Die Brachyzephalie als Problem der Hundezucht


Facharbeit (Schule), 2016
17 Seiten, Note: 14 Punkte (1)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Vorwort

2) Einleitung
2.1 Was versteht man unter Hundezucht?
2.2 Was ist Brachyzephalie?

3) Hauptteil
3.1 Die Geschichte der Brachyzephalie des Hundes
3.2 Aufbau des Schädels eines brachyzephalen Hundes
3.3 Das Brachyzephale Atemwegs- Syndrom (BAS)
3.4 Behandlungsmöglichkeiten für Hunde mit BAS
3.4.1 Alternative Operationsmethoden
3.5 Die Züchtung brachyzephaler Hunde und das Tierschutzgesetz
3.6 Was wird gegen die Probleme unternommen?

4) Schluss
4.1 Stellungnahme

5) Literaturverzeichnis

6) Anhang
6.1 Arbeitstagebuch
6.2 Bilder

1) Vorwort

Am vorletzten Tag meines Berufsorientierungspraktikums in der Jahrgangsstufe EF, wel­ches ich bei einem Tierarzt absolviert habe, erfuhr ich erstmalig von den Problemen bra- chyzephaler Hunde. Wie fast jeden Tag standen zwei Operationen auf dem Plan. Es sollte jeweils ein gutartiger Tumor entfernt werden, was nach Meinung des Tierarztes eher einem kleinen, unkomplizierten Eingriff entsprach. Die erste Operation, bei welcher ein etwa Golfball- großer Tumor eines Labrador- Retrievers entfernt wurde, verlief problemlos. Al­lerdings zeichnete sich schon bei der Vorstellung des zweiten Hundes, einer französischen Bulldogge, ab, dass etwas anders war als sonst. Wie gewohnt brachten die Besitzer den Hund in den Behandlungsraum, damit die Narkose eingeleitet, und alles erforderliche für die Operation vorbereitet werden konnte. Auffällig war jedoch, dass die Bulldogge große Probleme beim Atmen hatte und dabei extrem laute Geräusche von sich gab. Der Tierarzt erklärte den Haltern des Hundes, dass dieser ein erhöhtes Risiko habe, die Operation nicht zu überleben. Das Tier habe eine „Brachyzephalie“, also eine zurückgezüchtete Schnauze, was wegen der somit verengten Atemwege zum Ersticken führen könne. Aus medizini­scher Sicht musste der Tumor allerdings aufgrund seiner etwaigen Größe eines Tennisballs und der potentiellen Gefährdung anderer Organe entfernt werden, sodass eine Operation unumgänglich war. Der Eingriff war überschattet von lauten Atemgeräuschen, Würgerei­zen und Hustenanfällen der Bulldogge. Es bestand eine angespannte Stimmung, weiljeder- zeit mit einem Aussetzen der Atmung gerechnet werden musste. Trotz aller Umstände konnte der Tumor entfernt werden und der Hund überlebte die Operation unbeschadet. Was blieb waren die Atemgeräusche und das ständige Husten. Der Tierarzt erzählte mir ei­niges über die Brachyzephalie, die für Hunde einige Probleme mit sich bringe, und äußerte sein Unverständnis über die Zucht solcher sogenannten „Modehunde“. Auch noch lange nach meinem Praktikum beschäftigte mich die Frage, warum Hunde ohne Rücksicht auf ihre Gesundheit und ausschließlich nach Schönheitsidealen, wie beispielsweise einer kurz­en Schnauze, gezüchtet werden.

Deswegen nehme ich diese Facharbeit als Anlass, mich näher mit dem Thema Brachyze­phalie bei Hunden zu beschäftigen und mich mit der Züchtung, den Problemen und den Behandlungsmöglichkeiten auseinanderzusetzen. Dabei geht es mir vor allem um die Fra­ge, ob allein der Mensch der Verursacher für die Probleme von tausenden von brachyze- phalen Hunden ist.

2) Einleitung

2.1 Was versteht man unter Hundezucht?

Der Begriff Zucht beschreibt zunächst die gezielte, durch den Menschen herbeigeführte Verpaarung und somit die Vermehrung von Lebewesen aufgrund bestimmter Eigenschaften. In der Hundezucht werden Hunde aufgrund bestimmter Verhaltensweisen und vor allem wegen äußerlicher Merkmale, sogenannten „Standards“ gezüchtet. Diese Merkmale können mit oder ohne Nutzen sein. So ist es beispielsweise die Aufgabe eines Jagdhundes, den Jäger bei der Jagd zu unterstützen. Hier wurde also der Jagdtrieb eines Hundes so angezüchtet, dass der Mensch sich diesen zu Nutze macht. Andere Hunde werden ausschließlich wegen körperlicher Eigenschaften, wie beispielsweise einer kurzen Nase gezüchtet, damit sie für den Menschen als besonders „süß“ gelten.

2.2 Was ist Brachvzephalie?

Als brachyzephal bezeichnet man die angezüchtete „kurze“ Kopfform bestimmter Hunderassen, wie z.B. der Französischen- und Englischen Bulldogge, des Mopses oder des Boxers.[1] Das Wort „brachy“ (griechisch) bedeutet „kurz“ und das Wort „kephale“ (griechisch) beschreibt den Kopf. Aus diesen beiden Worten lässt sich das Wort „Brachyzephalie“ herleiten.[2] Eine Brachyzephalie ist also entgegen mancher Behauptungen keine Krankheit, sondern zunächst nur die Beschreibung der Kopfform. Aus dieser können sich jedoch gesundheitliche Probleme für den Hund ergeben. Generell kann man sagen, dass brachyzephale Hunde nie so viel Leistung erbringen können wie ihre Artgenossen mit einer natürlich „langen“ Nase. Hunde mit einem normal langen Kopf werden als „mesozephal[3] bezeichnet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: brachyzephale Hunde

3) Hauptteil

3.1 Die Geschichte der Brachvzephalie des Hundes

Der Hund gilt als der „Beste Freund des Menschen“ und ist schon seit mehreren Jahrhunderten dessen Weggefährte. Zu Beginn der Beziehung zwischen Mensch und Hund wird dieser vor allem gehalten, um in Bereichen wie der Landwirtschaft und der Jagd Unterstützung zu leisten und dem Menschen in vielerlei Hinsicht zu helfen. Dabei kommt es vor allem darauf an, dass der Hund gesund ist und Leistung erbringen kann. Das Aussehen spielt dabei keine große Rolle. Zur Kontrolle der Zuchtqualität gibt es eine einfache Devise: Von Bedeutung war die Leistung, die der Hund in seiner jeweiligen Aufgabe erbringen soll. So werden also gesunde und leistungsfähige Hunde miteinander verpaart und es wird darauf spekuliert, dass deren Nachkommen ebenso gesund und leistungsfähig sind.

Mit Beginn der Industrialisierung wird der Hund jedoch in vielen Bereichen überflüssig, weil er durch effizientere Möglichkeiten ersetzt wird. Dies führt zu einem Umschwung in der Hundezucht. Da der Mensch den Hund von nun an nicht mehr als Nutztier, sondern überwiegend als reines Haustier hält, entwickelt sich eine Hundezucht, die auf die Schönheit und auf äußerliche Merkmale der Tiere abzielt. Deshalb schließen sich einige Bürger zusammen und gründen die ersten offiziellen Hundevereine.[4] Die erste Deutsche Hundeausstellung findet im Jahre 1863 in Hamburg statt.[5] Dabei werden die „schönsten“ Hunde, wie auch heute noch auf Hundeschauen üblich, prämiert. Von nun an erfolgt die Hundezucht hauptsächlich anhand äußerlicher Schönheitsideale der Tiere. Diese sind allerdings von Rasse zu Rasse unterschiedlich, sodass sich für jede Rasse typische äußerliche Merkmale, sogenannte „Rassestandards“ entwickeln. Oft wird dabei allerdings keine Rücksicht darauf genommen, ob ein Merkmal die Gesundheit eines Hundes gefährden könnte. Es wird ausschließlich nach besonders guter Ausprägung des rassetypischen Merkmals geschaut und bewertet. Bestes Beispiel hierfür ist die extreme Brachyzephalie mancher Hunderassen.[6] Die Nasen und Unterkiefer brachyzephaler Hunde werden „durch gezielte Zuchtauslese“[7] derart verkürzt, dass dies teilweise zu erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen führt. Die Zuchtauslese, oder auch Selektion, ist ein Grundelement der Hundezucht, bei dem nur die Tiere für die Zucht verwendet werden, bei denen das gewünschte Merkmal am stärksten ausgeprägt ist. Da für die Züchter von brachyzephalen Hunden lange Zeit im Vordergrund stand, dass die Tiere eine möglichst kurze Schnauze haben, wurden auch nur Hunde mit extrem ausgeprägter Brachyzephalie für die Zucht verwendet. Zweck dieser Verkürzung der Schnauze ist es, dass brachyzephale Hunde für ihre Züchter und Halter als besonders niedlich gelten und auch als adulte Tiere noch aussehen wie Welpen.[8] Sie „sprechen über das Kindchenschema fürsorgliche Instinkte in uns an“[9], so Tierarzt Prof. Dr. Gerhard U. Oechtering. Das ist unter anderem auch der Grund dafür, dass sich brachyzephale Hunde immer größerer Beliebtheit erfreuen und in den letzten Jahren zu regelrechten „Modehunden“ geworden sind.[10]

3.2 Aufbau des Schädels eines brachyzephalen Hundes

Abbildung 2 zeigt, dass bei brachyzephalen Hunden der Oberkiefer, das Nasenbein und die Nasennebenhöhlen deutlich kleiner sind als bei Hunden mit normaler Schnauze. Der Unterkiefer, welcher nur geringfügig verkleinert ist, steht hervor. Dies kommt zustande, da die Länge von Ober- und Unterkiefer unabhängig voneinander vererbt werden.[11] Aufgrund dessen, dass sich die Weichteile wie z.B. die Haut während des Wachstums des Hundes in normaler Größe entwickeln[12], entstehen hierdurch die typischen Nasenfalten brachyzephaler Hunde. Außerdem kommt es bei diesen Hunden häufig zu einer Beeinträchtigung der Atmung,

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: mesozephaler Hundeschädel (links) und brachyze-phaler Hundeschädel (rechts)

[...]


[1] Vgl. http://www.gesunde-bulldoggen.de/atmen/brachyzephalie.html (25.01.2016, 18:00 Uhr)

[2] Vgl. http://www.wissen.de/wortherkunft/brachyzephalie (12.01.2016, 16:30 Uhr)

[3] Vgl. http://www.gesunde-bulldoggen.de/atmen/bas-dr-koch.html (25.01.2016 18:00 Uhr)

[4] Vgl. Georg U. Oechtering: http://www.tieraerztekammer-sachsen.de/dokumente/artikel_brachyzepha- lie.pdf, S. 19 (12.01.2016 16:30 Uhr)

[5] Vgl. http://www.vdh.de/fileadmin/media/ueber/wir_ueber_uns/vdh_chronik.pdf (13.01.2016 18:00 Uhr)

[6] Vgl. Georg U. Oechtering: http://www.tieraerztekammer-sachsen.de/dokumente/artikel_brachyzepha- lie.pdf, S. 19, 20 (12.01.2016 16:30 Uhr)

[7] Georg U. Oechtering: http://www.tieraerztekammer-sachsen.de/dokumente/artikel_brachyzephalie.pdf, S. 20(12.01.2016 16:30 Uhr)

[8] Vgl. Georg U. Oechtering: http://www.tieraerztekammer-sachsen.de/dokumente/artikel_brachyzepha- lie.pdf, S.20 (12.01.2016 16:30Uhr)

[9] Georg U. Oechtering: http://www.tieraerztekammer-sachsen.de/dokumente/artikel_brachyzephalie.pdf, S. 20(12.01.2016 16:30 Uhr)

[10] Vgl. http://kleintierklinik.uni-leipzig.de/cms/sites/default/files/Dokumente/111025_Oechtering_Wenn %20Menschen%20Tiere%20verformen.pdf (28.02.2016 20:00Uhr)

[11] Vgl. Inge Hansen: „Vererbung beim Hund“, 2. Auflage 2014, Müller Rüschlikon Verlag, S. 53

[12] Vgl. http://www.gesunde-bulldoggen.de/atmen/brachyzephalie.html (25.01.2016 18:00 Uhr)

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Brachyzephalie als Problem der Hundezucht
Note
14 Punkte (1)
Autor
Jahr
2016
Seiten
17
Katalognummer
V343247
ISBN (eBook)
9783668390928
ISBN (Buch)
9783668390935
Dateigröße
635 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Brachyzephalie, Hundezucht, Probleme in der Hundezucht, Atemwegssyndrom
Arbeit zitieren
Yannik Hansen (Autor), 2016, Die Brachyzephalie als Problem der Hundezucht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343247

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