Generische Nominalphrasen. Eine Analyse von gattungsreferierenden Phrasen in Internetlexika


Hausarbeit, 2016

18 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit
1.1 Generizität – eine Einführung
1.2 Lesarten
1.3 Generische Nominalphrasen
1.4 Unterschiede zwischen dem Englischen und dem Deutschen

2. Ergebnisse der Korpusanalyse
2.1 Einzelkorpora Internet-Kinderlexika
2.2 Einzelkorpus Internetlexikon
2.3 Auswertung der Daten
2.3.1 Bare Plural Konstruktionen
2.3.2 Definit Singular Konstruktionen
2.3.3 Indefinite vs. definite Konstruktionen

3. Zusammenfassung der Diskussion und offene Fragen

Literaturverzeichnis

1. Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit

Generizität ist ein Phänomen der Sprache, das dem Sprecher erlaubt, beobachtete Generalisierungen über Klassen, Typen, Objekte oder Gattungen auszudrücken und auf die gesamte Anzahl an Individuen innerhalb einer Einheit anzuwenden. Bereits kleine Kinder ohne ausgeprägten Wortschatz machen sich das Prinzip der Bildung generischer Phrasen zunutze, um allgemeine Aussagen über die Mitglieder einer Gattung zu treffen. Die Generalisierung von gattungsreferierenden Sätzen stellt allerdings ein recht komplexes Themengebiet dar, das es bis heute noch weiter zu erforschen gilt.

Die Beschäftigung mit generischen Phrasen fand und findet bis heute zum größten Teil im englischsprachigen und vereinzelt im deutschsprachigen Raum statt. Dabei ist das linguistische Phänomen der Generizität sowohl Gegenstand philosophischer, als auch sprachwissenschaftlicher Untersuchungen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie generische Konzepte entstehen und aufgrund welcher sprachlichen Besonderheiten diese zu Stande kommen.

Gegenstand der vorliegenden Hausarbeit ist es mithilfe von Korpusanalysen herauszufinden, welche Konstruktionen am häufigsten gebraucht werden, um Kindern Wissen über die Mitglieder einer Gattung mitzuteilen und welche Schlussfolgerungen sich aus den Ergebnissen über den Gebrauch von generischen Konstruktionen im Zusammenhang mit Kindern ziehen lassen. Dies wird anhand einer Analyse von zwei Internet-Lexika Einträgen geschehen, die explizit an Kinder gerichtet sind. Vergleichend hierzu wird ebenfalls ein Internet-Lexikon Eintrag herangezogen, welcher sich nicht betont an Kinder richtet.

Zunächst wird eine generelle Einführung in das doch recht komplexe Themengebiet der Generizität erfolgen. Hierfür wird kurz erläutert, durch welche Merkmale sich generische Äußerungen von existentiellen Aussagen unterscheiden und verschiedene Arten von generischen Phrasen werden vorgestellt. Darauf aufbauend findet die eigentliche Analyse statt, welche mithilfe von konkreten Beispielen die Besonderheiten und Probleme der zu analysierenden Texte darstellt. Daran anschließend werden die Erkenntnisse der Analyse mit allgemeinen Theorien in Zusammenhang gesetzt und interpretiert. Abschießend wird ein kurzes Fazit gezogen und ein Ausblick über mögliche fortführende ... der Ergebnisse gegeben.

1.1 Generizität – eine Einführung

Generizität stellt ein Phänomen dar, das eine generalisierende Aussage über abstrakte Situationen, Vorgänge oder Zustände beschreibt. Zur Veranschaulichung dient das folgende Beispiel:[1]

(1) Bears eat honey.

Hier wird nicht auf eine konkrete Situation referiert, sondern vielmehr, aufgrund der überaus hohen Wahrscheinlichkeit des Wiederauftretens der Handlung, eine Äußerung über die gesamte Gattung der Bären gemacht. Krifka und Gerstner gehen von der Theorie aus, dass generische Phrasen immer eines der folgenden zwei Merkmale besitzen: zum einen können Situationen, Ereignisse etc. generalisiert werden. In diesem Falle wird von I-genericity gesprochen. Zum anderen kann über Objekte als Gattung gesprochen werden, ohne dabei auf ein einzelnes Individuum zu verweisen. Hier ist dann die Rede von D-genericity (Gerstner, Krifka 1993:968).

Anders, als (1), wirkt der folgende Satz auf den Leser:[2]

(2) This morning, a bear ate some honey.

Dieses episodische Beispiel generalisiert nicht, sondern beschreibt einen unbestimmten Bären, der zu einem bestimmten Zeitpunkt Honig gegessen hat. Das Ereignis hat einmal stattgefunden und lässt sich nicht auf die gesamte Gattung übertragen.

Generische Aussagen lassen sich zunächst nach Krifka in zwei grundlegende Konzepte gliedern: (3) die Referenz auf eine Gattung sowie (4) Aussagen, die nicht über isolierte Fakten getroffen werden, sondern sich auf reguläre und episodische Äußerungen beziehen:[3]

(3) a. The potato was first cultivated in South America.

b. Potatoes were introduced into Ireland by the end of the 17th century.

c. The Irish economy became dependent upon the potato.

In (3) a., b. und c. wird eine allgemeine Aussage über die Gattung der Kartoffeln und nicht über einzelne Individuen oder konkrete Objekte der Gattung getroffen. Deshalb spricht man in diesen Fällen von generic NPs oder kind-referring NPs.

Im Gegensatz hierzu stehen Aussagen, die auf Angewohnheiten, wie in (4) a. oder auf verallgemeinernden Äußerungen basieren, welche auf die Individuen einer Gattung zurückzuführen sind, wie in (4) b.:

(4) a. John smokes a cigar after dinner.

b. A potatoe contains vitamin C, amino acids, protein and thiamine.

Diese Phänomene sind zu bezeichnen als generic sentences und stehen im Kontrast zu Aussagen über bestimmte Ereignisse.

Als gemeinsamen Gegenstand haben sowohl kind-referring NPs, als auch generic sentences, dass sie sich von konkreten Objekten oder Ereignissen distanzieren und stattdessen Aussagen über eine gesamte Gattung treffen, wenn auch auf verschiedene Art und Weise.

1.2 Lesarten

An dieser Stelle werden kurz die unterschiedlichen Lesarten von ambig zu interpretierenden Sätzen vorgestellt, um ein besseres Verständnis für die später folgenden generischen Subtypen zu erlangen.

Grundsätzlich kann in drei Lesarten unterschieden werden: die episodische, die habituelle sowie die generische Lesart (Chur 1993:3). Der nun folgende Satz kann auf diese drei unterschiedlichen Lesarten gelesen werden:[4]

(5) Der Hund bellt.

(5´) a. Der Hund (Bello) bellt (gerade).

b. Der Hund (Bello) bellt (gewohnheitsmäßig/immer).

c. Der Hund (als Gattung) bellt.

Die episodische Lesart (5´) a. beschreibt einen Vorgang, der sich auf ein Individuum bzw. eine eingegrenzte Gruppierung bezieht. Die habituelle Lesart (5´) b. wiederum beschreibt einen sich regelmäßig wiederholenden Zustand, während die generische Lesart (5´) eine Aussage über eine gesamte Gattung macht. Generisch gelesen wird, wie der Name schon sagt, lediglich die generische Lesart.

1.3 Generische Nominalphrasen

Generizität ist ein weit gefasster Begriff, der von verschiedenen Wissenschaftlern mit unterschiedlicher Herangehensweise analysiert und definiert wird. Die Problematik umfasst dabei hauptsächlich zwei Themenbereiche: Generische Prädikation und generische Nominalphrasen. Die vorliegende Arbeit wird sich hauptsächlich mit generischen Nominalphrasen beschäftigen, da eine zusätzliche genaue Betrachtung der generischen Prädikation leider den Rahmen sprengen würde.

Bezogen auf generische Nominalphrasen führen Krifka und Gerstner fünf Typen generischer NPs aus, die den vollständigen Bereich der als generisch bezeichneten Phänomene abdecken. Auf Basis der im Folgenden vorgestellten generischen Konstruktionen wird auch die Analyse der Korpora im nächsten Kapitel erfolgen:[5]

(6) a. The lion is a ferocious beast. (Singular definit)
b. A lion is a ferocious beast. (Singular indefinit)
c. The lions are ferocious beasts. (Plural definit)
d. Lions are ferocious beasts. (bare plural)
e. Gold is precious. (bare singular)
f. Several cats live in Africa, for example the lion and the leopard.

(taxonomic NP)

Diese Sätze haben gemein, dass ihre Subjekt NPs nicht auf ein konkretes Objekt oder eine spezifische Menge referieren, sondern eine Aussage über eine gesamte Gattung treffen, in diesem Falle über die Gattungen „Löwe“ und „Gold“.

Allerdings ist es durch die ambige Lesart (wie in 1.2. erläutert) auch möglich, dass Definit Singular NPs, Bare Plural NPs, Bare Singular NPs und Indefinit Singular NPs auf konkrete Objekte referieren (Krifka et al. 1995:5).

(7) a. The lion escaped yesterday from the Hellabrunn zoo. (Singular definit)
b. The lions escaped yersterday from the Hellabrunn zoo. (Plural definit)
c. Gold was stolen in yesterday’s bank robbery. (bare singular)
d. A cat was sitting on the mat when John arrived home. (Singular indefinit)

1.4 Unterschiede zwischen dem Englischen und dem Deutschen

Der Großteil an wissenschaftlicher Fachliteratur beschäftigt sich hauptsächlich mit dem Phänomen der Generizität innerhalb der englischen Sprache. Einige Erscheinungen treten nur im Englischen auf, während andere dem Deutschen vorenthalten sind. An dieser Stelle werden kurz einige Besonderheiten der deutschen Sprache vorgestellt.

Im Deutschen können sowohl bare plurals als auch definite Plurale eine generische Interpretation besitzen:[6]

(8) a. daß Elephanten wertvolle Zähne haben

b. daß die Elephanten wertvolle Zähne haben

Von einigen Linguisten wird angenommen, dass es im Englischen nicht die Möglichkeit gibt, generische NPs als definite NPs im Plural zu konstruieren. Die folgende Übersicht zeigt verschiedene Möglichkeiten der Auswirkungen der bedeutungserhaltenen Determinationsvariation:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Schema nach Chur (1993:6)

Im Deutschen können generische Beurteilungen als auch nominale Referenzen auf Generizität in einem großen Kontext mit bare -Konstruktionen oder mit Determinierer auftreten.[7] In der englischen Sprache wird es weitestgehend vermieden Konstruktionen mit definiten Artikeln zu verwenden (Schaden 2012:157).

[...]


[1] Beispiel aus Carlson (2011:1179)

[2] Beispiel aus Carlson (2011:1154)

[3] Beispiel aus Krifka et al. (1995:2)

[4] die Beispiele (5) und (5´) sind entnommen aus Chur (1993:3)

[5] Beispiele aus Gerstner, Krifka (1993:966)

[6] Beispiel aus (Brugger: 1994:6)

[7] Es gibt Fälle, in denen die Wahl zwischen bare - und definiter Konstruktion nicht frei ist. Dies lässt sich meist auf die Präsenz bzw. Absenz von impliziten kontextualen Restriktionen zurückführen. Mehr dazu: Schaden, Gerhard: Two Ways of "Referring to a Generality" in German.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Generische Nominalphrasen. Eine Analyse von gattungsreferierenden Phrasen in Internetlexika
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,7
Jahr
2016
Seiten
18
Katalognummer
V343478
ISBN (eBook)
9783668336940
ISBN (Buch)
9783668336957
Dateigröße
527 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Generizität, Nominalphrasen, Lexika, Internetlexika, Linguistik, generisch, Korpusanalyse
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Generische Nominalphrasen. Eine Analyse von gattungsreferierenden Phrasen in Internetlexika, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343478

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