Vor dem Hintergrund der anhaltenden, auffallend starken Wahlergebnisse der NPD im Landkreis Vorpommern-Greifswald rücken Fragen nach den Ursachen dieser Ergebnisse immer wieder in den Vordergrund. Der Landkreis entstand 2011 durch die Kreisgebietsreform aus den Landkreisen Ostvorpommern und Uecker-Randow, sowie der Stadt Greifswald und Teilgebieten des Kreises Demmin.
Die NPD erzielte seit den Landtagswahlen 2006 in Mecklenburg-Vorpommern für sich äußert beachtliche Ergebnisse. Der Landkreis Vorpommern-Greifswald und auch die ihm vormaligen Landkreise stachen dabei mit besonders hohen Werten teilweise im zweistelligen Bereich immer wieder heraus.
Die schwachen strukturellen Gegebenheiten wie Infrastruktur und Industrie lassen eine Verbindung zu den Wahlergebnissen möglich erscheinen. Daher möchte ich den Einfluss der NPD Wahlplakatwerbung in dem genannten Landkreis in dieser Hausarbeit darlegen und versuchen, ihn anhand der soziostrukturellen und soziokulturellen Faktoren zu veranschaulichen, wie zum Beispiel Mediennutzung, Bildung und der Berufsstand. Dafür werde ich die Wahlwerbung zunächst beleuchten und anhand von drei ausgewählten Plakaten ihren Einfluss analysieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Wahlwerbung der NPD
2. Einfluss auf den Entscheidungsprozess
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der Wahlplakatwerbung der NPD im Landkreis Vorpommern-Greifswald auf den Entscheidungsprozess der Wähler vor dem Hintergrund der soziostrukturellen und soziokulturellen Gegebenheiten der Region.
- Analyse der Wahlkampfmethoden der NPD in ländlichen Regionen
- Bedeutung von Wahlplakaten bei der Adressierung regionaler Probleme
- Identifikation der Wähler mit rechtsextremen Parteiaussagen
- Rolle der soziostrukturellen Faktoren (Arbeitslosigkeit, Abwanderung)
- Wirkung von populistischen Slogans auf die politische Einstellung
Auszug aus dem Buch
1. Wahlwerbung der NPD
Bei den Landtagswahlen 1998 übersprang die NPD in Mecklenburg-Vorpommern erstmals die 1% Marke. Im September 2006 zog die NPD dann, nach dem Bundesland Sachsen, in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern mit 7,3% der Stimmen ein. Einige der demokratischen Parteien atmeten bei diesem Ergebnis sogar noch auf, da in manchen Wahlprognosen der NPD sogar ein zweistelliges Ergebnis vorhergesagt worden war. In Vorpommern-Greifswald allerdings war der Stimmenanteil der damaligen Wahlbezirke Ostvorpommern und Uecker-Randow teilweise doppelt so hoch und damit deutlich im zweistelligen Bereich. Die Politiker der etablierten Parteien konnten sich häufig den Wahlerfolg nicht erklären. Viele Politiker wollten die NPD nach dem gescheiterten Verbotsverfahren einfach ignorieren und abstempeln, aber die NPD hatte sich Anfang des 21. Jahrhunderts gewandelt.
Sie bewegte sich weg von einschlägigen und fremdenfeindlichen Leitsprüchen wie „Keine deutschen Pässe für Ausländer“ auf einer Demonstration 1999 in Dortmund hin zu soziakritischen Themen jeweils auf die einzelnen Regionen zugeschnitten. So engagierte sich die NPD als einzige Partei nach den Landtagswahlen gegen die Gentechnik in Mecklenburg und Vorpommern und stellte sich selbst als eine Partei dar, die ihre Bürger versteht und deren Meinung vertritt. Die Inszenierung und Demonstration einer bürgernahen Partei und die Spezialisierung auf die Ausschlachtung regionaler Probleme wie die Grenzkriminalität und Arbeitslosigkeit führten dazu, dass die NPD in einigen Gemeinden in Ostvorpommern die Partei mit den meisten Wählerstimmen wurde wie zum Beispiel im Dorf Postlow mit 38,6% der Stimmen. Während die führenden Parteien ihren Wahlkampf in den ländlichen Regionen Vorpommerns und Uecker-Randow in den folgenden Jahren vernachlässigten, rang die NPD nicht nur während des Wahlkampfes um Stimmen, sondern organisierte in der Region Veranstaltungen beispielsweise jährlich Kinderfeste.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Wahlwerbung der NPD: Dieses Kapitel analysiert die strategische Neuausrichtung der NPD hin zu sozioökonomisch relevanten regionalen Themen und ihre verstärkte Präsenz durch Plakatkampagnen.
2. Einfluss auf den Entscheidungsprozess: Hier wird untersucht, wie die NPD durch das Aufgreifen regionaler Defizite und eine gezielte Bildsprache psychologische Prozesse bei Wählern beeinflusst, um eine Identifikation mit ihren Positionen zu schaffen.
3. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Polarisierung und die populistische Ansprache der NPD bei einem enttäuschten Wählersegment erfolgreich sind und eine dauerhafte Herausforderung für demokratische Parteien darstellen.
Schlüsselwörter
NPD, Vorpommern-Greifswald, Wahlwerbung, Wahlplakate, Entscheidungsprozess, Rechtsextremismus, Politikverdrossenheit, Grenzkriminalität, Heimat, regionale Probleme, soziostrukturelle Faktoren, Polarisierung, Wahlverhalten, Wahlkampf, Demokratie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie die NPD im Landkreis Vorpommern-Greifswald durch gezielte Wahlplakatwerbung Einfluss auf das Wählerverhalten nimmt und welche Rolle regionale Faktoren dabei spielen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die Strategien der NPD bei der Wahlwerbung, die Wahrnehmung von regionalen Problemen wie Arbeitslosigkeit und Grenzkriminalität sowie die psychologische Wirkung von politischen Parolen auf die Wählerschaft.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Einfluss der NPD-Wahlkampfslogans auf den Entscheidungsprozess der Wähler in der spezifischen soziostrukturellen Umgebung des Landkreises Vorpommern-Greifswald nachzuvollziehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Der Autor wählt einen analytischen Ansatz, bei dem die Wahlkampfmethoden beleuchtet und anhand von drei konkreten Plakatmotiven aus dem Kommunalwahlkampf 2014 ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der NPD-Wahlwerbung, insbesondere deren inhaltliche Wandlung, und eine anschließende Untersuchung, wie diese Werbung den Entscheidungsprozess unter Berücksichtigung lokaler Faktoren beeinflusst.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie NPD, Wahlplakate, Vorpommern-Greifswald, Politikverdrossenheit, regionale Probleme und soziokulturelle Faktoren beschreiben.
Warum ist die Region Vorpommern-Greifswald für die NPD laut der Arbeit besonders attraktiv?
Die Region gilt als strukturschwach mit hoher Arbeitslosigkeit und Abwanderung der jungen Bevölkerung, was zu einer hohen Politikverdrossenheit führt, die die NPD gezielt für ihre Ideologie nutzt.
Wie genau nehmen die Plakate laut dem Autor Einfluss auf den Wähler?
Die NPD nutzt kurze, prägnante Slogans, die regionale Ängste oder Probleme aufgreifen, diese vereinfachen und das Bild einer bürgernahen, problemlösenden Partei vermitteln, um Berührungsängste abzubauen.
- Quote paper
- Georg Kahl (Author), 2014, Einfluss der Wahlplakatwerbung der NPD im Landkreis Vorpommern-Greifswald, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343865