Die Schulbücher des Faches Erdkunde der Klassenstufe 12 haben in unserem föderalistischen Bildungssystem der Bundesrepublik Deutschland eines gemeinsam. Unabhängig davon, in welchem Bundesland das Fach unterrichtet wird, findet man im Inhaltsverzeichnis das Thema "Stadtgeographie".
In dieser Kategorie werden Konzepte, Raumplanung und Stadtentwicklung thematisiert, aber auch Stadtmodelle aus historischem und kulturellem Gesichtspunkt zusammengefasst. So findet man die römische Stadt, die mittelalterliche europäische Stadt und die Residenzstadt, die Industriestadt, sowie Gartenstädte. Ebenso werden Städte nach globalen und politischen Merkmalen veranschaulicht, wie z.B. die sozialistische Stadt, die Trabantenstadt, die nordamerikanische Stadt und die lateinamerikanische Stadt. Dabei wird auch die afrikanische Stadt genannt und charakterisiert.
Die Frage hierbei ist, ob es wirklich so einfach ist, diese Städte und vor allem die "afrikanische Stadt", in ein Stadtmodell im klassischen Sinne zu stellen und zu integrieren. Die Gemeinsamkeit, die alle afrikanischen Städte vorweisen, ist die Tatsache, dass sie dem Kolonialismus europäischer Großmächte unterworfen waren. Doch was war vor dem Kolonialismus, sehen alle Städte auf dem afrikanischen Kontinent gleich aus und gibt es überhaupt eine "afrikanische Stadt"? Dieser Problematik werde ich in dieser Arbeit meine Aufmerksamkeit widmen, um schlussendlich zu bewerten, ob die Definition der "afrikanischen Stadt" überhaupt zeitgemäß ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Definition der ,,afrikanischen Stadt''
3. Die historische Entwicklung afrikanischer Städte
3.1 Die Klassifizierung der prä- kolonialen afrikanischen Städte
3.1.1 Die altertümlichen Städte
3.1.2 Die Bantu-Städte
3.1.3 Die islamisch orientalischen Städte
3.2 Die koloniale Phase und die räumlichen Veränderungen
3.3 Die post-koloniale Phase und ihre Veränderungen
4.Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die wissenschaftliche Definition der „afrikanischen Stadt“ und hinterfragt, ob eine solche Kategorisierung vor dem Hintergrund der vielfältigen historischen und kolonialen Prägungen des afrikanischen Kontinents noch zeitgemäß ist.
- Kritische Analyse stadtgeographischer Konzepte und Modelle in Afrika.
- Untersuchung der prä-kolonialen Stadtentwicklung und ihrer unterschiedlichen Typologien.
- Analyse des Einflusses kolonialer Strukturen auf das afrikanische Stadtbild.
- Betrachtung der post-kolonialen städtebaulichen Herausforderungen wie Migration und informelle Siedlungen.
- Evaluation der Sinnhaftigkeit von verallgemeinernden Stadtmodellen in der Geographie.
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Die altertümlichen Städte
Der afrikanische Kontinent und insbesondere Westafrika, wartete nicht auf den Einfluss der ,,westlichen'' europäischen Welt, um die ersten urbanen Agglomerationen entstehen zu lassen. Seit den späten 1960-er Jahren konzentrierte sich die Forschung auf den Schauplatz Tegdaoust, der mauretanischen Hafenstadt. Dort dachten die Forscher, könnte es sich um einen Ort berühmter saharischer Salzproduktion handeln. Dieser Schauplatz wurde erstmalig vor dem 8.Jahrhundert besetzt (Coquery-Vidrovitch 2005: 49).
Die menschlichen Siedlungen schienen dort vom Wasser bedroht gewesen zu sein, so dass es als schwierig galt, permanente Siedlungen zu erlauben. Daher siedelten sich die Menschen auf Sandsteinterrassen in 30 bis 40 Metern über dem Flutpegel an. Die Gründung stabiler und großer Grundstücke aus Schlammziegel und Steinwänden markierten laut Coquery-Vidrovitch im 8.Jahrhundert einen kollektiven und technologischen Fortschritt. Städtisches Leben wurde auch in Kumbi-Saleh vermutet, welches der Schauplatz der altertümlichen Hauptstadt von Ghana gewesen sein soll und den Schauplatz Niani, als Haupstadt des Königreich Mali, soll es seit dem 6.Jahrhundert gegeben haben (Coquery-Vidrovitch 2005: 50).
Als mehr und mehr Entdeckungen gemacht wurden, stellten Archäologen sogar fest, dass es das urbane Leben vor der altertümlichen Zeit gegeben hat und schon aus der Zeit der Ureinwohner stammt. Im altertümlichen Afrika benutzten die Stadtbewohner viele verschiedene Orte zum Leben, je nach Jahreszeit. Das Fehlen individuellen privaten Eigentums, machte es möglich, Siedlungen auszudehnen und zu verändern (Coquery-Vidrovitch 2005: 51). Das urbane Wohnen wurde durch soziale Organisation, basierend auf Familie, ausgedrückt.Der Wohnraum endete dort, wo die benachbarte Lineage-Gruppe begann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die problematische Einordnung afrikanischer Städte in klassische, eurozentrische Stadtmodelle und stellt die Forschungsfrage nach der Zeitgemäßheit dieser Definition.
2. Die Definition der ,,afrikanischen Stadt'': Dieses Kapitel definiert Urbanisierung als räumlichen und sozialen Prozess und diskutiert Versuche der Geographie, afrikanische Städte durch morphologische und typologische Merkmale zu klassifizieren.
3. Die historische Entwicklung afrikanischer Städte: Das umfangreiche Hauptkapitel analysiert die Entwicklung in drei Phasen: prä-kolonial, kolonial und post-kolonial, wobei es die Transformation von authochtonen Strukturen hin zu kolonial geprägten Räumen untersucht.
3.1 Die Klassifizierung der prä- kolonialen afrikanischen Städte: Dieser Abschnitt unterteilt vorkoloniale urbane Zentren in altertümliche Städte, Bantu-Städte sowie islamisch-orientalische Städte.
3.1.1 Die altertümlichen Städte: Hier werden frühe urbane Agglomerationen und deren technologische sowie soziale Entwicklung in Westafrika thematisiert.
3.1.2 Die Bantu-Städte: Dieser Teil befasst sich mit archäologischen Belegen für urbane Zivilisationen südlich der Sahara, wie dem Beispiel Engaruka.
3.1.3 Die islamisch orientalischen Städte: Der Abschnitt erläutert die Bedeutung von Moscheen und Märkten als soziale und wirtschaftliche Zentren in der Sahelzone am Beispiel von Timbuktu und Djenne.
3.2 Die koloniale Phase und die räumlichen Veränderungen: Dieses Kapitel zeigt auf, wie koloniale Planung durch Neustädte und eurozentrische Infrastruktur das afrikanische Stadtbild grundlegend veränderte.
3.3 Die post-koloniale Phase und ihre Veränderungen: Der Abschnitt diskutiert die heutigen Probleme wie informelle Siedlungen, soziale Segregation und das Scheitern klassischer Wohnraumpolitik.
4.Fazit: Das Fazit fasst die Kritik an der Kategorisierung „afrikanische Stadt“ zusammen und plädiert dafür, Städte als individuelle Orte mit eigener Geschichte zu betrachten.
Schlüsselwörter
Afrikanische Stadt, Urbanisierung, Kolonialismus, Stadtentwicklung, Sahelzone, Timbuktu, Stadtgeographie, Siedlungsstruktur, Post-Kolonialismus, informelle Siedlungen, Stadtmodell, Bantu-Städte, soziale Segregation, Stadtplanung, Urbanes Leben.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit hinterfragt die stadtgeographische Kategorisierung der sogenannten „afrikanischen Stadt“ und untersucht, ob dieser Begriff angesichts der komplexen historischen Realitäten auf dem Kontinent noch sinnvoll ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Themen umfassen die Urbanisierungsgeschichte Afrikas, die Unterscheidung zwischen prä-kolonialen, kolonialen und post-kolonialen Stadttypen sowie die Auswirkungen dieser Phasen auf das heutige Stadtbild.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die kritische Bewertung und der wissenschaftliche Nachweis, dass eine pauschale Definition der „afrikanischen Stadt“ den tatsächlichen Entwicklungen und der Einzigartigkeit städtischer Räume in Afrika nicht gerecht wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Der Autor führt eine theoretische und historische Analyse durch, basierend auf Fachliteratur zu Stadtgeographie und afrikanischer Geschichte, um die verschiedenen Stadtmodelle und ihre Transformationen zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung altertümlicher, Bantu- und islamisch geprägter Städte, gefolgt von einer detaillierten Analyse der räumlichen Umbrüche durch die koloniale Eroberung und der sozialen Herausforderungen in der post-kolonialen Ära.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Urbanisierung, afrikanische Stadt, koloniale Stadtplanung, informelle Siedlungen und stadtgeographische Modelle.
Inwiefern beeinflussten islamische Zentren wie Timbuktu die städtische Entwicklung im Sahel?
Diese Städte entwickelten sich durch den Handel und die islamische Kultur als urbane Zentren, deren Architektur, wie etwa die Lehmmoscheen, bis heute als markantes, wenn auch von mediterranen Einflüssen geprägtes, architektonisches Erbe gilt.
Warum betrachtet der Autor „gated communities“ als problematisch für afrikanische Städte der Gegenwart?
Der Autor sieht in der starken räumlichen Trennung und Abschottung durch diese Wohngebiete eine Verstärkung der sozialen Segregation und eine zunehmende Entfremdung, die die sozialen Disparitäten weiter vertieft.
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- Fabian Schönrock (Author), 2013, Multidisziplinäre Sichtweisen auf afrikanische Städte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343129