Das Leben Josef Mengeles nach 1945. Warum wurde er nie zur Rechenschaft gezogen?


Facharbeit (Schule), 2016
15 Seiten

Leseprobe

Inhalt

1.0 Einleitung

2.0 Das Leben von Josef Mengele
2.1 Herkunft und Kindheit
2.2 Medizinische Laufbahn

3.0 Medizinische Experimente an KZ-Häftlingen im Konzentrationslager Auschwitz Birkenau
3.1 Zwillingsforschung

4.0 Die Flucht nach Kriegsende
4.1 Tarnung in Wehrmachtsuniform
4.2 Unterschlupf auf dem Lerchenhof
4.3 Flucht über die „Rattenlinie“
4.4 Deutscher Haftbefehl, Flucht, Leben in Brasilien und Tod

5.0 Warum wurde er nie zur Rechenschaft gezogen?

6.0 Fazit

7.0 Literaturverzeichnis
7.1 Internetseiten
7.2 Bücher
7.3 Abbildungen

1.0 Einleitung

Die vorliegende Facharbeit hat den Titel „Das Leben Josef Mengeles nach 1945–Warum er für seine Taten nicht zur Rechenschaft gezogen wurde“.

Josef Mengele war der Lagerarzt im Konzentrationslager Auschwitz Birkenau, das größte deutsche Vernichtungslager während der Zeit der Nationalsozialisten, und führte dort unter dem rassenideolgischen Vorwand Experimente an KZ-Häftlingen durch, um zum Beispiel die Verbreitung von „untergeordneten Rassen“[1] zu verhindern. Trotz seiner Menschenverachtenden Experimente wurde er nie für seine grausamen Taten zur Rechenschaft gezogen. Ich habe mich mit diesem Thema befasst, da ich in Geschichte sehr interessiert bin. Besonders die Zeit während der nationalsozialistischen Machtergreifung hat mich schon immer interessiert. Ich finde es fast schon unvorstellbar wie manipulativ die Nationalsozialisten vorgingen um ihre Rassenideologie zu etablieren und wie grausam ihre Vorgehensweise war, wenn es darum ging diese durchzusetzen. Aus diesem Grund ist es umso erschreckender, dass ein Kriegsverbrechen jahrelang Josef Mengele ohne Bestrafung davon gekommen ist.

Im Hauptteil werde ich mich genauer mit dem Leben von Josef Mengele beschäftigen und dabei sowohl auf seine medizinische Laufbahn, als auch auf seine Experimente an KZ-Häftlingen eingehen. Außerdem werde ich mich genauer mit seiner Flucht vor der Roten Armee[2] während der Nachkriegszeit befassen, damit die Leser dieser Facharbeit nachvollziehen können wieso der Lagerarzt von Auschwitz Birkenau nie gefasst wurde bzw. werden konnte. Das Ziel dieser Facharbeit ist es, zu verdeutlichen was für ein Unmensch Josef Mengele war und warum er nie für seine Taten bestraft wurde.

2.0 Das Leben von Josef Mengele

Wie bereits erwähnt, möchte ich nun genauer auf das Leben von Dr. Josef Mengele eingehen. Ich möchte sowohl seine Herkunft und Kindheit, als auch seine medizinische Karriere darstellen. Von anderen wurde der Lagerarzt häufig als ein „auffallend gut aussehender SS-Angehöriger“[3] (Vgl. Abb. 1) beschrieben, jedoch galt er auch als unberechenbar, schnell aufbrausend und sehr grausam, wie die Aussage von Anna Sussmann, einer Insassin beschreibt: „Die Wehen begannen beim Zählappell. Ich musste trotzdem Habtacht[4] stehen. Als der Appell endlich vorüber war, musste ich mich in den Block hineinschleichen. Unter Decken habe ich entbunden. Es war ein Bub, der gelebt hat. Obwohl ich mich sehr zurückgehalten habe, habe ich doch einen Schrei ausgestoßen. Diesen Schrei hörte Mengele. Er nahm das Kind und warf es ins offene Feuer.“[5] Mit den folgenden Punkten möchte ich verdeutlichen, welche Geschehen und Ereignisse Dr. Josef Mengeles Leben geprägt haben und womöglich dazu beigetragen haben, ihn zu diesem skrupellosen und grausamen Mensch zu formen.

2.1 Herkunft und Kindheit

Josef Mengele wird am 16. März 1911 als ältester von drei Söhnen von Karl Mengele und Walburga Mengele (geb. Hupfauer) in Günzburg geborgen. Die Familie besitzt den Landmaschinenbetrieb „Karl Mengele & Söhne“ und beschäftigte um 1959 rund 2000 Mitarbeiter weltweit. Die Familie gehörte dem Katholizismus an und galt als national-konservativ geprägt. Karl Mengele war Mitglied in der DNVP[6] und ab 1933 auch Mitglied in der NSDAP[7]. Im Jahr 1932 stellte er außerdem Adolf Hitler eine Fabrikhalle für einen Wahlkampfauftritt zur Verfügung. Josef Mengele ging von 1923 bis 1930 in Günzburg auf das Gymnasium und trat mit dreizehn Jahren (1924) dem Großdeutschen Jungendbund[8] bei. Zwischen 1927 und 1930 hatte Josef Mengele das Amt des „Ältestenführers“ in der Jugendpartei angenommen.[9]

2.2 Medizinische Laufbahn

Im Jahr 1930 erhielt Mengele sein Reifezeugnis und absolvierte das Gymnasium mit einem durchschnittlichen Abitur. 1931 trat er dem Jungstahlhelm[10] bei und mit 19 Jahren begann er sein Medizinstudium in München, wechselte jedoch nach dem dritten Semester nach Bonn. Im Sommer 1933 kam er wieder zurück nach München, nachdem er ein Semester in Wien verbrachte. Er promovierte im Jahr 1935 an der Ludwigs-Maximillians-Universität für Medizin in München mit dem Thema „Rassenmorphologische Untersuchungen des vorderen Unterkieferabschnitts bei vier rassischen Gruppen“ und erhielt die Höchstnote. Nun hatte er offiziell den Titel Dr. Phil.[11] erlangt. 1936 bestand er das medizinische Staatsexamen und führte ein viermonatiges Praktikum in der Kinderklinik der Universität Leipzig aus. Danach nahm er eine Stelle am Universitäts-Institut für Erbbiologie und Rassenhygiene in Frankfurt am Main an, welches von Ottmar Freiherr von Veschuer[12] (Vgl. Abb. 2) geleitet wurde. Ottmar Freiherr von Verschuer soll auch derjenige gewesen sein, der Josef Mengeles Interesse für rassenbiologische Themen geweckt hat. Am 1. September 1937 wurde er des Weiteren an dem Institut als Assistenzarzt übernommen und trat im gleichen Jahr noch der NSDAP bei. Anschließend heiratete er im Jahr 1939 Irene Schoenbein, die er zuvor in Leipzig kennenlernte (Vgl. Abb. 3). Ihr gemeinsamer Sohn Rolf Mengele wurde im Jahr 1944 geboren. Am 15. Juni 1940 wurde Mengele erstmals von der Wehrmacht angefordert und bald darauf meldete er sich freiwillig als Mitglied der Waffen-SS. Im Januar 1942 nahm er am Russlandfeldzug[13] als Truppenarzt teil und wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Eisernen Kreuz I. und II. Klasse[14] und des Weiteren zum SS-Obersturmführer befördert.[15] Bereits Anfang 1943 kehrte er von der Front aufgrund einer Verwundung zurück und wurde als SS-Ersatzbataillon „Ost“ eingesetzt und im April 1943 zum SS-Hauptsturmführer ernannt. In dem darauf folgenden Jahr wurde er am 24. Mai nach Auschwitz- Birkenau versetzt und fungierte dort als leitender Lagerarzt des „Zigeunerlagers“ (Lagerabschnitt Blle[16] ). Grund für die Versetzung war wahrscheinlich, dass der damalige leitende Lagerarzt des „Zigeunerlagers“, Benno Andolph an Scharlach erkrankt und längerfristig nicht einsetzbar war. Zu diesem Zeitpunkt war Mengele nur einer von vielen Ärzten im Konzentrationslager Auschwitz und unterstand dem SS-Standortarzt Eduard Wirths (Vgl. Abb. 5). Nachdem das Zigeunerlager im Mai 1944 gewaltsam aufgelöst wurde, wurde Mengele unter anderem als leitender Arzt des Lagerabschnitts Bllf eingesetzt.

Dort befand sich das Häftlingskrankenbaulager. Sein Aufgabengebiet als Lagerarzt war es Seuchen zu bekämpfen, also die Lagerhygiene herzustellen und außerdem die medizinische Versorgung der Inhaftierten zu gewährleisten. Er beaufsichtigte die Vergasungen, diverse Hinrichtungen, Tötungen durch Phenolinjektionen, Prügelstrafen und das Selektieren der Inhaftierten. Der Zweck des Häftlingskrankenbaulagers war also zum einen die schnellstmögliche Heilung der leicht erkrankten Arbeitskräfte und zum anderen die sofortige Auslese und Tötung der schwer erkrankten und nicht arbeitsfähigen Inhaftierten.[17]

3.0 Medizinische Experimente an KZ-Häftlingen im Konzentrationslager Auschwitz Birkenau

Durch die Experimente an den Insassen des Konzentrationslagers Auschwitz Birkenau sollte Dr. Josef Mengele eine Antwort auf die Frage finden: „Wie könnte man die Fortpflanzungsfähigkeit der deutschen Bevölkerung der Maßen [sic] steigern, daß [sic] sie den Belangen einer groß angelegten deutschen Besiedlung der besetzen Gebiete in den Staaten Osteuropas genügt.“[18] Aus den im Lager eintreffenden Transporten wurden gleich zu Beginn eineiige Zwillinge und Zwergwüchsige herausgefiltert. Mengeles Ansicht nach waren sie besonders für derartige Experimente geeignet. Dr. Josef Mengele wusste welche Gelegenheit sich ihm bot. Er konnte uneingeschränkt und skrupellos seine pseudomedizinischen Experimente durchführen.

Unter anderem führte er sogenannte Übungsoperationen ohne Betäubung an Häftlingen durch oder infizierte diese mit tödlichen Krankheiten um Vergleichsanalysen durchzuführen.[19] Im Folgenden möchte ich genauer auf das Hauptinteressengebiet des Lagerarztes von Auschwitz eingehen.

[...]


[1] Juden, Kranke und auch Menschen mit einer Behinderung werteten- ihrer Meinung nach- die Qualität der arischen Rasse ab.

[2] Sowjetische Arbeiter- und Bauernarmee.

[3] Mengele-Verfahren, Bd. 16, zitiert nach: Klee, Ernst: “Auschwitz”, Frankfurt am Main, 2013, S.86.

[4] Stramme (militärische) Haltung.

[5] Mengele-Verfahren, Bd. 16, zitiert nach: Klee, Ernst: “Auschwitz”, Frankfurt am Main, 2013, S. 78.

[6] Deutsch-Nationale Volkspartei.

[7] Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei.

[8] Politisch rechtskonservativ und monarchistisch ausgerichtete Jugendpartei.

[9] Vgl. Online 1 (Zugriff am 06.02.2016 18:22 Uhr).

[10] Bewaffnete Untereinheit der DNVP.

[11] Hat nicht Philosophie studiert. „Phil.“ steht für Abschluss in Anthropologie was damals als Geisteswissenschaft galt.

[12] Führender Rassenhygieniker der NS-Zeit, Humangenetiker und Zwillingsforscher.

[13] Angriff deutscher Wehrmacht auf Sowjetuino ohne Kriegserklärung.

[14] Kriegsauszeichnung des höchsten Ranges.

[15] Vgl. Online 2 (Zugriff am 20.02.2016 14:32 Uhr).

[16] Vgl. Abbildung 1.

[17] Vgl. Online 3 (Zugriff am 22.02.2016 19:22 Uhr).

[18] Vgl. Franciszek Piper „Auschwitz Geschichte und Wirklichkeit des Vernichtungslagers“, Rohwohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbeck bei Hamburg, Februar 1980, S. 138.

[19] Vgl. Online 1 (14.02.2016 09:34 Uhr).

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Das Leben Josef Mengeles nach 1945. Warum wurde er nie zur Rechenschaft gezogen?
Autor
Jahr
2016
Seiten
15
Katalognummer
V343207
ISBN (eBook)
9783668340589
ISBN (Buch)
9783668340596
Dateigröße
813 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
leben, josef, mengeles, warum, rechenschaft
Arbeit zitieren
Lisa Krüger (Autor), 2016, Das Leben Josef Mengeles nach 1945. Warum wurde er nie zur Rechenschaft gezogen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343207

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