Der Reformwohnungsbau der 20er Jahre anhand der Hufeisensiedlung Britz


Hausarbeit, 2016

11 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Die Hufeisensiedlung Britz
2.1 Entstehung der Hufeisensiedlung Britz
2.2 Bauweise der Hufeisensiedlung
2.3 Bedeutung, Eigentumsverhältnisse und Erhaltung der Hufeisensiedlung

3 Fazit

Literatur

1 Einführung

In Berlin entstanden zu Zeiten der Weimarer Republik zahlreiche Bauten und Wohnsiedlungen. Dies hatte zwei Ursachen, zum einen gab es Nachholbedarf an Wohnungsbauten durch die Stagnation im Ersten Weltkrieg und in den ersten Jahren der Nachkriegszeit und zum anderen konzentrierte sich die Bautätigkeit in der größten Industriestadt Deutschlands, in Berlin (Kloß 1982, S. 7). So setzte in den 20er Jahren der Reformwohnungsbau mit einer enormen Bauleistung ein, es entstanden beispielsweise 1924 10.000 Wohnungen, 1926 16.000 Wohnungen und 1927 27.000 Wohnungen in Berlin (ebd.). Des Weiteren zeichnete sich der Reformwohnungsbau in Berlin durch ein besonderes architektonisches Niveau sowie zahlreiche experimentelle soziale Wohnformen aus (Landesdenkmalamt Berlin 2016, o.S.). Ziel war es, der weniger wohlhabenden Bevölkerung ein gesundheitlich-hygienisches und menschenwürdiges Wohnen zu ermöglichen (ebd.). Politische Rahmenbedingung für die Umsetzung stellte die im Jahr 1925 erlassene Reformbauordnung Berlins dar, sie sollte für eine Auflockerung der Wohngebiete und eine klare Funktionstrennung der einzelnen Stadtgebiete sorgen (Landesdenkmalamt Berlin 2016, o.S.). So nahm von der Innenstadt mit einer 5-geschossigen Bauweise ausgehend, die Baudichte zu den Randgebieten auf eine 2- bis 3-geschossige Bebauung ab (ebd.). Der Reformwohnungsbau in diesem geplanten Umfang konnte somit vor allem auf dem Bauland in den bis dato eher ländlich geprägten Randzonen Berlins stattfinden. Es entstanden entlang der Trassen des Berliner Nahverkehrsnetzes die Großsiedlung Britz (Hufeisensiedlung), die Weiße Stadt (Reinickendorf) und die Siemensstadt (Charlottenburg und Spandau) sowie weitere Siedlungen der Art (Landesdenkmalamt Berlin 2016, o.S.).

Aufgrund der Größe und des sinnbildhaften Kernbaus, ist die Hufeisensiedlung wohl die international bekannteste der genannten Siedlungen der Berliner Moderne. So soll in der vorliegenden Arbeit die Hufeisensiedlung, welche im Rahmen der Berlin-Exkursion der Studiengruppe „Stadt- und Regionalentwicklung“ unter dem Thema „Wohnen“ besucht wurde, als Leitbild des Reformwohnungsbaus der 20er Jahre in Berlin näher beschrieben werden. Ziel ist es, die weitere Entstehung, Siedlungsstruktur und Architektur, Besonderheiten sowie die Erhaltung und die Bedeutung der Hufeisensiedung darzustellen und die Ergebnisse in einem Fazit zusammenzubringen.

2 Die Hufeisensiedlung Britz

Die Hufeisensiedlung Britz ist eine architektonische Besonderheit der 1920er und 1930er Jahre und stellt eine Siedlung des sozialen Wohnungsbaus im Sinne des Reformwohnungsbaus dar. In den nächsten Kapiteln sollen die Besonderheiten dieser Siedlung aufgezeigt werden.

2.1 Entstehung der Hufeisensiedlung Britz

Grundlegende Voraussetzungen für die Entstehung der Hufeisensiedlung Britz waren die Gartenstadtbewegung als Gegenmodell zur Großstadt, der Reformwohnungsbau der 20er Jahre und das Neue Bauen (1910-1930) mit mehr Sozialverantwortung, Typisierung und Rationalisierung im Bauen (Kloß 1982, S. 7).

Zwischen 1925 und 1933 entstand somit aufgrund des Wohnungsmangels im schnell wachsenden Berlin nach dem Ersten Weltkrieg die Hufeisensiedlung als erste Berliner Großsiedlung der Moderne auf den Feldern des ehemaligen Rittergutes Britz (Landesdenkmalamt Berlin 2013, o.S.). Dieses Grundstück wurde von der Stadt Berlin für diese Zwecke angekauft. Es liegt im Süden Berlins, im Bezirk Neukölln, an der Buschkrugallee der ehemaligen Rudower Chaussee (Kloß 1982, S. 15). Im Westen liegt das Dorf Britz mit den im Süden des Dorfes liegenden Bauten des ehemaligen Rittergutes (ebd.) Bis auf die angrenzende Chaussee war das Gebiet verkehrsmäßig nicht erschlossen und ein Bebauungsplan existierte bis 1925 auch nicht (ebd.). Die Nahversorgung war dementsprechend nicht ausreichend. Die Grundstücksfläche umfasste insgesamt 182,180 m², davon wurden lediglich 37,330 m² bebaut und somit waren 144,850 m² Freifläche (Kloß 1982, S. 15). In der Hufeisensiedlung selbst entstanden 1027 Wohnungen, davon 427 Einfamilienhäuser. Insgesamt wurden ca. 2000 Wohnungen in Form von mehrgeschossigen Wohnungen aber auch Reihenhäusern für 5000 Bewohner errichtet (Priebs 2016, o.S.). Von den errichteten Wohnungen sind 45 Prozent Geschosswohnungen (ebd.). Hinzu kamen sieben Läden und ein Café als Wohnfolgeeinrichtungen (Kloß 1982, S. 15).

Die Idee des „sozialen Wohnungsbaus“ wurde von dem Städtebaurat Martin Wagner und seinem Architekten Bruno Taut verwirklicht. Wagner sah die Großsiedlung Britz als Möglichkeit „Studien über das wirtschaftliche Bauen“ zu betreiben (Berlin.de 2016, o.S.). Er beschäftigte sich intensiv mit der Thematik der seriellen Fertigung von Wohnbauten und studierte diese Umsetzungen im Ausland, um sie in Berlin in die Tat umzusetzen (Kloß 1982, S. 16). Damit verbunden waren idealistischer Reformeifer und programmatisches Pathos (ebd.). Bauträger des Projektes war die GEHAG (Gemeinnützige Heimstätten, Spar- und Bau-Aktiengesellschaft), welche dem Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund nahestand (Landesdenkmalamt Berlin 2013, o.S.). Nach der Typisierung der Grundrisse und Rationalisierung der Arbeiten sollte preiswerter Wohnraum, vor allem auch für Arbeiter geschaffen werden. Viele Mieter der Großsiedlung gehörten zur Mittelschicht und waren Mitglieder in Arbeiterparteien und gewerkschaftlich organisiert; es gab jedoch ebenfalls einen großen Anteil nicht eindeutig parteipolitisch gebundener Angestellter sowie Lehrer und Künstler, die das soziale Leben in der Siedlung mitgestalteten (ebd.).

Der Architekt Taut entwickelte aus der Vorgabe, Stockwerks- und Einfamilienreihenhausbau miteinander verbinden zu müssen, eine besondere Qualität seines städtebaulichen Entwurfs (Landesdenkmalamt Berlin 2013, o.S.). Er reagierte auf Topographie und Naturraum indem Taut Gartenstadtelemente (wie z.B. Kleinhaus und Mietergarten) sowie gemeinschaftliche Funktions- und Erlebnisräume auf den sozialen Siedlungsbau der 20er Jahre übertrug (ebd.). Er entwarf somit eine neuartige Siedlungslandschaft. Der Gartenarchitekt Leberecht Migge entwarf die privaten und öffentlichen Grünräume und Plätze (ebd.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Die Hufeisensiedlung Britz (Berlin.de 2016, o.S.)

2.2 Bauweise der Hufeisensiedlung

In diesem Abschnitt soll näher auf die besondere Bauweise der Hufeisensiedlung eingegangen werden. Grundsätzlich wurden einfache Bauelemente für die Siedlungsstruktur verwendet. Für das Hufeisen, welches in Abbildung 1 dargestellt ist, wurde jedoch eine völlig neue Bauweise verwendet, so gab es nun flache Pultdächer. Diese Bauweise wurde stark von den Nationalsozialisten abgelehnt, sie bevorzugten eine traditionelle Bauweise von Häusern mit einem Satteldach (Priebs 2016, o.S.). Wagner und Taut wurde schnell klar, um preiswerten Wohnraum zu schaffen, bedarf es einer Typisierung und Standardisierung des Wohnungsbaus sowie eine Rationalisierung der Arbeiten (Kloß 1982, S. 17). So wurden die Wohnungen beispielsweise nur nach vier Grundrisstypen und zwei Haustypen (Fünf und sechs Meter breite Einfamilienhäuser) standardisiert und auch die Wohnungsgrößen wurden normiert, so gab es Wohnungen mit 1,5 bis 4,5 Zimmern (Priebs 2016, o.S.). Die Großsiedlung Britz entstand in sechs Bauabschnitten. Alle Bauten sind zu Zeilen gereiht und den Einfamilienhäusern ist jeweils ein Mietergarten zugeordnet (Berlin.de 2016, o.S.). Jede Straße erhält seinen eigenen Charakter durch Vor- und Rücksprünge einzelner Baukörper, platzartige Erweiterungen, Reihung, Symmetrie, Wechselspiel, gezielte Lückenbildung und Farbe (ebd.). Das Hufeisen wird gebildet durch das ausgedehnte Rund einer dreistöckigen Häuserwand. Das Innere des Hufeisens stellt eine parkähnliche Anlage mit einer flachen Geländemulde, dem Teich dar. Dies soll Luft, Freiheit und Platz sowie eine Auflockerung der Siedlungsstruktur gewährleisten (Priebs 2016, o.S.). Das Hufeisen bildet das Zentrum der Siedlung, besitzt jedoch keine Zentralfunktion (Kloß 1982, S. 18). So wurde entlang der Hauptverkehrsachsen sowie der nördliche und südliche Abschluss der Siedlung entlang der Blaschko- und Parchimer Allee weiter dreigeschossig bebaut (ebd., S. 17). Der übrige Teil der Siedlung besteht aus zweigeschossigen Einfamilienreihenhäusern (ebd.). Weitere Auflockerung erreicht die Siedlung durch die Hüsung, welche sich dem Hufeisen anschließt und in Abbildung 1 zu erkennen ist. Die Hüsung verläuft quer durch die Siedlung vom Hufeisen ausgehend und bildet einen angerförmigen rhombischen Straßenraum zum Vorplatz mit einer Schule, gesäumt von Einfamilienhausreihen (Kloß 1982, S. 18). Die Angerform nimmt deutlich Bezug auf die ländliche Umgebung der Hufeisensiedlung, die auf den ehemaligen Ackerflächen des Gutshofes Britz erbaut wurde (Landesdenkmalamt Berlin 2016, o.S.).

[...]

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Details

Titel
Der Reformwohnungsbau der 20er Jahre anhand der Hufeisensiedlung Britz
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Geographisches Institut)
Veranstaltung
Urban Governance
Note
1,3
Autor
Jahr
2016
Seiten
11
Katalognummer
V344362
ISBN (eBook)
9783668340725
ISBN (Buch)
9783668340732
Dateigröße
614 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
reformwohnungsbau, jahre, hufeisensiedlung, britz
Arbeit zitieren
Jenny Nußbaum (Autor), 2016, Der Reformwohnungsbau der 20er Jahre anhand der Hufeisensiedlung Britz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/344362

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