Inwieweit treffen theoretische Modelle im Rahmen der Materialbedarfsplanung realitätsnahe Aussagen? Lassen sich diese Modelle zudem in der Praxis umsetzen? Um diese Fragen zu beantworten, werden verschiedene Bestellregeln im Rahmen der Materialbedarfsplanung zusammengetragen und auf ihre strukturellen Merkmale hin untersucht. Die vorliegende Arbeit soll somit einen Einblick dahingehend geben, in welcher Weise theoretische Modelle der Vorratsergänzung mit Hilfe von Bestellregeln die Realität beeinflussen.
Die Materialbedarfsplanung im Bereich der Logistik stellt einen kleinen und standardisierten Bereich der operativen Planung dar. Diese Form der Planung findet Anwendung in vielen verschiedenen Unternehmungen. Die Materialbedarfsplanung stellt eine wichtige Methode für die Realisierung einer kostenoptimalen Materialversorgung dar. So soll im Optimum stets nur so viel Material vorhanden sein, wie es kurzfristig benötigt wird.
In dieser soll daher Arbeit untersucht werden, inwiefern sich in der Theorie entwickelte Bestellregeln in Praxis realitätsnah umsetzen lassen. Weiter soll analysiert werden, ob die in der Theorie entwickeln Modelle tatsächlich auch in der Praxis ein Verhalten aufweisen, wie es theoretisch erwartet wird. Insbesondere soll es durch den Einsatz von SAP R/3 ermöglicht werden, das Verhalten eines Modells in einem Praxisbeispiels zu untersuchen. Diese Analyse soll die Lücke zwischen Theorie und Praxis bewerten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundverständnis logistischer Systeme
3 Einführung in die Materialbedarfsplanung
3.1 Material Requirements Planning
3.2 Manufacturing Resource Planning
3.3 Enterprise Ressource Planning
4 Grundbegriffe im Rahmen der Materialbedarfsplanung
4.1 Materialbedarfsarten
4.2 Brutto- und Nettobedarf
4.3 Grundprinzipien des Materialbestands
4.3.1 Sicherheitsbestand
4.3.2 Meldebestand und Bestellpunkt
4.3.3 Höchstbestand - Maximalbestand
4.4 Materialbedarfsermittlung
4.5 Bestellmengenplanung
5 Klassifizierung von Bestellregeln
5.1 Vorratsergänzung
5.2 Verbrauchsbedingte Vorratsergänzung
5.2.1 Bestellpunktverfahren
5.2.2 Bestellrhythmus-Verfahren
5.3 Bedarfsbedingte Vorratsergänzung
6 Materialbedarfsplanung innerhalb von SAP R/3
6.1 Voraussetzungen
6.2 Bedarfsplanung in der logistischen Ketten
6.3 Dispositionsverfahren
6.3.1 Deterministische Disposition
6.3.2 Verbrauchgesteuerte Disposition
6.3.2.1 Bestellpunktdisposition
6.3.2.2 Ablauf der Bestellpunktdisposition
6.4 Praxisbeispiel anhand des Bestellpunktverfahrens in SAP R/3
6.4.1 Anpassung innerhalb des Materialstamms
6.4.2 Analyse des verfügbaren Lagerbestands
6.4.3 Durchführung der Materialbedarfsplanung
7 Kritische Würdigung
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, theoretische Bestellregeln der Materialbedarfsplanung auf ihre Realitätsnähe zu untersuchen und deren Umsetzung in der Standardsoftware SAP R/3 zu analysieren, um die Lücke zwischen theoretischen Modellen und betrieblicher Praxis zu bewerten.
- Grundlagen logistischer Systeme und Materialbedarfsplanung (MRP, MRP II, ERP)
- Klassifizierung verschiedener Bestellregeln (z.B. (s,Q)-Regel, (s,S)-Regel)
- Funktionsweise der Materialbedarfsplanung innerhalb von SAP R/3
- Durchführung einer beispielhaften (s,S)-Bestellpolitik am SAP-System
- Kritische Gegenüberstellung theoretischer Bedarfsverläufe und realer Gegebenheiten
Auszug aus dem Buch
6.4.1 Anpassung innerhalb des Materialstamms
Zu Beginn ist das zu planende Material zu überprüfen. Hierzu wird die Transaktion MM01 (Material erstellen) aufgerufen, sofern das Material noch nicht existiert. Andernfalls ist die Transaktion MM02 (existierendes Material bearbeiten) auszuwählen, sofern das Material bereits existiert. Bei der Erstellung oder Bearbeitung des Materials ist zudem darauf zu achten, dass mindestens die folgend erwähnten Sichten ausgewählt werden: Grunddaten 1-2, Einkauf, Disposition 1, Buchhaltung 1-2.
In der folgenden Abbildung sollen die wichtigsten Informationen bzgl. des Materials für das Beispiel des einstufigen Bestellpunktverfahrens dargestellt werden.
Dabei gelten der Parameter Dispomerkmal und Dispolosgröße als die wichtigsten Felder. Das Dispositionsmerkmal ist ein Schlüssel zur Steuerung des MRP-Laufs. Er definiert, ob und wie das Material disponiert wird. Dabei bietet dieser Steuerschlüssel u.a. folgende Möglichkeiten: Die manuelle Bestellpunktdisposition, die maschinelle Bestellpunktdisposition, Plangesteuerte Disposition mit Prognosen für den ungeplanten Verbrauch sowie die Leitteileplanung. Zudem soll im Rahmen Beispiels das Standard-SAP Dispomerkmal des Typs PD (Plangesteuerte Disposition) verwendet werden. Weiter soll als Parameter der Dispolosgröße HB (Auffüllen bis Höchstbestand) ausgewählt werden. Als weiteren Steuerschlüssel ist nun der Meldebestand zu definieren, um festzulegen, an welchem Punkt eine Bestellung ausgelöst werden soll. Aufgrund der verwendeten Dispolosgröße „HB“ ist ein Höchstbestand festzulegen, bis zu dessen Höhe der Bestand aufgefüllt werden soll.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Definiert die Forschungsfrage nach der Umsetzbarkeit theoretischer Bestellmodelle in der Praxis und skizziert den Einsatz von SAP R/3 zur Bewertung dieser Lücke.
2 Grundverständnis logistischer Systeme: Erläutert die Rolle der Logistik im Kontext von Materialflusssystemen und führt zentrale Begriffe wie die 6R der Logistik ein.
3 Einführung in die Materialbedarfsplanung: Beschreibt die Evolution von einfachen computergestützten Steuerungssystemen hin zu integrierten MRP-, MRP II- und ERP-Lösungen.
4 Grundbegriffe im Rahmen der Materialbedarfsplanung: Definiert essenzielle Begriffe wie Materialbedarfsarten, Bestandsgrößen (Sicherheitsbestand, Meldebestand) und die Methoden der Bedarfsermittlung.
5 Klassifizierung von Bestellregeln: Klassifiziert verschiedene Ansätze der Vorratsergänzung, insbesondere das Bestellpunkt- und Bestellrhythmusverfahren unter Berücksichtigung von Bestellmenge und -zeitpunkt.
6 Materialbedarfsplanung innerhalb von SAP R/3: Untersucht die technische Implementierung der Bedarfsplanung, unterscheidet zwischen deterministischen und verbrauchsgesteuerten Verfahren und demonstriert den Prozess anhand eines Praxisbeispiels.
7 Kritische Würdigung: Reflektiert die Unterschiede zwischen theoretischen Modellen (stetige Verläufe) und der Realität (sprunghafte Treppenverläufe) und bewertet den Nutzen von SAP-basierten Planungsstrategien.
Schlüsselwörter
Materialbedarfsplanung, SAP R/3, Bestellregeln, Vorratsergänzung, Logistik, MRP, Materialstamm, Dispositionsverfahren, Lagerbestand, Sicherheitsbestand, Meldebestand, Bestellpunktverfahren, ERP-System, Produktionsplanung, Bestandsführung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, inwieweit theoretische Modelle der Materialbedarfsplanung in der betrieblichen Praxis unter Nutzung von SAP R/3 umsetzbar sind und welche Unterschiede zwischen Modell und Realität bestehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen die logistischen Grundlagen, die Klassifizierung von Vorratsergänzungsregeln sowie die softwaretechnische Umsetzung und Steuerung von Materialdispositionsprozessen in SAP ERP.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die "Lücke zwischen Theorie und Praxis" zu bewerten, indem untersucht wird, ob theoretische Bestellmodelle realitätsnahe Ergebnisse liefern oder ob sie aufgrund ihrer idealtypischen Annahmen in der Praxis modifiziert werden müssen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Literaturanalyse zu logistischen Grundlagen mit einer exemplarischen, praxisnahen Fallstudie zur Durchführung einer Bedarfsplanung in einer SAP R/3 Enterprise Umgebung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil deckt die Definition logistischer Basiskonzepte, die detaillierte Klassifizierung von Bestellregeln (wie (s,Q)- oder (s,S)-Politik) sowie die konkrete Anwendung der SAP-Transaktionen MM01, MD04 und MD02 ab.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Materialbedarfsplanung, Bestellpunktverfahren, SAP R/3, Vorratsergänzung, Sicherheitsbestand und Dispositionsverfahren charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Realität vom theoretischen Bedarfsverlauf in dieser Untersuchung?
Die Untersuchung zeigt, dass theoretische Modelle oft stetige Liniendiagramme nutzen, während die Realität durch sprunghafte, treppenförmige Verbräuche geprägt ist, was das Erreichen theoretischer Höchstbestände in der Praxis erschwert.
Warum ist die Akzeptanz der Mitarbeiter bei der Einführung dieser Systeme wichtig?
Da SAP-Systeme auf präzisen Eingabedaten basieren, führen fehlerhafte Daten zu ineffizienten Bestellungen oder Lieferverzögerungen; daher ist eine Schulung und Identifikation von Schlüsselpersonen für den Projekterfolg unerlässlich.
- Arbeit zitieren
- Timo Guenter (Autor:in), 2015, Analyse zur Umsetzung von Bestellregeln der Vorratsergänzung mit Hilfe der Materialbedarfsplanung in SAP R/3 ERP, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343650