Individualisiertes Lernen stellt zurzeit ein aktuelles Thema dar. Schüler- und Lerngruppen sind während der letzten Jahrzehnte in sämtlichen Schulformen heterogener geworden. Eine der Hauptursachen dafür sind die gesellschaftlichen Entwicklungen. „Infolge von Globalisierung, internationaler Migration, Pluralisierung familiärer Lebensformen und gesellschaftlicher Individualisierungstendenzen werden traditionelle Lebenszusammenhänge weitgehend aufgelöst und durch sehr vielfältige Lebensweisen ersetzt“ (Wesemann 2014, S. 10). Angesichts der vielschichtigen Strukturen in der Gesellschaft und im Klassenraum, ist die Berufspädagogik herausgefordert, Unterrichtsmethoden verstärkt zu individualisieren. Lehrende sind dazu angehalten, ihr Lernangebot an die unterschiedlichen Lernausgangslagen, Erwartungen und Interessen der einzelnen Schüler anzupassen (vgl. Wesemann 2014, S. 10). Individualisierte Unterrichtsformen erscheinen notwendig, „um der wachsenden Heterogenität innerhalb der beruflichen Bildung begegnen zu können und um Vielfalt als Herausforderung und Chance zu nutzen und zu fördern“ (Dubios 2009, S. 6).
Mit dem Projektbegriff wird immer wieder die Forderung nach Handlungsorientierung verbunden. Die an einem Projekt beteiligten Schüler sollen sich selbstständig mit der Lösung eines Problems oder der Bearbeitung eines – selbst definierten – Auftrags unter Beteiligung möglichst vieler Sinne auseinandersetzen (vgl. Rathenow 2008). Dies soll sie bestmöglich auf die Praxis und den Berufsalltag vorbereiten, da besonders in der Wirtschaft zunehmend Selbstständigkeit von Mitarbeitern gefordert wird. Die zunehmende Komplexität der Aufgabenstellungen können häufig nicht mehr von einzelnen Mitarbeitern bewältigt, sondern müssen in verschiedener Abteilungen innerhalb einer Projektgruppe erarbeitet werden. Dabei umfasst die Arbeit in Projektgruppen Aufgaben, die bereits in einem schulischen Projekt trainiert werden können. In der Schule erlangen die Schüler Handlungskompetenz und Schlüsselqualifikationen. Zusätzlich geht es bei Projekten um den Erwerb von demokratischen Denk- und Handlungsweisen. Diese Tatsache ist angesichts der gegenwärtigen Diskussion um Effizienzsteigerung und Kompetenzerwerb vielversprechend. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 EINFÜHRUNG UND BEGRÜNDUNG DES THEMAS
1.1 FRAGESTELLUNG
2 PROJEKTMETHODE
2.1 KLÄRUNG DER BEGRIFFLICHKEITEN
2.2 DEFINITION
2.3 GENESE
2.3.1 John Dewey
2.3.2 William H. Kilpatrick
2.4 METHODISCHE MERKMALE
2.4.1 Situationsbezug
2.4.2 Orientierung an den Interessen der Beteiligten
2.4.3 Gesellschaftliche Praxisrelevanz
2.4.4 Zielgerichtete Projektplanung
2.4.5 Selbstorganisation und Selbstverantwortung
2.4.6 Einbeziehen vieler Sinne
2.4.7 Soziales Lernen
2.4.8 Produktorientierung
2.4.9 Interdisziplinarität
2.4.10 Grenzen des Projektunterrichts
2.5 GRUNDMUSTER DER PROJEKTMETHODE NACH FREY
2.5.1 Projektinitiative
2.5.2 Auseinandersetzung mit der Projektinitiative in einem vereinbarten Rahmen (Projektskizze)
2.5.3 Entwicklung der Projektinitiative zum Betätigungsgebiet (Projektplan)
2.5.4 Aktivitäten im Betätigungsgebiet/ Projektdurchführung
2.5.5 Abschluss des Projekts
2.5.6 Fixpunkte
2.5.7 Metainteraktion/ Zwischengespräch
2.6 LEGITIMATION DES PROJEKTARTIGEN LERNENS
2.7 KONSEQUENZEN FÜR DIE EIGENE UNTERRICHTSPLANUNG
2.8 UMSETZBARKEIT, PROBLEME UND FAZIT
3 INDIVIDUALISIERTES LERNEN
3.1 BEDEUTUNG UND DEFINITION
3.2 METHODISCHE MERKMALE
3.3 ASPEKTE INDIVIDUALISIERTEN LERNENS IN DER SCHULE
3.4 LEGITIMATION DES INDIVIDUALISIERTEN LERNENS
3.5 KONSEQUENZEN FÜR DIE EIGENE UNTERRICHTSPLANUNG
3.6 UMSETZBARKEIT UND FAZIT
4 VERBINDUNG VON PROJEKTARTIGEM UND INDIVIDUALISIERTEM LERNEN
4.1 KONSEQUENZEN FÜR DIE UNTERRICHTSPLANUNG
4.2 WEITERES VORGEHEN
5 DIDAKTISCHE PLANUNG DER UNTERRICHTSEINHEIT
5.1 BEDINGUNGSANALYSE
5.1.1 Curriculare Bedingungen
5.1.2 Institutionelle Bedingungen
5.1.3 Soziokulturelle Bedingungen
5.2 BEGRÜNDUNGSZUSAMMENHANG
5.2.1 Gegenwartsbedeutung
5.2.2 Zukunftsbedeutung
5.2.3 Exemplarische Bedeutung
5.3 THEMATISCHE STRUKTURIERUNG/ PÄDAGOGISCHE SACHANALYSE
5.3.1 Perspektiven des Themas
5.3.2 Immanent- methodische Struktur
5.3.3 Einzelmomente
5.3.4 Zusammenhang der Einzelmomente
5.3.5 Schichtung der Thematik
5.3.6 Zusammenhänge der Thematik
5.3.7 Notwendige begriffliche, kategoriale Voraussetzungen
5.4 TEILLERNZIELE
5.5 ZUGÄNGLICHKEIT UND DARSTELLBARKEIT
5.6 LEHR- LERNPROZESSSTRUKTUR
5.7 BEWERTUNG UND AUSWERTUNG
6 PRAKTISCHE DURCHFÜHRBARKEIT
7 ZUSAMMENFASSENDE SCHLUSSBETRACHTUNG
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Verknüpfung und praktischen Umsetzung von individualisiertem und projektartigem Lernen in der beruflichen Bildung, am konkreten Beispiel einer Unterrichtseinheit zum Thema Blutspende für Medizinische Fachangestellte.
- Grundlagen der Projektmethode und des individualisierten Lernens
- Methodische Synergien beider Lernformen im Unterricht
- Didaktische Planung einer Unterrichtseinheit für Berufsschüler
- Praktische Implementierung, Bewertung und Reflexion der Lernformen
Auszug aus dem Buch
2.1 Klärung der Begrifflichkeiten
Im Folgenden werden die unterschiedlichen Begrifflichkeiten der Projektmethode genauer definiert. Im Kontext der Projektmethode tauchen viele Begriffe, wie Projektlernen, Projektarbeit, Projektunterricht oder einfach Projekt auf. Diese Vielfalt an Umschreibungen findet sich in der Literatur vieler Autoren wie beispielsweise Karl Frey (Frey 2012, S. 14), William H. Kilpatrick (Dewey/ Kilpatrick 1935, S. 131) und Herbert Gudjons (Gudjons 2001) wieder. Alle Begriffe werden von unterschiedlichen Autoren bunt durcheinander und häufig synonym verwendet. Beispielsweise nutzt Gudjons innerhalb eines Kapitels die Begriffe Projektmethode, Projektunterricht und Projektarbeit (vgl. Gudjons 2001, S. 80 ff.). Allen Begriffen gleich ist der Wortbestandteil „Projekt“.
Das Wort Projekt stammt vom lateinischen Wort proicere ab und bedeutet so viel wie vorauswerfen, entwerfen, planen oder sich vornehmen. In Verbindung mit Schule kennzeichnet der Begriff die Entwicklung von Unterricht durch die beteiligten Lehrer und Schüler. Neben dem eben definierten Begriff des Projektes ist der zweite Wortbestandteil der Begriff der Methode, dessen Ursprung im Altgriechischen liegt und den Weg der Untersuchung, den Weg, das anzugeben, was man sich vornimmt oder vorgenommen hat, beschreibt (vgl. Frey 2012, S. 14). Der Begriff ist nicht mit dem amerikanischen Begriff „project method“ zu übersetzen, da der Begriffsumfang des amerikanischen Wortes „method“ deutlich weiter ist, als das deutsche Wort „Methode“ und darüber hinaus eine weitere inhaltliche Bedeutung hat (vgl. Hahne/ Schäfer 2011, S. 3). Allen Projektdefinitionen ist ihr deskriptiver Charakter gemeinsam. Anhand von formellen Kriterien entwerfen sie ein Raster, mit dem dem Projektunterricht oder vielmehr die Projektmethode zur Deckung zu bringen sein muss. Ein diesem Raster nicht voll entsprechender Unterricht ist, wie bereits in der Einleitung erwähnt, als projektorientierter Unterricht oder projektartiges Lernen zu bezeichnen. Der Projektunterricht stellt die konsequenteste Umsetzung der Projektmethode dar (vgl. Voß/ Ziegenspeck 1999, S. 42).
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINFÜHRUNG UND BEGRÜNDUNG DES THEMAS: Einleitung in die Relevanz individualisierten und projektartigen Lernens angesichts steigender Heterogenität in Berufsschulen.
2 PROJEKTMETHODE: Detaillierte theoretische Fundierung der Projektmethode, inklusive ihrer historischen Genese, wesentlicher Merkmale nach Frey und Gudjons sowie deren Legitimationsgrundlagen.
3 INDIVIDUALISIERTES LERNEN: Untersuchung des Konzepts des individualisierten Lernens, seiner Definition, methodischen Merkmale und der Herausforderungen bei der Umsetzung im schulischen Kontext.
4 VERBINDUNG VON PROJEKTARTIGEM UND INDIVIDUALISIERTEM LERNEN: Darlegung der theoretischen und praktischen Möglichkeiten, beide Ansätze für eine optimierte Unterrichtsplanung zu kombinieren.
5 DIDAKTISCHE PLANUNG DER UNTERRICHTSEINHEIT: Umfassende didaktische Analyse und Planung einer Unterrichtseinheit zum Thema Blutspende, basierend auf Klafki und Greb.
6 PRAKTISCHE DURCHFÜHRBARKEIT: Reflexion über die Anwendbarkeit der entwickelten Unterrichtspläne im realen Berufsalltag der Medizinfachangestellten-Ausbildung.
7 ZUSAMMENFASSENDE SCHLUSSBETRACHTUNG: Kritische Würdigung der Arbeit, Zusammenführung der zentralen Erkenntnisse und Beantwortung der Forschungsfrage zur Verbindung der Lernformen.
Schlüsselwörter
Projektmethode, Individualisiertes Lernen, Berufliche Bildung, Didaktik, Unterrichtsplanung, Blutspende, Handlungsorientierung, Heterogenität, Kompetenzentwicklung, Medizinfachangestellte, Projektunterricht, Selbstorganisation, Sozialform, Lehr- Lernprozess, Schulpädagogik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit?
Die Arbeit untersucht, wie individualisiertes Lernen und projektartiges Lernen in der beruflichen Ausbildung, speziell an Berufsschulen, sinnvoll miteinander verknüpft werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Arbeit behandelt die Theorie der Projektmethode, Konzepte des individualisierten Lernens, die methodische Verbindung dieser Ansätze und deren didaktische Umsetzung in einer konkreten Unterrichtseinheit.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Ziel ist es, ein Modell für die Verbindung von individualisiertem und projektartigem Lernen zu entwickeln, um der wachsenden Heterogenität in Berufsschulklassen besser zu begegnen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Die Arbeit nutzt eine fundierte Literaturrecherche zur Theoriebildung und wendet didaktische Planungsmethoden (u.a. nach Klafki und Greb) auf ein konkretes Fallbeispiel an.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Projekt- und Individualdidaktik sowie die detaillierte didaktische Planung einer Unterrichtseinheit zum Thema Blutspende.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Forschungsarbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Projektmethode, Individualisierung, Berufspädagogik, didaktische Planung und Handlungsorientierung beschreiben.
Warum wird gerade das Thema "Blutspende" für die Unterrichtseinheit gewählt?
Das Thema eignet sich hervorragend für die Ausbildung zur Medizinischen Fachangestellten, da es fachliches Wissen mit ökonomischen, ethischen und sozialen Dimensionen verknüpft.
Wie werden die Lernenden während des Projekts bewertet?
Die Bewertung erfolgt nicht durch ein einzelnes Notensystem, sondern durch Kompetenzraster, Selbsteinschätzung und Fremdeinschätzung der Gruppenarbeit und des Endprodukts.
Welche Rolle nimmt die Lehrkraft in diesem Unterrichtskonzept ein?
Die Lehrkraft tritt in den Hintergrund und fungiert primär als Lernbegleiter und Berater, während die Schülerinnen und Schüler ihre Lernprozesse weitgehend eigenständig organisieren.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2015, Die Verbindung von projektartigem und individualisiertem Lernen. Unterrichtssequenz für die Berufsschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343797