Zeit der jüngeren Runen

und das Würfel-Planetarium der Taufe Dänemarks


Forschungsarbeit, 2016
77 Seiten

Leseprobe

Inhalt

Einführung

Versuch einer Begründung der FUThARK-Reform

Die Entwicklung der jüngeren aus der älteren Runenreihe

Vokale und Konsonanten

Die quadratische Anordnung des jüngeren FUThARK

Tageszahlen im alphabetischen Thesis-System

Tageszahlen im System alphabetisch dekadischer Stufen

Runeninschriften des jüngeren FUThARK

Inschrift (DR 239) auf dem Stein von Gørlev

König Gorms Runenstein in Jelling (DR 41)

Die Inschrift mit Unterlegung alphabetischer Thesiszahlen

Transformation der Inschrift A in eine quadratische Anordnung des alphabetischen Thesis-Systems

Transformation von Seite B der Inschrift in eine quadratische Form und Tageszahlen (d) im alphabetischen Thesis-System

Inschrift auf Gorms Runenstein mit Unterlegung von Tageszahlen in alphabetisch dekadischen Stufen

Transformation der Inschriften in quadratische Anordnungen des alphabetischen Systems der dekadischen Stufen

Seite B von Gorms Runenstein in quadratischer Anordnung und im System alphabetisch dekadischer Stufen

‚Die Taufe Dänemarks‘ - Der Runenstein von Harald Blauzahn in Jelling (DR 42)

Seitenbeschreibung

Inschrift mit Unterlegung der Tageszahlen im alphabetischen Thesis-System

Unterscheidung der durch Doppelpunkte / Einfachpunkte gekennzeichneten Bereiche

Unterscheidung von Vokalen und Konsonanten

Steganographische Botschaften

Die 25 Textsegmente

Ein ‚Würfel-Planetarium‘ in den Inschriften von König Haralds Runenstein ?!

Abwicklung der Würfeloberflächen

„Diagonalverschnürung“ des Würfels

Der Mond - Gliederung der synodischen Perioden

Die siderischen Perioden des Mondes

Siderische und synodische Perioden des Merkurs

Venus synodisch/siderisch

Siderische und synodische Perioden des Mars

Synodische und siderische Perioden des Jupiters

Synodische und siderische Perioden des Saturns

Sövestadt-Stein 2 (DR 291)

Verbirgt auch diese Inschrift Daten in Runenquadraten?

Variante der Quadratischen Anordnungen

Nachwort

Anhang

Orthographischer Vergleich

Tabelle der synodischen und siderischen Planeten-Perioden

Definition der synodischen und siderischen Umlaufzeiten der Planeten

Definition der „ Großen Planeten-Jahre “ und ihrer Varianten

Mathematik

Genauigkeit der Daten

Literaturverzeichnis

Abbildungsnachweis

Einführung

Zum Verständnis dieser Abhandlung, insbesondere bezüglich der rekonstruierten Tageszahlen der Runen wird die Kenntnis des Essays „Zeit der Runen in FUThARK und Alphabet der Germanen“ (GRIN-Verlag) empfohlen.

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Fast könnte man an eine Regelhaftigkeit glauben, dass Alphabete, nachdem sie einige Jahrhunderte in Gebrauch waren, einer drastischen Reform unterzogen werden, die in einigen Fällen mit einer erheblichen Reduzierung des Zeicheninventars einhergeht. So geschehen beim 30-stelligen Alphabet von Ugarit als Vorläufer des 22-stelligen phönikischen Alphabets, so die Entwicklung vom 28-stelligen arabischen Neshi-Alphabet zum 26-Stelligen Alphabet des Magrib und auch bei der Reform des 24-stelligen älteren FUThARK zum 16-stelligen jüngeren FUThARK.

Die lautlichen Entwicklungen der Sprachen hätten eher eine Ausweitung des Zeichenbestands erfordert, als eine Reduzierung. Also dürften andere Gründe vorliegen, die eine derartige, im Prinzip widersinnig erscheinende, Entwicklung bedingten.

Versuch einer Begründung der FUThARK-Reform

In Bezug auf das um 8 Runen verkürzte jüngere FUThARK hege ich eine Vermutung, die, im Gegensatz oder als Erweiterung zur etablierten Meinung mit phonologischer Begründung (Arnzt S. 90) die Ursache in religiös politischen Dimensionen sieht; denn, versteht man das FUThARK nicht reduziert auf eine Sammlung von Zeichen, um Sprache wiederzugeben, sondern wesentlich als eine formelhafte „Heilige Schrift“, die das Wesen des Menschen zwischen Himmel und Erde erfasst und leitet, dann muss man sich bezüglich der FUThARK-Reform die Veränderung der Nomenklatur ansehen: Was wurde an Begrifflichkeit eliminiert, was blieb erhalten?

Figur 01 zeigt die Runenreihe des älteren FUThARK mit Kennzeichnung (grau) jener Positionen, die bei der Zeichenreform um ca. 700 nach Chr. eliminiert wurden. (Der Gesamtzeitraum von 19893 Tage bezieht sich auf die 24 Runen des älteren FUThARK).

Es hat den Anschein, als seien aus einer umfassenden Nomenklatur, die sich auf Begrifflichkeiten der Natur und der Kultur bezogen, jene der Kultur abgezogen worden. Es lassen sich vier Wortpaare zusammenstellen, die diesen Vorgang verdeutlichen könnten:

1. gebo und wunjo - Begabung, Gabe der Götter und Wonne, Lust – Was den Menschen zur Kultur befähigt und ihn schließlich in den Genuss des Ertrags bringt.
2. jeran und dagaz – das gute Jahr und der Tag: Die vom Menschen gefasste Ordnung der Zeit, die sein Tun leitet und zum Erfolg führt.

Hier ist eine wesentliche Anmerkung erforderlich. Nach vorherrschender Meinung der Wissenschaft ist jeran, die jara -Rune nämlich nicht entfallen, sondern hat sich über ar akrophonisch zu a(:), dem zweiten a-Laut der jüngeren Runenreihe entwickelt. Schlüssig bewiesen ist dieser Sachverhalt indes nicht. Nach meinen Überlegungen, die sich auf den Wandel der Nomenklatur sowie die Schlüssigkeit der rekonstruierten numerischen Strukturen stützt, hat sich die zweite a-Rune der jüngeren Runenreihe in der Form a aus der Eibenrune E (ei/è/ï) entwickelt, wobei mit der Lautung /è/ eine größere phonologische Nähe zu a(:) besteht, als zum Halbvokal /j/ von ursprünglich jeran und der Umweg über ein akrophonisches Prinzip nicht bemüht werden muss. Die Ergebnisse nachfolgender Experimente und Analysen fußen auf dieser Annahme und dürften sie m.E. bestätigen.

3. per ϸ o (?) und ehwaz - der ‚gezüchtete‘ Obstbaum (?) und das ‚domestizierte‘ Pferd, beides Kulturleistungen des Menschen.
4. ingwaz und o ϸ alan – Der Gott der Fruchtbarkeit, Garant des kulturellen Erfolgs und das ererbte Land, als Weide- oder Ackerland kultiviert, das die Basis der kulturellen Leistung und der Tradition ist.

Ein eigenartiges Licht wirft der Z e i t r a u m der acht Zeichen, die abgezogenen wurden (siehe Fig. 01) auf diesen Zusammenhang und liefert möglicherweise eine erste numerische Stütze der Hypothese. Denn es handelt sich genau um 44 x 88 Tage (= 3872 d). 88 Tage entsprechen dem siderischen Zyklus des Merkurs und Merkur wird nach der Interpretatio Romana mit Odin/Wotan gleichgesetzt. Vom älteren FUThARK, das einem Zeitraum von 226 siderischen Merkurzyklen (19893 d = 226 x 88,02 d) entspricht, wurden 44 Zyklen abgezogen. Eine Anzahl, die selbst der Hälfte der Tage eines siderischen Merkurzyklus gleichkommt. Es wurde die Präsens des Göttervaters somit drastisch um die ‚kulturellen Elemente‘ vermindert.

Was an Begrifflichkeit im jüngeren FUThARK verblieb, könnte einem Urzustand in der wilden Natur entsprechen. Der Mensch erscheint zurückgezogen ins Nomadendasein. Versehen nur mit beweglicher Habe (fehu), durchstreift er wieder die Birken- und Eibenwälder (berkanan, ï waz) auf der Jagd nach wilden Tieren, Ur und Elch (uruz, algiz) unter der ewigen Sonne (sowilo) und dem ebenso ewigen nächtlichen (Sternen-)Wagen (?) (raido),

Und hätte es sich so zugetragen, was könnte dazu veranlasst haben?

In der zweiten Hälfte des 7. Jh. nach Chr., der Entstehungszeit des jüngeren FUThARK, hatte sich das Christentum schon weit nach Nordeuropa ausgebreitet. Sollte hierin ein denkbarer Zusammenhang bestehen? Glaubte man das Geheimnis der alten Religion an die unaufhaltsam wachsende Übermacht der Christen verraten, entweiht und hat deshalb nach einem spirituellen Ausweg oder Rückzug gesucht, ein frühes retour a la nature, eine magisch wirksam geglaubte Antwort auf den Angriff der narrativ ausgerichteten und damit so viel leichter konzipierten und wesentlich verständlicheren Lehre des Christentums? Dieser Akt bescherte der heidnischen Religion und der magisch-astrologischen Literalität ihrer Runenkunst nochmals eine außerordentliche Blütezeit über mehr als 300 Jahre.

Die Entwicklung der jüngeren aus der älteren Runenreihe

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Figur 02

Mit einer Ausnahme - algiz (z/R) wird an das Ende verschoben - folgt die jüngere Runenreihe der Zeichenordnung der älteren und nimmt somit eindeutigen Bezug auf die Vorgaben der ursprünglichen Reihe. Eine Begründung zur Verschiebung von algiz wird sich im Zusammenhang mit den schon angesprochenen numerischen Zeitstrukturen und der in Arbeit befindlichen Logik des Zeichenbaus ergeben. Zu erwähnen ist hier auch, dass algiz (z/R) in der rekonstruierten Alphabetfolge der Runen (siehe „Zeit der Runen in FUThARK und Alphabet der Germanen“) ebenfalls die Schlussposition bildet, so auch der Endbuchstabe „z“ des deutsch-lateinischen Alphabets.

Figur 02 zeigt die alphabetischen Tageszahlen der Zeitebenen, wie sie im Essay „ Zeit der Runen in FUThARK und Alphabet der Germanen“ rekonstruiert und vorgestellt wurden. Die Tageszahlen des älteren und des jüngeren Futhark’s sind identisch. Man beachte, dass die kleinsten Quersummen der dekadischen Stufen und des Thesis-Systems gleich sind. (Beispiel: 28 ≡ 2 + 8 ≡ 10 ≡ 1 + 0 ≡ 1; 1000 ≡ 1 + 0 ≡ 1).

Die überlieferten Geschlechter gliedern die jüngere Runenreihe im Verhältnis von 6 : 5 : 5 Runen. Im älteren FUThARK sind es 8 : 8 : 8 Runen.

Der Zeitraum der FUThARK-Formel (v ußa r k) bildet nun das erste Geschlecht und bleibt mit 2191 Tagen in alphabet-dekadischen Stufen entsprechend 6 Jahren zu je 365 1/6 Tage unverändert gegenüber der älteren Runenreihe.

Insgesamt nehmen das jüngere FUThARK und das ältere zeitmäßigen Bezug auf siderische und synodische Merkurzyklen und dies im System der alphabetisch dekadischen Stufen:

16021 Tage = 182 x 88,02 Tage = 182 siderische Zyklen des Merkurs

Dabei entspricht der Multiplikator den Tage eines halben Jahres (182 + 183 = 365 d).

Rechnerisch lässt sich zwischen älterem und jüngerem FUThARK eine Beziehung herstellen, die sich mit der hervorragenden Zahl „408“ (= 2 x 88d + 2 x 116d = Summe der alphabetischen Thesiszahlen des älteren FUThARK) nochmals auf Merkurdaten stützt:

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Daraus wird ein Ausdruck gewonnen, der für beide FUThARK-Folgen ‚fast‘ gleich ist. Der Unterschied besteht lediglich in einem Additions- bzw. Substraktionszeichen. (Für 88,02..d lässt sich hier ganzzahlig auch 88 + 5 d schreiben).

(204 + 22) x 88 Tage + 5 Tage = 19893 Tage = Zeitraum des älteren FUThARK

(204 - 22) x 88 Tage + 5 Tage = 16021 Tage = Zeitraum des jüngeren FUThARK

Bezüglich synodischer Perioden des Merkurs in der Ebene der alphabetisch-dekadischen Stufen gilt Folgendes: 16021 Tage = 138 x 116,1 Tage

Vokale und Konsonanten

Diese 138 synodischen Merkurperioden werden durch die Unterscheidung des jüngeren FUThARK in Vokale und Konsonanten (siehe auch Zeit der Runen in FUThARK und Alphabet der Germanen S. 39) mit praktisch gleichgroßen Merkurperioden gegliedert.

Vokale: u500 + ᾳ 1 + i1000 + a5000 = 6501 Tage = 56 x 116,1 Tage

Konsonanten:

16021 Tage ( Σ FUThARK) – 6501 Tage (Vokale) = 9530 Tage = 82 x 116,1 Tage

Der Zeitraum der Vokale kann auch durch synodische und drakonitische Monate ausgedrückt werden und erfüllt dabei annähernd wesentliche Bedingungen einer Finsternisperiode:

6501 Tage = 220 synodische Monate zu je 29,55 Tage

6501 Tage = 239 drakonitische Monate zu je 27,2.. Tage

Die quadratische Anordnung des jüngeren FUThARK

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Die Quadratzahl der 16 Runen des jüngeren FUThARK veranlasst zur Frage, ob mit ihr, entgegen der überlieferten Geschlechterordnung von 6 : 5 : 5 Runen, eine verborgene Anweisung zur Anordnung der Runen vorgegeben sein könnte. Nachfolgende Versuche zeigen eine Auswahl von Datenmustern in quadratischer Anordnung der von links nach rechts verlaufenden Runen, die den Schluss nahelegen, dass sie bewusst eingerichtet wurden und nicht das Produkt des Zufalls sind. Es wurden nur die alphabetischen Ebenen des Thesis-Systems und der dekadischen Stufen untersucht.

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Figur 03

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Figur 04

In ausgewogen strukturierter Weise stellen sich Daten von Merkur, Venus, Sonne und Mond ein. Besonders Venus als Wirbelfigur und die Monate als teilbarer Wirbel überzeugen durch ihre formalen Gestaltungen..

Quadratische Anordnung des jüngeren FUThARK

mit Tageszahlen im System alphabetisch dekadischer Stufen

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Figur 05

Zwei gespiegelte Wirbel figurieren synodische Daten von Merkur, Sonne und Mond

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Figur 06

Figur 06 erweitert die Wirbelmuster von Figur 05 zu zwei gespiegelten Formen. Der linke Wirbel erfasst 2 x 66 synodische Merkurperioden mit dem guten Durchschnittswert von 115, 84 Tagen (genauer wäre 115,88 d). Auf die vier Restpositionen ebendort entfallen zwei ganzzahlige Jahre zu je 365 Tage. - Die rechte Swastikaform deckt 3 ⅓ siderische Zyklen des Jupiters mit dem fast genauen Durchschnittswert von 4332,3 Tagen ab, was bei dieser großen Zahl schon sehr erstaunlich ist. Da waren die Entwickler des jüngeren FUThARK wohl in hellenistischer Schule. Gleichzeitig entspricht diese Form 40 ¾ synodischen Mondjahren zu je 354,38 Tagen oder 489 synodischen Monaten, je 29,532 Tagen. – Auf die vier Restpositionen entfallen 1580 Tage. Sie sind in verschiedener Weise als komplexer astronomischer Ausdruck jeweils ganzzahlig deutbar, z.B.:

1580 Tage = 10 siderische Merkurzyklen + 1 synodische Merkurperiode + 1 synodische Venusperiode (10 x 88 d + 116 d + 584 d).

Figur 07 zeigt zwei isomorphe „Hammerformen“ in unterschiedlicher Lage.

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Figur 07

Es erscheinen Daten von Mond, Sonne und Merkur in folgenden Größen:

Links: Hammer = 42 synodische Mondjahre zu je 354,26.. Tage;

Restpositionen = 42 drakonitische Monate zu je 27,2 Tage.

Rechts: Hammer = 21,5 synodische Mondjahre zu je 354,37.. Tage; Restpositionen = 23 Jahre zu je 365,30 Tage

Sollte hier ein formaler Bezug zu Thors Hammer eingerichtet worden sein, der mächtige Hammer als Zeitschablone?

Figur 08 zeigt ein gedreht gespiegeltes doppeltes „F“ als Figuration von Saturn-, Mond- und Merkurdaten. Vielleicht ein stilisierter Reiter auf einem Pferd, Odin auf Sleipnir mit Saturn- und Merkurdaten bekleidet?

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Figur 08

Die linke, dunkelgraue Figuration zeichnet sich durch 19 ½ ganztägige synodische Perioden des Saturns zu je 378 Tage aus, die rechte, ebenfalls ganztägig, durch 2 x 88 siderische Merkurzyklen zu je 88 Tage. Die jeweiligen Restpositionen widmen sich dem Mond, links synodischen Monaten rechts siderischen.

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Figur 09

Stilisierte Reiterfigur Odin/Sleipnir ?

fehu (Vieh) wäre der Pferdekopf und thurisaz (Riese) der Reiter. Dreht man die Figur um, ist manaz (Mensch) der Reiter und algiz (Elch) der Kopf des Reittiers. Der zugehörige Zeitraum mit 2 x 88 Merkurzyklen zu je 88 Tage könnte insgesamt deutlich auf Odin/Mercurius verweisen. Das quadratisch angelegte FUThARK erweist sich als ein Monitor, dessen „Pixel“ Daten in Form geometrischer Figurationen abbilden. Die Qualität der Daten und der Formen spricht für eine bewusste Anlage. Zufall oder unbewusste Anlage könnte im Einzelfall vorliegen, dürfte wegen der Datenfülle prinzipiell aber ausgeschlossen werden können. Bei den nachfolgenden Inschriftenanalysen werden wir diesem Phänomen erneut begegnen.

Runeninschriften des jüngeren FUThARK

Die Auswahl erfolgte unter den Gesichtspunkten des Erhaltungsgrades der Zeichen bzw. der zweifelsfreien Rekonstruktion beschädigter Teile (z.B. Jelling 1 und 2); ferner im Hinblick auf eine besondere magisch astronomische Anlage, z.B. eine Häufung von Periodenrelationen gleicher oder verschiedener Planeten. Ich beginne mit einer Inschrift, an welcher das jüngere FUThARK selbst vollständig beteiligt ist. Die Kennzeichnung der Inschriften folgt dem dänischen Runenatlas (DR).

Inschrift (DR 239) auf dem Stein von Gørlev

Der wegen der vollständigen FUThARK-Folge kulturhistorisch bedeutsame Stein wurde doppelseitig (A/B) beschriftet. Jede Inschrift gliedert sich in zwei von unten nach oben verlaufende Zeilen. Auf Seite B ist die kürzere zweite Zeile durch Abschälung der Oberfläche so sehr beschädigt (es fehlen von ca. 20 Zeichen 6 am Ende), dass sie insgesamt für zeitlich astronomische Deutungsversuche nicht in Frage kommt. Der unbeschädigte größere Teil dokumentiert jedoch eindeutig eine astronomische Anlage.

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‚Wortgrenzen‘ sind durch Teiler in Form dreier übereinanderliegender Punkte angegeben (hier aus technischen Gründen nur zwei Punkte). Streng genommen handelt es sich nicht um Wortteiler, da mehrfach Wortkombinationen zu einem Kontinuum zusammengefasst wurden, ein Phänomen, das auch in anderen Inschriften (z.B. Runenstein von Harald Blauzahn in Jelling, Runenhorn von Gallehus) vorkommt und m.E. einen mittelbaren Hinweis auf eine andere als verbale Bedeutung gibt. Inhaltlich geht es um die Ritzung des Steins nach dem Tode eines Verwandten mit formelhaften Erweiterungen.

Seite A (59 Runen)

1. Zeile mit vier Zeichenfolgen und Tageszahlen in alphabetisch-dekadischen Stufen

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2. Zeile mit zwei Zeichenfolgen und Tageszahlen in alphabetisch-dekadischen Stufen

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Figur 10

Deutung des Gesamtzeitraums der Seite A:

53242 Tage = 459 synodische Merkurperioden zu je 115,99.. Tage

53242 Tage = 605 siderische Merkurzyklen zu je 88,00.. Tage

Wiederum wird Odin/Mercurius angerufen, und dies beweisträchtig gegen eine Zufallserscheinung als Periodenrelation synodischer und siderischer Perioden.

Ferner besteht eine dritte Periodenrelation zu siderischen Venuszyklen mit hoher Genauigkeit:

53242 Tage = 237 siderische Venuszyklen zu je 224,64.. Tage (heutiger Wert 224,70 d)

Die Gliederung des Textes zielt offenbar auch auf eine Einzelwertung oder eine rhythmische Wertung der gekennzeichneten Sequenzen. So verkörpert die FUThARK-Zeile für sich (5. und 6. Sequenz) mit 25141 Tagen

66½ synodische Saturnperioden zu je 378,1 Tage und diese wiederum entsprechen 71 synodischen Mondjahren zu je 354,1 Tage.

Die ungeraden Sequenzen 1., 3. und 5. (in Fig. 10) verkörpern 75 Jahre.

(8180 d + 3191 d + 16021 d = 27392 d = 75 x 365,22.. d)

Die geraden Sequenzen 2., 4. und 6. stehen für 73 synodische Mondjahre.

(2590 d + 14140 d + 9120 d = 25850 d = 73 x 354,1.. d)

Somit gesellen sich zu Merkur und Venus auch noch Sonne, Mond und Saturn.

Seite B (1. Zeile in zwei Sequenzen, ohne teilzerstörte 2. Zeile)

Dieser Teil der Inschrift kann als selbständige, zwischen Begrenzungslinien gesetzte Einheit gewertet werden, da die 2. Zeile offenbar nachträglich in einem viel gröberen Duktus ausgeführt wurde.

Tageszahlen in alphabetisch-dekadischen Stufen

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Figur 11

Die beiden Runensequenzen der unbeschädigten ersten Zeile von Seite B

Eine besondere Erwartung bezüglich des Auftretens magisch-astronomischer Daten liegt auf der mehrfach auch in anderen Inschriften vorkommenden ϸ istil-mistil-kistil -Formel (Lesung der ersten Zeile: Je zwei Runen überspringen, Markierung: schwarz, grau, weiß ) und wird nicht enttäuscht.

In alphabetisch-dekadische Stufen umfasst ihr Zeitraum 9120 Tage.

1. 9120 Tage spalten sich in 15 siderische Mondjahre (ungeraden Ordnungszahlen 1,3,5,.. bis 17 in Fig. 11) und 11 ½ Jahre (gerade Ordnungszahlen).

9120 Tage = 15 x 328 Tage + 11 ½ x 365,22 Tage

2. Ferner entsprechen 9120 Tage 10 siderischen Mondjahren und 10 synodischen

Venusperioden

9120 Tage = 10 x 328 Tage + 10 x 584 Tage

3. Auf Vokale entfallen 6000 Tage, vielleicht zu deuten als 15 synodische Jupiterperioden zu je 400 Tage mit je einem überschüssigen Tag in Bezug auf den Durchschnittswert.

4. Auf Konsonanten kommen 3120 Tage.

Es sind ganztägig genau 4 synodische Marsperioden zu jeweils 780 Tage.

Die zweite Runensequenz der Seite B umfasst 24850 Tage. Sie entspricht mit etwas überhöhten Einzelwerten 70 Mondjahren zu je 355 Tage oder 68 Jahren zu je 365,44 Tage.

Beide Runenfolgen der ersten Zeile von Seite B bilden einen Zeitraum von 33970 Tage.

Es sind 93 Jahre zu je 365,26.. Tage.

Zu den 93 Jahren besteht eine Periodenrelation in Form von 2 x 193 siderischen Merkurzyklen zu je 88,00.. Tage.

Die Inschrift auf dem Stein von Gørlev scheint wesentlich mittels Daten der alphabet-dekadischen Stufen angelegt worden zu sein. Einige Versuche mit anderen Zahl- bzw. Zeitebenen brachten bisher keine verwertbaren Ergebnisse.

Und rate die Runen, die von den Ratern (= Göttern)

stammenden wie sie Alrik lubR malte.

Stein von Noleby

Übersetzung Klaus Düwel

König Gorms Runenstein in Jelling (DR 41 )

Wegen der erstmaligen Nennung des Staatsnamens „Dänemark“ hat diese Runeninschrift eine besondere kulturhistorische Bedeutung. Er steht heute neben dem ebenso bedeutsamen, um ca. 50 Jahren jüngeren Stein von Gorms Sohn, König Harald, der sog. „Taufe Dänemarks“.

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Seite A des stark verwitterten Steins

Die Runenfolge ist indes mit kleinen Ausnahmen gesichert.

Die Rekonstruktion der beschädigten Zeichen erweist sich nachfolgend als zutreffend.

Seite A (36 Runen; 8 Segmente)

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Figur 12

(Die Rekonstruktion beschädigter Runen ist grau unterlegt.)

Übersetzung: König Gorm machte dieses Denkmal nach Thyre seiner Frau

Seite B (16 Runen; 3 Segmente)

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Figur 12.1

Übersetzung: (Seine) Dänemarks Zierde

Die Inschrift mit Unterlegung alphabetischer Thesiszahlen

Seite A (36 Runen)

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Figur 12.2

Der Zeitraum der ersten Seite umfasst 815 Tage. Acht durch Doppelpunkte begrenzte Segmente gliedern die Zeitspanne nach verschiedenen Gesichtspunkten in diverse Planetendaten. Die ersten 4 Segmente entsprechen 2 siderischen Venuszyklen zu je 224,5 Tage (116 + 146 + 124 + 63 = 449 d = 2 x 224,5 d). Die folgenden 4 Segmente bilden ein Schaltjahr zu 366 Tage (90 + 78 + 112 + 86 = 366 d). Auf die mittleren vier Segmente (124 d + 63 d + 90 d + 78 d) kommt mit 355 Tagen die Zeit eines synodischen Mondjahres. Der Königsname „kurmR“ der ersten Zeile bildet mit 116 Tagen den Zeitraum einer synodischen Merkurperiode und nimmt damit in sinnträchtiger Weise Bezug auf Odin/Mercurius. Der Königstitel „ kunukR“ selbst entspricht mit 146 Tagen einem Viertel der synodischen Venusperiode (1/4 von 584 d). Die 2. und 3. Zeile der Seite A figurieren mit 553 Tagen einen siderischen Venuszyklus (225 d) und ein siderisches Mondjahr (328 d).

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Seite B

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Figur 12.3

Die Besonderheit von Seite B besteht darin, dass der Staatsname mit einem siderischen

Venuszyklus (225 d) belegt ist; eine Liebeserklärung von höchstem Rang?

Beide Seiten des Steins (815 + 367 = 1182 d) umfassen einen Zeitraum von 40 Monaten mit etwas überhöhten Einzelperioden zu je 29,55 Tage. (Den gleichen Wert trifft man auf dem Runenhorn von Gallehus im älteren Futhark an; dort 18 x 40 x 29,55 d).

Wird der Zeitraum der Seite B vom Zeitraum der Seite A abgezogen verbleiben zwei siderische Venuszyklen zu je 224 Tage.

Sonne, Mond, Merkur und Venus sind die beherrschenden Gestirne der Zeitmagie von Gorms Runenstein in dieser Anordnung und der Ebene der alphabetischen Thesis-Zahlen.

Damit könnte man es hier bewenden lassen, würfe die Anzahl der Runen - 36 auf Seite A und 16 auf Seite B - nicht die unbeantwortete Frage auf, warum zweimal eine Quadratzahl zugrunde gelegt wurde.

Transformation der Inschrift A in eine quadratische Anordnung

des alphabetischen Thesis-Systems

Da die Inschriften beider Seiten durch die Anzahl der Runen die Möglichkeit quadratischer Anordnung nahe legen, stellt sich auch hier die Frage, ob in solchen Anordnungen in geometrischer Weise und analog zum Futhark Daten in steganographischer Weise angelegt sein könnten. Die Figuren 13 ff könnten das bestätigen.

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Der weiße Bereich stellt die 365 Tage eines Jahres dar, der graue Bereich verkörpert zwei siderische Venuszyklen zu je 225 Tage (365 d + 225 d + 225 d = 815 d).

Die 36 Runen der Seite A werden hier also in astronomisch sinnvoller Weise in zwei Bereiche gegliedert, die jeweils einer doppelt symmetrischen Geometrie entsprechen. - Um dem Argument des Zufalls entgegenzuwirken, werden die beiden unterschiedenen Bereiche in Fig. 13.2 nochmals in astronomische Daten gegliedert.

[...]

Ende der Leseprobe aus 77 Seiten

Details

Titel
Zeit der jüngeren Runen
Untertitel
und das Würfel-Planetarium der Taufe Dänemarks
Autor
Jahr
2016
Seiten
77
Katalognummer
V343628
ISBN (eBook)
9783668341944
ISBN (Buch)
9783668341951
Dateigröße
1732 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Futhark-Reform, Runen, 700 n.C., dänische Runen, Runensteine
Arbeit zitieren
Dipl.-Ing. Hermann Wenzel (Autor), 2016, Zeit der jüngeren Runen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343628

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