Crowdinvesting. Anlagemotive, Chancen und Risiken aus Perspektive der Kapitalgeber


Bachelorarbeit, 2016

81 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis ... V
Tabellenverzeichnis ... VI
Abkürzungsverzeichnis ... VII

1 Einleitung ... 1
1.1 Hinführung zum Thema und Zielsetzung ... 1
1.2 Aufbau und Struktur der Arbeit ... 3

2 Begriffliche Abgrenzung ... 4
2.1 Der Ursprung – Crowdsourcing ... 4
2.2 Crowdfunding ... 6
2.2.1 Donation-based Crowdfunding ... 9
2.2.2 Reward-based Crowdfunding ... 10
2.2.3 Lending-based Crowdfunding ... 11
2.2.4 Equity-based Crowdfunding ... 12

3 Praktische Aspekte des Crowdinvestings ... 13
3.1 Akteure ... 13
3.1.1 Kapitalsuchende ... 13
3.1.2 Kapitalvermittler ... 14
3.1.3 Kapitalgeber ... 17
3.2 Ablauf einer Crowdinvesting-Kampagne ... 19
3.2.1 Bewerbung der Unternehmen ... 20
3.2.2 Vorbereitung der Kampagne ... 21
3.2.3 Crowdinvesting-Kampagne ... 22
3.2.4 Nach Abschluss der Kampagne ... 22
3.3 Entwicklung des Marktvolumens ... 23
3.4 Immobilienfinanzierung mittels Crowdinvesting ... 24

4 Rechtliche und steuerliche Aspekte des Crowdinvesting ... 25
4.1 Rechtliche Rahmenbedingungen beim Crowdinvesting ... 25
4.1.1 Insolvenz der Firma PROKON als Ausgangslage ... 25
4.1.2 Rechtslage bis Juli 2015 ... 26
4.1.3 Kleinanlegerschutzgesetz ... 27
4.2 Steuerliche Betrachtung des Crowdinvestings ... 30
4.2.1 Partiarisches Darlehen ... 31
4.2.2 Genussrechte ... 32
4.2.3 Typische stille Beteiligung ... 33
4.2.4 Atypisch stille Beteiligung ... 34
4.2.5 Aktien ... 34

5 Crowdinvesting aus Sicht der Kapitalgeber ... 35
5.1 Motive und Zielsetzungen der Kapitalgeber ... 35
5.2 Einordnung der Crowdinvesting-Typen ... 36
5.3 Chancen der Investition ... 38
5.3.1 Gewinnbeteiligung ... 39
5.3.2 Beteiligung beim Unternehmensverkauf (Exit) ... 40
5.3.3 Erfolgreiche Projekte ... 41
5.4 Risiken der Investition ... 43
5.4.1 Gescheiterte Projekte ... 47
5.4.2 Risikostreuung ... 50

6 Umfrage zu Anlagemotiven und Risikoeinschätzung der Crowd ... 52
6.1 Methodische Vorgehensweise ... 52
6.2 Auswertung der Ergebnisse ... 54

7 Resümee und Ausblick ... 66
Literaturverzeichnis ... 69

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Unterteilung der Begriffe „Crowdsourcing“ und Crowdfunding“ ... 5
Abbildung 2: Untergliederung des Crowdfunding ... 8
Abbildung 3: Anzahl der unterstützten Crowdinvesting-Projekte der Umfrageteilnehmer ... 56
Abbildung 4: Summe der durchschnittlich investierten Summe je Projekt und Teilnehmer ... 58
Abbildung 5: Höhe des Gesamtinvestments je Teilnehmer ... 59
Abbildung 6: Prozentuale Verteilung der Antworten zu Frage 13 durch die Umfrageteilnehmer ... 65

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Aktive Crowdinvesting-Portale in Deutschland ... 17
Tabelle 2: Anlegereigenschaften auf der Crowdinvesting-Plattform Innovestment (N = 1422) ... 18
Tabelle 3: Liste der gescheiterten Unternehmen ... 49
Tabelle 4: Risikostreuung ... 51
Tabelle 5: Angaben zum Alter der Umfrageteilnehmer ... 54
Tabelle 6: Angaben zum Nettoeinkommen der Umfrageteilnehmer ... 55
Tabelle 7: Angabe der verwendeten Crowdinvesting-Plattformen durch die Umfrageteilnehmer ... 57
Tabelle 8: Bewertung eines möglichen Totalverlustes durch die Teilnehmer ... 60
Tabelle 9: Wichtigkeit verschiedener Aspekte für die Investmententscheidung der Teilnehmer ... 61
Tabelle 10: Angabe über bereits getätigte Investments der Teilnehmer ... 63
Tabelle 11: Selbsteinschätzung zu Kenntnissen der Teilnehmer ... 63
Tabelle 12: Beweggründe des Investments der Teilnehmer ... 64

Abkürzungsverzeichnis

[Dies ist eine Leseprobe. Dieses Verzeichnis wird nicht dargestellt.]

1 Einleitung

„Du entdeckst im Internet ein Projekt, bist von der Idee begeistert und kannst dich an dem Unternehmen sofort und auf völlig unkomplizierte Weise finanziell beteiligen, dies auf Wunsch schon mit geringen Geldbeträgen. Welche Zeiten!“1

1.1 Hinführung zum Thema und Zielsetzung

Es gibt eine Vielzahl an interessanten und erfolgsversprechenden Projekten, deren Umsetzung lediglich aufgrund von Finanzierungsdefiziten scheitert. Die Ideengeber haben meistens nicht genügend monetäre Ressourcen und Kreditinstitute schreckt das hohe Risiko der Finanzierung junger Unternehmen oft ab.2 Viele Start-ups, greifen daher zur Schließung ihrer Finanzierungslücke, insbesondere in der Frühphase, auf Crowdinvesting zurück.3 Crowdinvesting gilt als der Megatrend im Hinblick auf die Finanzierung junger innovativer Unternehmen, die Kapital für die zeitnahe Markteinführung suchen. Doch nicht nur bei jungen Start-ups ist eine Tendenz hin zum Crowdinvesting zu beobachten, zunehmend wählen auch große, etablierte Unternehmen diese alternative Finanzierungsoption, mit dem Motiv einen großen Werbeeffekt zu erzielen.4

Die Intention für diese Bachelor-Thesis war die Überlegung, welche Alternativen dem Anleger in Zeiten der heutigen Niedrigzinsphase zu standardisierten Bankprodukten bleiben.5 Zu diesen Alternativen zählt unter anderem die neue Art der Start-up bzw. Projektfinanzierung mittels Crowdinvesting, welches folgendes bieten soll: Eine Möglichkeit der unkomplizierten und schnellen Kapitalbeschaffung für junge Unternehmen sowie unmittelbares und renditeträchtiges Investment für Privatanleger.6 Ob dieses Modell in der Praxis tatsächlich so umsetzbar ist und die Rendite Crowdinvesting wirklich zu einer geeigneten Anlagealternative macht, wird im Verlauf dieser Arbeit herausgearbeitet.

Crowdinvesting setzt sich aus den englischen Begriffen „Crowd“, was so viel bedeutet wie Gruppe und „invest“ zusammen, was übersetzt investieren bedeutet. International hat sich für die Bezeichnung Crowdinvesting vermehrt die Bezeichnung „equity-based Crowdfunding“ etabliert.7

Crowdinvesting bezeichnet eine neuartige Finanzierungsform, bei der auf dafür vorgesehenen Internetplattformen Investoren für zumeist Start-ups gesucht werden. Es ist jedoch auch die Finanzierung eines neuen Projekts für ein bereits am Markt etablierten Unternehmen denkbar.8 Grundgedanke dieser Anlageform ist, dass einzelne Personen oder kleinere Gruppen von Menschen die Möglichkeit erhalten, Anteile an einem jungen Unternehmen zu erwerben. Im Gegenzug stellen die Investoren den Gründern dieser Unternehmen einen individuell gewählten Betrag für deren Eigenkapital zur Verfügung.9 Da sich die Investoren teilweise bereits mit Kleinstbeträgen beteiligen können, sind entsprechend viele Investoren erforderlich, um die benötigte Finanzierungssumme zu erreichen.10

Die Thematik des Crowdinvesting trat erstmals im Jahr 2011 auf dem deutschen Finanzierungsmarkt in Erscheinung. Infolgedessen ist die Literatur hierzu auch nach gut vier Jahren noch äußerst gering, obgleich an diversen Bildungseinrichtungen fortwährend recherchiert und geforscht wird.11 Argumente für diese alternative Finanzierungsform der Start-ups wurden schon mehrfach in verschiedenster Literatur und in den Medien diskutiert und ausformuliert. Wirft man jedoch einen Blick auf die Gegenseite, also die Anleger, wird schnell deutlich, dass die Frage der tatsächlichen Beweggründe der stetig steigenden Anzahl von Menschen, die in eine Idee oder ein unbekanntes Unternehmen investieren, noch nicht ausreichend beantwortet werden konnte.

Ziel dieser Arbeit ist es demnach, die Motive der Crowd, also der Investoren, bei der finanziellen Beteiligung an Unternehmensgründungen zu untersuchen und die Chancen und Risiken dieser Anlageform aus der Perspektive der Kapitalgeber zu erarbeiten. Um ein umfassendes Bild über Crowdinvesting aus der Perspektive der Kapitalgeber zu erhalten, werden außerdem die rechtlichen Rahmenbedingungen sowie die steuerliche Betrachtung des Crowdinvesting näher beleuchtet.

1.2 Aufbau und Struktur der Arbeit

Um die Frage nach Anlagemotiven, Chancen und Risiken dieser Anlageform beantworten zu können, werden zunächst grundlegende Begriffe wie „Crowdsourcing“ und „Crowdfunding“ definiert und erläutert. Nachdem diese Erläuterungen und Definitionen den Leser in die Thematik eingeführt haben, werden die Akteure des Crowdinvestings und der Ablauf dieser Finanzierungsform vorgestellt. Anschließend wird die Marktentwicklung seit Beginn 2011 betrachtet und in diesem Zusammenhang die 2015 neu eingeführten Anlageklassen beim Crowdinvesting vorgestellt. In diesem Kontext wird auch auf das ebenso gegenwärtige Thema des Kleinanlegerschutzgesetzes eingegangen sowie die Vor- und Nachteile dieses Gesetzes im Zusammenhang mit Crowdinvesting diskutiert. Des Weiteren wird für das umfassende Bild dieser Finanzierungsart ein Überblick über die steuerliche Behandlung der verschiedenen Anlageformen der Kapitalgeber gegeben.

Nachdem auf alle wichtigen Begriffe, den allgemeinen Ablauf des Crowdinvestings über die Plattformen sowie die rechtlichen Aspekte näher eingegangen wurde, werden im Anschluss in Kapitel 5 die Motivationsgründe der Anleger identifiziert, die Projekte bzw. Unternehmen mithilfe dieser Finanzierungsform finanziell unterstützen. Dabei wird der Frage auf den Grund gegangen, ob Crowdinvesting eine geeignete Geldanlage für Investoren ist, oder ob die Risiken die Chancen überwiegen und die Investoren tendenziell nach einer geeigneteren Geldanlage Ausschau halten sollten. Um dieser Frage auf den Grund gehen zu können, werden die verschiedenen Chancen und Risiken, die diese Anlageform mit sich bringt, näher untersucht sowie mit Beispielen erfolgreicher und gescheiterter Projekte aus der Praxis angereichert.

Zur Unterstützung der deskriptiven Bearbeitung der vorliegenden Thematik, wird am Ende dieser Arbeit ein kleiner empirischer Teil mittels einer Umfrage durchgeführt und die Ergebnisse mit den bereits gewonnenen Erkenntnissen aus der Literatur verknüpft.

2 Begriffliche Abgrenzung

2.1 Der Ursprung – Crowdsourcing

Wer den Markt für Crowdinvesting näher beleuchten möchte, sollte zunächst die drei Grundbegriffe Crowdsourcing, Crowdfunding und Crowdinvesting definieren und voneinander abgrenzen.

Crowdsourcing bildet den Oberbegriff. Hierunter versteht man im Allgemeinen das Sammeln von Beiträgen einer Vielzahl von Menschen zur Erreichung eines gemeinsamen Ziels.12 „Crowdsourcing“ ist ein im Jahr 2006 vom Wired-Magazin-Autor Jeff Howe geschaffener Begriff, der sich aus ‚Crowd’ und ‚Outsourcing’ zusammensetzt. Outsourcing bezeichnet die Auslagerung von Dienstleistungen an Dritte, die ursprünglich firmenintern erbracht wurden. Crowdsourcing bezeichnet auch eine bestimmte Art der Auslagerung und ist somit an den Begriff des Outsourcings angelehnt. Im Gegensatz zum Outsourcing werden jedoch nicht Unternehmensaufgaben, sondern Arbeits- und Kreativprozesse an eine heterogene Gruppe von Internetnutzern, die zeitlich und räumlich unabhängig voneinander an einem gemeinsamen projektbasierten Ziel arbeiten, ausgelagert.14

Mit Beginn des Zeitalters des Internets war es erstmals möglich, dass Nutzer untereinander, uneingeschränkt durch limitierende Hierarchiebarrieren, sozial und wirtschaftlich interagieren konnten. Die „Crowd“ als zentraler Akteur im world wide web demokratisierte das neue, wissenschaftliche Miteinander und offerierte dabei ein bis dato ungeahntes Potential an vernetzten Menschen, die nicht nur zu wirtschaftlichen, sondern auch sozialen und ideellen Zwecken die Möglichkeit haben zusammen zu wirken.14

Das Prinzip des „Crowdsourcing“ versteht sich darin, dass Teilaufgaben an Freiwillige ausgelagert, beziehungsweise die Ideen vieler einzelner Personen gesammelt werden und somit zur Entstehung von etwas Neuem beitragen.15 Statt einer einzelnen Person, beteiligen sich viele Menschen mit kleinen Beträgen und steuern so zu etwas Großem bei. Populäre Beispiele sind die Entwicklung von Open Source Software oder das Internet-Lexikon Wikipedia.16 Daher stammt auch der Begriff „Schwarmintelligenz“. Die Welt wird mit ihrer Vielzahl an Möglichkeiten immer komplexer, da ist es schwierig als Einzelner den Überblick zu behalten. Auf sich allein gestellt, erscheint so manches Problem unmöglich - wenn sich hingegen hunderte oder tausende Menschen zusammentun, erscheint die Herausforderung überwindbar. Der einzelne Mensch profitiert von der sogenannten Schwarmintelligenz, also der Weisheit der Vielen.17

Die nachfolgende Abbildung gibt einen Überblick über „Crowdsourcing“ und die damit in Zusammenhang stehenden Begriffe.
Quelle: eigene Darstellung, in Anlehnung an Charles, D. (2014); Gumpelmaier, W. (2013), S. 8.
[Dies ist eine Leseprobe. Abbildungen und Grafiken werden nicht dargestellt.]

2.2 Crowdfunding

Wie bereits aus der Abbildung im vorigen Kapitel ersichtlich, ist „Crowdfunding“ eine Form des „Crowdsourcing“. Der Begriff „Crowdfunding“ stammt aus dem englischen Sprachraum und setzt sich aus den Wörtern „crowd“, also der „Menschenmenge“ und „funding“, was im Deutschen „Finanzierung“ bedeutet, zusammen.18 Crowdfunding ist eine noch junge Form der Finanzierung von Projekten und Ideen. Der Grundgedanke des Crowdsourcing wird damit beim Crowdfunding wieder aufgegriffen. Die Crowd wird hier allerdings nicht dazu genutzt Informationen, Wissen oder Lösungen zu sammeln, sondern um an finanzielle Mittel für Projekte zu gelangen.19 Die Grundidee dieser Anlageform ist die Realisierung eines Projekts durch eine Vielzahl kleiner Investoren, dem Schwarm. Als deutsches Synonym wird deswegen auch die Bezeichnung „Schwarmfinanzierung“ verwendet.20 Das über Crowdfunding finanzierte Projekt kann in unterschiedlichster Form in Erscheinung treten, sei es ein Buch, ein neues Produkt oder ein junges, innovatives Unternehmen, ein sogenanntes Start-up. Heute werden Start-ups demnach nicht mehr nur von speziellen Investment-Gesellschaften (Venture Capital-Gesellschaft21) oder wohlhabenden Privatpersonen (Business Angels) finanziert.22

Die Anfänge des Crowdfunding liegen bereits Jahrzehnte zurück. Schon 1885 fand ein bekanntes und historisch dokumentiertes Crowdfunding-Projekt statt. Joseph Pulitzer nutzte seine New Yorker Zeitung „The New York World“, um Spender für den Sockel der Freiheitsstatue der Vereinigten Staaten von Amerika zu finden. Der Großteil des Betrags von 250.000 USD fehlte, um das Granitfundament für das Geschenk der Franzosen, die „Liberty Lady“, zu errichten. Nach nur fünf Monaten und mehr als 160.000 Spendern, konnte das Fundament errichtet werden. Unter den Spendern befanden sich Kinder, Straßenhändler, Geschäftsleute und Politiker. Ca. 80% der Gesamtsumme setzte sich aus Spenden von weniger als einem US-Dollar zusammen.23 Als Gegenleistung versprach Pulitzer jedem Spender eine namentliche Nennung in seiner Zeitung. Diese Kampagne würde heute als klassisches Crowdfunding-Projekt bezeichnet werden, da alle Komponenten einer Online-Kampagne gegeben waren: eine große Anzahl an Spendern hat in kurzer Zeit mit kleinen Beträgen dazu beigetragen, den benötigten Betrag gemeinsam zu erzielen und die Kampagne hierzu wurde von nur einer einzigen Stelle- dem Newspaper- umgesetzt.24

Ist im D-A-CH-Raum25 die Rede von Crowdfunding, fällt häufig der Begriff „Crowdinvesting“. Dieser hat sich mittlerweile sogar in der deutschsprachigen Fachliteratur durchgesetzt. Sucht man im Internet nach den Unterschieden zwischen „Crowdinvesting“ und „Crowdfunding“, so findet man mehrfach die Behauptung, dass Crowdfunding die Finanzierung künstlerischer oder sozialer Projekte durch Spenden der Kapitalgeber darstelle. Crowdinvesting hingegen bezeichne das Investieren in Unternehmen mit eindeutiger Gewinnabsicht.26 Diese Unterscheidung ist in den Medien sehr geläufig. Jedoch ist diese Erklärung nur teilweise richtig, da der Begriff „Crowdfunding“ zweimal auftaucht, einmal im weiteren und einmal im engeren Sinne.

Die nachfolgende Abbildung stellt eine nähere Aufschlüsselung des Begriffs „Crowdfunding“ dar:
Abbildung 2: Untergliederung des Crowdfunding
Quelle: Eigene Darstellung, in Anlehnung an Beck, R. (2014) S. 8.
[Dies ist eine Leseprobe. Abbildungen und Grafiken werden nicht dargestellt.]

Die Abbildung verdeutlicht, warum es häufig zu Missverständnissen bei der Unterscheidung zwischen Crowdfunding und Crowdinvesting kommt. Der Begriff Crowdfunding erscheint in dieser Abbildung zweimal. Zunächst wird Crowdfunding als Oberbegriff verstanden. Ist der Begriff des Crowdfundings im weiteren Sinne gemeint, wird das Crowdinvesting als eine Teilmenge dieses verstanden. Crowdfunding taucht aber erneut als Begriff im engeren Sinne auf. Hier wird Crowdfunding so interpretiert, als dass es sich um künstlerische Projekte, Events, kreative Produktideen und Ähnliches handelt, welche fremdfinanziert werden. Der Unterschied zwischen Crowdfunding und Crowdinvesting, so wie er zuvor beschrieben ist, liegt also nur dann vor, wenn von Crowdfunding im engeren Sinne die Rede ist.27

Abhängig von den Finanzierungsbeiträgen, kann der Oberbegriff Crowdfunding verschiedene Formen annehmen. Es wird zwischen „donation-based“, „reward-based“, „lending-based“ und dem „equity-based“ Crowdfunding unterschieden. Übersetzt bedeutet dies eine Differenzierung zwischen den Formen des schenkungs-, vergütungs-, kredit- und eigenkapitalbasierten Crowdfunding.28 Der Begriff des Crowdfundings lässt sich also anhand der hinter der Investition steckenden Motive der Kapitalgeber kategorisieren. Da eine Trennung der verschiedenen Modelle nicht immer einfach ist, kommt es aufgrund des fast fließenden Übergangs dieser vier Arten, die alle unter den Oberbegriff „Crowdfunding“ fallen, häufig zu Verwirrungen.29

Die einzelnen Ausprägungsformen werden in den nachfolgenden Kapiteln näher ausgeführt und unterschieden.

2.2.1 Donation-based Crowdfunding

Bei dem donation-based Crowdfunding, oder auch dem schenkungsbasierten Crowdfunding, handelt es sich um Spenden in Form von Zeit, Wissen oder Geld.30 Das donation-based Crowdfunding ist die am weitesten verbreitete Form des Crowdfundings. Auf diese Weise werden soziale, politische, wissenschaftliche oder kulturelle Projekte finanziert. Der Geldbetrag wird für einen guten Zweck gespendet. Bei dieser Ausprägungsform gibt es demnach keine materielle oder finanzielle Gegenleistung.31 Der große Unterschied zum bekannten, herkömmlichen Spenden liegt darin, dass der Spender im Detail über das Projekt und den Einsatz der Finanzmittel informiert wird.32 Durch diese Transparenz wird die Bereitschaft vieler Menschen, überhaupt eine Spende zu tätigen, erhöht. Dabei wird erneut deutlich, welchen Beitrag das Internet und vor allem die gesunkenen Kommunikationskosten zum Thema Crowdfunding leisten.33

Internetplattformen, die wie z.B. JustGiving oder Spot.us, schenkungsbasiertes Crowdfunding betreiben, machen sich die altruistischen, also uneigennützigen, Motivationen der Spender zu Nutze. Die Stifter unterstützen diese Projekte freiwillig, ohne eine Gegenleistung zu erwarten.34 Es scheint dem Spender nicht wichtig zu sein, eine materielle Gegenleistung zu erhalten. Die Unterstützer geben sich mit einer Danksagung per E-Mail zufrieden und dem guten Gefühl geholfen zu haben.35

2.2.2 Reward-based Crowdfunding

Bei dem reward-based Crowdfunding, dem sogenannten Belohnungsmodel, können Unterstützer Projekte mitfinanzieren und treten als großzügige Geldgeber auf. Im Gegenzug zur Spende werden sie geehrt oder beschenkt.36 Im Gegensatz zum vorher beschriebenen altruistischen Modell erhält der Geldgeber beim Reward-Model eine nicht-monetäre Gegenleistung. Diese kann in Form einer Kopie der Projektergebnisse, wie z.B. einer CD oder einem Exemplar der ersten Baureihe, sein. Dieses Dankeschön weist oftmals einen geringeren materiellen Wert auf als der Betrag des Kapitalgebers.37 Auch wenn sich das Verhältnis zwischen Zuwendung und Erkenntlichkeit nicht immer die Waage hält, liegt dennoch ein Leistungsaustausch mit allen steuerlichen Konsequenzen vor und demzufolge ist die Ausstellung einer Spendenbescheinigung nicht möglich.38 Beim reward-based Crowdfunding ist der Investor, wie auch im vorangegangen Model, durch die Sache an sich motiviert und nicht durch Ertragserwartungen.39

[...]


[1] Beck, R. (2014), S. 9.

[2] Vgl. Beck, R. (2014), S. 13.

[3] Vgl. Littmann, S. (2012); Löher, J. et al. (2015), S. IV.

[4] Vgl. Löher, J. et al. (2015), S. IV; Beck, R. (2014), S.10.

[5] Vgl. Keuper, R. (2016).

[6] Vgl. Bujotzek, P./ Mocker, F. (2016), S.44 f.

[7] Vgl. Beck, R. (2014), S.16; Klöhn, L./Hornuf, L. (2012), S. 240.

[8] Vgl. Beck, R. (2014), S.16.

[9] Vgl. Moritz, R. (2013).

[10] Vgl. Reichel, R. et al. (2015), S. 1.

[11] Vgl. Beck, R. (2014), S.10.

[12] Vgl. Klöhn, L./ Hornuf, L. (2012), S. 240.

[13] Vgl. Deutscher Crowdsourcing Verband e.V. (o.Jg.).

[14] Vgl. Deutscher Crowdsourcing Verband e.V. (o.Jg.).

[15] Vgl. Turki, K. et al. (2016), S. 2.

[16] Vgl. Klöhn, L./ Hornuf, L. (2012), S. 240; Holt, L. (2016).

[17] Vgl. Dambeck, H. (2011).

[18] Vgl. Kletzsch, M. (2013), S. 8.

[19] Vgl. Beck, R. (2014), S. 24.

[20] Vgl. Verbraucherzentrale NRW e.V. (2015), S. 1; Klöhn, L./ Hornuf, L. (2012), S. 240.

[21] Venture Capital, zu Deutsch Risiko- oder Wagniskapital, ist außerbörsliches Beteiligungskapital, welches von dafür vorgesehenen Gesellschaften zur Beteiligung an besonders riskant geltenden Unternehmen bereitgestellt wird.

[22] Vgl. Seedmatch (o.Jg.), S.13.

[23] Vgl. Dapp, T./ Laskawi, C. (2014), S. 3.

[24] Vgl. BBC (2013).

[25] D-A-C-H: Stellt ein Aponym für Deutschland, Österreich und die Schweiz dar.

[26] Vgl. Tschesche, J. (2013).

[27] Vgl. Beck, R. (2014), S. 24-28.

[28] Vgl. Turki, K. et al. (2016), S. 3.

[29] Vgl. Regierer, C. et al. (2015), S. 3 ff.

[30] Vgl. Regierer, C. et al. (2015), S. 3.

[31] Vgl. Kühn, T. (2015).

[32] Vgl. Turki, K. et al. (2016), S. 3.

[33] Vgl. Franke, N. et al. (2014), S. 6 f.

[34] Vgl. Franke, N. et al. (2014), S. 3.

[35] Vgl. Beck, R. (2014), S. 24.

[36] Vgl. Jauernig, H. (2014).

[37] Vgl. Kühn, T. (2015); Regierer, C. et al. (2015), S. 6.

[38] Vgl. Regierer, C. et al. (2015), S. 6.

[39] Vgl. Franke, N. et al. (2014), S. 7.

Ende der Leseprobe aus 81 Seiten

Details

Titel
Crowdinvesting. Anlagemotive, Chancen und Risiken aus Perspektive der Kapitalgeber
Hochschule
Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg in Rheinbach
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
81
Katalognummer
V343549
ISBN (eBook)
9783668333451
ISBN (Buch)
9783668333468
Dateigröße
1269 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Crowdinvesting, Anlagemotive der Crowd, Chancen und Risiken im Crowdinvesting, Crowdinvesting aus Perspektive der Kapitalgeber
Arbeit zitieren
Marina Gilgenbach (Autor), 2016, Crowdinvesting. Anlagemotive, Chancen und Risiken aus Perspektive der Kapitalgeber, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343549

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