Die vorliegende Arbeit hat sich zum Ziel gesetzt, das Ehrenamt in Deutschland unter besonderen Gesichtspunkten der Tätigkeit als Ehrenamtler im Sportverein und in einer Hilfsorganisation zu beleuchten und will sich mit der Frage auseinander setzen, wie sich das Ehrenamt in Deutschland entwickelt.
Das Ehrenamt ist ein wichtiger Baustein der deutschen Gesellschaft und Stütze der Gemeinschaft. Dazu wird zunächst der Begriff Ehrenamt dargestellt und abgegrenzt. Darüber hinaus wird der praktischen Fragestellung nach der Entwicklung des Ehrenamts auf Grundlage der beiden betrachteten Vereine nachgegangen und nach Gründen für diese Entwicklung wird des Weiteren geforscht.
Historisch ist das Ehrenamt wohl auf das christliche Weltbild mit der Wohltätigkeit und Hilfe im deutschen Mittelalter hauptsächlich zurück zu führen und erlangte seine Bedeutung durch die medizinische Versorgung und den Wiederaufbau nach Kriegen. Insbesondere in der jüngsten Geschichte wurde die Ehrenamtlichkeit wichtig, denn der Wiederaufbau und die Notfallmedizinische Versorgung nach dem Zweiten Weltkrieg musste organisiert und strukturiert durchgeführt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition Ehrenamt
2.1 Ehrenamtliches Engagement
2.2 Bürgerschaftliches Engagement
2.3 Freiwilliges Engagement
2.4 Grundsatz der Gemeinwohlorientierung
2.5 Grundsatz der Unentgeltlichkeit
2.6 Definition nach Berger-Winkler
2.7 Definition nach Moldenhauer
3. Grenzen des Ehrenamts
3.1 Verstoß gegen den Grundsatz der Gemeinwohlorientierung
3.2 Verstoß gegen den Grundsatz der Unentgeltlichkeit
3.3 Verstoß gegen den Grundsatz der Freiwilligkeit
3.4 Grenzen im Rahmen des bürgerschaftlichen Engagements
4. Entwicklung des Ehrenamts
4.1 Entwicklung anhand der Johanniter Unfall Hilfe
4.2 Entwicklung anhand des SV Energie Cottbus
5. Maßgeblichkeiten für diese Entwicklung
5.1 Zielorientierte Wunscherfüllung der JUH
5.2 Großveranstaltungen der JUH
5.3 Maßgeblichkeiten des SV Energie Cottbus
6. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Status Quo des Ehrenamts in Deutschland, insbesondere im Kontext von Sportvereinen wie dem SV Energie Cottbus e.V. und Hilfsorganisationen wie der Johanniter Unfall Hilfe e.V., um aktuelle Entwicklungstendenzen zu analysieren.
- Begriffsbestimmung und Abgrenzung des Ehrenamts
- Analyse der gesetzlichen und gesellschaftlichen Grenzen ehrenamtlichen Handelns
- Empirische Untersuchung der Entwicklung in ausgewählten Organisationen
- Identifikation von Treibern und Hemmnissen für ehrenamtliches Engagement
- Diskussion der Bedeutung von Aufwandsentschädigungen
Auszug aus dem Buch
3.1 Verstoß gegen den Grundsatz der Gemeinwohlorientierung
Eines der drei Kernelemente des Ehrenamts ist die Gemeinwohlorientierung der Handlung. Die Kindererziehungsaufgabe der leiblichen Eltern passiert gemeinwohlorientiert und ist objektiv betrachtet auch förderungswürdig, jedoch wird es primär nicht als Ehrenamt verstanden, sondern gehört animalisch betrachtet zur Arterhaltung. Trotzdem gibt es eine Art Aufwandsentschädigung vom Staat – das Kindergeld. Dies ist eine Steuervergütung mit dem Zwecke einen Teil der Aufwendungen zu ersetzten.
Gleiches gilt für die informelle Pflege von Angehörigen. Die Pflegeversicherung baut grundsätzlich auf die häusliche Pflege von Familienmitgliedern und Nachbarn auf und damit ist diese Institution abhängig von solcher informellen Pflege, welche objektiv betrachtet förderungswürdig wäre, hätte es nicht den primären familiären Zweck. Erst wenn die Pflege aus medizinischer Sicht von einem Dritten übernommen werden muss, kann es zu einem gemeinwohlorientierten Handeln werden.
Ob Selbsthilfe in Gruppen gemeinwohlorientiert ist, ist umstritten, denn meist steht die Introversion im Vordergrund, jedoch wirken sich diese Gruppen positiv auf das Wohl der Gemeinheit aus. An dieser Stelle hat der Gesetzgeber für sich ganz deutlich entschieden, dass manche Selbsthilfegruppen, gerade im Bereich der Primärprävention und Gesundheitsförderung, absolut förderungswürdig sind und dies wird auch finanziell begünstigt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Zielsetzung ein, das Ehrenamt anhand zweier konkreter Praxisbeispiele zu beleuchten und historische Hintergründe kurz zu skizzieren.
2. Definition Ehrenamt: Dieses Kapitel definiert das Ehrenamt über die Merkmale Freiwilligkeit, Gemeinwohlorientierung und Unentgeltlichkeit und stellt verschiedene Begriffsansätze gegenüber.
3. Grenzen des Ehrenamts: Hier werden Grenzbereiche diskutiert, in denen der Gesetzgeber oder die Gesellschaft das Ehrenamt hinterfragen, etwa bei Aufwandsentschädigungen oder gesetzlich erzwungenen Tätigkeiten.
4. Entwicklung des Ehrenamts: Das Kapitel untersucht anhand der JUH und des SV Energie Cottbus die quantitative Entwicklung und die spezifische Situation in Ostdeutschland.
5. Maßgeblichkeiten für diese Entwicklung: Es werden konkrete Faktoren identifiziert, die die Entwicklung in den untersuchten Organisationen beeinflussen, wie Wunscherfüllung oder Großveranstaltungen.
6. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass kein signifikanter Rückgang des Ehrenamts feststellbar ist, warnt jedoch vor künftigen Herausforderungen durch gesellschaftliche Veränderungen.
Schlüsselwörter
Ehrenamt, Bürgerschaftliches Engagement, Gemeinwohlorientierung, Unentgeltlichkeit, Freiwilligkeit, Johanniter Unfall Hilfe, SV Energie Cottbus, Aufwandsentschädigung, Soziale Entwicklung, Notfallrettung, Sportverein, Ehrenamtlichkeit, Katastrophenschutz, Demografischer Wandel, Vereinsleben
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Zustand und der Entwicklung des Ehrenamts in Deutschland, wobei der Fokus auf einem Vergleich zwischen einer Hilfsorganisation und einem Sportverein liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Felder sind die definitorische Abgrenzung des Ehrenamts, die Diskussion um seine Grenzen (z.B. staatliche Entschädigungen) und die empirische Betrachtung der Personalentwicklung in den Beispielorganisationen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, ob das Ehrenamt in Deutschland tatsächlich ausstirbt oder ob es sich lediglich wandelt, und welche Faktoren diesen Prozess beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Kombination aus Literaturanalyse und einer Bestandsaufnahme anhand der Daten zweier ausgewählter Organisationen (JUH und SVE) angewandt.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil widmet sich der Definition des Ehrenamts, der Analyse von Grenzfällen sowie der detaillierten Untersuchung der Mitgliederentwicklung bei den Johannitern und Energie Cottbus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Ehrenamt, Gemeinwohlorientierung, Freiwilligkeit, Unentgeltlichkeit, Aufwandsentschädigung und bürgerschaftliches Engagement geprägt.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Ehrenamt und Hauptamt bei den Johannitern?
Die Arbeit differenziert klar zwischen ehrenamtlichen Aufgaben (z.B. Katastrophenschutz, Jugendarbeit) und hauptamtlichen Bereichen (z.B. Fahrdienst, Notfallrettung), wobei Aufwandsentschädigungen als separates Instrument betrachtet werden.
Warum wird die Abgeordnetenentschädigung in der Arbeit kritisch diskutiert?
Sie dient als Beispiel für einen Grenzfall des Ehrenamts, da die Höhe der Entschädigung und die Bezeichnung als „Ehrenamt“ angesichts des wirtschaftlichen Äquivalents zur Kontroverse führen.
- Arbeit zitieren
- Felix Reschke (Autor:in), 2015, Stirbt das Ehrenamt in Deutschland aus?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343210