Wenn man über Fußball und Nachhaltigkeit spricht, kommt häufig die Reaktion: „Was hat denn Fußball mit Nachhaltigkeit zu tun?"
Klar, soziale Aspekte lassen sich dann schnell ausmachen: Integration, Aufeinandertreffen von Menschen unterschiedlicher Gesellschaftsschichten, Bekämpfung von Rassismus. Hier scheint der Fußball also schon viel beizutragen. Denkt man weiter, lassen sich auch ökonomische Aspekte ausmachen, jedoch eher negative: steigende Eintrittspreise, exorbitant wachsende Transfersummen und Spielergehälter. Wohl erst bei genauer Betrachtung werden auch ökologische Aspekte sichtbar. Diese sind aber nicht allgemein bekannt, man findet sie eher in einzelnen Maßnahmen einiger Vereine, etwa dem Bau von Solaranlagen auf den Dächern der Stadien oder dem Aufstellen von Klimaschutzzielen. Diese Maßnahmen werden jedoch meist nur von einzelnen Fangruppen wahrgenommen. Daher soll dieser Bereich in der vorliegenden Arbeit besonders hervorgehoben werden und so erklärt sich auch der im Titel vorkommende Begriff »grüne Bundesliga«.
Ziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen, wie nachhaltig der deutsche Profifußball ist. Um dies zu ermitteln, wurden die aktuellen Erst- und Zweitliga-Mannschaften der Saison 2015/2016 hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeitsaktivitäten überprüft. Aus den Ergebnissen wurde eine »Nachhaltigkeitstabelle« ermittelt, die einen aktuellen Überblick verschafft. Darauf aufbauend werden Möglichkeiten aufgezeigt, wie der deutsche Fußball nachhaltiger werden kann. Dabei werden jedoch nicht nur die Vereine betrachtet, sondern auch Fans und Verbände. Diese sollten ebenfalls einen Beitrag zu einem nachhaltigeren Profisport leisten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Themenrelevanz
1.2 Definition von Nachhaltigkeit
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Messung von Nachhaltigkeit in Unternehmen
2.1.1 Nationale und internationale Kriterien
2.1.2 Business Sustainability
2.2 Statistische Grundlagen
3 Aktuelle Situation im deutschen Profifußball
3.1 Datenbasis
3.2 Kriterien für einen nachhaltigen Fußballverein
3.2.1 Allgemein
3.2.2 Ökologie
3.2.3 Soziales
3.2.4 Ökonomie
3.3 Ranking der Vereine
3.3.1 Übersicht
3.3.2 Auswertung
3.4 Best Practice Beispiele
4 Der Weg zu einer nachhaltigeren Liga
4.1 Vereine
4.2 Fans
4.3 Verbände
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Master-Thesis untersucht den aktuellen Status quo der Nachhaltigkeitsaktivitäten im deutschen Profifußball der ersten und zweiten Bundesliga in der Saison 2015/2016, um darauf aufbauend Perspektiven für eine ökologisch, sozial und ökonomisch nachhaltigere Liga zu entwickeln.
- Analyse und Bewertung der Nachhaltigkeitsbemühungen der Bundesligavereine
- Entwicklung eines fachspezifischen Kriterienkatalogs und Erstellung einer "Nachhaltigkeitstabelle"
- Einführung in wissenschaftliche Messmethoden und Reporting-Standards (GRI, EFFAS, DNK)
- Untersuchung der Rollen von Fans, Vereinen und Verbänden auf dem Weg zu einer "grünen" Bundesliga
- Diskussion von Best-Practice-Beispielen und Handlungsfeldern für die Zukunft
Auszug aus dem Buch
3.4 Best Practice Beispiele
Bei der Recherche zu den Nachhaltigkeitsaktivitäten der Vereine sind einige besonders positiv aufgefallen. Diese werden hier nun vorgestellt.
Die Pioniere: Bereits im Jahr 1995 wurden in Freiburg Solaranlagen auf dem Stadiondach installiert. Daher gilt der Sportclub als Vorreiter in Punkto Nachhaltigkeit im Fußball. Die Freiburger betreiben zudem ein Computer gestütztes System zur Steuerung der Gebäudetechnik. Dabei werden alle 120 Sekunden sämtliche Zählerstände und Verbrauchswerte automatisch abgerufen. Die Daten stehen online jederzeit zur Verfügung. So kann das System bei Abweichungen von Normalwerten (z. B. laufender Wasserhahn) autonom den Verantwortlichen per SMS benachrichtigen. (Hildebrandt 2014: 20)
Strom 09: Der Fußball dient seit langem als Werbefläche für Unternehmen. Es gibt Kooperationen von Vereinen und Unternehmen in verschiedensten Bereichen. Mit der Aktion »Strom 09« bieten Borussia Dortmund und der Ökostrom Anbieter »LichtBlick« einen umweltfreundlichen Strom- und Gas-Tarif an. So werden die Fans als Kunden für umweltfreundlichen Strom sensibilisiert, aber vor allem auch emotionalisiert. Denn Strom ist in den Augen der Endkunden ein Gebrauchsgegenstand mit einem niedrigen emotionalen Involvement (Witt 2013: 5). Mit dieser Kooperation gelingt jedoch die Emotionalisierung über die Emotion zum Verein. Es entsteht eine Win-win-Situation für beide Parteien die zudem noch nachhaltig ist. Auch bei Werder Bremen gibt es ein ähnliches Modell mit dem Anbieter EWE.
Trinkwasser sparen: Für die Rasenspielflächen und deren Bewässerung wird eine Menge an Wasser benötigt. Borussia Mönchengladbach hat, um den Verbrauch von Trinkwasser zu reduzieren, einen Brunnen angelegt. Dieser Versorgt die Rasenflächen auf dem Trainingsgelände und das Spielfeld im Stadion. So können pro Jahr bis zu 40 Mio. Liter Trinkwasser gespart werden. Zudem lohnt sich diese Maßnahme auch finanziell.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz von Nachhaltigkeit im Kontext des Profifußballs ein und definiert die Ziele der Untersuchung.
2 Theoretische Grundlagen: Das Kapitel vermittelt die wissenschaftlichen Methoden zur Messung von Nachhaltigkeit in Unternehmen, einschließlich gängiger Berichtsstandards.
3 Aktuelle Situation im deutschen Profifußball: Hier erfolgt die Vorstellung des Kriterienkatalogs, die Erhebung der Datenbasis sowie die Präsentation und Auswertung des Nachhaltigkeits-Rankings.
4 Der Weg zu einer nachhaltigeren Liga: Dieses Kapitel erarbeitet konkrete Handlungsfelder und Potenziale für Vereine, Fans und Verbände zur Steigerung der Nachhaltigkeit.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Studie zusammen, reflektiert die gewählte Methodik kritisch und gibt einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen.
Schlüsselwörter
Nachhaltigkeit, Profifußball, Bundesliga, CSR, Nachhaltigkeitsbericht, Ökobilanz, Business Sustainability, Greenwashing, Nachhaltigkeitstabelle, Umweltschutz, Soziale Verantwortung, Stakeholder, Best Practice, Fanbeteiligung, Triple-Bottom-Line.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Master-Thesis grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie nachhaltig der deutsche Profifußball ist, indem sie aktuelle Erst- und Zweitligavereine anhand eines speziell entwickelten Kriterienkatalogs bewertet.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Die Untersuchung deckt die drei Säulen der Nachhaltigkeit ab: Ökologie (z.B. Energie, Wasser, Abfall), Soziales (z.B. Bildung, Engagement, Diskriminierung) und Ökonomie (z.B. Transferbilanzen, Personal).
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den aktuellen Status quo der Nachhaltigkeitsaktivitäten der Vereine durch eine "Nachhaltigkeitstabelle" transparent zu machen und Impulse für eine nachhaltigere Bundesliga zu geben.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es werden Reporting-Methoden wie GRI (Global Reporting Initiative), die EFFAS-KPIs und der Deutsche Nachhaltigkeitskodex (DNK) als theoretische Basis verwendet, um daraus einen eigenen Kriterienkatalog abzuleiten.
Was ist der Kerninhalt des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung, die detaillierte Darstellung der Erhebungsmethode und die Präsentation der Ergebnisse in Form eines Rankings sowie eine Analyse von Best-Practice-Beispielen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Begriffe wie "grüne" Bundesliga, Business Sustainability, Nachhaltigkeitsmanagement, Stakeholder-Einbindung und die Abwägung zwischen ökonomischem Erfolg und gesellschaftlicher Verantwortung stehen im Mittelpunkt.
Welche Rolle spielt der sogenannte "Topspielzuschlag" in dieser Untersuchung?
Der Topspielzuschlag wird als negatives Kriterium im sozialen Bereich gewertet, da die Arbeit argumentiert, dass dieser besonders für Gäste-Fans sozial nicht gerechtfertigt ist.
Warum wird im Dokument explizit von einer "grünen" Bundesliga gesprochen?
Der Begriff spiegelt den Wunsch wider, ökologische Aspekte im Fußball – die bisher oft im Schatten sozialer Themen standen – stärker in den Fokus zu rücken und ganzheitliche Nachhaltigkeitsstrategien zu etablieren.
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- Pascal Nebe (Author), 2016, Wie nachhaltig ist der deutsche Profifußball?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343177