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Der politische Witz in der DDR. Eine linguistische Betrachtung

Titel: Der politische Witz in der DDR. Eine linguistische Betrachtung

Examensarbeit , 2010 , 76 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Jeannette Nedoma (Autor:in)

Germanistik - Linguistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Humor und Spaß nehmen in der Bundesrepublik Deutschland einen besonderen Status ein. Ein Witz passt beinahe zu jedem Anlass, umfasst eine Vielzahl von Themen, übermittelt versteckte Informationen, spielt mit Sprache und regt zum Lachen an. Er ist in jeder sozialen Klasse zeitgemäß und in jeder Altersgruppe von Bedeutung. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass dem Witz in den letzten Jahrzehnten eine große Aufmerksamkeit zu Teil wurde. Ein Besuch im Buchladen eröffnet dem interessierten Leser eine unüberschaubare Auswahl an Witzbüchern. Auch ansonsten scheint die Bundesrepublik ein Ort zu sein, an dem gern und viel gelacht wird. Humor gibt es überall. Comedy-Shows sind aus dem Fernsehen nicht mehr wegzudenken.

Das System der BRD bietet dem politischen Witz keinen ersprießlichen „Nährboden“. Ganz anders verhält es sich mit der politischen Witzkultur in diktatorischen Staatsformen. Dort fungiert der politische Witz als Spiegelbild der Gesellschaft. Der Politwitz ist die Frucht jener Gesellschaften, die enorme Missstände aufweisen, in der die Menschen unzufrieden sind und versuchen, ihre Aggression durch Witze abzubauen. Vornehmlich im Dritten Reich und in der Deutschen Demokratischen Republik suchten die Menschen eine Möglichkeit, ihrer Missstimmung Ausdruck zu verleihen. Der politische Flüsterwitz gilt als Produkt dieser Diktaturen. Indem die Menschen ihre eigene Wirklichkeit in Witzen konstruierten, konnten sie der trostlosen Realität entkommen. Der Politwitz wurde im Gegensatz zur Witzkultur der heutigen Zeit hinter vorgehaltener Hand weitergegeben oder im engsten Familien- und Freundeskreis erzählt, da die Verbreitung von tendenziösen feindseligen Witzen mitunter harte Sanktionen zur Folge hatte. Obwohl der politische Witz nicht direkt das Potential hatte Revolutionen auszulösen oder zu progressiven Besserungen beizutragen, so musste doch jeder Witzerzähler „auf der Hut“ sein, wenn er sich kritisch über den Staat und dessen Organe äußerte.

Der politische Witz in der DDR wird nun im weiteren Verlauf dieser Arbeit vornehmlich linguistisch betrachtet, da es von größter Bedeutung ist, den Witz als Textsorte zu definieren und dessen kommunikative Funktion näher in den Augenschein zu nehmen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Zielsetzung und Aufbau

2 Zum Gegenstand des Witzes

2.1 Etymologie, Definition und Witzkategorien

2.2 Der Witz, das Komische und das Lachen

2.3 Sach- und Sprachwitze

2.4 Die formale Struktur des Witzes

2.4.1 Die Exposition

2.4.2 Die Dramatisierung

2.4.3 Die Pointe

3 Die Sprache in der DDR

3.1 Die politisch-bedingte Sprachlenkung durch die SED

3.2 Werte und Ritualität in der DDR

3.3 Öffentlichkeitssprache vs. Alltagssprache

4 Kognitive Modelle des Witzes

4.1 Das Konzept der Inkongruenz

4.2 Die Bisoziation

4.3 Die Frame-Theorie

4.4 Die Kombination von Bisoziation und Frame-Theorie

4.5 The General Theory of Humor (GTVH)

5 Zum Gegenstand des politischen Witzes

5.1 Der politische Witz in der DDR

5.1.1 Partei und Staat

5.1.2 Die Defizite der Planwirtschaft

5.1.3 Staatsfunktionäre und ihre Organe

5.1.4 Deutsch-Russische Beziehungen

5.1.5 Häschen-Witze

5.1.6 Anfragen an den Sender Jerewan

6. Evaluation

6.1 Bewertung der General Theory of Verbal Humor (GTVH)

6.2 Die Funktionen des politischen Witzes in der DDR

7 Der Witzkorpus

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit verfolgt das Ziel, den politischen Witz in der DDR primär aus linguistischer Perspektive als Textsorte zu definieren und seine kommunikativen Funktionen zu analysieren. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie der politische Witz als Ventil für Aggressionen und als Ausdruck einer Gegenöffentlichkeit in einem diktatorischen System fungierte.

  • Linguistische Analyse von Witzstrukturen (SSTH/GTVH)
  • Sprachliche Besonderheiten und Sprachlenkung in der DDR
  • Psychologische und soziologische Funktionen des politischen Witzes
  • Untersuchung der DDR-Witzkultur anhand eines Korpus
  • Verhältnis zwischen Alltagssprache und offizieller Parteisprache

Auszug aus dem Buch

Die formale Struktur des Witzes

Der Witztext ist gemäß Marfurt (1977) in drei Hypertagmeme, drei formale Strukturelemente, unterteilbar. Im Einzelnen zählen dazu: Einleitung, Dramatisierung und Pointe. Die Hypertagmeme „determinieren und ergänzen sich gegenseitig, haben aber meist auch noch Funktionen, welche die Ebene der Witzstruktur transzendieren und sich auf das Interaktionsmuster beziehen“ (1977, S. 93).

Die Einleitung erläutert in kurzer Weise die im Witzgeschehen verankerte Situation und den Handlungsrahmen und führt die im Geschehen agierenden Personen (bzw. Tiere, belebte Gegenstände) ein. Das Hypertagmem soll Vorurteile und Erwartungen beim Rezipienten erwecken. Die Exposition fungiert als die Motivierung zum Höhepunkt des Witzes. Das Witzgeschehen wird meist im Präsens geschildert, damit die dargestellte Situation im Witz aktuell wirkt.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des Humors ein und skizziert die Rolle des politischen Witzes als Spiegelbild der DDR-Gesellschaft sowie den Aufbau dieser Arbeit.

2 Zum Gegenstand des Witzes: Dieses Kapitel erläutert die Etymologie, Definition und formale Struktur von Witzen sowie die theoretischen Grundlagen des Komischen und Lachens.

3 Die Sprache in der DDR: Der Abschnitt behandelt die politischen Einflussnahmen auf die Sprache durch die SED, die Bedeutung von Ritualen im Alltag und die Koexistenz von offizieller Parteisprache und Alltagssprache.

4 Kognitive Modelle des Witzes: Hier werden zentrale Theorien der Witzforschung wie die Inkongruenztheorie, die Bisoziation, die Frame-Theorie und die GTVH vorgestellt und diskutiert.

5 Zum Gegenstand des politischen Witzes: In diesem Kapitel erfolgt die Analyse der politischen Witzkultur in der DDR, unterteilt in verschiedene Themenfelder wie Staatsführung, Planwirtschaft und spezifische Witztypen.

6. Evaluation: Die Evaluation bewertet die Anwendbarkeit der kognitiven Witzmodelle auf den untersuchten Korpus und reflektiert die soziologischen und politischen Funktionen des DDR-Witzes.

7 Der Witzkorpus: Dieser Abschnitt bietet die gesammelte Zusammenstellung der in der Arbeit analysierten politischen Witze.

Schlüsselwörter

Politischer Witz, DDR, SED, GTVH, SSTH, Inkongruenz, Bisoziation, Frame-Theorie, Planwirtschaft, Sprachlenkung, Gegenöffentlichkeit, Witzkultur, DDR-Alltag, Humor, Pointe.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den politischen Witz in der DDR als linguistisches und gesellschaftliches Phänomen, um seine Rolle und Funktion im diktatorischen System zu verstehen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Arbeit fokussiert sich auf die Sprachverhältnisse in der DDR, die kognitiven Mechanismen hinter der Witzentstehung und die thematische Vielfalt der Witze, etwa über Partei, Planwirtschaft oder Stasi.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist die linguistische Definition des Witzes als Textsorte und die Untersuchung seiner kommunikativen, sozialen und psychologischen Funktionen als Widerstandsform.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es werden linguistische Ansätze der Witzforschung verwendet, insbesondere die Semantic Script Theory of Humor (SSTH) und die General Theory of Verbal Humor (GTVH).

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die theoretischen Witzmodelle und wendet diese auf einen Korpus politischer Witze aus der DDR an, um Mechanismen wie Script-Oppositionen und Situationen zu verdeutlichen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Politischer Witz, DDR, GTVH, Inkongruenz, Planwirtschaft und Gegenöffentlichkeit.

Inwiefern beeinflusste die SED die Witzkultur?

Die SED-Diktatur lieferte durch ihre rigide Sprachpolitik und gesellschaftliche Missstände den "Nährboden", auf dem der politische Witz als Ventil für den Unmut der Menschen gedieh.

Warum spielt das Konzept des "Sender Jerewan" eine besondere Rolle?

Sender-Jerewan-Witze fungierten als fiktive Institution, die in einer von Zensur geprägten Landschaft scheinbar "ehrlich" auf Fragen antwortete und damit die Diskrepanz zwischen sozialistischer Theorie und der Realität aufdeckte.

Ende der Leseprobe aus 76 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Der politische Witz in der DDR. Eine linguistische Betrachtung
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Germanistik)
Note
1,3
Autor
Jeannette Nedoma (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
76
Katalognummer
V342858
ISBN (eBook)
9783668327726
ISBN (Buch)
9783668327733
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Politik Politisch Witz Lingusitik Geschichte DDR Linguistik Sprachwissenschaft
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Jeannette Nedoma (Autor:in), 2010, Der politische Witz in der DDR. Eine linguistische Betrachtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/342858
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Leseprobe aus  76  Seiten
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