PayPal und die Banken. Verändert E-Geld den Zahlungsraum?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016
23 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

1 Problematik und Fragestellung
1.1 PayPal – Auf dem Weg zum Monopolisten
1.2 E-Geld und Guthaben
1.3 Fragestellung
1.4 Hypothesen

2 Theorie
2.1 Zahlungen
2.2 Vertrauen und Risiko
2.3 Auswirkungen auf Banken
2.4 Zwischenfazit

3 Empirie
3.1 Zahlungen
3.2 Vertrauen und Risiko
3.3 Auswirkungen auf Banken
3.4 Zwischenfazit

4 Fazit und Ausblick

5 Literatur und Quellen

1 Problematik und Fragestellung

1.1 PayPal – Auf dem Weg zum Monopolisten

In einer Zeit, in der sich die Großbanken auf Finanzspekulation konzentrierten und Sparkassen und Genossenschaftsbanken auf ihre Kleinsparer, gewann im neuen Internet der Onlinehandel an Popularität. Neue Zahlungsweisen wurden nötig, um Geschäfte sicher, aber auch einfach abzuwickeln. Die Banken scheinen die Digitalisierung verschlafen zu haben. PayPal war schließlich eine Lösung, die die Lücke füllen sollte. Seit 1998 beschäftigte sich das neu gegründete US-Unternehmen Confinity mit Online-Zahlungsmethoden, was schließlich PayPal hervorbrachte. Nach dem Börsengang 2002 und gestärkt durch die Partnerschaft mit eBay wenig später ist PayPal heute eine der gefragtesten Lösungen, wenn es um das Bezahlen im Internet geht, auch außerhalb von eBay: Vom Kleinunternehmer bis zum großen Konzern kann der Kunde mit PayPal bezahlen – und sogar Geld von Privatkonto zu Privatkonto an Freunde verschicken (Jehle 2010: 323-328). So gaben in einer Umfrage unter deutschsprachigen Internetnutzern 2011 57,2 % an, PayPal zu kennen und zu nutzen (Internet World Business 2011). Im Jahr 2013 antworteten in einer Befragung von Online-Händlern nach dem am häufigsten genutzten Zahlungsverfahren 35 % mit „PayPal“ (Der Handel 2013), 2015 gaben 72 % an, PayPal beim Einkauf zu bevorzugen bzw. am häufigsten zu nutzen (Statista 2015). PayPal hat sich nun auch in Deutschland etabliert. Erst seit kurzem versuchen nun deutsche Banken, mit paydirekt dem Unternehmen Konkurrenz – und das Bezahlen im Internet einfacher zu machen (e-commerce-magazin 2015), wenn auch mit eingeschränkten Funktionen: paydirekt ist auf Deutschland beschränkt und lediglich bei Bezahlungen zwischen Kunde und Händler einsetzbar, nicht bei Transaktionen „von Freund zu Freund“. Etwa mit paypal.me-Profilen vereinfacht PayPal auch einen außergeschäftlichen E-Geld-Verkehr. PayPal wird also auch in nächster Zeit unter Bezahldiensten das Sagen haben – und womöglich noch an Einfluss gewinnen.

1.2 E-Geld und Guthaben

Mit PayPal gewinnt auch immer mehr Elektronisches Geld (E-Geld) und dessen Verwendung als Guthaben an Bedeutung. Obwohl PayPal Europe seit 2007 offiziell in Luxemburg (vorher London) und somit EU-weit als Bank geführt wird (cssf 2016), unterscheidet sich das Unternehmen von gewöhnlichen Banken: Schon in den Nutzungsbedingungen macht es zu Beginn prominent deutlich, dass trotz der Überwachung durch die Luxemburger Bankenaufsicht (Commission de Surveillance du Secteur Financier, CSSF) keine Einlagensicherung durch das Luxemburger Einlagensicherungssystem (Association pour la Garantie des Dépôts Luxembourg, AGDL) besteht. PayPal bietet demnach keine Einlagen- und Anlagendienstleistung, sondern gibt lediglich E-Geld aus (PayPal 2016: 1.1). Was E-Geld ist, definiert die Europäische Kommission (EC) in einer Richtlinie von 2009 (in allen Mitgliedsstaten 2011 in Kraft getreten) als „digitales Bargeld, das auf einem elektronischen Gerät oder räumlich entfernt auf einem Server gespeichert ist“ (EC 2016). Etwa auf Chipkarten befindliches Guthaben, das an Automaten aufgeladen und an Mensakassen abgebucht wird, ist E-Geld; aber auch solches, das auf Handys oder auf Servern – wie bei PayPal - gespeichert ist (Jehle 2010: 274 ff.).

Mit der neuen Verordnung gibt die EC dem Elektronischen Geld einen sichereren Rechtsrahmen – unter anderem mit dem Ziel, „Marktzutrittsschranken zu beseitigen und die Aufnahme und Ausübung der Tätigkeit der Ausgabe von E-Geld zu erleichtern“ (EC 2009). Banken sind nun weiterhin „Kreditinstitute“, Unternehmen wie PayPal „Finanzinstitute“. Die Deutsche Kreditwirtschaft, ein Verband, dem u.a. Genossenschaftsbanken und Sparkassen angehören, reagiert prompt und sieht sich in Gefahr: „Das SEPA-Basislastschriftverfahren muss in seinem Bestand geschützt werden“ heißt es in einer Stellungnahme (Deutsche Kreditwirtschaft 2013: 3).

Tatsächlich bedeuten mehr Rechte für Finanzinstitute zweierlei: (1) Sie beziehen ihr Geld nicht bei der EZB als „lender of last resort“, sondern vergeben es selbst. E-Geld ist demnach nicht mit Giralgeld gleichzusetzen, das einen Anspruch auf Zentralbankgeld darstellt. (2) Die Transaktion verläuft nicht nach den bisherigen Verfahren wie SEPA oder TARGET 2, sondern unternehmensintern, von Guthabenkonto zu Guthabenkonto. Die politisch geschaffene finanzielle Infrastruktur, die das „Fließen“ von Geld bzw. das Verbuchen von Ansprüchen auf Geld regelt, wird bei PayPal ausgesetzt, zumindest stark vereinfacht. Der Einheitliche Zahlungsverkehrsraum (SEPA) wurde erst Anfang 2015 eingeführt und schuf nun auch im unbaren Zahlungsverkehr eine einheitliche Währung (Bundesbank 2015: 61). Für einzelne Zahlungen mit größeren Beträgen existiert seit 1999 TARGET bzw. seit 2007 TARGET 2. Auslandszahlungen waren und sind jedoch für Kunden, Verkäufer und Banken kompliziert, auch SEPA mit der langen internationalen Kontonummer IBAN wirkt auf viele abschreckend. Bereits vor der Vereinheitlichung des Zahlungsraumes vonseiten der EU gelang es PayPal, sich zu etablieren und grenzüberschreitende Zahlungen außerhalb des offiziellen institutionellen Rahmens mit Zentralbanken, Geschäftsbanken und Clearinghäusern zu verschnellern und zu vereinfachen.

PayPal macht also Banken wirkliche Konkurrenz: Es vereint einen kürzeren Zahlungsweg und einen Girokonto-Ersatz. Zurzeit sind Zinsen auf Giralgeld nahezu bei Null, mittlerweile kann einiges mithilfe von PayPal bezahlt werden – warum also nicht PayPal als zweites Bankkonto nutzen? Mit der vermehrten Nutzung von PayPal-Guthaben steigt allerdings auch das Risiko, das E-Geld mit sich bringt: Es besteht keine Einlagensicherung, die Geld auf Girokonten bis zu 100.000,- € vor dem Bail-in schützt. Während Giralgeld in der Kritik steht, da ihm keine Realwerte (was auch immer das sein soll) entgegen stehen, aber zumindest durch einen Rechtsrahmen geschützt ist, kann E-Geld nicht einmal diese juristische Sicherheit bieten.

1.3 Fragestellung

Trotz jüngerer politischer Anstrengungen, E-Geld durch einen geeigneten Rechtsrahmen eine Chance zu geben, sich zu qualifizieren, kann es nicht mit anderen Zahlungsmitteln gleichgesetzt werden. So existiert kein lender of last resort, wie es die EZB im Eurosystem ist, sondern lediglich PayPal als Emittent und Infrastruktur zugleich. Es stellt sich also die Frage, wie ein Zahlungsmittel, das sich aus dem traditionellen politischen Rahmen, wie dem Eurosystem, verabschiedet, entstehen und Erfolg haben konnte. Ist der politisch entstandene Euro nur noch eine Maßeinheit, also money of account, während means of exchange und store of value als Aufgaben einer Währung (Ingham 2006: 456) etwa von E-Geld übernommen werden können? Wie sieht es also aus mit dem Verhältnis von Staat und Wirtschaft – Kann letztere sich ein Kommunikationsmedium Geld leisten, das unabhängig von politischen, also eigentlich kollektiv bindenden Entscheidungen funktioniert, während die Politik lediglich versucht, abgeschlossene Tatsachen noch in einen sicheren Rechtsrahmen zu packen? Oder brauchen Wirtschaft und Geld einen Staat, um zu funktionieren? Offensichtlich ist PayPal erfolgreich, was die Statistiken weiter oben zeigen; die Zukunft ist wie immer offen. Die Frage dieser Arbeit ist also:

Welche Auswirkungen hat PayPal auf den europäischen Zahlungsraum?

Da Zahlungen mit PayPal stetig ansteigen und diese sich außerhalb der bisherigen Institute bewegen, soll erst ergründet werden, welche Motive es für die vermehrte Nutzung von PayPal gibt und zu welchen Änderungen am bisherigen bzw. politisch angedachten System dies führt.

1.4 Hypothesen

Ich stelle drei Hypothesen auf, anhand derer PayPal und seine Popularität untersucht werden sollen.

Ein wichtiger Punkt scheint die vereinfachte Transaktion von Zahlungen zu sein, mit der etablierte Systeme nicht mithalten können. Gerade im anlaufenden digitalen Zeitalter könnten Banküberweisungen als nicht mehr zeitgemäß betrachtet werden. PayPal hat hier eine Lücke gefunden und genutzt, traditionelle Banken könnten Schwierigkeiten haben, ein drohendes Monopol PayPals zu verhindern (H1).

Wichtig in der Wirtschaft sind Vertrauen und Risiko, gerade bei der Transaktion von Zahlungen. Etwaige Risiken werden nicht beachtet, in Kauf genommen oder sind gar geringer als bei klassischen Transaktionen. Banken haben in der Wirtschaftskrise an Vertrauen eingebüßt, PayPal genießt aber ein eventuell hohes Ansehen (H2).

Für die Bankenwelt könnte dies Folgen haben: Banken profitieren von Bankeinlagen ihrer Kunden. Ziehen Kunden ihr Giralgeld nun ab und verwenden E-Geld bei PayPal, können Banken weniger Kredite vergeben. Banken müssen sich wegen PayPal nun ernsthafte Gedanken machen, ihre Kunden und damit ihr Geschäftsmodell nicht zu verlieren (H3).

H1: PayPal vereinfacht Zahlungen international wie national erheblich, Politik und Banken kümmerten sich zu spät um schnellere Zahlungsmöglichkeiten.

H2: Das Vertrauen in PayPal ist größer als in bisherige Finanzinfrastruktur. Das Risiko durch juristische Nachteile wie eine fehlende Einlagensicherung ist kein Hindernis für die Nutzung von E-Geld.

H3: Die Nutzung von PayPal erfordert eine Neuorientierung der Banken, da bisher wichtige Geschäftsteile verloren gehen können.

Den genannten Hypothesen widmen sich im Folgenden Kapitel 2 auf theoretische Weise und Kapitel 3 empirisch, vor allem mit Kenntnissen aus einem Experteninterview. Abschließend in Kapitel 4 „Fazit und Ausblick“ werden die Hypothesen diskutiert, um eine Beantwortung der Frage aus 1.3 zu versuchen.

2 Theorie

Ich werde mich der Bearbeitung der Hypothesen zunächst theoretisch widmen, um einen Rahmen für die spätere empirische Untersuchung zu finden. PayPal hat verschiedene mögliche Berührungspunkte mit der soziologischen Theorie. So bearbeitet Niklas Luhmann mithilfe seiner Systemtheorie Zahlungen (H1). Das Vertrauen in und Risiko von E-Geld kann mit geldtheoretischen Fragestellungen behandelt werden. Auch die Begriffe Vertrauen und Risiko sind Themen, die von der Systemtheorie bereits beachtet wurden (H2). Neuorientierung von Banken in Reaktion auf Konkurrenz kann u.a. mit funktionaler Differenzierung des Wirtschaftssystems als Redundanzverzicht, ebenfalls systemtheoretisch, behandelt werden (H3).

2.1 Zahlungen

Die Wirtschaftssoziologie beschäftigt sich kaum mit Zahlungen. Während etwa Probleme wie Tausch und Reziprosität eine Rolle in der Diskussion um Werte von Waren und auch von Geld spielen, wird die Transaktion von Geld kaum behandelt. Da heute ein großer Teil der Zahlungen unbar stattfindet, haben sich die Möglichkeiten unterschiedlicher Zahlungsarten vervielfältigt. Eine Girocard (ehem. EC-Karte), die viele nutzen, bietet allein oft vier Möglichkeiten unbarer Zahlungen z.B. an der Supermarktkasse: Giropay mit Bestätigung durch PIN, Lastschrift mit Bestätigung durch eine Unterschrift, GeldKarte, also E-Geld, und Maestro bzw. vpay für Zahlungen im Ausland. Unbeachtet lösen diese Zahlungen unterschiedlichste Interaktionsketten mit verschiedenen Kosten und Nutzen aller Beteiligten aus. Wenn Geld means of exchange sein soll: Haben wir es mit einem talentierten Formenwandler zu tun – oder mit einer Vielfalt verschiedener Gelder, die alle auf den Namen Euro hören?

Um von der Vorstellung von Geld als fest definierte Währung wegzukommen, lohnt sich eine Abstraktion, die Niklas Luhmann (1927 - 1998) mit der Systemtheorie leistet. In Die Wirtschaft der Gesellschaft beschäftigt er sich mit Preisen als Informationen über Zahlungen, also Differenzen produzierende Differenzen (Luhmann 2015: 20), also etwas, das das das System kurzfristig in Ungleichgewicht bringt und damit auffordert, sich neu zu erfinden, seine Elemente neu zu ordnen. Bei einer Zahlung heißt das: Wer Geld erhält, wird zahlungsfähig, wer zahlt, zahlungsunfähig. Nun ist der Zahlungsunfähige an der Reihe, wieder an Zahlungsfähigkeit zu gewinnen, etwa durch Arbeit, was dann zu immer neuen Differenzen führen wird.

Wie die Zahlung an sich abläuft, wird auch hier kaum beachtet. Luhmann schrieb die Theorie in den 1980er Jahren und kannte vermutlich kaum digitale Möglichkeiten der Zahlung. Dennoch gab es bereits Alternativen zum Tausch der Ware (in Echtzeit) gegen Geld: Schecks, Kreditkarten, Überweisungen waren bereits Zahlungsvorgänge, bei denen Ansprüche auf Buchgeld verschoben wurden, nicht Geld.

Die Zahlung selbst ist bei Luhmann eine Kommunikation, die „zeitlich fixiert werden muß, weil sie Kommunikationsmöglichkeiten überträgt und weil man in einem Wirtschaftssystem wissen muß, wer zu welchem Zeitpunkt über welche Kommunikationsmöglichkeiten verfügt“ (Luhmann 2015: 21). Auch wenn unbare Zahlungen heute nicht just in time getätigt werden – SEPA-Überweisungen dauern noch immer ein bis zwei Werktage, Kreditkartenzahlungen werden meist Ende des Monats beglichen – zählt nicht die Vollendung der Kommunikation Zahlung, sondern die Information über die Zahlungsfähigkeit und damit Kommunikationsmöglichkeit der Akteure im System. Trotzdem müssen auch diese Informationen im System gehört werden, also kommt es auch auf die Schnelligkeit verschiedener Zahlungsmöglichkeiten an.

Da sich Akteure in einer komplexen und kontingenten Welt nicht in Sicherheit wiegen können, sondern Erwartungen haben, die über- oder untertroffen werden, sind auch Preise letztlich Informationen über zu erwartende Zahlungen (Luhmann 2015: 18). Zahlungen müssen sich, da ihnen ja eine Erwartungshaltung gegenübersteht, an Preisen vorheriger Zahlungen orientieren. Neue Zahlungen haben wiederum selbst einen Einfluss auf die Erwartungsbildung zu späteren Zahlungen. Abgesehen von Inflation und Deflation, die sich mit Erwartungen über zukünftige Zahlungen in Hinblick auf vergangene Zahlungen erklären lassen, lässt sich auch die Wahl der Zahlungsart mit Erwartungen erklären. Eine Zahlung kann sich von Anderen nicht nur in Geldbetrag und Währung unterscheiden, sondern auch die Frage: Zahle ich bar oder unbar, und mit welchem Zahlungsdienst? spielt eine Rolle.

Zudem organisiert das Wirtschaftssystem über Zahlungen seine Autopoiesis, also die selbstreferentielle Anpassung der Strukturen an immer neue kommunikative Reize (Baraldi et al. 2015: 76 f.). Zahlungen verändern das System und sorgen so für neue Zahlungen und Systemzustände (Preise, Märkte, Organisationen etc.). Mit Autopoiesis und funktionaler Differenzierung (vgl. Luhmann 2012: 15-29), also Redundanzverzicht, lässt sich schließlich auch die Herausbildung neuer Zahlungsmöglichkeiten erklären, die abhängig vom politischen System sind. Obwohl Zahlungen heute vor allem von privaten Banken organisiert werden – und das kaum über das Bargeld als gesetzliches Zahlungsmittel – ist ist die Organisation des Zahlungsverkehrs auch durch die Politik festgelegt (zu PSD 2 mehr in 3.1). Neuerungen hängen also auch vom Eingriff der Politik in die Wirtschaft ab; oder vom Verzicht auf einen solchen.

2.2 Vertrauen und Risiko

Die zweite Hypothese beschäftigt sich nicht mit der Zahlung, sondern mit dem Geld, über das sie getätigt wird. Wie weiter oben beschrieben, haben wir es bei Zahlungen über PayPal mit E-Geld zu tun. Grund genug, sich auch damit auseinander zu setzen. Ob Geld funktionieren kann, also stabile Preise garantiert, hat laut einiger Literatur etwas mit einem intrinsischen Wert zu tun. Gerade weil Geld im Okzident schon vor Jahrhunderten oft mit Münzen gleichgesetzt wurde, muss es in vielen Köpfen materiellen Wert haben, anfassbar sein. Wenn man bedenkt, dass noch bis Mitte des letzten Jahrhunderts goldgedeckte Währungen Standard waren, ist es verwunderlich, dass das heutige Kreditgeld scheinbar doch stabil zu sein scheint. Im Rückblick wirken Argumente, die auf das natürliche am Goldgeld zielen, an den Haaren herbeigezogen, da der Wert von Geld im gleichen Maße eingebildet ist, wie der von Gold. Kostet ein Bier in Deutschland um die drei Euro, bezahlt der Barbesucher in Reykjavik 1200 Isländische Kronen, am liebsten mit der Kreditkarte (im Herbst 2016 umgerechnet knapp 9,34 Euro). Wer nun Materialwert des Geldes mit der gekauften Ware aufwiegen will, kommt schnell in Teufels Küche. Auch Angebot und Nachfrage macht an dieser Stelle keinen Sinn, der Wert von Gold verdeutlicht das: Die Fördermenge von Silber (2.3300 t; USGS 2013), das als weniger wert als Gold gilt, war 2011 kanpp 8,5 mal so hoch wie die von Gold (2.700 t; USGS 2012).

Geld zu nutzen, ist also an sich schon eine heikle Sache, bietet allerdings auch seine Vorteile, die wohl verhindern, dass die Gesellschaft sich wieder in Subsistenzwirtschaft stürzt. Die arbeitsteilige Gesellschaft mit ihren technologischen, medizinischen, logistischen Fortschritten könnte ohne Geld wohl kaum funktionieren. In Träumereien von einer zukünftigen geldlosen Gesellschaft wird gerne auf das alte China verwiesen, das ohne Geld ausgekommen sei, sondern stattdessen auf Tontafeln Nutzungsrechte an Getreide und anderen Produkten verwaltete. Der Vergleich mit dem heutigen Kreditgeld zeigt: Auch hier handelt es sich um nichts anderes als – Geld. Nur eben nicht als Münze und Schein, sondern als Eintrag in einer Bilanz.

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
PayPal und die Banken. Verändert E-Geld den Zahlungsraum?
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Soziologie)
Veranstaltung
Soziologie des Geldes, der Banken und des Finanzmarktes
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
23
Katalognummer
V342624
ISBN (eBook)
9783668342002
ISBN (Buch)
9783668342019
Dateigröße
618 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
PayPal, Paydirekt, Banken, Luhmann, Baecker, Vertrauen, Risiko, Zahlung, E-Geld, PSD, PSD II, PSD 2, Payment Services Directive, SEPA, IBAN, Bezahlen, Geld, Systemtheorie, Fintech, Fintechs
Arbeit zitieren
Pascal Schneider (Autor), 2016, PayPal und die Banken. Verändert E-Geld den Zahlungsraum?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/342624

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