Multidisziplinäre Sichtweisen auf afrikanische Städte


Hausarbeit, 2013

14 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Definition der ,,afrikanischen Stadt''

3. Die historische Entwicklung afrikanischer Städte
3.1 Die Klassifizierung der prä- kolonialen afrikanischen Städte
3.1.1 Die altertümlichen Städte
3.1.2 Die Bantu-Städte
3.1.3 Die islamisch orientalischen Städte
3.2 Die koloniale Phase und die räumlichen Veränderungen
3.3 Die post-koloniale Phase und ihre Veränderungen

4.Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Schulbücher des Faches Erdkunde der Klassenstufe 12, haben in unserem föderalistischen Bildungssystem der Bundesrepublik Deutschland eines gemeinsam. Unabhängig davon, in welchem Bundesland das Fach unterrichtet wird, findet man im Inhaltsverzeichnis das Thema ,,Stadtgeographie''. In dieser Kategorie werden Konzepte, Raumplanung und Stadtentwicklung thematisiert, aber auch Stadtmodelle aus historischem und kulturellem Gesichtspunkt zusammengefasst. So findet man z.B. die römische Stadt, die mittelalterliche europäische Stadt und die Residenzstadt, die Industriestadt, sowie Gartenstädte. Ebenso werden Städte nach globalen und politischen Merkmalen veranschaulicht, wie z.B. die sozialistische Stadt, die Trabantenstadt, die nordamerikanische Stadt und die lateinamerikanische Stadt. Dabei wird auch die afrikanische Stadt genannt und charakterisiert. Die Frage hierbei ist, ob es wirklich so einfach ist, diese Städte und vor allem die ,,afrikanische Stadt'', in ein Stadtmodell im klassischen Sinne zu stellen und zu integrieren. Die Gemeinsamkeit, die alle afrikanischen Städte vorweisen, ist die Tatsache, dass sie dem Kolonialismus europäischer Großmächte unterworfen waren. Doch was war vor dem Kolonialismus, sehen alle Städte auf dem afrikanischen Kontinent gleich aus und gibt es überhaupt eine ,,afrikanische Stadt'' ? Dieser Problematik werde ich in dieser Arbeit meine Aufmerksamkeit widmen, um schlussendlich zu bewerten, ob die Definition der ,,afrikanischen Stadt'' überhaupt zeitgemäß ist.

2. Die Definition der ,,afrikanischen Stadt''

Zunächst sei erwähnt, dass die Urbanisierung ein wesentlicher Bestandteil für die Stadtentwicklung ist. Dies gilt auch für afrikanische Städte. Urbanisierung meint dabei laut Coquery-Vidrovitch einen räumlichen Prozess, in dem menschliche Wesen in großer Zahl, auf einem bestimmten Platz, zusammentreffen.

,,First it is a spatial process, whereby human beings congregate in (…) large number at one (…) spot'' (Coquery-Vidrovitch 2005: 16).

Von diesem Prozess wird Coquery-Vidrovitch zu Folge, eine spezifische Umgebung betroffen, in der ein humanisierter Platz mit Gebäuden vorzufinden ist, in der Kräfte aufeinander treffen, konfrontieren und sich neutralisieren (Coquery-Vidrovitch 2005: 17). Dieser daraus resultierende soziale Prozess beinhaltet somit sozial determinierende Strukturen.

Im Jahr 1938 definierte der Soziologe Louis White die Stadt als große, permanente Siedlung sozial heterogener Individuen. Diese Heterogenität kann multipel sein und somit Dynamiken und Widersprüche unter ethnischen, linguistischen, beruflichen Klassen und anderer Gruppen generieren (Wirth 1938 zit. n. Coquery-Vidrovitch: 17).

Die Urbanisierung war die Voraussetzung für die Stadtentwicklung in Afrika. Es gibt jedoch keinen Idealtyp der afrikanischen Stadt. Eine genau Definition scheitert an der Überprägung und Überformung der afrikanischen Städte und die historisch und kulturell eigenständigen Entwicklungen jeder Stadt des afrikanischen Kontinents. Dennoch ist ein Versuch zur Begriffserklärung vorgenommen wurden, vor allem von Geographen, um die Städte global klassifizieren zu können. Sie bemühten sich um eine morphologische und typologische Erfassung ihrer Strukturen. Nach Gaebe war hierfür ausschlaggebend, ,,dass Afrika der weltweit am wenigsten verstädterte Kontinent war'' (Gaebe 1994: 570ff.).

Joachim Lühring (1976) gliederte die afrikanische Stadt wie folgt: ,,Unter der traditionellen afrikanischen Stadt versteht er die vorkoloniale, von Europäern nicht beeinflusste Stadt'' (Burchards 2000: 36).

Die afrikanische Stadt zeichnet sich demnach durch traditionelle Bauweise und einen ungeplanten Grundriss, durch langsames und organisches Wachstum, eine strenge Trennung von Einheimischen und Fremden und Fixpunkte im Siedlungsgebiet, wie z.B. dem Häuptling - oder Königssitz und dem Markt, aus.

Die Fragen, die sich nun im Anschluss an diese geschilderte Definition und den Charakteristiken stellen, lautet: sieht die afrikanische Stadt demnach überall gleich aus und was passierte weit vor dem Jahr 1976 in Afrika, Jahrhunderte bevor überhaupt städtische Grundrisse von afrikanischen Städten kartiert wurden und als die Lühring' sche Definition von afrikanischer Stadt noch nicht existent war?

3. Die historische Entwicklung afrikanischer Städte

Die Geschichte ist auch in den afrikanischen Städten südlich des Sahel und in Nordafrika nicht stehen geblieben. Trotz der Transformation der afrikanischen Städte seit dem 14.Jahrhundert und dem zunehmenden Einfluss der europäischen Kolonialmächte, haben afrikanische Städte durchaus einen Kern, der aus der vorkolonialen, nicht von Europäern beeinflussten Zeit stammt und hatten auch in der prä- kolonialen Zeit eine funktionelle Gliederung. So schildert Paul Jenkins, dass urbane Räume im vorkolonialen sub-saharischen Raum schon vor dem 15.Jahrhundert weit verbreitet waren und sowohl wirtschaftliche (Handelsfunktion) als auch politische Funktionen ausübten (Jenkins 2009: 83).

Im Folgenden werde ich darauf eingehen, wie womöglich die altertümlichen Städte, Bantu-Städte und islamisch orientalischen Städte vor der Kolonialzeit aussahen und wie sich das Leben in ihnen gestaltete.

3.1 Die Klassifizierung der prä- kolonialen afrikanischen Städte

Die afrikanischen Städte, wie sie sich ursprünglich entwickelt haben, werde ich nun in die besagten 3 Stadttypen unterteilen und diese erläutern. Dabei werden vorwiegend die Städte südlich der Sahara eine Rolle spielen. Aufgrund des Umfanges afrikanischer Geschichte, der topographischen Größe des Kontinents und mitunter auch dem Mangel an Beweis trächtigen und stichfesten Quellen, werde ich mich in meinen Ausführungen relativ allgemein auf die Zeitspanne zwischen dem 6. und dem 19.Jahrhundert beschränken.

3.1.1 Die altertümlichen Städte

Der afrikanische Kontinent und insbesondere Westafrika, wartete nicht auf den Einfluss der ,,westlichen'' europäischen Welt, um die ersten urbanen Agglomerationen entstehen zu lassen. Seit den späten 1960-er Jahren konzentrierte sich die Forschung auf den Schauplatz Tegdaoust, der mauretanischen Hafenstadt. Dort dachten die Forscher, könnte es sich um einen Ort berühmter saharischer Salzproduktion handeln. Dieser Schauplatz wurde erstmalig vor dem 8.Jahrhundert besetzt (Coquery-Vidrovitch 2005: 49).

Die menschlichen Siedlungen schienen dort vom Wasser bedroht gewesen zu sein, so dass es als schwierig galt, permanente Siedlungen zu erlauben. Daher siedelten sich die Menschen auf Sandsteinterrassen in 30 bis 40 Metern über dem Flutpegel an. Die Gründung stabiler und großer Grundstücke aus Schlammziegel und Steinwänden markierten laut Coquery-Vidrovitch im 8.Jahrhundert einen kollektiven und technologischen Fortschritt. Städtisches Leben wurde auch in Kumbi-Saleh vermutet, welches der Schauplatz der altertümlichen Hauptstadt von Ghana gewesen sein soll und den Schauplatz Niani, als Haupstadt des Königreich Mali, soll es seit dem 6.Jahrhundert gegeben haben (Coquery-Vidrovitch 2005: 50).

Als mehr und mehr Entdeckungen gemacht wurden, stellten Archäologen sogar fest, dass es das urbane Leben vor der altertümlichen Zeit gegeben hat und schon aus der Zeit der Ureinwohner stammt. Im altertümlichen Afrika benutzten die Stadtbewohner viele verschiedene Orte zum Leben, je nach Jahreszeit. Das Fehlen individuellen privaten Eigentums, machte es möglich, Siedlungen auszudehnen und zu verändern (Coquery-Vidrovitch 2005: 51). Das urbane Wohnen wurde durch soziale Organisation, basierend auf Familie, ausgedrückt.Der Wohnraum endete dort, wo die benachbarte Lineage- Gruppe begann. Geheiligte Räume waren innerhalb bewohnter Räume und auf dem Land verstreut. Die urbanen Räume konnten sich ausdehnen, obwohl sie in Gebiete der handwerklichen Produktion und des Betens geteilt waren. Die Organisation des urbanen Raumes im altertümlichen Afrika war laut Coquery-Vidrovitch so beschaffen, dass man von Städten sprechen kann.

3.1.2 Die Bantu-Städte

Den Enthusiasmus, afrikanische Städte in den späten 1950-er Jahren entdecken zu wollen, sah Basil Davidson als Beweis dafür, dass eine Menge Städte als Resultat der Eroberung verschwanden (Coquery-Vidrovitch 2005: 56). In den Bantu-Städten zeigen die meisten Ruinen, die von Archäologen vorsichtig interpretiert wurden, Spuren von agrarischer Zivilisation, die wohl zwischen dem 11. und 16.Jahrhundert florierte. Diese Zivilisationen brachen infolge von Überfällen zusammen. Ein relativ spätes Beispiel dieser urbanen Kultur ist Engaruka aus dem 16.Jahrhundert, welches an der Grenze zwischen Kenia und Tansania im Jahr 1935 entdeckt wurde (Coquery-Vidrovitch 2005: 56). Dieses Beispiel wurde von Louis Leakey studiert, der über 6.300 Steinhäuser und 500 weitere Häuser im Tal zählte, was die Hypothese einer Stadt mit 30.000 bis 40.000 Einwohnern laut Coquery-Vidrovitch 2005, rechtfertigte. Dies wurde als Beweis für eine weitere urbane afrikanische Zivilisation gesehen.

,,This was seen as evidence of the emergence of an aboriginal urban civilization, known as the ''Azanian civilization,'' among the local Mbulu population'' (Coquery-Vidrovitch 2005: 56).

3.1.3 Die islamisch orientalischen Städte

Die urbanen islamischen Zivilisationen hatten 2 Konzentrationspunkte der Stadt. Die Moschee, als Gebäude für gemeinschaftliche Gebete und intellektuelles Zentrum, und den permanenten Markt (Coquery-Vidrovitch 2005: 94).

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Multidisziplinäre Sichtweisen auf afrikanische Städte
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Ethnologie)
Veranstaltung
Seminar ,,Jugend, Stadt und Migration im Senegal
Note
2,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
14
Katalognummer
V343129
ISBN (eBook)
9783668329508
ISBN (Buch)
9783668329515
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Afrikanische Stadt, Kolonialistische Städte, Stadtwandel
Arbeit zitieren
Fabian Schönrock (Autor), 2013, Multidisziplinäre Sichtweisen auf afrikanische Städte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343129

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