Die Adoption eines Kindes bietet neben der Reproduktionsmedizin eine weitere Möglichkeit, eine Elternschaft zu erreichen. Da die Inanspruchnahme reproduktions-medizinischer Maßnahmen in den letzten Jahren jedoch stark gestiegen ist, stellt sich die Frage, ob auch die Adoption für die Kinderwunschpaare eine mögliche Option bietet. Dieser Fragestellung haben sich auch Nicholas Park und Patricia Wonch Hill in ihrer kürzlich erschienenen Studie „Is Adoption an Option? The Role of Importance of Motherhood and Fertility Help-Seeking in Considering Adoption“ angenommen. Die zentrale Fragestellung befasst sich damit, welche Charakteristiken oder Faktoren einer Frau bestimmen, ob sie über eine Adoption als einen weiteren Weg zur Mutterschaft nachdenkt. Ausschlaggebend für die Fragestellung ist, dass viele Amerikaner eine positive Einstellung gegenüber einer Adoption aufweisen. Dennoch adoptieren aktuell wenige amerikanische Eltern ein Kind. Das kann unter anderem durch strengere Adoptivgesetze erklärt werden. Welche Faktoren dafür noch verantwortlich sind, soll in der vorliegenden Studie aufgezeigt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Datengrundlage und Methodik
3. Empirische Ergebnisse
4. Theoretischer Hintergrund
5. Zusammenfassende Diskussion der Ergebnisse
6. Methodische Reflexion
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Faktoren, die bestimmen, ob Frauen eine Adoption als alternativen Weg zur Mutterschaft in Betracht ziehen, wobei insbesondere die Bedeutung von Mutterschaftsidealen und Erfahrungen mit medizinischer Fertilitätshilfe untersucht werden.
- Einfluss von Infertilität und ärztlicher Hilfe auf Adoptionserwägungen
- Bedeutung der Mutterschaft als zentrale weibliche Identität
- Theoretische Verankerung durch Geschlechterrollen und soziale Strukturen
- Sozioökonomische und demografische Einflussfaktoren auf die Adoptionsentscheidung
Auszug aus dem Buch
Is Adoption an Option? The Role of Importance of Motherhood and Fertility Help-Seeking in Considering Adoption
Das erste Modell besagt, dass die „gendered identities“ (Park & Wonch Hill 2014: 603) auf der individuellen Ebene agieren. Somit stellt die Infertilität eine große Herausforderung bezüglich der vergeschlechtlichen individuellen Identitäten dar. Besonders Mutterschaft steht für viele amerikanische Frauen an erster Stelle in ihrem Leben. Denn gerade die Schwangerschaft und Mutterschaft bedeutet für viele Frauen Weiblichkeit und wird somit als eine der wichtigsten Komponenten angesehen. So fand Bell (2009) beispielsweise heraus, dass Frauen, die unter Infertilität leiden, häufig den größten Wunsch einer Mutterschaft hegen. Jene, die eine Mutterschaft nicht realisieren können, fühlen sich als Frau oft unvollständig. Viele denken, unabhängig davon, ob sie unter Infertilität leiden, dass eine Schwangerschaft der beste Weg ist, um eine Elternschaft zu realisieren. Deswegen fühlen sich wohlmöglich viele Frauen in ihrer Weiblichkeit nicht verwirklicht, wenn sie sich für eine Adoption entscheiden.
Die interaktionale Ebene beruht auf den Theorien von West und Zimmermann (1987). Sie geht davon aus, dass das Kinderkriegen und somit die Elternschaft als eine Geschlechtsvollendung gesehen wird. Auch hier wird davon ausgegangen, dass Weiblichkeit erst durch eine Schwangerschaft legitimiert wird. Frauen, die sich hingegen für eine Adoption entscheiden, erfahren dieses Gefühl nicht. Neben dem physischen Aspekt gibt es jedoch auch kulturelle Traditionen, die die Weiblichkeit demonstrieren. Zu ihnen zählen beispielsweise die „Baby showers and birthing class“ (ebd: 604). Auch diese Rituale sind ein Symbol für eine Elternschaft. Für Eltern, die ein Kind adoptieren, finden diese Ereignisse selten statt. Resultierend daraus erachtet die Mehrheit der Frauen eine Adoption als „second best“ (ebd.), also nur als den zweitbesten Weg. Dies gilt besonders für Frauen, die zuvor noch nicht schwanger waren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problemstellung, ob Adoption eine attraktive Option für unfruchtbare Paare darstellt und Vorstellung der Autoren Park und Wonch Hill.
2. Datengrundlage und Methodik: Beschreibung des verwendeten Datensatzes „National Survey of Fertility Barriers“ sowie der statistischen Verfahren wie Regression und Gewichtung.
3. Empirische Ergebnisse: Darstellung der bivariaten und multivariaten Analyseergebnisse hinsichtlich der Einflussfaktoren auf die Adoptionsentscheidung.
4. Theoretischer Hintergrund: Einordnung der Ergebnisse in das dreiteilige Modell von Risman zur Analyse von Geschlecht als soziale Struktur.
5. Zusammenfassende Diskussion der Ergebnisse: Interpretation der Befunde vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Ideale, Stigmatisierung und der Rolle der Religion.
6. Methodische Reflexion: Kritische Auseinandersetzung mit der Repräsentativität der Stichprobe und den Limitationen des Forschungsdesigns.
Schlüsselwörter
Adoption, Mutterschaft, Infertilität, Reproduktionsmedizin, Geschlechterrolle, Fertilitätsbarrieren, soziale Identität, Wunschkind, Familiensoziologie, empirische Sozialforschung, Pronatalismus, Elternschaft, Stigmatisierung, multivariate Analyse, USA.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit rezensiert eine Studie von Park und Wonch Hill, die untersucht, welche Faktoren Frauen dazu bewegen, Adoption als Weg zur Mutterschaft in Betracht zu ziehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Einfluss von Infertilität, der gesellschaftliche Druck zur Mutterschaft, Geschlechterkonstruktionen und die Wahrnehmung von Adoption im Vergleich zur biologischen Schwangerschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, warum trotz einer positiven Einstellung gegenüber Adoptionen in den USA nur wenige Paare diesen Weg tatsächlich gehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Studie nutzt Daten des „National Survey of Fertility Barriers“ und wendet bivariaten Analysen sowie multinomiale logistische Regressionen an.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Es werden die empirischen Ergebnisse der Studie mit theoretischen Modellen zur Geschlechterstruktur verknüpft und kritisch diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Adoption, Mutterschaft, Infertilität, Geschlechterrolle, soziale Identität und Reproduktionsmedizin sind die prägenden Begriffe.
Welche Rolle spielt die „gendered identity“ in der Argumentation?
Die Autorin erläutert, dass Infertilität die weibliche Identität bedroht, da viele Frauen eine biologische Schwangerschaft als essenziellen Bestandteil ihrer Weiblichkeit sehen.
Warum wird Adoption oft nur als „second best“ wahrgenommen?
Aufgrund kultureller Rituale wie „Baby showers“ und der Annahme, dass erst eine biologische Geburt die Rolle als Mutter vollständig legitimiert, wird die Adoption als zweitbester Weg angesehen.
Wie beeinflusst die ärztliche Hilfe die Adoptionsentscheidung?
Die Studie zeigt, dass Frauen, die bereits medizinische Hilfe wegen Infertilität gesucht haben, eine höhere Wahrscheinlichkeit aufweisen, über eine Adoption nachzudenken.
- Arbeit zitieren
- Ulrike Köpke (Autor:in), 2015, "Is Adoption an Option? The Role of Importance of Motherhood and Fertility Help-Seeking in Considering Adoption" von Nicolas Park und Patricia Wonch Hill, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/342590