Das Produkt Buch sieht sich aufgrund der digitalen Transformation neuen Konkurrenten wie dem Internet und einem veränderten Mediennutzungsverhalten durch multifunktionale Geräte wie Smartphones gegenüber. Daraus lässt sich die Forschungsfrage "Wie können Publikumsverlage sich und ihr klassisches Produkt dem technischen Fortschritt und dem veränderten Nutzungsverhalten der Endkunden gemäß neu konfigurieren?" herleiten. Das Ziel ist es, die durch die digitale Transformation entstandenen neuen Anforderungen zu definieren und daraus Handlungsempfehlungen für Publikumsverlage zu formulieren.
Zunächst werden der Publikumsverlag als Medienanbieter, das Buch als Medienprodukt und der Leser als Medienkonsument ausführlich betrachtet und analysiert. Die Publikumsverlage decken mit ihren Genres Belletristik und Sachbuch einen Großteil des Buchmarkts ab, die Produktionszahlen nehmen aber weiter ab. Das Verlagsprodukt wird zumeist in einer gedruckten und digitalen Fassung angeboten, innovative und crossmediale Produktkonzepte sind die Ausnahme und schwer auffindbar. Der Leser liest bevorzugt aus dem gedruckten Buch, jedoch bezeichnet sich fast die Hälfte der Buchkäufer als sogenannte Hybridleser, die sowohl Gedrucktes als auch Digitales lesen. Die durch die digitale Transformation entstandenen neuen Medienangebote wie Internet und mobile Endgeräte rufen Veränderungen des Mediennutzungsverhaltens der Konsumenten hervor. Der Medienkonsum unterwegs wird vor allem durch den jüngeren Anteil der Konsumenten praktiziert und eine gewisse Flexibilität wird bei den Medien vorausgesetzt. Des Weiteren werden die Anforderungen nach Interaktivität, Aktualität und leichte Handhabung gestellt.
Anhand der gewonnen Erkenntnissen der Analyse und der Entwicklung der neuen Anforderungen, werden im Ergebnis Handlungsempfehlungen für Publikumsverlage formuliert. Der Kunde muss im Mittelpunkt aller Verlagsaktionen stehen. Um der Anforderung nach crossmedialen Produkten und Kommunikationskanälen nachkommen zu können, muss eine medienneutrale Datenhaltung innerhalb eines Datenmanagementsystems geschaffen werden. Das Technik-Know-how muss in den Verlagen entwickelt bzw. ausgebaut werden, dafür ist die Einführung der Stelle Projektmanager Content als zentrale Funktion in der Verlagsstruktur zu empfehlen. Schlussendlich muss der Mehrwert der innovativen Produktlösungen die Konsumenten durch zielgerichtete Kommunikation erreichen. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
1.1. RELEVANZ DER THEMATIK
1.2. ZENTRALE FRAGESTELLUNG UND ZIELSETZUNG
1.3. AUFBAU DER ARBEIT UND METHODISCHES VORGEHEN
2. FORSCHUNGSSTAND
2.1. DER PUBLIKUMSVERLAG
2.2. DIE VERLAGSPRODUKTE
2.3. DIE LESER
3. DIGITALE TRANSFORMATION
3.1. ERWEITERTES MEDIENANGEBOT DURCH DIE DIGITALISIERUNG
3.2. VERÄNDERUNG DES MEDIENNUTZUNGSVERHALTENS
3.3. AUSWIRKUNGEN DER DIGITALEN TRANSFORMATION AUF DIE VERLAGE UND DEREN PRODUKT
3.4. BEISPIELE INNOVATIVER MEDIENPRODUKTE
3.4.1. Multimedia Storytelling im Onlinejournalismus
3.4.2. Transmediale Umsetzung beim Fernsehen
3.4.3. Augmented Reality bei Kinderbuchverlagen
3.4.4. Virtual Reality bei einem Zeitungsverlag
3.4.5. Enhanced E-Book bei einem Publikumsverlag
4. NEUE ANFORDERUNGEN AN PUBLIKUMSVERLAGE UND DEREN PRODUKTE
4.1. KUNDENORIENTIERUNG
4.2. CROSSMEDIALITÄT
4.3. ZUSATZCONTENT
4.4. AKTUALITÄT
4.5. BENUTZERFREUNDLICHKEIT
5. HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN
5.1. KUNDENANALYSE
5.2. MEDIENNEUTRALE DATENHALTUNG
5.3. DATENMANAGEMENT
5.4. TECHNIK-KNOW-HOW
5.5. PROJEKTMANAGER CONTENT
5.6. MEHRWERT KLAR KOMMUNIZIEREN
FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie Publikumsverlage ihr klassisches Buchprodukt an die digitale Transformation und das veränderte Mediennutzungsverhalten anpassen können, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben und neue Zielgruppen zu erschließen.
- Analyse der Auswirkungen der Digitalisierung auf das Medium Buch und das Verlagswesen.
- Untersuchung von Mediennutzungsgewohnheiten und Erwartungshaltungen der Leser.
- Identifikation innovativer Medienprodukte und crossmedialer Lösungsansätze.
- Entwicklung konkreter Handlungsempfehlungen für Publikumsverlage zur strategischen Neuausrichtung.
Auszug aus dem Buch
4.3. Zusatzcontent
Die Verlage müssen verwertbare Strategien bei der Bereitstellung von Zusatzcontent entwickeln. Zwar sind, wie in Kapitel 3.1. erwähnt, die Nutzer bereit, für redaktionelle Onlineinhalte zu zahlen, aber bis jetzt entspricht das nur einer kleinen Nutzergruppe. Bei dem Angebot des Zusatzcontents steht im Vordergrund, sich vom Angebot der Konkurrenten abzuheben und dem Konsumenten einfach mehr zu bieten. Ein großer Vorteil der Vernetzung der unterschiedlichen Medien ist die optimale auf jeden Kunden abgestimmte unterschiedliche Kommunikationsform, mit der Leser erreicht werden. Im Zusammenspiel (nicht Gegenspiel!) der unterschiedlichen Medienformen wird aus jedem Inhalt das Beste zum Vorschein gebracht. Durch den eingesetzten Zusatzcontent kann das Verlagsprodukt immens aufgewertet werden. Viele Autoren betreiben eine aktive Homepage oder haben einen eigenen YouTube-Kanal, hier verstecken sich für den Leser zusätzliche wertvolle Informationen. Diese Plus-Inhalte können von Verlagen genutzt werden, ohne Arbeit und Geld in Form von Beschaffung, Aufbereitung und Pflege investieren zu müssen. Das ist insbesondere für Titel mit wenig Priorität interessant. Für Spitzentitel, dessen Budget deutlich weiter gefasst ist, ist die zusätzliche Erstellung von kostspieligen Inhalten wie Autoreninterviews, Buchtrailer etc. eine Möglichkeit, den Kunden damit gezielt anzusprechen. Die Wertigkeit des Titels wird den Kunden durch diesen Mehrwert klar und schon ist das Interesse geweckt. Je mehr Inhalte vorhanden sind, desto sichtbarer und präsenter wird der Titel, was wiederum zu einer Erweiterung der Zielgruppenerreichung führt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der digitalen Transformation und Darlegung der zentralen Forschungsfrage sowie des methodischen Vorgehens.
2. FORSCHUNGSSTAND: Analyse der Akteure Publikumsverlag, Buch und Leser in der aktuellen Marktsituation.
3. DIGITALE TRANSFORMATION: Untersuchung der durch die Digitalisierung veränderten Medienlandschaft, des Nutzerverhaltens und Vorstellung innovativer Medienprodukte.
4. NEUE ANFORDERUNGEN AN PUBLIKUMSVERLAGE UND DEREN PRODUKTE: Ableitung neuer Ansprüche wie Kundenorientierung, Crossmedialität und Aktualität für die Verlagsbranche.
5. HANDLUNGSEMPFEHLUNGEN: Darstellung konkreter Maßnahmen für Verlage, darunter Datenanalyse, medienneutrale Datenhaltung und die Einführung des Projektmanagers Content.
FAZIT: Zusammenfassende Antwort auf die Forschungsfrage und Plädoyer für den Wandel vom Buchverlag zum integrierten Medienhaus.
Schlüsselwörter
Digitale Transformation, Publikumsverlag, Medium Buch, Crossmedialität, Mediennutzungsverhalten, Kundenorientierung, E-Book, Zusatzcontent, Datenmanagement, Projektmanager Content, Medienanbieter, Self-Publishing, Innovationsfelder, Mehrwertkommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Anpassung von Publikumsverlagen und deren Produkten an die Herausforderungen der digitalen Transformation.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die digitale Transformation des Buchmarktes, veränderte Mediennutzungsgewohnheiten der Konsumenten und die notwendige strategische Neuausrichtung von Verlagen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Definition neuer Anforderungen an Verlage infolge der Digitalisierung und die Ableitung konkreter Handlungsempfehlungen für die Praxis.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden theoretische Reflexionen, Literaturanalysen und eine Auswertung von Branchenstudien kombiniert, um ein konzeptionelles Modell für die digitale Neuausrichtung zu entwickeln.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Forschungsstand, die Auswirkungen der Digitalisierung, definiert neue Anforderungen an Produkte und gibt Empfehlungen zur operativen und strukturellen Umgestaltung der Verlage.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind digitale Transformation, Publikumsverlag, Crossmedialität, Kundenorientierung und Mehrwert.
Welche Bedeutung hat der neu vorgeschlagene "Projektmanager Content"?
Diese Funktion soll eine zentrale Steuerungseinheit für die inhaltliche Überwachung, Konzeption und Organisation über verschiedene Medien hinweg bilden, um die Mehrfachverwertung von Inhalten zu professionalisieren.
Warum ist die "medienneutrale Datenhaltung" für Verlage entscheidend?
Sie ermöglicht es, Inhalte effizient für verschiedene Kanäle (Buch, E-Book, Web) bereitzustellen, ohne für jedes Medium redundante Prozesse und Kosten zu verursachen.
- Arbeit zitieren
- Jennifer Böhm (Autor:in), 2016, Auswirkungen der digitalen Transformation auf das Medium Buch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343110