Dies ist meine Abschlussarbeit zur Fachausbildung für HypnoSystemische Beratung und Therapie bei D.R. Leichsenring.
Es handelt sich um einen sehr persönlichen Erfahrungsbericht darüber, wie mir die Anwendung HypnoSystemischer Modelle und Methoden bei meiner pädagogischen Arbeit in einem Kinderheim hilft -- es mir, so wie ich bin, eigentlich überhaupt erst ermöglicht, dort sinnvoll zu arbeiten.
Wer konkrete und sofort praktisch umsetzbare Anregungen für die eigene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sucht, dem empfehle ich, statt dieses Textes lieber einschlägige Fachbücher wie z.B. „Therapeutische Metaphern für Kinder und das Kind in uns“ von Mills und Crowly zu lesen.
Zwar gehe ich hier ausführlich der Frage nach, in wieweit das von Gunther Schmidt entwickelte HypnoSystemische Paradigma im Kontext der stationären Kinder- und Jugendhilfe angewendet werden kann; auch beschreibe ich im Schlussteil einige Beispiele für systemische und hypnotherapeutische Interventionen in Form von Vignetten.
In erster Linie aber ist der vorliegende Text eine HypnoSystemische Fallstudie über mich selbst als meine erste Klientin.
Inhaltsverzeichnis
Frühstück
Arbeitskontext Kinderheim
Exkurs zur Frage: Wie komme ich zu dieser Frage?
Meine erste Klientin
Besucher, Klagende, Kunden
Dumm oder nicht
Kreativmodus
Nach dem Spiel
Zwischen Stühlen
Hundeleben
Muntren Max müde machen
Heimweh
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist die Anwendung hypnosystemischer Methoden innerhalb der komplexen, oft durch Zwang geprägten Rahmenbedingungen der stationären Jugendhilfe. Die Autorin untersucht dabei, wie sie ihre professionelle Kompetenz und ihr eigenes Wohlbefinden trotz schwieriger Arbeitsbedingungen, wie Schichtdienst und eskalierenden Konflikten, durch gezielte Selbstreflexion und systemische Interventionen stärken kann.
- Hypnosystemische Beratung im Kontext der stationären Kinder- und Jugendhilfe
- Die Rolle der pädagogischen Fachkraft zwischen Zwangskontext und Lösungsfokussierung
- Methoden der Selbstführung und Ressourcenaktivierung mittels hypnosystemischer Ansätze
- Umgang mit Bedürfniskonflikten und herausfordernden Verhaltensmustern bei Klienten
Auszug aus dem Buch
Besucher, Klagende, Kunden
Dass ich meine erste Klientin bin und bleibe, solange ich mit anderen Menschen pädagogisch, beratend oder therapeutisch arbeite, ist ein Gebot der professionellen Verantwortung. Und nun, da meine erste Klientin mit ihren alltäglichen Herausforderungen gut zurechtkommt, kann ich meine Aufmerksamkeit umso besser anderen Klienten widmen. Dies sind zu allererst die in der stationären Einrichtung lebenden Kinder und Jugendlichen. Sowohl beim Förderunterricht, welcher zumeist im Einzelsetting stattfindet, als auch während meiner Einsätze im Gruppendienst finde ich regelmäßig Gelegenheiten für hilfreiche hypnosystemische Interventionen.
Allerdings ist es mir bisher kaum möglich gewesen, mit einzelnen Kindern kontinuierlich und konsequent hypnosystemisch im Sinne unserer Berater-Ausbildung zu arbeiten. Denn einerseits machen es die mir übertragenen Aufgaben erforderlich, dass ich Prinzipien der hypnosystemischen Beratung immer wieder zugunsten der Vermittlung didaktischer Inhalte beuge oder auch durch restriktive pädagogische Interventionen breche. Andererseits finden meine Interaktionen mit den Kindern (anders als bei der Beratung in eigener Praxis) in relativ ungeschützten Zeit-Räumen statt: Jeden Augenblick kann jemand an die Tür klopfen, hereinkommen und mit seinen Anliegen die laufenden Prozesse unterbrechen.
Unter diesen Umständen sind zeit- und materialaufwändige Übungen wenig sinnvoll, und so greife ich oft auf Techniken zurück, die ohne besonderen Aufwand spontan verfügbar sind: das Zusammenspiel von Pacing und Leading, hypnotische Sprachmuster, systemische Fragen sowie therapeutische Metaphern. Diese haben sich auch in Gesprächen mit Kollegen, sorgeberechtigten Eltern und mit Vertretern kooperierender Institutionen wie Jugendämtern, Schulen usw. oft als hilfreich erwiesen. Um einen kleinen Eindruck von den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten dieser Werkzeuge in meinem Arbeitsalltag zu vermitteln, werde ich abschließend einige Beispiele schildern.
Zusammenfassung der Kapitel
Frühstück: Die Autorin schildert den stressigen Alltag einer Erzieherin im Kinderheim und die emotionalen Belastungen, die mit dieser Arbeit einhergehen.
Arbeitskontext Kinderheim: Es wird die Diskrepanz zwischen der theoretischen hypnosystemischen Ausbildung und der Realität in einer stationären Einrichtung beleuchtet, in der Fremdbestimmung und Zwangskontexte vorherrschen.
Exkurs zur Frage: Wie komme ich zu dieser Frage?: Die Autorin reflektiert die Herkunft der im Titel gestellten Frage und deren Bedeutung für die eigene Lebensführung und professionelle Haltung.
Meine erste Klientin: Die Autorin identifiziert sich selbst als ihre eigene erste Klientin und beschreibt, wie sie durch hypnosystemische Arbeit zu einem kompetenteren Umgang mit ihrem Arbeitsumfeld findet.
Besucher, Klagende, Kunden: Dieses Kapitel veranschaulicht anhand praktischer Fallbeispiele (Finn, Tarek, Boris, David, Max, Vivien), wie hypnosystemische Techniken spontan in den pädagogischen Alltag integriert werden können.
Schlüsselwörter
Hypnosystemik, stationäre Jugendhilfe, pädagogische Professionalität, Selbstführung, Ressourcenaktivierung, systemische Beratung, Zwangskontext, Problemerleben, Kompetenzentwicklung, Pacing und Leading, Biografiearbeit, resiliente Erziehung, psychologische Beratung, Reflexion, Lebensglück.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit reflektiert die Anwendung hypnosystemischer Beratungsmethoden durch eine pädagogische Fachkraft in einer stationären Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Übertragung systemischer Konzepte in den Erziehungsalltag, den Umgang mit beruflichem Stress sowie die Stärkung der eigenen professionellen Identität.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Erforschung, wie eine Fachkraft hypnosystemische Ansätze nutzen kann, um trotz der schwierigen Rahmenbedingungen im Kinderheim kompetent zu handeln und Freude an der Arbeit zu gewinnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um einen praxisorientierten, reflexiven Ansatz, der auf der hypnosystemischen Therapie nach Gunther Schmidt und dem Konstruktivismus basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beschreibt anhand zahlreicher Fallbeispiele aus dem Kinderheim, wie die Autorin Techniken wie Pacing, Leading und Reframing im direkten Kontakt mit Kindern und Jugendlichen anwendet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Hypnosystemik, Jugendhilfe, Ressourcenaktivierung, pädagogische Professionalität und Selbstführung.
Wie unterscheidet sich die Arbeitssituation von einer klassischen Beratung?
Im Gegensatz zur freien Beratung, in der Klienten freiwillig erscheinen, findet die Arbeit in einem Zwangskontext statt, der von Hierarchien und Fremdbestimmung geprägt ist.
Welche Rolle spielt die "Ameisengeschichte" im Kontext der Arbeit?
Die Erzählung dient als Metapher für den inneren Wandel der Autorin und illustriert den Übergang von einem strengen, pflichtorientierten Erziehungsmuster hin zu einer selbstbestimmten, flexiblen Haltung.
Wie verarbeitet die Autorin ihre eigenen Schwächen?
Die Autorin nutzt Techniken wie das Arbeiten mit inneren Anteilen ("Stimmen" auf der Bühne), um ihre eigene Perfektionistin und Scham zu integrieren, anstatt sie zu unterdrücken.
- Quote paper
- Gundula E. Rommel (Author), 2016, Und was bringt mir das beim Frühstück? HypnoSystemische Interventionen im Kontext der stationären Kinder- und Jugendhilfe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/344420