Ernährung bei metabolischem Syndrom

Das metabolische Syndrom durch eine Ernährungstherapie beeinflussen


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2016

16 Seiten


Leseprobe

Der Stellenwert der Ernährungstherapie beim metabolischen Syndrom

von Sven-David M ü ller, MSc., Nidderau

In der Prophylaxe und den Therapiekonzepten von ernährungs(mit)bedingten akuten und chronischen Erkrankungen spielt die Ernährungstherapie nicht nur im Bereich der Schulmedizin noch immer eine untergeordnete Rolle. Andererseits ist die Ernährungstherapie oftmals bedauerlicherweise nicht auf den Grundlagen wissenschaftlicher Erkenntnisse fußend. Vor dem Hintergrund der „Übergewichts- und Adipositas-Epidemie“ in den westlichen Industrieländern ist das kaum nachvollziehbar. In jedem Falle ergibt sich daraus eine Chance für die Naturheilkunde, sofern die von ihr vertretene diätetische Therapie wissenschaftlich begründbar ist und nicht abseits der medizinischen Leitlinien begründet wird.

BRD = Bundesrepublik Dickland

In Deutschland sind nach Angaben des Robert Koch Institutes (Berlin) zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen (53 %) in Deutschland übergewichtig. Ein Viertel der Erwachsenen ist fettsüchtig (adipös). Übergewicht und Adipositas führen auf dem Boden von einer genetischen Prädisposition, Bewegungsmangel, Stress sowie einer Fehl- und/oder Überernährung häufig zum sogenannten metabolischen Syndrom. Das gemeinsame Vorkommen von Hypertonie, Adipositas - in der Regel mit androider Fettverteilung, Dyslipidämien mit hohem LDL, niedrigem HDL und/oder Hypertriglyzeridämie und Diabetes mellitus Typ 2 oder gestörter Glucosetoleranz wird als Metabolisches Syndrom bezeichnet. Viele Patienten, die unter einem metabolischen Syndrom leiden, leiden gleichzeitig auch unter einer Verfettung der Leber. Es ist State oft he Art, dass eine erhöhte Körperfettmenge und eine Insulinresistenz bei der Krankheitsentstehung eine Schlüsselrolle spielen. Die zugrunde liegenden Stoffwechselprozesse der verschiedenen beteiligten Erkrankungen bedingen und beeinflussen sich dabei gegenseitig.

Low Carb- und Low Fat sind heute gleichberechtigt

Es ist wissenschaftlich eindeutig gesichert, dass Patienten mit einem metabolischem Syndrom ein deutlich höheres kardiovaskuläres Risiko haben. Sie haben also ein erhöhtes Morbiditätsrisiko. Zudem ist das Mortalitätsrisiko erhöht. Prophylaxe, Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle sind komplex und an den Patienten und den Therapeuten oder vielmehr das therapeutische Team (Arzt/Heilpraktiker und Diätassistent, Psychologe sowie Physiotherapeut) werden höhere Anforderungen hinsichtlich der Durchführung der Therapie und der Compliance gestellt. Die diätetische Therapie steht im Mittelpunkt der therapeutischen Maßnahmen. Während in der Vergangenheit praktisch ausschließlich „Low Fat-Methoden“ zur Gewichtsreduktion empfohlen wurden, zeigen die aktuellen Ernährungsempfehlungen in der medizinischen Leitlinien für Diabetiker und Übergewichtige, dass auch „Low-Carb-Methoden“ einen Stellenwert haben. Darauf wird im Beitrag zur Logi- Methode ausführlich eingegangen. Alle medizinischen und ernährungsmedizinischen Fachgesellschaften gehen heute davon aus und empfehlen, dass bei jedem Patienten geprüft werden muss, welche Methode zur Gewichtsreduktion die zielführende ist.

Die Welt verzuckert zunehmend

In Deutschland leben nach Angaben der Deutschen Diabetes Gesellschaft rund 8 Millionen Diabetiker. Das Gros der Betroffenen leidet unter Diabetes mellitus Typ 2. Früher wurde diese Erkrankungsform als Altersdiabetes bezeichnet. Die Welt ist sozusagen überzuckert. Nach Schätzung der Internationalen Diabetes Federation leiden weltweit rund 380 Millionen Menschen an der chronischen Stoffwechselstörung Diabetes mellitus. Kardinalsymptom ist die Hyperglykämie. Bei einem Nüchternblutzucker von > 126 mg/dl (7,0 mmol/l) wird die Diagnose Diabetes mellitus gestellt. In Deutschland sind schon fast zehn Prozent der Bevölkerung von der chronischen Stoffwechselstörung mit dem Kardinalsymptom Überzuckerung betroffen. Während und nach dem zweiten Weltkrieg war in Nord- und Mitteleuropa kaum ein neuer Diabetes-Fall zu beklagen. Warum hat sich das in den letzten 60 Jahren so extrem verändert? Die Antwort ist einfach: Unser Wohlstand und unsere Bequemlichkeit machen uns krank und führen zu Diabetes mellitus Typ 2. Und das ist die häufigste Form des Diabetes mellitus.

Von Zuckerkrankheit keine Spur

Volkskrankheit Diabetes ist die Devise der Medizin und in den Medien. Ist das wirklich so oder macht uns nur die Pharmaindustrie krank, um mehr Kunden für ihre Arzneimittel zu haben, wie es immer wieder von Hypertonie und Dyslipoproteinämien kolportiert wird? Nein - Diabetes mellitus überzieht die Welt immer mehr. Aber die Krankheit wird von vielen Fehleinschätzungen beherrscht. Denken wir an Diabetes mellitus, denken wir an Insulinspritzen, Zuckerkrankheit und Diät. Und alle drei Gedanken sind praktisch vollständig falsch. Das Gros der Diabetiker spritzt kein Insulin, die Bezeichnung Zuckerkrankheit führt in die Irre und eine strenge Diät muss auch kein Diabetiker einhalten.

Die gesunde Ernährungsweise hat die Diabetesdiät abgelöst

Eine diabetesgerechte Ernährungsweise ist nichts anderes als eine gesunde ausgewogene Kost. Diese zeichnet sich durch einen Reichtum an Gemüse (roh und gekocht) sowie Frischobst aus. Sie enthält bevorzugt Vollkornprodukte und beinhaltet ausreichend hochwertiges Fleisch, Fettfisch (beispielsweise Wildlachs, Makrele oder Tunfisch) und Geflügel sowie Hühnereier. Die Fette sollten pflanzlicher Herkunft (beispielsweise Raps-, Lein- oder Walnussöl sowie Diätmargarine) sein, da aktuelle Studien zeigen, dass Butter reich an gefährlichen Transfettsäuren ist. Demgegenüber enthalten Nüsse, Samen und daraus gewonnene Öle sowie Diätmargarine keine oder praktisch keine Transfettsäuren. Zudem tragen Sie zur Bedarfsdeckung essentieller Fettsäuen bei und führen dem Organismus insbesondere hochwertige ungesättigte Fettsäuren aber kaum gesättigte Fettsäuren zu. Einige gesättigte Fettsäuren sind übermäßig zugeführt nachweislich atherogen. Ein Saccharoseverbot für Diabetiker spricht die Deutsche Diabetes Gesellschaft analog der anderen Fachgesellschaften nicht mehr aus. Warum auch? Haushaltszucker (Saccharose) steigert den Blutzuckerspiegel langsamer als Weißbrot oder Kartoffelbrei. Der glykämische Index und die glykämische Ladung haben diese Erkenntnisse gebracht und werden zunehmend beachtet. Die Leitlinie sieht dabei „Low Carb“ und „Low Fat“ in der Ernährungstherapie gleichberechtigt vor. Bedauerlicherweise bezeichnen noch immer viele den Diabetes als Zuckerkrankheit. Die wörtliche Übersetzung von Diabetes mellitus aber ist honigsüßer Hindurchfluss. Bei Diabetikern ist nicht der Zucker krank, sondern die Blutzuckerregulation funktioniert nicht. Es kommt zur Überzuckerung im Blut - der Blutzuckerspiegel steigt auf Werte oberhalb von 126 mg/dl an. Die Ursache dafür ist aber in der Regel nicht ein Insulinmangel, sondern eine Insulinresistenz bei Hyperinsulinämie. Durch erbliche Faktoren, Übergewicht und Fettsucht (Adipositas), Bewegungsmangel sowie Fehl- und Überernährung wird immer mehr Insulin benötigt, die Insulinwirkung an den Zellen geht aber zurück. Ein Teufelskreis beginnt. Irgendwann ist die Resistenz gegenüber dem in den Beta-Zellen der Langerhans´schen Inseln produzierten Insulin so groß, dass die Blutzuckerwerte ansteigen. Die Ursache für den Diabetes mellitus ist niemals in einer zuckerreichen Ernährungsweise zu finden, sondern vielmehr in einer allgemeinen Fehl- und Überernährung. Gesättigte Fettsäuren aus tierischen Produkten, Fast Food, Weißmehlprodukte und Snacks sind Hauptursachen.

Diabetes mellitus Typ 2 muss nicht sein

Die Lösung des Diabetesproblems ist in der Prophylaxe zu suchen und zu finden. Viel Alltagsbewegung und dreimal wöchentlich 45 Minuten Sport (erhöhen den Energieverbrauch), tägliche Spaziergänge an frischer Luft und Ausnutzung der Sonnenstrahlen (wichtig für die Vitamin-D-Produktion zur Diabetesvorbeugung), Stressabbau durch Autogenes Training (beugt einer Überproduktion von Cortison und anderen Hormonen vor, hilft beim Abnehmen und verhindert oder verringert die Insulinresistenz), reichlich Gemüse und Frischobst (versorgen den Körper mit lebenswichtigen Vitaminen, Mineralstoffen, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen - in Gemüse und Frischobst steckt einfach viel Gesundheit), Bevorzugung von ballaststoffreichen Getreideprodukten wie Vollkornhafer (versorgen den Körper mit sättigenden Ballaststoffen und wertvollen sekundären Pflanzenstoffe, die wie Beta-Glukan den Cholesterinspiegel senken können und beim Abnehmen helfen), ausreichende Proteinaufnahme über fettarme Milchprodukte (liefert reichlich sättigendes Eiweiß) sowie mageres Fleisch (liefert wichtige Aminosäuren, die dem Muskelabbau auch bei der Gewichtsabnahme vorbeugen) und reichliches Trinken ist ein optimales Präventionsprogramm. In der Ernährungsaufklärung wird dem Trinken zu wenig Platz eingeräumt und so ist es leicht erklärlich, warum viele Menschen viel zu wenig trinken. Optimal sind 2 Liter täglich. Wasser und Mineralwasser sowie Schorlen (Mischungsverhältnis 1 Teil Saft und 2 Teile Mineralwasser) und wenig zuckergesüßte Softdrinks sind gut geeignet, den Flüssigkeitsbedarf des Menschen sinnvoll zu decken. Bis zu vier Tassen Kaffee oder Schwarztee schaden der Gesundheit nicht. Studien zeigen, dass der Austausch von Zucker durch Süßstoffe insbesondere bei Softdrinks helfen kann, das Gewicht zu senken. Daher sollten Menschen, die Diabetesfälle in ihrer Verwandtschaft haben, auf Zucker im Kaffee oder Tee verzichten und mit Süßstoff süßen. Bei Limonaden und Cola- Getränken können sie auf die fast kalorienfreien süßstoffgesüßten Alternativen zurückgreifen. Süßstoffe wie Aspartam, Acesulfam Kalium, Saccharin, Cyclamat oder Steviolglycoside haben keinen Einfluss auf die Hunger-Sättigungs-Regulation, den Blutzuckerspiegel und können in normalen Mengen auch von Kindern und Jugendlichen bedenkenlos aufgenommen werden.

In der Küche sollte nicht Schmalhans, sondern Kreativjan Küchenmeister sein. Leckere Eintöpfe, aromatische Früchtesalate, deftige Gemüsepfannen, kräftige Hülsenfruchtsuppen oder schmackhafte Pilzaufläufe sind ein wahrer Gaumenschmaus, der nicht auf die Hüften schlägt, nachhaltig sättigt und für Diabetiker und Menschen, die es nicht werden wollen, perfekt geeignet ist. Gerichte mit reichlich Wasser - wie Suppen, Eintöpfe und Co. - sind optimal. In Suppen steckt vornehmlich Wasser und das hat bekanntlich keine Kalorien. Durch Gemüse und Obst erhält das Gericht reichlich Ballaststoffe und das macht langfristig satt. Zudem zeigen Studien, dass viel Obst und Gemüse Diabetes vorbeugt. Die Veggies sind außerdem auch optimal für alle Diabetiker. Die Zeiten, in denen Diabetikern süßes Obst wie reife Bananen oder Weintrauben versagt wurde, sind längst vorbei. Es war nie sinnvoll oder durch wissenschaftliche Erkenntnisse gestützt. In der Prophylaxe des Diabetes mellitus und zum Abbau von Übergewicht und Adipositas allgemein sollte die Energiezufuhr zwischen 1.200 und 1.600 Kilokalorien täglich liegen. Weniger ist hier nicht mehr! Übergewichtigen Diabetikern ist das gleiche anzuraten. Sie sollten eine kalorienbewusste Ernährungsweise einhalten. Die Brot-, Berechnungs- oder Kohlenhydrateinheiten müssen nur insulinpflichtige Diabetiker einhalten. Von der BE-Berechnung nimmt man nämlich nicht ab! Oftmals ist von leichtem und schwerem Diabetes zu hören und zu lesen. Das ist der vierte Kardinalfehler im Verständnis der Erkrankung. Es gibt keinen leichten und schweren Diabetes. Der früher als Altersdiabetes bezeichnete Typ 2 Diabetes mellitus ist genauso ernst zu nehmen, wie der jugendliche Diabetes mellitus (Typ 1 Diabetes mellitus). Alle Diabetiker sind bei schlechter Blutzucker- und Blutdruckeinstellung von Folgekomplikationen bedroht, die insbesondere das Herz, die Augen, die Nieren und die Nerven betreffen. Bedauerlich ist, dass viele Ärzte Diabetes mellitus Typ 2 nicht hinreichend ernst nehmen. Es gibt keinen leichten Diabetes! Jeder Diabetiker sollte sich und seine Erkrankung ernst nehmen. Andernfalls kann er zum Tod durch Herzinfarkt (im Rahmen der diabetischen Makroangiopathie in Kombination mit Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und diabetischer Polyneuropathie), zur Dialysepflicht (Endstadium der diabetischen Nephropathie), Amputation der unteren Extremitäten (diabetischer Fuß) oder Erblindung (Endstadium der diabetischen Retinopathie) führen.

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Details

Titel
Ernährung bei metabolischem Syndrom
Untertitel
Das metabolische Syndrom durch eine Ernährungstherapie beeinflussen
Autor
Jahr
2016
Seiten
16
Katalognummer
V343252
ISBN (eBook)
9783668334731
ISBN (Buch)
9783668334748
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Metabolisches Syndrom, Diätetik, Ernährungsberatung, Transfettsäuren, Gesättigte Fettsäuren, Linolsäure, Linolensäure
Arbeit zitieren
Sven-David Müller (Autor:in), 2016, Ernährung bei metabolischem Syndrom, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343252

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