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Die Leere und das gezeichnete Ich - Die Antithetik von Leben und Geist in Gottfried Benns 'Nur zwei Dinge'

Title: Die Leere und das gezeichnete Ich - Die Antithetik von Leben und Geist in Gottfried Benns 'Nur zwei Dinge'

Seminar Paper , 2003 , 19 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Julia Haase (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

„Es gibt nur zwei Dinge: die Leere und das gezeichnete Ich“ - dies ist das desillusionierte Fazit, welches das Ich in Gottfried Benns Gedicht „Nur zwei Dinge“ zum Ende seines Lebens zieht. Die beiden Dinge sind die unvereinbaren Gegensätze, auf die die Welt reduziert wird. Dabei repräsentiert „die Leere“ die Außenwelt und „das gezeichnete Ich“ die Innenwelt. In diesen finalen Zeilen des Gedichts findet sich im Grunde eine gedankliche Zuspitzung der seit jeher bestehenden Problematik der Dichotomie von Geist und Leben. In der natürlich gegebenen Duplizität des Daseins besteht die lebensnotwendige Balance zwischen Innen- und Außenwelt, die jeder Mensch für sich erhalten muss. Bei Gottfried Benn ist an die Stelle der Duplizität allerdings der Dualismus getreten. Eine Ganzheitlichkeit von Geist und Körperwelt ist demnach ausgesc hlossen. Alleine der Geist soll das beherrschende Element sein und sich selber eine eigene Welt kreieren. Diese Ansicht ist stark subjektivistisch. Hier ist deutlich eine starke Übergewichtung der Innenwelt festzustellen, während die reale Außenwelt als „Leere“ als geradezu nicht existent angenommen wird. Was sind aber nun die Folgen eines solchen Verlusts von Duplizität? Was sind die Auswirkungen eines dualistisch ausgerichteten Lebens? Und warum gibt es denn nach der Sicht Benns bzw. des sprechenden Ichs im Gedicht nur diese zwei Dinge? Wieso wird das vielfältige Leben auf „Leere“ und „das gezeichnete Ich“ reduziert? Im Folgenden soll versucht werden auf diese Fragen anhand des Gedichts „Nur zwei Dinge“ Antworten zu finden. Zunächst soll durch die Inhalt sanalyse geklärt werden, welche Informationen dieses Aussagedicht Benns enthält. Dabei wird vor allem darauf eingegangen, wie das sprechende Ich das Leben erfahren hat. Anschließend wird eine Formanalyse vorgenommen. Hier werden die eingesetzten lyrischen Mittel untersucht und in Beziehung zum Inhalt gesetzt. Dabei soll auch die Wirkung und Übertragung der verwendeten Stilfiguren auf die abstrakte Aussageebene betrachtet werden. Nach der Untersuchung von Inhalt und Form wird schließlich die von Benn befürw ortete Antithetik von Geist und Leben anhand der letzten beiden Verse thematisiert. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Gedicht: Gottfried Benns „Nur zwei Dinge“

3. Inhaltsanalyse

4. Formanalyse

5. „Die Leere und das gezeichnete Ich“: Benns Antithetik von Leben und Geist

6. Schlussbetrachtung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die von Gottfried Benn in seinem Gedicht „Nur zwei Dinge“ thematisierte Antithetik von Leben und Geist. Ziel der Analyse ist es, das Spannungsfeld zwischen der reduktionistischen Weltsicht des lyrischen Sprechers und der natürlichen Duplizität des Daseins zu beleuchten sowie die Folgen eines radikalen Dualismus für den Menschen aufzuzeigen.

  • Analyse der inhaltlichen Dimensionen und der resignativen Weltsicht des Ichs.
  • Untersuchung der formalen und metrischen Gestaltungsmittel des Gedichts.
  • Erörterung der philosophischen Implikationen von Geist, Körperwelt und Leere.
  • Kritische Reflexion der Selbstentfremdung des Menschen durch radikalen Subjektivismus.

Auszug aus dem Buch

4. Formanalyse

Das von Gottfried Benn im Januar 1953 verfasste Gedicht „Nur zwei Dinge“ besteht aus drei Strophen, die jeweils deutlich durch Absätze voneinander getrennt sind. Die erste und die letzte Strophe setzen sich aus je vier Versen zusammen, die zweite Strophe hingegen enthält fünf Verse aufgrund der Parenthese in Zeile 8. Insgesamt besteht das Gedicht also aus 13 Versen. Die Verslänge variiert zwischen 6 und 9 Silben, es ist kein durchgängiges Schema der Silbenanzahl innerhalb der Verse im Zusammenhang mit dem Strophenaufbau erkennbar.

Dafür existiert ein kontinuierliches Reimschema. In Strophe 1 und 3 sind die Verse kreuzgereimt. Der Kreuzreim liegt auch Strophe 2 zugrunde, er erfährt allerdings durch die parenthetische Zeile eine Unterbrechung. Vers 8 reimt sich jedoch auf Vers 7, insofern fällt diese eingeschobene Zeile nicht gänzlich aus dem vorherrschenden Reimschema heraus. Für das gesamte Gedicht gilt diese Abfolge der Reime: abab (Strophe 1), cdccd (Strophe 2), efef (Strophe 3). Die Versausgänge korrespondieren mit dem Kreuzreim. Dies bedeutet, die Kadenzen sind jeweils in den Strophen gemäß des Reimschemas weiblich (unbetont) oder männlich (betont).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Dichotomie von Geist und Leben bei Gottfried Benn ein und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Folgen einer dualistischen Lebensführung.

2. Das Gedicht: Gottfried Benns „Nur zwei Dinge“: Dieses Kapitel stellt das Primärwerk „Nur zwei Dinge“ vor, ordnet es in das Spätwerk Benns ein und erläutert den Entstehungskontext.

3. Inhaltsanalyse: Hier wird der Wortschatz und die Aussageebene des Gedichts untersucht, wobei das „leiderfahrene Ich“ und dessen Bilanzierung des menschlichen Daseins im Fokus stehen.

4. Formanalyse: Das Kapitel analysiert die metrische Struktur, das Reimschema und die lyrischen Stilfiguren, um deren Wirkung auf den Lesefluss und die inhaltliche Aussage zu bestimmen.

5. „Die Leere und das gezeichnete Ich“: Benns Antithetik von Leben und Geist: Dieser zentrale Teil erörtert die philosophische Bedeutung der Spaltung von Innen- und Außenwelt sowie die Konsequenzen der „progressiven Zerebralisation“.

6. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass eine strikte Trennung von Geist und Körper fatal ist und plädiert für die Bewahrung der menschlich-natürlichen Sythese als Gegenentwurf zur Leere.

Schlüsselwörter

Gottfried Benn, Nur zwei Dinge, Antithetik, Geist, Leben, Duplizität, Dualismus, Leere, gezeichnetes Ich, Subjektivismus, Nihilismus, Sinnfrage, Lyrikanalyse, Formanalyse, Entfremdung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der literaturwissenschaftlichen Interpretation von Gottfried Benns Gedicht „Nur zwei Dinge“ und analysiert das darin dargestellte Spannungsverhältnis zwischen Geist und Leben.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die Konzepte der Antithetik, die Problematik der Subjektivität, das Verhältnis von Innen- und Außenwelt sowie die Folgen des von Benn postulierten Nihilismus.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Benn im Gedicht die Welt auf „Leere“ und das „gezeichnete Ich“ reduziert und welche Gefahren dieser radikale Dualismus für die menschliche Existenz birgt.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wird eine klassische literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die eine Inhalts- und Formanalyse mit einer philosophisch-ideengeschichtlichen Interpretation verbindet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Inhalts- und Formanalyse sowie eine tiefergehende Untersuchung von Benns Denken, insbesondere seiner Konzepte von „progressiver Zerebralisation“ und der Abspaltung des Geistes.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie Antithetik, Subjektivismus, Duplizität, Nihilismus und die Analyse der lyrischen Form geprägt.

Warum reduziert das lyrische Ich die Welt auf nur „zwei Dinge“?

Das Ich vollzieht eine Abspaltung von der Außenwelt, da es diese als wertloses „Vakuum“ empfindet und seinen Geist in einen absolut gesetzten Subjektivismus flüchtet, wodurch das vielfältige Leben für es seine Bedeutung verliert.

Welche Bedeutung kommt der Parenthese „ob Sinn, ob Sucht, ob Sage“ zu?

Die Parenthese fungiert als Mittelpunkt des Gedichts und verdeutlicht die Vergeblichkeit menschlicher Fluchtversuche vor dem als „Du mußt“ gesetzten Schicksal.

Wie bewertet die Autorin die von Benn thematisierte Spaltung?

Die Autorin bewertet die Spaltung kritisch und warnt vor der daraus resultierenden Selbstentfremdung des modernen Menschen, der die natürliche Sythese von Geist und Körper verliert.

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Details

Title
Die Leere und das gezeichnete Ich - Die Antithetik von Leben und Geist in Gottfried Benns 'Nur zwei Dinge'
College
University of Hannover
Course
Einführung in die Literaturwissenschaft I
Grade
1,0
Author
Julia Haase (Author)
Publication Year
2003
Pages
19
Catalog Number
V34445
ISBN (eBook)
9783638346627
Language
German
Tags
Leere Antithetik Leben Geist Gottfried Benns Dinge Einführung Literaturwissenschaft
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Julia Haase (Author), 2003, Die Leere und das gezeichnete Ich - Die Antithetik von Leben und Geist in Gottfried Benns 'Nur zwei Dinge', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/34445
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