Heutzutage ist es üblich, dass logistische Netzwerke mittels Softwareprogrammen quantitativ bewertet werden. Allerdings besteht das Ziel, bereits im Vorfeld an eine solche Betrachtung eine qualitative Analyse anhand von Einflussfaktoren und Kennzahlen durchzuführen. Dieses Feld ist allerdings relatives Neuland in der Wissenschaft. Diese Bachelorarbeit soll daher eine grundlegende Strukturierung des Standes der Wissenschaft zu diesem Gebiet abliefern und über eine branchenübergreifende Analyse der Netzwerkstruktur einen Gesamtüberblick zu diesem Thema liefern.
Hierzu wurden in dieser Arbeit, neben der Literaturrecherche, insgesamt fünf Experteninterviews mit verschiedenen Unternehmen durchgeführt. Die befragten Unternehmen wurden dabei zu dem logistischen Netzwerk ihres Unternehmens und zu ihren Einschätzungen zu den wichtigsten Einflussfaktoren auf ihr Netzwerk befragt.
Anhand der Literaturrecherche werden in dieser Arbeit verschiedene Netzwerktypen identifiziert und - jeweils nach der Häufigkeit ihrer Anwendung - verschiedenen Branchen zugeteilt. Zudem werden Einflussfaktoren aus den Bereichen Service, Kosten, Sortimentsstruktur und Kundenstruktur identifiziert. Außerdem werden grundlegende logistische Zusammenhänge und Konzepte die mit der Netzkonfiguration in Verbindung stehen, erläutert.
Die Ergebnisse der Unternehmensbefragungen werden in dieser Arbeit zuerst ausführlich anhand jedes Unternehmens dargestellt. Dabei wird sowohl auf die Netzwerkstruktur, als auch auf die Einschätzungen der Interviewpartner zu der Relevanz von verschiedenen ausgewählten Einflussfaktoren auf deren logistisches Netzwerk vorgestellt.
Bei dieser Untersuchung hat sich gezeigt, dass bei einer branchenübergreifenden Betrachtung der hier befragten Unternehmen die Kennzahlen Lieferzeit, Termintreue und Transportkosten den größten Einfluss auf die Netzwerkstruktur haben.
Diese Ergebnisse müssen vor dem Hintergrund der befragten Unternehmen betrachtet werden. Die Transportkosten sind deshalb so wichtig, da der Großteil der befragten Unternehmen eher geringwertige Sortimente hat. Bei Unternehmen mit hochwertigeren Sortimenten hätten die Transportkosten vermutlich einen geringeren Einfluss.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Ausgangssituation und Problemdarstellung
1.2 Zielsetzung und Forschungsfrage
1.3 Aufbau und Abgrenzung der Arbeit
1.4 Aufbau und Ablauf der Interviews
2 Begriffe und theoretische Grundlagen der Logistik
2.1 Logistikbegriffe
2.2 Einflussfaktoren und Kennzahlen auf logistische Netzwerke
2.2.1 Einfluss von Service und Kosten
2.2.2 Einfluss der Sortimentsstruktur
2.2.3 Einfluss der Kundenstruktur
2.3 Netzwerktypen
2.3.1 Grundlegende Netzwerktypen
2.3.2 Netzwerktypen der Industrie
2.3.3 Netzwerktypen des Handels
2.3.4 Netzwerktypen des Logistikdienstleistergewerbe
2.3.5 der Ersatzteillogistik
2.4 Grundlegende logistische Zusammenhänge
2.4.1 Zielkonflikt zwischen Service und Kosten
2.4.2 Gestaltungsmöglichkeiten bei der Netzkonfiguration
2.4.3 Konzepte in der Distributionslogistik
3 Ergebnisse der empirischen Untersuchung
3.1 Einflussfaktoren auf logistische Netzwerke
3.1.1 Produzent am Beispiel eines Produzenten
3.1.2 Handel (Non-Food) am Beispiel eines Einzelhändlers
3.1.3 Handel (Food & Non-Food) am Beispiel eines Lebensmitteleinzelhändlers
3.1.4 Internethandel am Beispiel von Onlinehändler
3.1.5 Ersatzteilen am Beispiel des Ersatzteilhändlers
3.2 Bewertung der empirischen Ergebnisse
3.2.1 Ganzheitliche Bewertung von Einflussfaktoren auf Logistiknetzwerke
3.2.2 Branchenspezifische Bewertung von Einflussfaktoren auf Logistiknetzwerke
4 Zusammenfassung und Reflexion der Ergebnisse
4.1 Zusammenfassung der Forschungsergebnisse
4.2 Kritische Reflexion der Ergebnisse und weiterer Forschungsbedarf
Zielsetzung & Themen
Die Bachelorarbeit zielt darauf ab, den wissenschaftlichen Kenntnisstand zu Einflussfaktoren und Kennzahlen in logistischen Netzwerken zu strukturieren und durch eine branchenübergreifende Analyse einen Gesamtüberblick zu vermitteln. Die zentrale Forschungsfrage lautet: „Welche Einflussfaktoren auf logistische Netzwerke gibt es und was sind deren Auswirkungen?“
- Identifikation und Analyse von Einflussfaktoren aus den Bereichen Service, Kosten, Sortimentsstruktur und Kundenstruktur.
- Klassifizierung verschiedener Netzwerktypen in Industrie, Handel, Logistikdienstleistungen und Ersatzteillogistik.
- Untersuchung der Zielkonflikte zwischen Servicequalität und Kosten.
- Empirische Validierung durch Experteninterviews mit fünf Unternehmen aus verschiedenen Branchen.
- Ableitung von Gestaltungsmöglichkeiten für logistische Netzwerke unter Berücksichtigung branchenspezifischer Anforderungen.
Auszug aus dem Buch
1.1 Ausgangssituation und Problemdarstellung
Dem Endverbraucher ist es in der Regel egal wie die Produkte ins Regal des Supermarkts um die Ecke gelangen, oder wie die beim Internetversandhändler gekaufte Ware zu ihm nach Hause gelangt. Der Endverbraucher wird erst neugierig, wenn er im Supermarkt vor einer Lücke im Regal steht, oder wenn er auf das Paket vom Internetversandhändler länger als gewohnt warten muss.
Vorfälle wie diese sind heutzutage, dank ausgeklügelter und hocheffizienter logistischer Netzwerke und Prozesse, eher die Seltenheit. Interessanterweise weisen gleichermaßen effiziente Netzwerke, von verschiedenen Unternehmen, oft erhebliche Unterschiede in ihrer Struktur auf. Der Supermarkt um die Ecke wird beispielsweise aus einem regionalen Nachschublager mit Waren beliefert, wohingegen die Ware vom Internetversandhändler aus einem im Zentrum Deutschlands gelegenem Zentrallager direkt zum Endkunden versandt wird. Wie kann es aber sein, dass diese logistischen Netzwerke in ihrer Struktur so verschieden, aber gleichzeitig für das jeweilige Unternehmen effizient sind?
Die Gründe dafür, warum ein logistisches Netzwerk eine gewisse Struktur aufweist, sind vielseitig und hängen von zahlreichen, sich teilweise gegenseitig beeinflussenden, Faktoren ab. Dabei sind die Einflussfaktoren, die zu den bestehenden Strukturen und Abläufen in einem Logistiknetzwerk geführt haben, meist im Erfahrungswissen von Logistikern begründet. Diese folgen dabei mehr oder weniger bekannten Regeln und Gesetzmäßigkeiten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel erläutert das Problemfeld und die Zielsetzung der Arbeit, die sich mit der qualitativen Analyse logistischer Netzwerke beschäftigt.
2 Begriffe und theoretische Grundlagen der Logistik: Hier werden zentrale Begriffe, die wichtigsten Einflussfaktoren und verschiedene Netzwerktypen sowie grundlegende logistische Zusammenhänge theoretisch hergeleitet.
3 Ergebnisse der empirischen Untersuchung: Dieses Kapitel präsentiert die Erkenntnisse aus fünf Experteninterviews und bewertet diese sowohl ganzheitlich als auch branchenspezifisch.
4 Zusammenfassung und Reflexion der Ergebnisse: Das abschließende Kapitel fasst die wesentlichen Forschungsergebnisse zusammen und reflektiert diese kritisch unter Berücksichtigung von weiterem Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Logistische Netzwerke, Netzwerktypen, Einflussfaktoren, Kennzahlen, Distributionslogistik, Ersatzteillogistik, Zielkonflikt, Service und Kosten, Lieferzeit, Termintreue, Logistikstrategie, Supply Chain Management, Unternehmensbefragung, Lagerstruktur, Netzwerkgestaltung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die qualitativen Einflussfaktoren und Kennzahlen, die die Struktur und Effizienz logistischer Netzwerke bestimmen, und liefert eine strukturierte Übersicht des aktuellen wissenschaftlichen Standes.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit deckt die Kategorien Service und Kosten, Sortimentsstruktur sowie Kundenstruktur ab und betrachtet dabei unterschiedliche Branchen wie Industrie, Handel und Ersatzteillogistik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Forschungsfrage „Welche Einflussfaktoren auf logistische Netzwerke gibt es und was sind deren Auswirkungen?“ fundiert zu beantworten und eine wissenschaftliche Strukturierung dieses Themengebiets zu liefern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Neben einer umfassenden Literaturrecherche führt der Autor eine empirische Untersuchung in Form von fünf Experteninterviews mit Logistikverantwortlichen aus verschiedenen Branchen durch.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen (Netzwerktypen, Gestaltungsmöglichkeiten) dargelegt. Anschließend werden die Ergebnisse der Unternehmensbefragungen detailliert analysiert und grafisch ausgewertet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind logistische Netzwerke, Lieferzeit, Termintreue, Netzwerktypen, Transportkosten, Distributionslogistik und Lagerstruktur.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen B2B und B2C eine Rolle?
Die Art der Kundenbeziehung beeinflusst die logistische Abwicklung massiv; während B2B-Prozesse häufig durch Stückgutlogistik geprägt sind, dominieren im B2C-Geschäft Paketdienste und Anforderungen an eine schnelle Laufzeit.
Welche Rolle spielt die "Sortimentsbreite" für das Netzwerk?
Die Analyse zeigt, dass breite Sortimente tendenziell eher in zentralen Strukturen gelagert werden, wobei die optimale Lagerstufe auch stark von der Drehgeschwindigkeit und Wertigkeit der einzelnen Artikel abhängt.
- Quote paper
- Tobias Riegelbauer (Author), 2014, Netzwerktypen in der Logistik. Ermittlung von Einflussfaktoren und Kennzahlen auf logistische Netzwerke, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343374