Subjective Memory Complaints und ihre Verbindung zu objektiver Gedächtnisleistung, Alzheimer und Depressionen


Bachelorarbeit, 2016

44 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. „Subjective memory complaints“
2.1 Definition
2.2 Geschichte und Begriff
2.3 Betroffene und Art der Beschwerden
2.4 Ermittlung von SMC
2.4.1 Memory Complaint Questionnaire (MAC-Q)
2.4.2 SMC-Scale: Schmand et al. (1996):
2.5 Prävalenz
2.6 Neurologische Hintergründe

3. Verbindung mit tatsächlicher Gedächtnisleistung

4. Verbindungen mit MCI und Alzheimer-Demenz

5. Verbindung zu Depressionen:
5.1 Zusammenhang zwischen Depression & AD: Reviewstudie

6. Diskussion:
6.1 Operationalisierung / Definition
6.2 Ermittlung
6.3 Prädiktive Qualität von SMC
6.4 Objektive Leistung, MCI und AD
6.5 Ausblick für SMC
6.6 Depressionen

Bibliografie

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Vergesslichkeit, „Schusseligkeit“, Konzentrationsprobleme - Menschen jeder Altersgruppe klagen darüber und viele haben insgeheim Sorgen, dass sie zunimmt und zum ernsthaften Problem wird. Doch wie wahrscheinlich ist dies? Welche Arten von Sorgen sind begründet? Unter welchen Umständen sollte man die Sorgen über- haupt ernst nehmen? Die Sorge bezüglich des eigenen Gedächtnisses dreht sich oft um das Thema Demenz - ein besonders mit zunehmendem Alter relativ oft vorkom- mendes psychiatrisches Syndrom, (rund jeder vierte im Alter ab 85 Jahren, siehe Abb.1, Uta Ziegler, 2009) und speziell um die Alzheimer-Demenz, die als häufigste Form der Demenz mit erheblichen Schwierigkeiten der Alltagsbewältigung einher- geht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Ziegler, 2009, S.10)

Schätzungen gehen davon aus, dass 60-80% der Demenzen vom Typ Alzheimer sind (NIH, 2013). Die Krankheit zeichnen sich durch einen progressiven Verlust kognitiver Funktionen aus: Denken, Erinnern, Überlegen, aber auch das Verhalten der Betroffenen ist verändert: Sie verlieren die räumliche Orientierung, zeigen Wesensänderungen bis hin zur Apathie.

Es wird geschätzt, dass 4,6 % aller Menschen über 60 Jahre in Zentraleuropa von AD betroffen sind, während die Prävalenz in anderen Regionen zwischen 5,6 und 7,6 % sowie in Nordafrika und dem Mittlerem Osten bei 8,7 % liegt. Weiterhin schätzt man, dass sich die Anzahl der Menschen mit Alzheimer alle 20 Jahre ver- doppelt. Das größte Defizit der Betroffenen ist der Verlust der Lebensqualität, den die Erkrankung mit sich bringt: Sie führen zunehmend kein eigenverantwortliches Leben mehr, sondern sind auf Hilfe und Pflege angewiesen. So werden die Kosten für Alzheimerpatienten auf gleicher Höhe von denen für Krebs, Herzkrankheiten und Schlaganfall geschätzt (Martin Prince, 2015). Eine frühzeitige Erkennung und Be- handlung mit dem Ziel der Hinauszögerung oder Verbesserung des Zustandes der Betroffenen ist daher wünschenswert. Die Schaffung von Bedingungen für ein lebenswertes und zufriedenes Leben und die Höhe der Aufwendungen bei Beginn der Krankheit und ihrer späteren Behandlung hängen voneinander ab.

Alzheimer entsteht, wenn einst gesunde Neuronen im Gehirn absterben oder die Verbindung zu anderen Neuronen verlieren. Dies ist grundsätzlich ein normaler Alterungsprozess, geht jedoch bei Alzheimerpatienten um ein Vielfaches schneller vonstatten. Es bilden sich Amyloid-b-Ablagerungen, die sich als „Plaques“ in den Neuronen ablagern. Die Konzentration neuronaler Botenstoffe (vor allem Acetyl- cholin) im Gehirn verringert sich. Daraus resultieren Störungen der Informationsver- arbeitung und die typischen Lern- und Gedächtnisprobleme von AD-Patienten. Derzeit gibt es noch keine effektiven Behandlungen für AD, die Erkrankung kann lediglich hinausgezögert werden. Als Grundlage für neue Behandlungsansätze soll- ten Risikofaktoren für die Entstehung von AD gefunden werden (Kerstin Lehermayr, 2012).

Abb. 2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Bevoelkerung/ Bevoelkerungsvorausberechnung/Bevoelkerungsvorausberechnung.html

Der demografische Wandel in den Industriestaaten äußert sich vor allem in einer Zunahme der älteren Bevölkerung. Das deutsche statistische Bundesamt schreibt dazu:

„Im Jahr 2060 wird die Anzahl der ab 65-Jährigen 22 bis 23 Millionen betra- gen. Während derzeit jede fünfte Person dieser Altersgruppe angehört (2013:21 %) wird es 2060 jeder dritte sein (2060: 32 % beziehungsweise 33 %). Im Jahr 2013 lebten 4,4 Millionen 80-Jährige und Ältere in Deutschland. Ihre An- zahl wird 2060 mit insgesamt 9 Millionen etwa doppelt so hoch sein wie heute. Der Anteil der Hochaltrigen an der Gesamtbevölkerung betrug 2013 rund 5 %, bis 2060 wird er auf 12 % beziehungsweise 13 % zunehmen. Vier von zehn Menschen im Alter ab 65 Jahren werden dann 80 Jahre und älter sein.“ ("Neue Bevölkerungsvorausberechnung für Deutschland bis 2060," 2015)

Die Erhaltung der Lebensqualität der alten Bevölkerung wird in Zukunft eine große medizinische, gesundheits- und sozialpolitische Herausforderung darstellen. Die Psychologie steht vor der Aufgabe, adäquate Behandlungsmethoden für die Krankheitsbilder alter Menschen zu entwickeln. Hierzu gehört besonders bei Alzheimer die Früherkennung und der Versuch, den Ausbruch so weit wie möglich hinauszuzögern und die Symptome einzudämmen.

Mit Subjective memory complaints könnte eine Möglichkeit bestehen, die psy- chischen Symptome einer beginnenden Alzheimer-Demenz schon im präklinischen Stadium zu erkennen. Sie könnten ein Prodromalsymptom der Demenz darstellen, bevor objektive Tests diese nachweisen können (z.B. Erk et al., 2011; Jessen et al., 2014; Jonker, Geerlings, & Schmand, 2000; Schultz et al., 2015). Diese Annahme ist jedoch noch an viele weitere Faktoren gekoppelt, die die Vorhersagequalität beschränken: So müssen SMC als subjektive Berichte nicht zwingend mit sinkender Gedächtnisfähigkeit einhergehen (z.B. Mol, van Boxtel, Willems, & Jolles, 2006). Normale Alterungsprozesse, Persönlichkeitstraits, neurologische Störungen, Sub- stanzmissbrauch und -gebrauch oder der kulturelle Hintergrund spielen ebenfalls eine Rolle und können das Auftreten von Beschwerden begünstigen (Jessen et al., 2014).

Außerdem äußert sich nicht jeder Mensch in gleichem Maße über sein Gedächtnis (Schultz et al., 2015) - das Problem könnte die Charakteristik einer „worried well“ - Bevölkerung sein: Das Sich-Sorgen vor dem Auftreten tatsächlicher Beschwerden bringt das Gefühl wirklich existierender anomaler Gedächtnisleistung hervor, wodurch vermehrt Beschwerden geäußert werden.

Diese Einstellung der Besorgtheit und des Pessimismus kommt in aus- geprägter Form bei der Depression vor. Sie kennzeichnet sich durch eine niedergeschlagene Stimmung, einen verminderten Antrieb und den Verlust von Freude an Tätigkeiten, die früher einmal Spaß gemacht haben (Anhedonie). Die Antriebslosigkeit kann sich auch in einer motorischen Verlangsamung äußern, gesteigerte Ermüdbarkeit sowie Appetitlosigkeit. Das Denk- und Konzentrationsver- mögen kann gestört sein und es kommen Schlafstörungen vor (Payk, 2010).

Die Lebenszeitprävalenz von Depressionen wird in verschiedenen Studien zwischen 6% (Hwu, Yeh, & Chang, 1989) und 16-17% angegeben (Blazer, Kessler, McGonagle, & Swartz, 1994; Vorcaro, Lima-Costa, Barreto, & Uchoa, 2001). In höherem Alter (über 55 Jahren) wird die Prävalenzrate auf ungefähr 13,5% geschätzt, wobei die Raten laut einer Reviewstudie zwischen 0,4 und 35% stark schwanken (Beekman, Copeland, & Prince, 1999). Die Auswirkungen von Depres- sionen auf das tägliche Leben sind enorm - die höchste Anzahl an Fehltagen am Ar- beitsplatz geht auf depressive Störungen zurück ("DAK-Gesundheitsreport 2015," 2015).

Wie bereits erwähnt äußern sich Depressionen durch erhöhte Sorge und pes- simistische Stimmung - so liegt es nahe, dass sie in Verbindung mit SMC gebracht werden und in einigen Forschungen als deren Prädiktor dienen (Abdulrab & Heun, 2008; Montejo, Montenegro, Fernandez, & Maestu, 2011). Womöglich hängen berichtete SMC also eher mit Depressionen anstatt mit einsetzender Alzheimer-De- menz zusammen und sind von dieser unabhängig. Es ist jedoch ebenfalls bekannt, dass eine beginnende Alzheimererkrankung oft mit Depressionen einhergeht (Muller- Spahn & Hock, 1999).

Zu erörtern ist, inwiefern die Depressionen mit SMC in Verbindung stehen und sich gegenseitig bedingen und welche Rolle die Faktoren bei der Entstehung der Alzheimer-Erkrankung spielen (Gino et al., 2010). Depressionen korrelieren in den meisten Studien positiv mit dem Alter (Newmann, Engel, & Jensen, 1991) - möglicherweise ist dies an Alzheimer gekoppelt und hängt mit SMC zusammen, oder es handelt sich um ein unabhängiges, vielleicht neurodegeneratives Phänomen. An- hand all dieser Faktoren leitet sich die folgende Forschungsfrage ab:

„Welche Verbindung existiert zwischen Subjective Memory Complaints und objektiver Gedächtnisleistung, Alzheimer und Depressionen?“

2. „Subjective memory complaints“

2.1 Definition

Obwohl sich jeder etwas unter dem Begriff der subjektiven Gedächtnisbeschw- erden vorstellen kann, gibt es die Notwendigkeit einer eindeutigen klinischen Defini- tion, um einheitliche Forschung und Vergleichbarkeit der Ergebnisse zu garantieren. Vor allem eine Operationalisierung von SMC wird seit vielen Jahren gefordert, fehlt jedoch bislang (Abdulrab & Heun, 2008; Jessen et al., 2014). Dies bringt Probleme insbesondere in der Prävalenzermittlung und folglich auch in der prognostischen Va- lidität mit sich, die in den folgenden Kapiteln angesprochen werden. SMC lassen sich als subjektive Beschwerden über Gedächtnisfähigkeiten in Alltagssituationen verallgemeinern (Montejo et al., 2011), meist als Verschlechterung in Bezug auf frühere Zeitpunkte.

SMC repräsentieren geringfügige Beeinträchtigungen des Gedächtnisses, die möglicherweise unter die Schwelle von üblichen kognitiven (Leistungs-)Tests fallen, können also in Abwesenheit von objektiver Beeinträchtigung des Gedächtnisses auftreten (Jessen et al., 2014; Schultz et al., 2015). Der Begriff wird allerdings auch in Zusammenhang mit bestehendem Mild Cognitive Impairment verwendet, was als Vorstufe von Alzheimer bereits objektive Änderungen der Gedächtnisfähigkeit bein- haltet (Geerlings, Jonker, Bouter, Ader, & Schmand, 1999; Montejo et al., 2011; Schultz et al., 2015)

2.2 Geschichte und Begriff

Nachdem bereits 1982 von subjektiven Beschwerden über das Gedächtnis bei MCD (Mild cognitive decline) die Rede war (Jessen et al., 2014; Reisberg, Ferris, de Leon, & Crook, 1982), gab es in den darauffolgenden Jahren verschiedenste Beze- ichnungen für das gleiche Konstrukt der subjektiven Beschwerden über das eigene Gedächtnis (Abdulrab & Heun, 2008). Zwar wird innerhalb eines Artikels in der Regel einheitlich ein einziger Begriff benutzt, bei Zitationen wird jedoch oft auf Artikel ver- wiesen, die andere Begriffe für SMC benutzen. Die verschiedenen Begriffe sollen im Folgenden erläutert werden.

In einigen Artikeln wird der Begriff der SMC synonym zu Subjective memory impairments (SMI) verwendet, der das Wort Beschwerde durch Beeinträchtigung tauscht.

Speziell auf Alterungsprozesse bezieht sich der Begriff der age-associated memory impairments (AAMI), der erfassbare altersbedingte Beeinträchtigungen des Gedächtnisses beschreibt (Larrabee & Crook, 1994).

Weiterhin existiert der Begriff des Subjective Memory Decline, der explizit die subjektive Verschlechterung der Gedächtnisleistung innerhalb der letzten Jahre beschreiben soll.

Außerdem existieren Begriffe, die das Wort „memory“ durch „cognitive“ tauschen (Petersen, 2004; Petersen & Morris, 2005), eigentlich also die Gesamtheit kognitiver Funktionen (z.B. subjektive Wortfindungsschwierigkeiten) und nicht nur das Gedächtnis betreffen, jedoch mit SMC synonym verwendet werden: Subjective cognitive decline, der die Verschlechterung kognitiver Funktionen über die Zeit beschreibt (Kinzer & Suhr, 2016) sowie Subjective cognitive complaints (SCC), was geäußerte subjektive Beschwerden in kognitiven Funktionen kategorisieren soll (Edmonds et al., 2014).

SMC werden von einigen Forschern (aber nicht allen) als generelle, nicht auf vorherige Zeitpunkte bezogene „Beschwerden über das eigene Gedächtnis“ angesehen bzw. ermittelt (Jungwirth et al., 2004). Hier liegt eine große Diskrepanz zwischen verschiedenen Untersuchungen vor, da SMC von verschiedenen Forschern für zwei verschiedene Konstrukte verwendet wird: Einmal eine relative Messung, also die Veränderung der Gedächtnisleistung im Vergleich zu den letzten Jahren, und einmal eine absolute Messung, die lediglich das Vorkommen und Nichtvorkommen von Beschwerden über das eigene Gedächtnis beinhaltet.

Ein 2014 erschienenes Rahmenpapier (Jessen et al., 2014) empfiehlt den Be- griff des Subjective Cognitive Decline als Prädromalsymptom der Demenz aufgrund dessen, dass die ersten Symptome von Alzheimer-Demenz nicht nur das Gedächtnis betreffen, sondern auch andere kognitive Funktionen wie z.B. Aufmerksamkeit, Ex- ekutivfunktionen, Sprache (Wortfindungsschwierigkeiten) und räumliche Orientierung (Lambon Ralph, Patterson, Graham, Dawson, & Hodges, 2003; Perry & Hodges, 1999). Außerdem könnten Laien auch dann über Gedächtnisprobleme berichten, wenn sie mit Beschwerden im exekutiven Bereich belastet sind oder umgekehrt (z.B. von Sprachproblemen berichten, wenn eigentlich der Gedächtnisabruf gestört ist). Der Begriff decline wird empfohlen, weil er die progressive, schleichende Ver- schlechterung kognitiver Funktionen beschreibt, die hier vorliegt. Jedoch finden sich weiterhin viele aktuelle Studien, die den Begriff der SMC verwenden (Edmonds et al., 2014; Montejo et al., 2011; Schultz et al., 2015).

Der Begriff der SMC wird bei PsycInfo von den mit Abstand meisten Papers verwendet.

Tabelle 1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eigene Darstellung der Suchergebnisse bei http://www.apa.org/pubs/databases/psycinfo/

2.3 Betroffene und Art der Beschwerden

Es ist wichtig herauszuarbeiten, welche Personengruppen von SMC besonders betroffen sind, um die verschiedenen Einflussfaktoren ihres Auftretens zu verstehen.

Weiter ist die Form der geäußerten Beschwerden ein wichtiger Faktor - möglicherweise sagen einige davon eine Alzheimer-Demenz besser voraus als andere und je nach Art der SMC liegen unterschiedliche Verursacher vor.

Personen, die SMC äußern, sind meist junge Erwachsene oder ältere Men- schen. Sie leiden oft an noch anderen Störungen wie Depressionen oder Hypochon- drie (Montejo et al., 2011). Weitere Prädiktoren sind ein hohes Lebensalter, weiblich- es Geschlecht und ein niedriges Bildungsniveau. Das weibliche Geschlecht ist laut der Untersuchung wahrscheinlich ein Prädiktor wegen der höheren Lebenserwartung und einer höheren Rate an Depressionen unter weiblichen Stichproben (Jonker et al., 2000). In einer Studie von Jorm et al. (2004) war hingegen männliches Geschlecht einer der stärksten Prädiktoren für Memory Complaints. Generell geht man davon aus, dass SMC am ehesten das episodische Gedächtnis betreffen (Jessen et al., 2014).

Junge und alte Menschen haben jedoch unterschiedliche Beschwerden hin- sichtlich ihres Gedächtnisses (Gino et al., 2010): Ältere Menschen berichteten vor- wiegend über generelle Gedächtnisprobleme und vorübergehende Verwirrtheit, während jüngere Menschen eher davon sprechen, von anderen darauf hingewiesen zu werden, dass sie vergesslich seien und dass sie sich eher Notizen machen, um etwas nicht zu vergessen. In einer qualitativen Erhebung waren die häufigsten Beschwerden vergessene Dinge (60,9%) und die Notwendigkeit, sich Notizen zu machen, um Dinge nicht zu vergessen (56,7%) (Gino et al., 2010). Junge Menschen attribuieren ihre Gedächtnisprobleme vorwiegend auf nicht-gedächtnisbezogene Faktoren wie stresserzeugende Lebensereignisse oder Konzentrationsprobleme, während ältere sie eher auf weniger reversible und beherrschbare Faktoren wie Al- terungsprozesse beziehen.

In einer anderen Studie (Derouesne, Lacomblez, Thibault, & LePoncin, 1999) wurden ebenfalls das Bedürfnis sich Notizen zu machen, um Dinge nicht zu vergessen am häufigsten als Beschwerde genannt, gefolgt vom Vergessen, wo Dinge hingelegt wurden. Es gab keine Unterschiede zwischen den beiden Altersgruppen (<50,>50). Jüngere Menschen gaben an, öfter von Ablenkungen im Gedankengang gestört zu werden.

Schmand et al. (1996) gaben ebenfalls das Verlegen von Gegenständen sowie das Bedürfnis sich Notizen zu machen als häufigste Beschwerden an, gefolgt von Wortfindungsschwierigkeiten und genereller Vergesslichkeit.

2.4 Ermittlung von SMC

Bei der Ermittlung von SMC gibt es große Unterschiede in Frage- und Antwort- format, die von einer Ja/Nein-Frage (do you have trouble with your memory?) über Fragebögen bis hin zu skalierten Antwortmöglichkeiten reicht. Hier eine Auswahl:

In einer Review-Studie der Definitionen von SMC verwendeten die meisten Untersuchungen (17 von 44) lediglich eine Frage mit einer Ja/Nein-Antwort zur Bestimmung von SMCs (Jessen et al., 2014), während fünf Papers eine Frage verwendeten, die skaliert zu beantworten war.

Ebenfalls fünf Papers benutzten ein Set aus Ja/Nein-Antworten, die bei einer bestimmten Anzahl an bestätigten Fragen SMI attestierten. Ein Set aus Fragen mit Selbsteinschätzungsskalen sowie Ja/Nein-Antworten, wobei eine „passende“ Antwort reichte, um SMC zu ermitteln, verwendete eine Studie. Ein Fragebogen mit Skalen, bei denen Punktzahlen ab einer gewissen Schwelle SMC kennzeichneten, wurde von neun Papers verwendet. Sieben Papers gaben gar nicht an, wie SMC er- hoben wurden. Dies zeigt, wie uneinheitlich der Begriff der SMC definiert ist und er- hoben wird - eine Operationalisierung fehlt. Dabei ist die Art der Fragestellung sowie die Art der Erhebung der SMC (Skalen- oder dichotomes Antwortformat) ein sehr wichtiger Faktor, vor allem die Prävalenz von SMC unterscheidet sich hierdurch stark, wie im Kapitel Prävalenz zu sehen sein wird.

Daneben gibt es auch einige komplexere standardisierte Tests zur Ermittlung von subjektiven Gedächtnisbeschwerden, die im Folgenden angesprochen werden sollen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 44 Seiten

Details

Titel
Subjective Memory Complaints und ihre Verbindung zu objektiver Gedächtnisleistung, Alzheimer und Depressionen
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck  (Psychologie)
Veranstaltung
Bachelorseminar
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
44
Katalognummer
V342891
ISBN (eBook)
9783668369399
ISBN (Buch)
9783668369405
Dateigröße
915 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
depression, alzheimer, gedächtnis, subjective memory complaints, mild cognitive impairment, subjective cognitive decline, gedächtnisverlust, gedächtnis im alter, demenz, smc, mci, vergesslichkeit, gedächtnisleistung, altern, kognitive psychologie, aami, age associated memory decline, gedächtnisprobleme, schwierigkeiten, gedächtnisverfall
Arbeit zitieren
Alexander Heinz (Autor), 2016, Subjective Memory Complaints und ihre Verbindung zu objektiver Gedächtnisleistung, Alzheimer und Depressionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/342891

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