Seit jeher diskutieren Aktionäre, Manager, Wissenschaftler und Politiker über die Streitfrage, wie ein Unternehmen richtig zu führen und zu kontrollieren sei. Unerlässlich für die Klärung dieser Corporate Governance-Debatte ist die genaue Kenntnis der theoretischen Fundierung, mit der sich die vorliegende Arbeit beschäftigt. Zunächst wird geklärt, was sich hinter dem Begriff „Corporate Governance“ verbirgt und warum wir Corporate Governance in einem marktwirtschaftlichen System überhaupt brauchen. Neben der Beantwortung der Frage, was Corporate Governance ist, wird analysiert, inwieweit ihre Sinnhaftigkeit bzw. Daseinsberechtigung von der Definition der Unternehmung und den Charakteristika der Vertragswelt abhängt. Aufbauend auf den daraus gewonnen Erkenntnissen wird schließlich gezeigt, wie sich die Frage, welcher Akteur bzw. welche Akteursgruppe die Unternehmung kontrollieren soll, klären lässt, und wo die Grenzen der Generalisierbarkeit liegen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 PROBLEMSTELLUNG
1.2 GANG DER UNTERSUCHUNG
2. Der theoretische Bezugsrahmen
3. Begriffliche Abgrenzungen
3.1 WAS IST CORPORATE GOVERNANCE?
3.2 WAS IST EINE UNTERNEHMUNG?
4. Warum braucht eine Unternehmung ein Governance-System?
5. Corporate Governance und ökonomische Effizienz
5.1 ALLGEMEINE AGENTURPROBLEME
5.2 DAS KONTROLLPROBLEM DER UNTERNEHMUNG
6. Schlussbetrachtung und Kritik
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die theoretischen Grundlagen der Corporate Governance unter besonderer Berücksichtigung des „Incomplete Contracts Approach“ nach Luigi Zingales. Ziel ist es, die Notwendigkeit von Governance-Systemen in Marktwirtschaften zu ergründen, Agency-Probleme zu identifizieren und die Frage zu klären, welcher Akteur die Kontrolle über eine Unternehmung ausüben sollte.
- Grundlagen der Neuen Institutionenökonomik
- Definitorische Abgrenzung von Corporate Governance und Unternehmung
- Analyse der Notwendigkeit von Governance-Systemen durch unvollständige Verträge
- Zusammenhang zwischen Corporate Governance, Agency-Problemen und ökonomischer Effizienz
- Untersuchung von Kontrollproblemen bei der Delegation von Managementaufgaben
Auszug aus dem Buch
5.1 Allgemeine Agenturprobleme
Anreize, Verhandlungen und Risikoaufteilung sind die Charakteristika von Agency-Beziehungen, die zwischen den an einer Unternehmung beteiligten Akteuren bestehen. Im Folgenden wird daher die mit diesen Beziehungen verbundene Problematik kurz erläutert.
Eine Agency-Beziehung liegt grundsätzlich immer dann vor, wenn ein Individuum oder eine Gruppe von Individuen (Principals) andere Individuen (Agents) dazu anhalten, einen Auftrag oder eine Aufgabe an ihrer Stelle zu erledigen. Ein Agenturproblem entsteht folglich dann, „wo immer Leistung und Gegenleistung zeitlich auch nur geringfügig auseinander fallen“ (Berger 2002, S. 194). Problematisch ist die Beziehung deshalb, weil die Entscheidungsautorität auf die Agenten übertragen wird, so wie das zwischen den Share- bzw. Stakeholders (Principals) und den Managern (Agents) einer Unternehmung der Fall ist. Diese Übertragung von Entscheidungsgewalt könnte gänzlich unproblematisch sein, wenn gewährleistet wäre, dass die Agenten stets exakt das täten, was die Prinzipale von ihnen verlangten. In der Regel ist dies allerdings nicht der Fall, weil Agency-Beziehungen typischerweise die folgenden Merkmale aufweisen (vgl. Gillenkirch 1997, S. 16ff.):
1. Risiko und Risikoaversion Risiko bzw. Unsicherheit herrscht in dem Sinne, dass die Einflussnahme der Agenten von der Einflussnahme der Umwelt auf das Ergebnis normalerweise nicht getrennt werden kann. Zudem ist unklar, wie die Eigenschaften der Agenten beschaffen sind, die eine direkte Beobachtung oder Verbindung zum Ergebnis ermöglichen. Dasselbe gilt für sämtliche Handlungen der Agenten: Unzureichendes Handeln kann bei Anwesenheit von Risiko regelmäßig damit begründet werden, dass einem andere Faktoren eben keine andere Wahl gelassen haben (dieses Problem bezeichnet man auch als shirking).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Erläutert die Aktualität der Corporate-Governance-Debatte anhand von Unternehmensskandalen und definiert den Bezugspunkt der Arbeit mittels Luigi Zingales’ Paper.
2. Der theoretische Bezugsrahmen: Verortet die Arbeit in der Neuen Institutionenökonomik und benennt die Prinzipal-Agenten-Theorie sowie die Theorie der Verfügungsrechte als wissenschaftliche Säulen.
3. Begriffliche Abgrenzungen: Definiert den Begriff Corporate Governance als komplexes Steuerungssystem und diskutiert unterschiedliche Ansätze zur theoretischen Fassung einer Unternehmung.
4. Warum braucht eine Unternehmung ein Governance-System?: Begründet die Notwendigkeit von Governance durch die Existenz unvollständiger Verträge und Informationsasymmetrien, die Nachverhandlungen erforderlich machen.
5. Corporate Governance und ökonomische Effizienz: Analysiert den Einfluss von Anreizstrukturen auf die ökonomische Effizienz sowie die Herausforderungen durch Agentur- und Kontrollprobleme in der Unternehmensführung.
6. Schlussbetrachtung und Kritik: Reflektiert den Erklärungsgehalt des Vertragsunvollkommenheitsansatzes kritisch und identifiziert weiteren Forschungsbedarf hinsichtlich praktischer Anreizmechanismen.
Schlüsselwörter
Corporate Governance, Unternehmung, Neue Institutionenökonomik, Prinzipal-Agenten-Theorie, Agency-Probleme, Vertragsunvollkommenheit, Eigentumsrechte, Kontrolle, ökonomische Effizienz, Anreizstrukturen, Monitoring, Stakeholder, Shareholder, Management, Delegation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Konzept der Corporate Governance als Steuerungssystem für Unternehmen, wobei der Fokus auf den theoretischen Zusammenhängen zwischen Unternehmensstruktur und den notwendigen Kontrollmechanismen liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Neue Institutionenökonomik, die Theorie der Unternehmung, das Management von Agenturproblemen sowie die Frage nach der optimalen Zuteilung von Kontrollrechten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, auf Basis der theoretischen Überlegungen von Luigi Zingales zu erklären, warum Governance-Systeme notwendig sind und wie diese zur Effizienzsteigerung beitragen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theoretische Analyse angewandt, die auf Literaturrecherche und der kritischen Auseinandersetzung mit ökonomischen Standardwerken der Institutionenökonomik basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Definition von Governance, der Notwendigkeit von Governance-Systemen aufgrund unvollständiger Verträge sowie einer detaillierten Analyse von Agenturproblemen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Corporate Governance, Agency-Probleme, unvollständige Verträge und die Theorie der Unternehmung geprägt.
Warum ist laut Autor die Zuteilung von Kontrollrechten an Shareholder gerechtfertigt?
Der Autor stützt sich auf den „different stakeholder approach“, wonach Shareholder aufgrund ihrer geringen Einflussmöglichkeiten auf den Verwendungszweck des Kapitals besonders schutzbedürftig gegenüber Enteignung sind.
Welche Problematik sieht der Autor bei der Delegation an das „Board of Directors“?
Die Delegation ist zwar effizient, schafft jedoch ein klassisches Prinzipal-Agenten-Problem, da Interessen der Manager und Eigentümer auseinanderfallen können, was Überwachungskosten verursacht.
- Quote paper
- Kristina Beisel (Author), 2004, Corporate Governance - Definition, Aspekte und die Frage nach dem Nutzen von Corporate Governance, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34277