Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › History - Miscellaneous

Die Darstellung von Gelehrten in den Werken des Erasmus von Rotterdam

Title: Die Darstellung von Gelehrten in den Werken des Erasmus von Rotterdam

Term Paper , 2014 , 15 Pages , Grade: 2,7

Autor:in: Philipp Zeidler (Author)

History - Miscellaneous
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Erasmus von Rotterdam ist der wohl berühmteste Gelehrte der Frühen Neuzeit. Die Zeit, in der er lebte, wurde von vielen Zeitgenossen als eine des wiederaufblühenden Gelehrtentums angesehen. Zudem waren alle Vorstellungen von Familie, Staat und Gesellschaft von einem verschachtelten Rangsystem geprägt. Es herrschte eine Stufung von Obrigkeit und Untertan und die Gesellschaft war in verschiedenen Ständen organisiert.

In dieser geistigen Ordnung stellten auch die Gelehrten einen Stand dar. Im 16./17. Jahrhundert hatten weltliche Gelehrte damit begonnen, aus dem Schatten ihrer klerikalen „Kollegen“ zu treten und sich ein eigenes Ansehen zu erarbeiten. Die Erfindung des Buchdrucks ermöglichte einen ausgiebigeren Wissensaustausch der Gelehrten untereinander und durch Reisen und gegenseitige Besuche entstand unter ihnen ein Bewusstsein dafür, Teil einer "Gilde" zu sein. In dieser Arbeit werden vier Werke Erasmus in Bezug auf das Vorkommen und die Art etwaiger Gelehrtendarstellungen untersucht. Dabei handelt es sich um "Lob der Torheit", "Der Ciceronianer oder der beste Stil", "Adagiorum collectanea" und "Collquia familaria".

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitendes zur humanistischen Gelehrtenkultur der Frühen Neuzeit

2. Leben und Karriere des Erasmus von Rotterdam

3. Die Darstellungen von Gelehrten in seinen Werken

3.1 Adagiorum collectanea

3.2 Colloquia familiaria

3.3 Lob der Torheit

3.4 Der Ciceronianer oder der beste Stil

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung von Gelehrten im Werk des Erasmus von Rotterdam, um zu ergründen, wie er das Selbstverständnis und den Habitus des Gelehrtenstandes der Frühen Neuzeit reflektierte und kritisierte. Dabei steht die Analyse ausgewählter Schriften im Fokus, um die vielschichtige und oft satirische Auseinandersetzung des Autors mit dem eigenen Berufsstand sowie den zeitgenössischen Idealen der humanistischen Gelehrsamkeit aufzuzeigen.

  • Kontextualisierung der humanistischen Gelehrtenkultur im 16. Jahrhundert
  • Biografische Prägung des Erasmus von Rotterdam und sein Weg als Gelehrter
  • Literarische Inszenierung von Gelehrsamkeit in den Adagia und den Colloquia familiaria
  • Kritik an Habitus, Eitelkeit und scholastischen Traditionen im "Lob der Torheit"
  • Diskussion über Sprachästhetik und den "christlichen Cicero"

Auszug aus dem Buch

3.3 Lob der Torheit

Als einzige sprechende Person tritt in ihm die Torheit auf. Sie tritt, sich selbst als Triebfeder jedes menschlichen Handelns und das Geheimnis hinter deren Anpassungsfähigkeit vorstellend, auf von einer Kanzel predigend wie akademische Rhetoren und Volksredner damaliger Zeit. Aus ihr sprechen die Kenntnis der griechischen und lateinischen Klassiker ebenso wie „[…] das souveräne Lachen über alle Vergeblichkeit dieser Welt, einschließlich der größten wissenschaftlichen Gelehrsamkeit […]“.

Neben gewöhnlichen Leuten wie Händlern und Frauen äußert sich die Torheit auch zu Päpsten, Bischöfen, Philosophen, Gelehrten und Fürsten. Dabei übt sie häufig stark spottend Kritik an deren Verhalten und Lebensweisen. Sie entlarvt die Kriegslust der Päpste und Fürsten, die einfältigen Gemüter der Gläubigen, den Hochmut und die maßlose Selbsterhebung der Theologen und vor allem den Habitus und die Eitelkeit der Gelehrten und Philosophen. Hierzu ein Beispiel: wieder mit Rückbezug auf die Antike verdeutlicht die Torheit anhand von Sokrates, dass Philosophen im praktischen Leben überflüssig und untauglich sind. Sie verkünden ihr Wissen im Glauben, damit die Welt verbessern zu können, ohne jedoch die einfachsten praktischen Regeln selbiger zu verstehen. Erasmus mag hierbei durchaus auch an Gelehrte seiner Zeit gedacht haben. Das Geschriebene verhehlt zudem nicht eine gewisse Bitterkeit über all die „[…] Vernunftbegriffe, Relationen, Förmlichkeiten, Wesenheiten und Daseinsweisen, die niemand […]“ je gesehen oder sich vorgestellt hat, da sie schlichtweg nicht existieren.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitendes zur humanistischen Gelehrtenkultur der Frühen Neuzeit: Dieses Kapitel legt die theoretischen Grundlagen dar, indem es Kriterien für den Gelehrtenstatus definiert und die Bedeutung der lateinischen Sprache sowie die soziale Ordnung des 16. Jahrhunderts erläutert.

2. Leben und Karriere des Erasmus von Rotterdam: Der Autor skizziert den Lebensweg des Humanisten, seine Abneigung gegen das Mönchtum und seine bewusste Entscheidung für Latein als Medium für einen überregionalen wissenschaftlichen Austausch.

3. Die Darstellungen von Gelehrten in seinen Werken: Dieser Hauptteil analysiert vier zentrale Schriften, in denen Erasmus durch unterschiedliche Formen – von Nachschlagewerken bis hin zur beißenden Satire – sein Bild des Gelehrtenstandes formuliert.

3.1 Adagiorum collectanea: Das Kapitel untersucht, wie Erasmus mittels antiker Sprichwörter ein Nachschlagewerk schuf, das primär als Vorbild für einen gehobenen Stil und als Zugang zu antikem Wissen fungierte.

3.2 Colloquia familiaria: Hier wird das dialogische Prinzip der Gespräche beleuchtet, in denen Erasmus verschiedene Standpunkte gegenüberstellt und eine geistige Flexibilität fordert, die über festgefahrene Lehrmeinungen hinausgeht.

3.3 Lob der Torheit: Dieses Kapitel zeigt auf, wie Erasmus als "Torheit" verkleidet in einem meisterhaften Monolog die Eitelkeit und weltfremde Arroganz der zeitgenössischen Gelehrten und Theologen scharfzüngig kritisiert.

3.4 Der Ciceronianer oder der beste Stil: Der Autor analysiert hier die Auseinandersetzung mit jenen Humanisten, die eine einseitige Nachahmung Ciceros fordern, und stellt dem Erasmus' Ideal eines christlich orientierten Stils gegenüber.

4. Fazit: Das Kapitel fasst zusammen, dass Erasmus' Werke auch dort, wo sie nicht explizit von Gelehrten handeln, stets einen Bezug zu deren Stand herstellen und Erasmus' eigene Position zwischen Satire und Ernsthaftigkeit verdeutlichen.

Schlüsselwörter

Erasmus von Rotterdam, Humanismus, Gelehrtenkultur, Lob der Torheit, Ciceronianer, Frühe Neuzeit, Lateinische Sprache, Gelehrtenhabitus, Satire, Bildungsgeschichte, Wissensaustausch, Respublica literaria, Antiquität, Christlicher Humanismus, Dialogform.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie der bedeutende Gelehrte Erasmus von Rotterdam das Bild, den Habitus und das Selbstverständnis des Gelehrtenstandes in der Frühen Neuzeit in seinen literarischen Werken darstellte und reflektierte.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die humanistische Bildungsideologie, die Bedeutung der lateinischen Sprache als Standesmerkmal, die Kritik am Gelehrtenhabitus und der Austausch von Wissen im 16. Jahrhundert.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es, die Art der Gelehrtendarstellung in ausgewählten Texten von Erasmus zu untersuchen und aufzuzeigen, wie er sowohl sich selbst als auch seine Zeitgenossen spiegelte und kritisierte.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Es wurde eine inhaltsanalytische Untersuchung von Primärtexten durchgeführt, ergänzt durch eine kontextuelle Einbettung in die historische Gelehrten- und Kulturgeschichte.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert vier spezifische Werke (Adagia, Colloquia, Lob der Torheit, Der Ciceronianer), um die Vielfalt der gelehrtenspezifischen Darstellungen und Kritiken des Erasmus detailliert darzulegen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Humanismus, Gelehrtenhabitus, Erasmus von Rotterdam, Satire, Bildungsgeschichte und die Bedeutung antiker Quellen für das 16. Jahrhundert.

Warum spielt die Person Thomas More eine Rolle im Kontext des „Lob der Torheit“?

Erasmus widmete das Werk seinem Freund Thomas More, wobei die etymologische Verwandtschaft zwischen dem griechischen "Moria" (Torheit) und dem Namen "More" als ironischer Bezugspunkt für das Werk dient.

Wie definiert Erasmus im Werk „Der Ciceronianer“ den idealen Gelehrten?

Erasmus kritisiert eine rein formale Imitation Ciceros und fordert stattdessen eine Integration antiker Rhetorik in einen christlichen Kontext, um den Glauben aktiv zu unterstützen.

Excerpt out of 15 pages  - scroll top

Details

Title
Die Darstellung von Gelehrten in den Werken des Erasmus von Rotterdam
College
University of Erfurt
Grade
2,7
Author
Philipp Zeidler (Author)
Publication Year
2014
Pages
15
Catalog Number
V343153
ISBN (eBook)
9783668329560
ISBN (Book)
9783668329577
Language
German
Tags
darstellung gelehrten werken erasmus rotterdam
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Philipp Zeidler (Author), 2014, Die Darstellung von Gelehrten in den Werken des Erasmus von Rotterdam, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343153
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  15  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint