 bis 2025 (Quelle: eigene Darstellung)

Veränderungen in der Geburtenrate sind Veränderungen in den Wachstumsraten meist um etliche Jahre bis Jahrzehnte vorrangestellt. Laut den Prognosedaten von 2000 wird die Geburtenrate der Indigenen in Itika Guasu etwa ab dem Qunital um 2015 geringer und zum Jahr 2025 hin auf 28,0 sinken (Abb. 6). Aber auch dann liegt der Wert noch so hoch wie im Jahr 2000 im Departemento Tarija. Das bedeutet, dass die Entwicklung der Geburtenrate in Itika Guasu um etwa 20 bis 25 Jahre dem allgemeinen Landestrend Boliviens hinterherhinkt (vgl. dazu die neueren Daten S. 11f). Man kann daher annehmen, dass das Wachstum der indigenen Bevölkerung trotz des Rückgangs der Geburten, wenn auch schwächer werdend, noch einige Jahrzehnte anhalten wird.

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Tab. 3: Entwicklung der inidigenen Bevölkerung in Itika Guasu und die demographischen Kennzahlen

Das sich jedoch das Wachstum der Einwohnerzahlen ab dem Jahre 2020 verlangsamen wird, ist aus der Tabelle 3 ablesbar. Danach sinkt das jährliche Wachstum nach konstant hohem Nivaeu in den ersten Quintalen am Ende des Betrachtungszeitraumes auf unter 3, was aber immernoch einer hohen Wachstumsrate entspräche. Das Bevölkerungswachsum der ersten Jahre entspricht mit 3,4% dem der Länder mit dem höchsten Wachstum derzeit weltweit (z.B. Jemen, Somalia).

Der im Jahr 2004 durch die APG (Asamblea del Pueblo Guaraní) erstellte Zensus der Guarani in Itika Guasu ist sehr umfangreich, jedoch fehlen einige wichtige Daten. Zu jedem Indigenen wurden folgende Daten erhoben: Eltern, Geburtstdatum und –ort, Wohnort und Besonderheiten. Aber da der Zensus im Jahr 2004 aufgenommen wurde, fehlen ein Grossteil der Geburten dieses Jahres (nur bis etwa Mai konplett). Somit ist eine verlässliche Angabe zu den Entwicklungen der Bevölkerung in den letzten Jahren seit der Jahrtausendwende nicht möglich.

Erste Indizien sind aber dennoch daraus abzulesen. So lässt sich für das Jahr 2003 eine Geburtenrate von 29,3 errechnen und bis zum Mai 2004 lag die Geburtenrate im letzten Jahr bei 27,1. Dies wären Werte die dem bolivianischen Durchschnitt entsprechen würden. Wie in Abbildung 7 erkennbar, sank die Anzahl der Geborenen ab der Jahrtausendwende von um die 120 pro Jahr auf unter 100. (Dabei muss darauf hingewiesen werden, das dies nicht die reinen Geburtenzahlen sind, sondern die Sterbefälle schon abgezogen wurden, d.h. je älter die Zahlen, desto ungenauer sind sie, da mehr Sterbefälle die wahre Zahl der Geburten beeinflussen. Es kann demnach nur als Tendenz angesehen werden, daher auch der Zusatz “netto”.

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Abbildung 7 Anzahl der Geburten von 1985 bis 2004 (Quelle: eigene Darstellung)

Der Wert für das Jahr 2004 ist lediglich eine Hochrechnung der Geburtenzahlen, hervorgehend aus den Werten von Januar bis Mai des Jahres.) Die Entwicklung der Geburtenzahlen deutet jedoch darauf hin, dass die Geburtenrate deutlich schneller abzusinken scheint, als vorhergesagt (vgl. Tab. 3).

Auch die Zahlen zum Bevölkerungswachstum widersprechen sich. Im Mai 2004 wohnten nach dem neuen Zesus bereits 3.533 Guaraní in Itika Guasu, obwohl von den älteren Daten für 2005 lediglich 3.368 Einwohner vorhergesagt wurden. Aufgrund der anscheinend sinkenden Geburtenzahlen in diesem Zeitraum, kann man davon ausgehen, dass die Erhebungsgrundlage der beiden Zensen nicht die gleiche war und die Zahlen (und besonders die Projektionen) des alten Zensus demnach mit Vorsicht zu geniessen sind.

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Abbildung 8 Bevölkerungspyramide der indigenen Population von Itika Guasu (Jahr: 2004; (Quelle: eigene Darstellung)

In Abbildung 8 ist die Alterspyramide für die Daten des Zensus von 2004 dargestellt. Sie unterscheidet sich leicht von der Vorherigen für das Jahr 2000, spiegelt aber ein ähnliches Bild wieder. Aufgrund der rückläufigen Geburten besitzt die Pyramide mit ihrer für Entwicklungsländer so typischen Pagodenform nun eine deutlich schmalere Basis der 0 bis 4-jährigen (graue Balken). Jedoch bleiben auch hier die Werte dieses Quintals wegen der lediglich hochgerechneten Zahlen für das Jahr 2004 spekulativ, geben aber eine in jedem Fall eine Tendenz wieder.

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Tab. 4: Demographische Kennzahlen der Guaraní in Itika Guasu aus dem Jahre 2004

(*hochgerechnete Werte; **Alter: 15 - 49 Jahre; ***Alter: 10 - 59 Jahre)

Wie weiter oben bereits beschrieben, ist die Geburtenrate deutlich gesunken. Aber auch in den anderen Kennzahlen gab es Veränderungen. Aufgrund der schwachen Geburtenjahrgänge der letzten Jahre haben sich die Anteile der Frauen im reproduktiven Alter und der arbeitsfähigen Bevölkerung wie erwartet erhöht. Die Prozentanteile in der Altersgruppe der 0- bis 14-Jähringen ist von fast 53% auf 47% gesunken. Das sich im Zensus von 2004 der Anteil der über Sechzigjährigen verdoppelt hat ist eher auf Ungenauigkeiten des älteren Zensus zurückzuführen.

5. Methode und Anmerkungen zur Datengrundlage

Die angewandten Arbeitsmethoden beziehen sich hauptsächlich auf das Studieren der bereits vorhanden Litertur und Daten. Hinzu kommt das Neuordnen und Neuaufarbeiten der Daten. Dies bezieht sich auf die in den Quellen angegebene Literatur. Zunächst habe ich jedoch mit Hilfe aller relevanter Daten von nationalen Statistikinstitut in La Paz eine Übersicht zir demographischen Situation Boliviens und Tarijas angefertigt. Die Daten habe ich mit Hilfe des Program’s Microsoft Exel grafisch neu aufbereitet. Die Daten des neuen Zensus der APG aus dem Jahr 2004 wurden von mir zunächst mit Microsoft Acces ausgewertet und dann ebenfalls grafisch in Form von Tabellen oder Grafiken umgesetzt und dem Bericht zugefügt. Mehrere Male habe ich zur Klärung bestimmter Sachverhalte mündlich Rücksprache mit Kollegen beim CER-DET oder der APG Entre Rios gehalten.

Aus Sicht der Datengrundlage bleibt zunächsteinmal festzuhalten, dass die Daten zur Bevölkerung aus dem Jahr 2000 Ungenauigkeiten aufweisen. Ausserdem sind einige Sachen eingehend nicht erklärt, so z.B. in welcher Altersspanne sich das “arbeitsfähige Alter” befindet. Durch Rücksprache habe ich es selber auf 10 – 59 Jahre festgelegt. Die Daten aus 2000 sind deswegen so fehlerhaft, weil in ledigleich sechs der 32 Gemeinden Umfragen gemacht wurden und die Ergebnisse wohl auf den Rest hochgerechnet wurden.

Der Zesus aus 2004 ist in der Hinsicht deutlich genauer und sehr umfassend. Jedoch besteht hierbei das Problem, dass die Geburten aus dem 2004 nur bis einschliesslich Mai komplett aufgenommen wurden. Spätere, aber für die Analyse sehr wichtige Geburtenereignisse bis Ende des Jahres wurden bisher noch nicht dokumentiert. Nach Aussage der APG in Entre Rios (15.06.05), sollen diese Datenluecken aber noch behoben werden. Desweiteren sind in der Access-Datei des Zenus die Altersangaben (“Edad”) in einer der Abfragen um ein Jahr verrückt. So gelten die im Jahr 2004 geborenen als ein Jahr alt, die im Jahr 2003 geborenen als zwei Jahre alt, obwohl sie zum Zeitpunkt der Datenaufnahme (2004) erst ein Jahr alt waren usw.

Sofern dies für die APG Entre Rios möglich ist, wäre es für eine fortlaufende Dokumentierung sinnvoll, die Geburten eines jeden Jahres pro indigene Gemeinde aufzunehmen. So liesse sich das Wachstum und eventuelle nicht vorhergesehene Tendenzen (z.B. der aktuelle Geburtenrückgang) besser erkennen und sicherer auf zukünftliche Entwicklungen schliessen.

Desweiteren liegen mir keine Daten vor, in welcher indigenen Gemeinde von Itika Guasu wieviele Campesinos wohnen und Landwirtschaft betreiben. Dies auseinanderzuhalten wäre angesichts der Gebietsansprüche der Guaraní nicht uninteressant.

Für die in Abbildung 5 und 6 dargstellten Prognosen lagen mir nur Daten bis 2022 vor. Um die Vorhersage zu komplettieren, habe ich die Porgnose auf 2025 hochgerechnet, deswegen sind in den beiden Darstellungen die Werte fü das jeweils letzte Quintal gestrichelt eingezeichnet.

6. Schlussfolgerungen

Der Überblick über die demographischen Daten der indigenen Guaraní hat gezeigt, dass sich die Bevölkerungsentwicklung der Indigenen deutlich vom nationalen Trend und der Entwicklung im Departemento Tarija und der Provinz Burnet O’Connor abhebt. Das schon ansich hohe Bevölkerungswachstum Boliviens wird von dem der Guaraní nocheinmal übertroffen. Das natürliche Wachstum der indigenen Bevölkerung in Itika Guasu ist vergleichbar mit Nationen die ebenfalls erst am Beginn einer Entwicklung stehen (z.B. Länder des südlichen Afrika). Noch bis zur Jahrtausendwende befand sich Itika Guasu erst in der zweiten Phase der Demographischen Transition (frühtransformative Phase), während sich Bolivien mit seiner deutlich geringeren Sterberate und einer sinkenden Geburtenrate bereits in der dritten Phase der Transition (mitteltransformative Phase) befindet. Wenn sich hingegen der Trend hin zu einer solch raschen Verringerung der Geburtenrate und einer Abnahme der Sterberate der Indigenen bestätigt, so scheint auch Itika Guasu auf dem Weg in die dritte transformative Phase. Aufgrund der Unsicherheit der aktuellen Daten und des sehr plötzlichen und unerwarteten Absinkens sollte dies aber noch durch weitergehende Beobachtungen und statistische Aufnahmen verifiziert werden. Bestätigt sich dies, so verringert sich der Rückstand in der demographischen Entwicklung der indigenen Region zum Rest des Landes deutlich. Das totale Wachstum der Bevölkerung Itika Guasu’s ist aber aus genannten Gründen (demographisches Momentum) noch einige lang Jahre höher.

Zu klären bleibt die Frage, inwiefern sich das starke Bevölkerungswachstum in der Region auf die Versorgungslage der Bevölkerung auswirkt. Aufgrund jahreszeitlich bedingter, hoher Trockenheit sowie weniger fruchtbaren Böden stellt sich die Frage nach der Tragfähigkeit des Gebietes und ob sich die schon jetzt z.T. schlechte Ernährungssituation zuspitzen könnte.

Die neuen Kenntnisse über ein früher einsetzendes Absinken der Geburten und einem damit verbundenen geringeren Bevölkerungswachstum als in Abbildung 5 bis 2025 prognostiziert, könnten mitunter Auswirkungen auf die Gebietsanspruchsforderungen der Guaraní haben. Die Grösse des beanspruchten Territoriums gründet nämlich auf den Vorhersagen der Bevölkerungsentwicklung aus dem Jahr 2000 und der durchs Wachstum gesteigerten Bedürfnisse. Die Richtigkeit dieser Prognose müsste angesichts der neuen Tendenzen aber bezweifelt werden. Ein geringes Wachstum der Einwohnerzahl in den nächsten Jahrzenten hätte demnach direkte Auswirkungen auf die Gebietsrückansprüche der Guaraní.

7. Quellen

- Ministerio de asuntos campesinos, pueblos indígenas y originarios “Informe de necesidades especiales sobre le demanda Guaraní de tierra comunitaria de orígen del Itika Guasu” La Paz 2000
- Waldo R. Gareca, Raul M. M. Guerrero “Linea base del territorio indígena Itika Guasu” Tarija 2001
- APG Entre Rios Censo poblacional de 2004 Entre Rios 2004
- Instituto Nacional de Estadística de Bolivia: http:// www.ine.gov.bo

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Details

Titel
Demographische Entwicklung der Guaraní-Bevölkerung der TCO Itika Guasu
Untertitel
Darstellung, Analyse und Projektion der demographischen Situation der indigenen Guaraní in Itaka Guas
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Autor
Jahr
2005
Seiten
19
Katalognummer
V342517
ISBN (Buch)
9783668326330
Dateigröße
643 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Demographie, Bolivien, Guaraní, Lebensverhältnisse, indigene Völker
Arbeit zitieren
Robert Busch (Autor), 2005, Demographische Entwicklung der Guaraní-Bevölkerung der TCO Itika Guasu, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/342517

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