Die vorliegende Bachelorarbeit behandelt die steuerrechtlichen Aspekte deutscher Direktinvestitionen in der Russischen Föderation. Dabei wird nicht nur das russische Steuerrecht angerissen; die Thematik wird vor allem im Lichte der Doppelbesteuerung nach dem DBA Deutschland-Russland von 1996 dargestellt und Erkenntnisse für investierende Unternehmen gezogen, wobei Steuerminimierung als Hauptziel nicht außer Betracht gelassen wird.
Im aufkommenden Zeitalter der Globalisierung hat die Bedeutung von ausländischen Direktinvestitionen immer weiter zugenommen. Dies bezieht sich nicht nur auf die Staaten der Europäischen Union, die aufgrund des freien Kapitalverkehrs eng miteinander verflochten sind, sondern auch auf Drittstaaten. Wirtschaftliche Verflechtungen zwischen nahezu allen Staaten der Erde vertiefen sich immer weiter. Vor diesem Gesichtspunkt gewinnt auch die Thematik der Investition weiter an Bedeutung. In der vorliegenden Arbeit wird speziell die Investitionsform der Direktinvestition auf steuerlich relevante Aspekte hin untersucht. Mittels einer Direktinvestition wird in Form einer Unternehmensbeteiligung eine Kapitalanlage im Ausland geschaffen, die ein Instrumentarium darstellt, um auf die Politik des jeweiligen Unternehmens maßgeblichen Einfluss zu nehmen.
Damit grenzt sich die Direktinvestition von der Portfolioinvestition ab, die mit Hilfe von Wertpapieranlagen ebenfalls nach dem ökonomischen Gewinnmaximierungsprinzip streben, jedoch keinen wesentlichen Einfluss auf die Unternehmenspolitik ausüben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Gang der Untersuchung
2. Wirtschaftliche und rechtliche Rahmenbetrachtung von deutschen Direktinvestitionen in der Russischen Föderation
2.1 Wirtschaftliche Grundlagen
2.2 Einführung in das russische Ertragsteuerrecht
2.2.1 Die Gewinnsteuer
2.2.2 Die Einkommensteuer
2.3 Einführung in das russische Gesellschaftsrecht
2.4 Doppelbesteuerungsabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Russischen Föderation
2.4.1 Persönlicher Anwendungsbereich nach Art. 1 DBA-RF
2.4.1.1 Der Personen- und Gesellschaftsbegriff nach Art. 3 Abs. 1 lit. a) und b) DBA-RF
2.4.1.2 Ansässigkeit nach Art. 4 DBA-RF
2.4.2 Sachlicher Anwendungsbereich nach Art. 2 DBA-RF
2.4.3 Freistellungs- und Anrechnungsmethode nach Art. 23 DBA-RF
3. Besteuerung deutscher Direktinvestitionen in der Russischen Föderation
3.1 Direktinvestition in Form einer Betriebsstätte
3.1.1 Tatbestandsmerkmale der Betriebsstätte nach Art. 5 DBA-RF und die daraus resultierenden Rechtsfolgen
3.1.2 Abkommensberechtigung der Betriebsstätte und Selbständigkeitsfiktion nach Art. 7 Abs. 2 DBA-RF
3.1.3 Gründe für eine Investitionsentscheidung zugunsten einer Betriebsstätte
3.1.4 Gründung einer ausländischen Betriebsstätte und damit verbundene steuerliche Auswirkungen
3.1.5 Laufende Gewinnbesteuerung einer Betriebsstätte in der Russischen Föderation
3.1.5.1 Besteuerung der Betriebsstätteneinkünfte in der Russischen Föderation
3.1.5.2 Besteuerung des deutschen Stammhauses
3.1.5.2.1 Einzelunternehmen als Stammhaus
3.1.5.2.2 Kapitalgesellschaft als Stammhaus
3.1.5.2.3 Personengesellschaft als Stammhaus
3.1.5.2.4 Steuerbelastungsvergleich
3.1.6 Betriebsstättenverluste
3.1.7 Betriebsstättenveräußerung
3.2 Direktinvestition in Form einer Tochterkapitalgesellschaft
3.2.1 Vorteile der Tochterkapitalgesellschaft gegenüber der Betriebsstätte
3.2.2 Laufende Gewinnbesteuerung einer Tochterkapitalgesellschaft
3.2.2.1 Inländische Kapitalgesellschaft als Gesellschafter
3.2.2.1.1 Besteuerung auf Ebene der Tochterkapitalgesellschaft
3.2.2.1.2 Besteuerung auf Ebene der Mutterkapitalgesellschaft
3.2.2.2 Natürliche Personen als Gesellschafter
3.2.2.2.1 Variante I: Beteiligung im Privatvermögen
3.2.2.2.2 Variante II: Beteiligung im Betriebsvermögen
3.2.2.2.3 Steuerbelastungsvergleich
3.3. Sonderfall
4. Fazit und Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht steuerliche Fragestellungen bei der Wahl zwischen verschiedenen Investitionsformen (Betriebsstätte oder Tochterkapitalgesellschaft) für deutsche Direktinvestitionen in der Russischen Föderation mit dem vorrangigen Ziel der Steuerminimierung unter Anwendung nationaler und internationaler Rechtsvorschriften.
- Rechtliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen für Investitionen in Russland
- Analyse des Doppelbesteuerungsabkommens zwischen Deutschland und der Russischen Föderation
- Steuerlicher Belastungsvergleich verschiedener Rechtsformen (Einzelunternehmen, Kapital- und Personengesellschaften)
- Auswirkungen von Betriebsstättenverlusten und Veräußerungsvorgängen
- Qualifikationskonflikte bei ausländischen Rechtsformen
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Abkommensberechtigung der Betriebsstätte und Selbständigkeitsfiktion nach Art. 7 Abs. 2 DBA-RF
Die Betriebsstätte ist an sich zwar nicht abkommensberechtigt, da sie faktisch einen unselbständigen Teil des Stammhauses darstellt, ihre Selbständigkeit wird jedoch Art. 7 Abs. 2 DBA-RF fingiert. Wie weit diese steuerliche Unabhängigkeitsfiktion reicht, ist in der Literatur jedoch umstritten und hat bereits zu bilateralen Streitigkeiten geführt, etwa im Fall des DBA Deutschland – Niederlande.
Der zivilrechtliche Status der Betriebsstätte als unselbständiger Unternehmensteil wir durch die Selbständigkeitsfiktion nicht berührt. Die Selbständigkeitsfiktion gilt ausschließlich nur für die Einkünfteermittlung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die wachsende Bedeutung ausländischer Direktinvestitionen und Darlegung der Fragestellung bezüglich der steuerlichen Behandlung laufender Gewinne.
2. Wirtschaftliche und rechtliche Rahmenbetrachtung von deutschen Direktinvestitionen in der Russischen Föderation: Überblick über die wirtschaftliche Lage in Russland sowie die für Investoren relevanten Grundlagen des russischen Ertragsteuer- und Gesellschaftsrechts inklusive des DBA-RF.
3. Besteuerung deutscher Direktinvestitionen in der Russischen Föderation: Detaillierte Analyse und Steuerbelastungsvergleich der Investitionsformen Betriebsstätte und Tochterkapitalgesellschaft unter Berücksichtigung nationaler und internationaler Steuervorschriften.
4. Fazit und Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung der steuerlich vorteilhaftesten Investitionsvariante und Ausblick auf notwendige rechtliche Reformen.
Schlüsselwörter
Direktinvestitionen, Russische Föderation, Steuerrecht, Gewinnsteuer, Einkommensteuer, Doppelbesteuerungsabkommen, Betriebsstätte, Tochterkapitalgesellschaft, Steuerminimierung, Steuerbelastungsvergleich, Progressionsvorbehalt, Quellensteuer, Schachtelprivileg, Gesellschaftsrecht, Qualifikationskonflikt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den steuerlichen Konsequenzen, die für deutsche Investoren bei einer unternehmerischen Tätigkeit in der Russischen Föderation entstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen die steuerliche Behandlung von Betriebsstätten und Tochterkapitalgesellschaften, das russische Steuer- und Gesellschaftsrecht sowie die Mechanismen des deutsch-russischen Doppelbesteuerungsabkommens.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die steuergünstigste Handlungsalternative für deutsche Direktinvestoren in Russland zu ermitteln, wobei insbesondere die Steuerbehandlung laufender Gewinne in Deutschland analysiert wird.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor nutzt eine Rahmenbetrachtung rechtlicher und wirtschaftlicher Aspekte sowie ein steuerplanungsmodellbasiertes Verfahren für den Belastungsvergleich verschiedener Rechtsformen.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden detailliert die steuerlichen Aspekte von Betriebsstätten (Gründung, laufende Besteuerung, Verluste, Veräußerung) sowie von Tochterkapitalgesellschaften (Dividendenbesteuerung, Schachtelprivileg) gegenübergestellt.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Direktinvestitionen, Doppelbesteuerungsabkommen, Gewinnbesteuerung, Steuerminimierung und Steuerbelastungsvergleich.
Warum wird die Rechtsform der Kapitalgesellschaft im Modell als vorteilhaft dargestellt?
Der Belastungsvergleich zeigt, dass die Kapitalgesellschaft aufgrund des im Vergleich zur progressiven Einkommensteuer günstigeren körperschaftsteuerlichen Einheitstarifs und der Struktur des russischen Steuerrechts eine geringere Gesamtsteuerbelastung aufweist.
Welche Rolle spielt die sogenannte "Venezuela-Entscheidung" in der Arbeit?
Sie dient als Basis für den zweistufigen Rechtstypenvergleich, mit dessen Hilfe geprüft wird, ob eine ausländische Rechtsform steuerlich als Kapitalgesellschaft oder als Personengesellschaft zu qualifizieren ist.
- Arbeit zitieren
- Georg Farafonow (Autor:in), 2014, Steuerliche Auswirkungen deutscher Direktinvestitionen in der Russischen Föderation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/342629