Carl Schmitt war einer der umstrittensten und gleichzeitig einer der wirkungsvollsten Vertreter der deutschen Staatstheorie zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Seine Definition von Souveränität war und bleibt auch heute noch Gegenstand heftiger Kontroversen. Die einen sehen in ihm den Kronjuristen des Dritten Reichs und die anderen nutzen seine Souveränitätsdefinition dafür, die asymmetrischen Machtverhältnisse von Wirtschaft und Politik in der „modernen“ globalisierten Welt anzuprangern.
Warum vermag Schmitts Souveränitätsbegriff so kontroverse Meinungen hervorzubringen? Schon bei Thomas Hobbes, zu dem sich Carl Schmitt ideengeschichtlich verbunden fühlte, schieden und scheiden sich die Geister. Dabei lässt sich die ambivalente Rezeption des Hobbesschen Werkes durch den Gegensatz von liberaler theoretischer Basis und den daraus erwachsenen antiliberalen Konsequenzen erklären. Schmitt gilt dabei als ein Vertreter der „schwarzen“ Hobbes-Interpretation, weil er seinen Fokus auf das Letztinstanzlichkeitsargument legt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Von der legitimen Souveränität zur Souveränität als Entscheidungsakt
Souveränität nach Hobbes und Schmitt− ein Vergleich
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Souveränitätsbegriff bei Carl Schmitt, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dessen konzeptionellen Parallelen, Differenzen und Weiterführungen zu Thomas Hobbes liegt. Ziel ist es, die Mehrdeutigkeit von Schmitts Souveränitätskonzept – insbesondere den Übergang von theologisch legitimierter Souveränität zum reinen Entscheidungsakt – zu ergründen.
- Analyse des Souveränitätsbegriffs nach Carl Schmitt
- Vergleichende Untersuchung der Souveränitätstheorien von Carl Schmitt und Thomas Hobbes
- Untersuchung des Ausnahmezustands als juristischer Grenzbegriff
- Kritische Auseinandersetzung mit der Rolle der politischen Theologie
- Beleuchtung der Freund-Feind-Unterscheidung im Kontext staatlicher Ordnung
Auszug aus dem Buch
Von der legitimen Souveränität zur Souveränität als Entscheidungsakt
Lässt der Titel „Politische Theologie: Vier Kapitel zur Lehre von der Souveränität“ auf den ersten Blick vermuten, dass Schmitt sein Souveränitätskonzept ausschließlich innerhalb der Grenzen der politischen Theologie entwickelt, so wird der Leser bzw. die Leserin enttäuscht. Denn explizit wird die politische Theologie „nur“ in einem der vier Kapitel behandelt. Laut Schmitt – so der einleitende Satz des dritten Kapitels – seien „[a]lle prägnanten Begriffe der modernen Staatslehre […] säkularisierte theologische Begriffe“.3 Zu den theologischen Vorstellungen in der Jurisprudenz gehören u.a. Begriffsanalogien wie Wunder und Ausnahmezustand, theistischer Gott und monarchischer König. Auch der Staat erfährt im Rahmen der positiven Jurisprudenz „göttliche“ Zuschreibungen als „der Gütige und Barmherzige […], als Gnadeninstanz“.4 Hänels metaphysische Forderung nach einer notwendigen Einheitlichkeit und Planmäßigkeit des Staates ist im Sinne Schmitts keine sachliche Beantwortung der Frage, was der Staat seinem Wesen nach sei. Zu kurz gedacht sei auch der Bernatziksche Einwand, dass sich eine staatliche Rechtsordnung selber setzen muss.
Nach Schmitt läge genau hier eine in „höherem Maße logische Notwendigkeit“ vor.5 Was er genau darunter versteht, wird sich aus dem Folgenden ergeben.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einführung erläutert die Relevanz des Schmittschen Souveränitätsbegriffs sowie die Zielsetzung der Arbeit, die sich kritisch mit der ambivalenten Rezeption von Thomas Hobbes auseinandersetzt.
Von der legitimen Souveränität zur Souveränität als Entscheidungsakt: Dieses Kapitel analysiert Schmitts "Soziologie der Begriffe" und zeigt den Übergang von theologisch legitimierten Vorstellungen hin zur Entscheidung im Ausnahmezustand auf.
Souveränität nach Hobbes und Schmitt− ein Vergleich: Hier werden die Kontrakttheorie von Hobbes und Schmitts Dezisionismus gegenübergestellt, wobei insbesondere die Rolle des Ausnahmezustands und der Freund-Feind-Unterscheidung hervorgehoben werden.
Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Schmitts Souveränitätsbegriff maßgeblich durch den Wegfall transzendenter Legitimation und die Konzentration auf den Akt der Dezision geprägt ist.
Schlüsselwörter
Carl Schmitt, Thomas Hobbes, Souveränität, Ausnahmezustand, Politische Theologie, Dezisionismus, Rechtsordnung, Staatstheorie, Legitimation, Freund-Feind-Unterscheidung, Leviathan, Säkularisierung, politische Theorie, Rechtsstaat, Notstand.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse des Souveränitätsbegriffs von Carl Schmitt und beleuchtet dessen theoretische Bezüge zu Thomas Hobbes.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert auf die Konzepte der politischen Theologie, den Ausnahmezustand, das Verhältnis von Staat und Recht sowie die Abgrenzung von Freund und Feind.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Mehrdeutigkeit in Schmitts Souveränitätsverständnis zu untersuchen, insbesondere wie sich die Souveränität von einer theologischen Begründung hin zu einem reinen Entscheidungsakt verschiebt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine ideengeschichtliche Analyse durchgeführt, die Schmitts Konzepte in den Kontext der Hobbesschen Staatslehre setzt und die strukturelle Analogie zwischen Theologie und Jurisprudenz prüft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Schmitts Souveränitätsverständnis im Lichte der politischen Theologie sowie den direkten Vergleich seiner Dezisionstheorie mit der Leviathan-Konzeption von Thomas Hobbes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Souveränität, Ausnahmezustand, Dezisionismus, Politische Theologie, Freund-Feind-Unterscheidung und Säkularisierung.
Warum spielt der Ausnahmezustand eine so zentrale Rolle bei Schmitt?
Der Ausnahmezustand dient bei Schmitt als juristischer Grenzbegriff, der es ermöglicht, die "Lücke" im Rechtssystem durch eine souveräne Entscheidung zu füllen, da dort keine normativen Regelungen mehr greifen.
Worin sieht Schmitt die "Bruchstelle" bei Hobbes?
Schmitt identifiziert die Unterscheidung von innerem Glauben (fides) und äußerem Bekenntnis (confessio) bei Hobbes als Achillesferse, da der Souverän den inneren Glauben unberührt lässt, was laut Schmitt den Leviathan von innen heraus zerstört.
- Arbeit zitieren
- Selina Thal (Autor:in), 2010, Carl Schmitts Souveränitätsbegriff. Mehrdeutigkeit und Bezüge zu Thomas Hobbes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/343953