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Wie schnell kann es gehen? Chancen und Risiken für systemische Beratung im pädagogischen Kontext in der sich beschleunigenden Gesellschaft

Titel: Wie schnell kann es gehen? Chancen und Risiken für systemische Beratung im pädagogischen Kontext in der sich beschleunigenden Gesellschaft

Masterarbeit , 2016 , 78 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Arne Schulz (Autor:in)

Ada Pädagogik / Erziehung / Beratung
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Berater haben es immer mehr mit Hilfesuchenden zu tun, die gestresst und ausgebrannt sind, und das Sinnhafte in ihrem Leben durch die Verflüchtigung der stabilen Verhältnisse nicht mehr erkennen.

Der spürbare Leistungsdruck in Unternehmen oder im Sport führt dazu, dass Menschen vermehrt unter psychischen oder physischen Beschwerden leiden und in der Bewältigung ihrer Aufgaben zu versagen glauben. Der Druck wird verstärkt durch das allgemein bestehende Vorurteil, dass psychosomatische Erkrankungen als persönliche Schwäche des Betroffenen zu werten und seine Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit dadurch stark eingeschränkt sind. Leistungsfähigkeit schließlich ist der Bewertungsfaktor, der über Anerkennung oder Ablehnung oder auch Sein oder Nichtsein im Beruf entscheidet.

Ausgelöst durch diesen Druck, der auf ihren Klienten lastet, sehen sich Berater aber auch immer häufiger der Aufgabe gegenüber, Ihren Klienten umgehend zu helfen, damit diese „Schwächen“ (wie psychische oder physische Störungen) behoben bzw. in ihrem privaten und/oder beruflichem Umfeld gar nicht erst bemerkt werden.

Davon ausgehend, dass sich die Gesellschaft nach Rosa zunehmend beschleunigt, also deren Institutionen, Organisationen, Ökonomie, die Arbeitswelt etc., aber eben auch Individuen – mit welchen Problematiken, Bedürfnissen und Anforderungen müsste Beratung verstärkt umgehen?
Und welche Gefahren könnten sich für Beratungsprozesse ergeben, wenn sie zeitlich immer stärker gestrafft würden?
Wie attraktiv wäre hierbei noch der systemische Gedanke, wenn hierarchische Fachberatungen und Trainings mit klaren Handlungs- und Verhaltensanweisungen doch zu einer Zeitersparnis für Menschen führen sollten?
Andersherum gefragt: Wie kann systemische Beratung auf den Druck der Beschleunigung reagieren und was gibt es argumentativ anzuführen für eine systemische Haltung in der Kommunikation?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung – systemische Beratung bei gesteigertem Lebenstempo

2. Ziel und Fragestellung dieser Arbeit

3. Herangehensweise zur Beantwortung der Forschungsfrage

4. Definitionen und Theoriegrundlage/ Methodologie

4.1 Ausschnitte aus Theorien zu systemischer Beratung

4.1.1 Der (radikale/ operative) Konstruktivismus

4.1.2 Kybernetik und Kybernetik zweiter Ordnung

4.1.3 Die neuere Systemtheorie (nach Niklas Luhmann)

4.2 Beschleunigung und Entfremdung nach Harmut Rosa

5. Zeitmangel der zu Beratenden und des Beraters – Motivationen und Wünsche

6. Geschwindigkeitsbremsen und -grenzen in der systemischen Beratung: Risiken

7. Beschleunigung systemischer Beratung: Chancen?

8. Resonanz und Entfremdung im Ungleichgewicht – Rückschlüsse auf die Anschlussfähigkeit

8.1 Resonanz

8.2 Entfremdung

8.3 Resonanz, Entfremdung und Beschleunigung

9. Resonanz um jeden Preis?

10. Fazit

Zielsetzung & Themen

Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, die systemische Beratung vor dem Hintergrund der Beschleunigungstheorie von Hartmut Rosa zu analysieren, um Chancen und Risiken in einer beschleunigten Gesellschaft zu identifizieren und die kritischen Grenzen für den Erfolg systemischer Beratungsprozesse aufzuzeigen.

  • Systemische Beratung und deren Haltung in einer beschleunigten Welt
  • Beschleunigungsphänomene nach Hartmut Rosa (Technik, sozialer Wandel, Lebenstempo)
  • Die systemtheoretische Perspektive auf Beratung (Konstruktivismus, Kybernetik)
  • Resonanz und Entfremdung als zentrale Beziehungsmodi in Beratungsprozessen
  • Anschlussfähigkeit als Voraussetzung für wirksame Interventionen

Auszug aus dem Buch

4.1.1 Der (radikale/ operative) Konstruktivismus

Konstruktivistisches Denken und konstruktivistische Theorien sind ziemlich heterogen, allerdings treffen sie sich in der Annahme, dass „[…] Erkenntnis nicht auf einer Korrespondenz mit der externen Wirklichkeit beruht, sondern immer auf „Konstruktionen“ eines Beobachters.“16 Zentrale Begriffe in diesem Abschnitt sind undifferenzierte Kodierung, operationale Schließung, Autopoiesis, Beobachtung und Markierung.

Es ist zunächst wichtig, anzumerken, dass diese Idee nicht der des metaphysischen Solipsismus entspricht, der die Existenz einer Welt außerhalb des eigenen Bewusstseins verneint. Der irisch-US-amerikanische Philosoph und Kommunikationswissenschaftler Ernst von Glasersfeld beschreibt in seinem Werk ‚Radikaler Konstruktivismus - Ideen, Ergebnisse, Probleme‘ den Konstruktivismus-Gedanken als Operationserklärung für die Herstellung von Wissen – über eine real existierende Welt! Allerdings stellt er die Frage, wie Herstellung von Wissen über die real existierende Welt funktioniert, da sich bei näherer Beobachtung feststellen lässt, dass „[…] Kognition […] der Organisation der Erfahrungswelt des Subjekts [dient] und nicht der ‚Erkenntnis‘ einer objektiven ontologischen Realität.“17 Von Glasersfeld verweist zu großen Teilen auf den Schweizer Biologen und Pionier der kognitiven Entwicklungspsychologie Jean Piaget, dessen Schriften er interpretiert und zum Ergebnis gelangt, dass diese überwiegend falsch gedeutet werden.

Wird die Welt, die Realität vom Menschen erkannt? Geht man davon aus, dass die Realität, also die Außenwelt eines Menschen, von diesem erfahrbar ist, bekommt man beim gedanklichen Nachvollziehen der Operationsschritte, die für diese Erfahrung vonnöten sind, Probleme mit einem Gedanken, den der österreichische Physiker Heinz von Foerster als das ‚Prinzip der undifferenzierten Kodierung‘ bezeichnet hat. Beobachtet beispielsweise ein Hirnforscher einen Menschen mithilfe von Messgeräten bei der Aufnahme von Informationen aus der Umwelt, so stellt er fest, dass diese, auf die Sensoren des menschlichen Körpers auftreffenden Reize, alle auf ein und dieselbe Art und Weise in Inaktivitäts-Aktivitäts-Muster kodiert werden.18

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung – systemische Beratung bei gesteigertem Lebenstempo: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende gesellschaftliche Beschleunigung und deren Auswirkungen auf den Alltag und die Arbeit, was einen Bedarf an effektiver, aber sinnstiftender Beratung erzeugt.

2. Ziel und Fragestellung dieser Arbeit: Dieses Kapitel definiert die Zielsetzung, systemische Beratung theoretisch gegen die Beschleunigungstheorie nach Hartmut Rosa zu prüfen und Grenzen der zeitlichen Straffung zu identifizieren.

3. Herangehensweise zur Beantwortung der Forschungsfrage: Die Arbeit wird als theoretische Auseinandersetzung in Abgrenzung zur Empirie konzipiert, basierend auf systemtheoretischen Ansätzen und zeitsoziologischen Theorien.

4. Definitionen und Theoriegrundlage/ Methodologie: Hier werden die zentralen Begriffe geklärt und die theoretischen Fundamente aus Konstruktivismus, Kybernetik und der neueren Systemtheorie sowie Rosas Beschleunigungsbegriff gelegt.

5. Zeitmangel der zu Beratenden und des Beraters – Motivationen und Wünsche: Untersuchung der ökonomischen und sozialen Motivationen hinter dem Wunsch nach Zeitersparnis und optimierter Beratung.

6. Geschwindigkeitsbremsen und -grenzen in der systemischen Beratung: Risiken: Analyse der Gefahren, die eine zu starke zeitliche Straffung für die Anschlussfähigkeit und Wirksamkeit systemischer Beratungsprozesse birgt.

7. Beschleunigung systemischer Beratung: Chancen?: Diskussion der Frage, ob und wie eine Beschleunigung der Prozesse den Beteiligten einen Mehrwert bieten kann, ohne den systemischen Kern zu verlieren.

8. Resonanz und Entfremdung im Ungleichgewicht – Rückschlüsse auf die Anschlussfähigkeit: Integration von Rosas Resonanztheorie, um zu verstehen, wie das Spannungsfeld zwischen Resonanz und Entfremdung die Anschlussfähigkeit in der Beratung beeinflusst.

9. Resonanz um jeden Preis?: Kritische Auseinandersetzung mit der Rolle der Resonanz auf der Beziehungsebene und der Notwendigkeit, Beratung fokussiert und inhaltlich unabhängig zu gestalten.

10. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Erkenntnisse: Systemische Beratung als nachhaltiger Gegenentwurf zur schnellen, aber kurzlebigen Problemlösung.

Schlüsselwörter

Systemische Beratung, Beschleunigung, Hartmut Rosa, Soziale Beschleunigung, Resonanz, Entfremdung, Anschlussfähigkeit, Systemtheorie, Niklas Luhmann, Konstruktivismus, Zeitsoziologie, Beratungsprozess, Nachhaltigkeit, Selbstwirksamkeit, Lebensberatung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der gesellschaftlichen Beschleunigung auf die systemische Beratung und fragt nach den Chancen, Risiken und Grenzen einer zeitlichen Straffung von Beratungsprozessen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Felder sind die Zeitsoziologie von Hartmut Rosa, systemtheoretische Konzepte wie Autopoiesis und Kybernetik sowie die Untersuchung von Resonanz und Anschlussfähigkeit in Beratungssituationen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, Grenzen aufzuzeigen, ab denen eine zu starke Beschleunigung systemischer Beratung zum Misserfolg führt, und herauszuarbeiten, welche Faktoren für eine gelingende Beratung trotz eines beschleunigten Umfelds essenziell sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die durch eine fundierte Literaturanalyse systemtheoretischer und zeitsoziologischer Ansätze logische Argumentationsketten aufbaut.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen des Konstruktivismus und der Kybernetik, die Analyse der Beschleunigungsmechanismen nach Rosa sowie die Diskussion um Resonanz und Entfremdung in Bezug auf die Wirksamkeit von Beratung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Kernbegriffe sind Systemische Beratung, Beschleunigung, Resonanz, Entfremdung, Anschlussfähigkeit und Zeitsoziologie.

Wie unterscheidet sich Fachberatung von systemischer Beratung im Kontext dieser Arbeit?

Fachberatung wird als stärker auf die Sachdimension und schnelle, direkte Lösungen ausgerichtet beschrieben, während systemische Beratung auf Prozessgestaltung, Reflexion und die Förderung der Selbstwirksamkeit des Ratsuchenden zielt.

Warum ist das Konzept der „Anschlussfähigkeit“ für den Berater so wichtig?

Anschlussfähigkeit ist die Voraussetzung dafür, dass Interventionen eines Beraters überhaupt vom System des Ratsuchenden wahrgenommen und als anschlussfähig bewertet werden können, was eine Bedingung für wirksame Irritation und Veränderung darstellt.

Was bedeutet „Resonanz“ nach Hartmut Rosa in der Beratung?

Resonanz bezeichnet eine lebendige Antwortbeziehung zwischen Berater und Ratsuchendem (oder zwischen Ratsuchendem und dessen Umwelt), in der beide Seiten berührt werden und eine echte, tiefgehende Auseinandersetzung stattfindet.

Was ist mit dem „rasenden Stillstand“ gemeint?

Der Begriff beschreibt den Zustand, in dem trotz ständiger Beschleunigung und hoher Aktivität das Gefühl eines Fortschritts ausbleibt, weil die Dynamik der Veränderungen die Fähigkeit zur Anverwandlung und sinnvollen Integration übersteigt.

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Details

Titel
Wie schnell kann es gehen? Chancen und Risiken für systemische Beratung im pädagogischen Kontext in der sich beschleunigenden Gesellschaft
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Institut für Pädagogik)
Note
1,0
Autor
Arne Schulz (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2016
Seiten
78
Katalognummer
V342888
ISBN (eBook)
9783668328570
ISBN (Buch)
9783668328587
Sprache
Deutsch
Schlagworte
chancen risiken beratung kontext gesellschaft
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Arne Schulz (Autor:in), 2016, Wie schnell kann es gehen? Chancen und Risiken für systemische Beratung im pädagogischen Kontext in der sich beschleunigenden Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/342888
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  78  Seiten
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