ILD, LG, N8 oder CU - wer kennt sie nicht, die Kürzel mit denen so manche SMS-Nachricht gespickt ist. Und was ist noch anders, an der Rechtschreibung in Kurznachrichten?
Denn eins ist wohl jedem, der mehr oder weniger häufig eine SMS empfängt, schon aufgefallen: hier ist ein besonderer Umgang mit der Rechtschreibung zu bemerken. Waren es früher der Briefverkehr oder die Kommunikation per Telegramm ist seit einigen Jahren auch bei der Kommunikation mit Hilfe der neuen Medien, wie Internet oder Mobiltelefon, der spezifische Umgang mit der Rechtschreibung auffällig.
Weil die Kommunikation durch Kurznachrichten, die mit dem Mobiltelefon gesendet und empfangen werden können, einen zentralen Stellenwert in der Gesellschaft erlangt hat (immerhin versendete im Jahr 2000 der durchschnittliche Handybesitzer rund 35 dieser Kurzmitteilungen pro Monat) widmet sich diese Arbeit der Rechtschreibung in Kurznachrichten. Dazu wird zum einen ein Abriss der Geschichte der deutschen Rechtschreibung geliefert, zum anderen wird die Rechtschreibung in Kurznachrichten, als ein aktueller Gesichtspunkt der Rechtschreibgeschichte, genauer betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einblick in die Geschichte der deutschen Rechtschreibung
2.1. Die deutschen Schriften im 8. bis 11. Jahrhundert
2.2. Die deutschen Schreibungen im 11. bis 13. Jahrhundert
2.3. Entwicklungen im 14. bis 16. Jahrhundert
2.4. Der weitere Entwicklungsprozess im 16. Jahrhundert
2.5. Durchsetzung von Rechtschreibmodellen im 17. Jahrhundert
2.6. Die Herausbildung einer Literatursprache im 18. Jahrhundert
2.7. Der Weg zur einheitlichen Orthographie im 19. Jahrhundert
2.8. Vereinheitlichung und Reform im 20. Jahrhundert
3. Die Rechtschreibung in den neuen Medien
3.1. Eine neue Kommunikationsform: Kurznachrichten
3.1.1. Nutzung von Kurznachrichten
3.1.2. Funktionen der Kommunikation durch Kurznachrichten
4. Die Orthographie in Kurznachrichten
4.1. Die Schreibung in Kurznachrichten
4.2. Kurzformen und Abkürzungen in Kurznachrichten
4.3. Tilgungen und Assimilationen in Kurznachrichten
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die historische Entwicklung der deutschen Rechtschreibung und setzt diese in Bezug zum aktuellen Sprachgebrauch in Kurznachrichten. Das zentrale Ziel ist es zu analysieren, wie sich orthografische Normen durch neue Medien wie Mobiltelefone verändern und ob die dort auftretenden Abweichungen systematischen Prinzipien folgen.
- Historische Entwicklung der deutschen Orthografie (8. bis 20. Jahrhundert)
- Kommunikation mittels SMS und Kurznachrichten
- Phänomene der Rechtschreibung in modernen digitalen Medien
- Kurzformen, Abkürzungen und Tilgungsstrategien
- Sprachökonomie vs. sprachliche Norm
Auszug aus dem Buch
4. 1. Die Schreibung in Kurznachrichten
Im Bereich der Groß- und Kleinschreibung sind in SMS-Texten Unterschiede zur Schreibung in anderen Medien zu finden. Häufig wird hier von der normorientierten Groß- und Kleinschreibung abgewichen. So nennt Schlobinski Abweichungen in Höhe von 60 Prozent, erwähnt aber gleichzeitig, dass über 40 Prozent eine durchgängige Klein beziehungsweise Großschreibung vollziehen (welche durch die einfachere Tastaturbedienung zu erklären ist).
Eine Besonderheit in Kurznachrichtentexten ist die satzinitiale Großschreibung. Hierbei ist nur das erste Wort des Satzes groß geschrieben, andere eigentlich groß zu schreibende Worte sind klein geschrieben. Dies ist auf ein Texterkennungsprogramm zurückzuführen, dass nach einem Punkt automatisch einen großen Buchstaben „anbietet“.
Einige SMS-Versender schreiben ohne Leerstellen zwischen den Wörtern, um Zeichen einzusparen und so mehr Wörter in die Kurznachricht stellen zu können. „Um Wortgrenzen dennoch zu markieren, schreiben manche Sender ganze Wörter abwechselnd groß und klein oder markieren den Wortanfang mit Großbuchstaben. “ In der SMS Kommunikation, einem nicht sanktionierten Bereich, konnte sich diese nicht regelkonforme graphische Form als graphostilistische Markierung neben den regelkonformen Markierungen durchsetzen.
Der Gebrauch von Satzzeichen ist sehr unterschiedlich. „Vom völligen Fehlen von Satzzeichen über die pragmatische Nutzung derselben bis hin zur normgerechten Zeichensetzung lassen sich zahlreiche Variationsmuster beobachten.“ Überraschenderweise – da ja zeichensparend – verzichten in einer Studie von Schlobinski nur 10 Prozent der Schreiber komplett auf eine Satzzeichensetzung. In nahezu zwei Dritteln aller Texte erfolgt die Zeichensetzung normgerecht. Dies ist ebenfalls überraschend, da bei einigen Mobiltelefonen die Eingabe eines Satzzeichens wie Frage oder Ausrufezeichen zahlreiche Tastendrücke erfordert, also zeitaufwändig ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die verbindliche Natur der Orthographie und deren Wandel durch moderne Medien wie Mobiltelefone.
2. Einblick in die Geschichte der deutschen Rechtschreibung: Historischer Abriss der Entwicklung der deutschen Schriftsprache von den ersten Aufzeichnungen im 8. Jahrhundert bis zur Reform im 20. Jahrhundert.
3. Die Rechtschreibung in den neuen Medien: Analyse der Kurznachricht als spezifische Kommunikationsform und ihre wachsende Bedeutung in der Gesellschaft.
4. Die Orthographie in Kurznachrichten: Detaillierte Untersuchung von Abweichungen in der Groß- und Kleinschreibung, der Zeichensetzung sowie dem Einsatz von Kurzformen und Tilgungen.
5. Zusammenfassung: Resümee über die Systemhaftigkeit der Rechtschreibabweichungen in SMS und der Ausblick auf mögliche zukünftige sprachliche Normierungen.
Schlüsselwörter
Deutsche Rechtschreibung, Orthographie, Kurznachrichten, SMS-Kommunikation, Sprachgeschichte, Sprachwandel, Schriftsprache, Kurzformen, Abkürzungen, Assimilation, Graphem, Medienlinguistik, Sprachökonomie, Normabweichung, Kommunikationstechnologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung der deutschen Orthographie und untersucht insbesondere, wie sich diese durch die Nutzung moderner Kommunikationsmittel, speziell Kurznachrichten (SMS), verändert hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit verknüpft die historische Perspektive der deutschen Rechtschreibung mit der modernen Analyse von SMS-Texten hinsichtlich orthografischer Normabweichungen und sprachökonomischer Prozesse.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu ergründen, ob die in Kurznachrichten beobachteten Abweichungen von der Norm willkürlich sind oder ob sie systematischen Prinzipien oder spezifischen Kommunikationsbedürfnissen folgen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse zur Orthographiegeschichte sowie der Auswertung bestehender Studien und Daten zu sprachlichen Aspekten der SMS-Kommunikation.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen historischen Überblick zur Entwicklung der deutschen Schriftsprache und eine detaillierte linguistische Analyse der Schreibbesonderheiten in Kurznachrichten, inklusive Kurzformen, Abkürzungen und Tilgungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Deutsche Rechtschreibung, SMS-Kommunikation, Sprachökonomie, Normabweichung und Schriftsprache.
Warum gibt es in Kurznachrichten so viele Abweichungen bei der Groß- und Kleinschreibung?
Dies ist häufig durch eine technisch bedingte Vereinfachung bei der Tastaturbedienung sowie durch die Nutzung von Texterkennungsprogrammen zu erklären, die oft nur die satzinitiale Großschreibung automatisiert anbieten.
Welche Rolle spielen "Kurzformen" bei der SMS-Kommunikation?
Kurzformen dienen vor allem der Sprachökonomie und dem Einhalten technischer Zeichenbegrenzungen (160 Zeichen), wobei sie zudem eine wichtige Identitätsfunktion innerhalb geschlossener Gruppen erfüllen können.
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- Angela Köhler (Author), 2004, Ein Einblick in den Umgang mit der Orthographie in den neuen Medien am Beispiel der Rechtschreibung in Kurznachrichten (SMS), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34389