Ritualtheorien von Arnold van Gennep und Victor Turner im Vergleich


Klausur, 2016
9 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsangabe:

Einleitung

Arnold von Gennep (1873-1957)

Statisches und dynamisches Moment der Gesellschaft

Funktion des Übergangsritus

Die 3 Phasen-Struktur

Ritenkategorien

Victor Turner (1920-1983)

Liminalität

Communitas

Dialektik der 2 Gesellschafts-Komponenten

Liminoide Riten und millenarische Bewegungunen

Kritik und Schluss

Einleitung

In dieser Arbeit will ich kurz Ritualtheorien von 2 Ethnologen darstellen, die für die Entwicklung innerhalb der Ritualforschung bis zu ihrem heutigen Stand wichtig sind.

Früher hat man Rituale meist als relativ gleichbleibende, periodisch abgehaltenen Handlungsabfolgen vor allem im Kontext der Religion verstanden. Dementsprechend wurde der Begriff Ritual meist im Sinne von „Gottesdienst“ verwendet. Heute versteht man Rituale viel allgemeiner als symbolische Handlungen, als Interaktionen mit der Umwelt oder auch als geregelte Kommunikationsabläufe.

Man findet Rituale dem heutigen Verständnis nach vor allem im Bereich des Miteinanders in Form von Gepflogenheiten, Sitten, Bräuchen usw. Sie sind aber auch auf der Ebene des individuellen Verhaltens anzutreffen; z.B. als Zwangshandlung oder Gewohnheit. Arbeiten zum Ritual kommen aus so unterschiedlichen akademischen Bereichen wie: Recht, Sport, Kommunikation, Medien, Psychologie, Medizin, Pädagogik usw. In den USA hat sich seit den frühen 1980 ern ein neuer interdisziplinären Fachbereich etablieren können, die „ritual studies“.

Arnold von Gennep (1873-1957)

Van Gennep war ein französischer Ethnologe und einer der 1., der die vielen u.a. aus den Kolonialgebieten eingetroffenen Ritual-berichte nach ihrem jeweiligen Anlass ordnete, gegenüber stellte und durch vergleichende Analysen Analogien herausstellte. Er befasste sich aber auch mit der Ethnographie Frankreichs.

Sein Hauptwerk ist „Les Rites des Passage“ von 1909. Größere Aufmerksamkeit wurde ihm allerdings erst ab 1960 nach der Übersetzung ins Englische entgegen gebracht. Seit her genießt seine Arbeit allgemeine Anerkennung. Zu Lebzeiten blieb van Gennep ein akademischer Außenseiter, was auch der Ablehnung, die er von Seiten Emile Durkheims und seiner Schüler erfuhr, verantwortlich gemacht.

Statisches und dynamisches Moment der Gesellschaft

Um van Genneps Theorie der Übergangsriten zu verstehen, muss man seine zugrunde liegende Vorstellung von den 2 Momenten einer jeden Gesellschaft berücksichtigen. Nach van Gennep ist eine Gesellschaft in verschiedenste soziale Gruppen und Untergruppen aufgeteilt. So gibt es z.B. Geschlechts-, Alters-, Familien-, Berufsgruppen, politische und territoriale Einheiten usw. Im Vorhandensein dieser relativ festen Gruppen erkennt er das statische Gesellschafts-Moment.

Das 2., das dynamische Moment ist bestimmt von der Notwendigkeit eines jeden Einzelnen im Laufe seines Lebens immer wieder seine soziale Gruppenzugehörigkeit zu wechseln. Die Notwendigkeit des Wechsels oder Übergangs von einer Position innerhalb der Gesellschaft zu einer anderen ist einerseits durch das fortschreitende Altern vom Kind über den Erwachsenen zum Greis vorgegeben, andererseits auch von der sozialen Entwicklung bestimmt.

Funktion des Übergangsritus

Nach van Gennep stellen all diese Übergänge einen gewissen Bruch in der Biographie des Betroffenen dar, und bedeuten somit eine Gefahr für die Stabilität des Einzelnen als auch der Gesellschaft als Ganzem. Um diese Gefahr zu minimieren, um den Übergang in bestimmte Bahnen zu lenken, werden die Positionswechsel durch den Ritus in die gesellschaftliche Kultur eingebunden. Die Riten stellen also den Versuch dar, die soziale Dynamik der Gesellschaft zu kontrollieren.

Übergangsriten können z.B. Hochzeits-, Bestattungs-, Initiationsriten usw. sein.

Die 3 Phasen-Struktur

Van Gennep hat weiter festgestellt, dass die Übergangsriten stets nach einem bestimmten Muster, in einer 3 Phasen-Struktur abgehalten werden. Innerhalb des Ritus werden oft noch kleinere untergeordnete Rituale vollzogen, die die jeweilige Phase charakterisieren.

In der 1. Trennungsphase, wird das rituelle Subjekt aus seiner alten Gruppe und Position in der Gesellschaft herausgelöst. Er entledigt sich seiner hierarchischen Statusmerkmale und mit ihnen die mit der Position verbundenen Rechte und Pflichten. Das kann symbolisch durch Haare-Schneiden oder Kleider-Wechsel zum Ausdruck kommen.

Besonders die Zwischen- oder Umwandlungsphase kann so ausgeprägt sein, dass sie selbst wieder in 3 Phasen aufgeteilt ist und eine Phase aufweist, die in den Schwellenzustand einführt und eine, die wieder herausführt. Während dieser Phase wird das Subjekt gewandelt, verändert. Es bereitet sich auf die neue Position und Gruppe vor und verinnerlicht seinen neuen Status. Es wird oft von den Anderen separiert, kann einen Schleier tragen etc.

In der Angliederungsphase wird das Betreffende in seine neue Gruppe aufgenommen und willkommen geheißen. Er erfährt, was die neue Stellung für Rechte und Pflichten, Normen und Werte mit sich bringt. Die neue Einheit kann durch gemeinsame Handlungen wie einen Tanz, durch eine symbolische Verbindung (Ehering) usw. zum Ausdruck kommen.

Angewandt auf eine unserer Hochzeiten könnten diese 3 Phasen im Junggesellenabschied, dem Polterabend und der Trauung erkannt werden.

Sehr häufig werden nach van Gennep Riten in Analogie zu räumlichen Übergängen wie Grenzüberschreitungen angelegt.

Ritenkategorien

Zudem entwickelt van Gennep ein Kategorien-Modell, welches sich mit der dem Ritus zugrundeliegende Vorstellung des jeweiligen Wirkprinzips auseinandersetzt.

So unterscheidet er z.B. animistische Riten, die sich auf eine persönliche Kraft beziehen von dynamistischen, die sich wiederum an eine unpersönliche Kraft wie etwa das Mana wenden. Direkte Riten beruhen auf der Vorstellung einer direkten Kraftübertragung z.B. mittels eines Zaubers, während sich indirekte um die Vermittlung durch ein höheres Wesen bemühen (Anbetung, Gelübde). Sympathetische glauben daran, dass Ähnliches auf Ähnliches eine Wirkung haben kann, und kontagiöse Riten bauen auf der Vorstellung der Übertragung von Kräften oder Eigenschaften durch Kontakt. Um nur einige Kategorien zu nennen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Ritualtheorien von Arnold van Gennep und Victor Turner im Vergleich
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Vergleichende Religionswissnschaft)
Veranstaltung
Magister - Abschlussprüfung, schriftliche Prüfung - Klausur
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
9
Katalognummer
V343673
ISBN (eBook)
9783668341340
ISBN (Buch)
9783668341357
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Victor Turner, Arnold van Gennep, Ritualtheorie, Liminalität, Communitas, 3-Phasen-Struktur, Theorien
Arbeit zitieren
Simon Knopf (Autor), 2016, Ritualtheorien von Arnold van Gennep und Victor Turner im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343673

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