Octavio Paz' Roman "El laberinto de la soledad". Die Dialektik des Offenen und Geschlossenen


Hausarbeit, 2015

11 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Das Leben von Octavio Paz

3. Das Wesen des Mexikaners

4. Die Dialektik des Offenen und Geschlossenen in zwischenmenschlichen Beziehungen
4.1 Die heterosexuelle Beziehung
4.2 Die homosexuelle Beziehung

5. Die Dialektik des Offenen und Geschlossenen in der Sprache des Mexikaners
5.1 Das Kennwort „chingar“
5.2 Das Sprachspiel „Albur“
5.3 Die Poetizität im Werk „el labirinto de la soledad“

6. Die Dialektik des Offenen und Geschlossenen in den Sitten des Mexikaners
6.1 Der Mexikaner und der Tod

7. Die mexikanische Revolution

8. Fazit

Bibliografie

Weblinks

1. Einleitung

„El labirinto de la soledad“ wurde 1950 in Mexiko veröffentlicht und gilt als bedeutendstes Werk von Octavio Paz. Es besteht aus zehn Kapiteln, ich beschäftige mich jedoch vorerst nur mit Kapitel eins bis vier, sechs und sieben. In Kapitel eins „Der Pachuco und andere Extreme“ erklärt Paz, woher seine Auseinandersetzung mit dem mexikanischen Wesen kommt und beschreibt hier den sogenannten „Pachuco“, also den in Amerika lebenden Mexikaner. Im zweiten Kapitel „Mexikanische Masken“ beschreibt der Autor das Wesen des Mexikaners und auch der Mexikanerin und erklärt im Zuge dessen die Dialektik des Offenen und Geschlossenen. Das dritte Kapitel „Allerheiligen, Allerseelen“ beschreibt die Wandlung des Mexikaners im Angesicht der „Fiesta“ und den damit verbundenen Konsequenzen. In Kapitel vier „Die Söhne der Malinche“ wird das Kennwort „chingar“ hervorgehoben und erläutert. In Kapitel sechs und sieben wird die zentrale Bedeutung und die Auswirkung der Revolution von 1920-1920 für das Wesen und das Leben des Mexikaners beschrieben.

2. Das Leben von Octavio Paz

Octavio Paz wurde 1914 in Mixcoac, dem heutigen Mexiko Stadt geboren. 1943 ging er mit einem Stipendium in die USA, wo er viele Beobachtungen für sein wichtigstes Werk „El labirinto de la soledad“ sammelt. 1945 tritt er in den diplomatischen Dienst ein, welcher ihn über Paris, Tokio, Mexiko wieder nach Paris führt, bis er schließlich 1962 als Botschafter in Indien tätig ist. 1950 macht ihn sein bedeutendstes Werk „El labirinto de la soledad“ zu einem der wichtigsten Lyriker und Essayisten der Gegenwartsliteratur. Erst 20 Jahre später, 1970, wird das Labyrinth der Einsamkeit auch in Deutschland publiziert. 1968 verlässt Paz Indien und seinen dortigen Posten, Grund dafür ist eine blutige Auflösung einer friedlichen Demonstration auf dem Platz der drei Kulturen in Mexiko. Er verbringt freiwillig drei Jahre im Exil und verfasst währenddessen seine Nachschrift zu „El labirinto de la soledad“, welche 1970 unter dem Namen „Posdata“ veröffentlicht wird und eine Abrechnung mit dem politischen System in Mexiko darstellt.

Für Paz waren Literatur und Kunst zu jeder Zeit „Ausdruck der jedem Menschen innewohnenden Kräfte aller Gewissheiten Alltags gewohnten Handelns.“[1]

Er verstarb 1998 im Alter von 84 Jahren, ebenfalls in Mexiko Stadt.

3. Das Wesen des Mexikaners

„(...), el mexicano se me aperece como un ser que se encierra y se perserva (...)“ (Másceras mexicanas, P. 164)

Ein Volk und ein Jüngling – für beide gibt es den Moment des Erwachens. Ein Volk findet ihn, wenn es sich seiner Eigenarten bewusst wird und ein Jüngling irgendwo auf dem Weg zwischen dem Kindes- und dem Erwachsenenalter. Die Eigenart eines Volkes zu beschreiben ist jedoch weitaus schwieriger zu beschreiben als die einer einzelner Person – auch wenn Paz natürlich nicht alle in Mexiko wohnenden Menschen in seinen Überlegungen einbezieht. Zur Begründung dessen verweist er auf die vielen verschiedenen ethnischen Gruppen (52 an der Zahl), verschiedene Schichten und Sprachen. Viele Gedanken über die Eigenart, das Wesen der Mexikaner seien ihm erst während eines Auslandsaufenthalts gekommen.

In Los Angeles, laut Paz einer Stadt mit „mexikanisch anmutender Seele“, empfing ihn die verstohlene, unruhige Miene seiner Landsleute, die sich sogar ihrer Herkunft schämten – das Entstehen des Pachuco.

Das Wesen des Pachuco besteht darin, anders zu sein, provokativ und unangepasst, er sucht die Herausforderung als Kontakt zu seiner Umwelt und obliegt Mächten, die aus der Welt geschaffen werden sollen wie Zügellosigkeit, Unordnung und Verboten. Doch erst seine Verfolgung wird den Pachuco erlösen – als Opfer einer Gesellschaft, die ihn nicht wollte und die er nicht wollte kehrt er in deren Schoß zurück, erlangt endlich den Zugang. Denn es ist nicht das Minderwertigkeitsempfinden, das den Pachuco zu seinem Verhalten treibt, sondern seine tiefe Einsamkeit. Durch die Verfolgung der Anderen wird er zumindest Teil ihres Lebens, ist kein Niemand mehr. Paz führt diese Verschlossenheit, diesen „hermetismo“ auf die Kolonialzeit zurück,.

Als weiteres Charakteristikum des Mexikaners sieht Paz dessen Liebe zur Form, denn sie unterstützt ihn darin, sein Innerstes zu verbergen, denn sie zügelt ihn und verhindert Exzesse „Esta contiene y concierra a la intimidad, impide sus excesos, reprime sus explosiones, la separa y aísla, la preserva“ (Másceras mexicanas, P. 167).

4. Die Dialektik des Offenen und Geschlossenen in zwischenmenschlichen Beziehungen

„Los que se 'abren' son cobardes“

(Masceras mexicanas, P. 165)

Paz beschreibt in seinen Essays einen abstrakten Mexikaner, der weder Spanier noch Indianer ist und für den das Wahren seiner Männlichkeit im Vordergrund steht. Diese kann nur bestehen, wenn er niemals kneift. Er darf sich krümmen, sich ducken, nachgeben, kneifen jedoch niemals. „El mexicano puede doblarse, humillarse, agacharse, pero no rajarse (…)“ (Másceras mexicanas, P. 165) Jedes Öffnen seiner Selbst vermindert seine Männlichkeit. Das Kennwort „chingar“ spielt hier eine besondere Rolle, wird aber erst unter Punkt 5. 1 genauer erklärt. Die Liebe sieht Paz immer als Versuch, in ein anderes Wesen einzudringen, was jedoch nur mit dessen Einverständnis funktioniert. „El amor es una tentativa de penetrar en otro ser, pero sólo puede realizarse a condición de que la entrega ser mutua.“ (Másceras mexicanas, P. 177)

Wenn sich der Mexikaner jedoch verliebt, öffnet er sich „Cuando nos enamoramos nos 'abrimos'..“ (Másceras mexicanas, P. 176), geht dieses große Risiko ein, sein Innerstes zu zeigen. Doch sogar dann verstellt er sich noch – er bittet die Geliebte, ihn mit seinem für sie vorgefertigtem Blick zu betrachten und entgeht so der tatsächlichen, riskanten Öffnung seiner Selbst.

4.1 Die heterosexuelle Beziehung

Jedenfalls nimmt der Mann immer die aktive Rolle, die des „chingón“ ein, und die Frau die der „chingada“. Der „chingón“ agiert agressiv, aktiv und verschlossen, ist derjenige, der (die Frau) öffnet. Die Mexikanerin bildet schon rein anatomisch die Geöffnete, da sie eine Narbe hat, die sich niemals schließen wird. Sie ist passiv, offen und negativ, ein Werkzeug des Mannes. Als feminine Tugenden führt Paz Scham, Zurückhaltung und Vorsicht an, so ist sie immer nur ein Schatten des männlichen Daseins. In Mexiko soll die Frau jedoch, im Gegensatz zu anderen Länder, immer von Geheimnissen umgeben sein. Er beschreibt auch, dass die Mexikanerin keinen eigenen Willen hat, dass ihr Körper immer schläft, „Su cuerpo duerme (...)“ (Másceras mexicanas, P. 174) außer sie wird erweckt. Weiterhin sollen die Frauen einen eher defensiven Charakter haben, ihre höchste Tugend ist die Zurückhaltung, denn nur so ist eine Beziehung zwischen Mexikaner und Mexikanerin möglich, auch wenn diese demnach nur von Gewalt geprägt „la relación entre ambos es violenta, (...)“ (Los hijos de la Malinche, P. 214) sein kann. Bei dem Mann hingegen ist die Reserve, die höchste Tugend „..,como en los hombres la reserva.“(Másceras Mexicanas, P.171)

4.2 Die homosexuelle Beziehung

Die homosexuelle Beziehung steht der einer heterosexuellen in nichts nach – auch hier geht es einzig darum, der Aktive „chingón“ zu sein. Dies bedeutet gleichsam dass der homosexuelle, passive Mann dem Wesen und der (Nicht-)Achtung beziehungsweise Passivität und Schwäche der mexikanischen Frau gleichkommt.

5. Die Dialektik des Offenen und Geschlossenen in der Sprache des Mexikaners

„En nuestro lenguaje diario hay un grupo palabras prohibidas, secretas, sin contendido claro, y a cuya mágica ambigüedad confiamos la expresión da las más brutales o sutiles de nuestras emociones y reacciones“

(Los hijos de la Malinche, P. 211)

„Sprache ist keine Heimat, man nimmt eine Sprache ja mit in ein anderes Land“ sagte die Literatur Nobelpreisträgerin Herta Müller einst. Octavio Paz würde dieser Aussage wohl entschieden widersprechen. Für den Mexikaner nämlich ist schon ein einziges Wort Kennzeichen für das Mexikanertum, kann Freund oder Feind bedeuten, fungiert nahe zu als Kennwort eines ganzen Volkes. In ihrer Sprache vermag womöglich die einzige Sicherheit des Mexikaners liegen, somit dient sie nicht zur zur Kommunikation, sondern auch als Schutz. Weiterhin deutet Paz auf die Doppeldeutigkeit eines jeden Wortes und jeder Silbe hin „Cada letra y cada silaba están animadas de una vida doble,(...)“ (Los hijos de la Malinche, P.211), alles kann leuchtend und dunkel, brutal und zärtlich zugleich sein „(...) la expresión de las más brutales o sutiles de nuestras emociones y reacciones“ (Los hijos de la Malinche, P.211) Es seien die Schimpfworte, die ein jeder versteht. In einer sterbenden Welt bilden sie ein Überbleibsel von Lebendigkeit. „Son las malas palabras, único lenguaje vivo en un mundo de vocablos anémicos. La poesía al alcance de todos.“ (Los hijos de la Malinche , P. 209)

5.1 Das Kennwort „chingar“

„Esa palabra es nuestro santa y seña“

(Los hijos de la Malinche, P. 211)

„chingaste“ entspricht dem aztekischen Wort „xinaxtli“ und bedeutet soviel wie gegorenes Honigwasser. Es kommt in fast ganz Lateinamerika sowie Spanien vor und wird unter Anderem mit Getränken aller Art in Verbindung gebracht. Hier einige Beispiele zur Verwendung des Wortes: In Guatemala sind „Chingaste“ die Rückstände im Trinkglas, in Ecuador und Peru ist eine „chingana“ eine Schenke, es kann aber auch hineinfallen bedeuten oder auch Blindgänger und Reinfall „chingar también implica la idea de fracaso“ (Los hijos de la Malinche, P. 213) Auch als Synonym für Beleidigen oder Herunterputzen kann es verwendet werden. In Mexiko aber hat das Wort weitere Bedeutungen und Funktionen. Es fungiert als Kennwort der Gesellschaft, als Antriebskraft für deren fortbestehen.

[...]


[1] Reichhardt, Dieter: Autorenlexikon Lateinamerika (1992), 5. Auflage. Frankfurt. Suhrkamp Verlag S.522, Z. 6-10

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Octavio Paz' Roman "El laberinto de la soledad". Die Dialektik des Offenen und Geschlossenen
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Veranstaltung
Octavio Paz
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
11
Katalognummer
V342592
ISBN (eBook)
9783668328037
ISBN (Buch)
9783668328044
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mexico, Spanisch, Literatur, Octavio Paz, Südamerika
Arbeit zitieren
Janina Reimann (Autor), 2015, Octavio Paz' Roman "El laberinto de la soledad". Die Dialektik des Offenen und Geschlossenen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/342592

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