Anhand des Werkes „Sozialismus – Warum nicht?“ soll in dieser Arbeit zuerst der Argumentationsgang Cohens rekonstruiert werden, welcher dem Aufsatz zugrunde liegt.
Hierbei wird indes auch verdeutlicht, inwiefern Cohen zwar für die Gleichheit auf persönlich, privater sowie gesellschaftlich, sozialer Ebene, jedoch gegen einen Realsozialismus argumentiert.
Anschließend folgt eine kritische Auseinandersetzung mit dessen Entwurf inklusive dem Ziel dieser Arbeit, Cohens Konzeption der fairen Chancengleichheit aufzuzeigen und zu klären, inwiefern seine Theorie eine Gerechtigkeit – eine radikale, egalitäre Auffassung moralischer Gleichheit als Inbegriff sozialer Gerechtigkeit – beinhaltet. Zuletzt werden die Ergebnisse gebündelt dargelegt und ein knapper Ausblick des Themas präsentiert. Abseits dessen existiert ein weiteres Werk, in welchem Cohen seinen gesellschaftstheoretischen Entwurf des Egalitarismus weiter entfaltet, If you're an egalitarian, how come you're so rich? (2000), welches dieser Arbeit jedoch nicht zugrunde liegt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Rekonstruktion der Argumentation des Autors
3. Kritische Auseinandersetzung
4. Zusammenfassung der Ergebnisse
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Gerald Allan Cohens Theorie der fairen Chancengleichheit und analysiert, wie dieser den Egalitarismus innerhalb des modernen Gerechtigkeitsdiskurses verankert. Das primäre Ziel ist es, Cohens Konzeption einer radikalen, egalitären Auffassung moralischer Gleichheit aufzuzeigen und zu prüfen, inwiefern diese als Inbegriff sozialer Gerechtigkeit fungiert und mit den Herausforderungen der heutigen Marktgesellschaft vereinbar ist.
- Grundlagen des sozialistischen Egalitarismus und analytischer Marxismus
- Differenzierung zwischen bürgerlicher, linksliberaler und sozialistischer Chancengleichheit
- Die Rolle der Prinzipien von Gleichheit und Gemeinschaft
- Kritische Analyse des Zeltlager-Gedankenexperiments als Mikroebene
- Motivation und Effizienz in Abgrenzung zur marktgesteuerten Wirtschaftsweise
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Gerald Allan Cohen gilt als einer der sozialistischen Autoren sowie als analytischer Marxist der Wirtschaftsethik und vertritt somit den Egalitarismus. Dessen ethische Antipode stellen anarcho-libertäre Positionen wie die von Robert Nozick oder Jan Narveson dar, welche konträre Einstellungen etwa bei der Umverteilung von Besitz und Eigentum, Vererbung oder gar in puncto Steuersystem als System der gezwungenen Solidarität vertreten. Narveson beispielsweise repräsentiert eine der radikalsten Positionen des Libertarismus, wonach Eingriffe durch den Staat sowie Interventionen der Chancengleichheit abgelehnt oder zumindest nur in moderater Fassung gebilligt werden würden.
Für Cohen hingegen ist die Verantwortung den eigenen Entscheidungen gegenüber – innerhalb seiner Konzeption einer fairen Chancenverteilung – von zentraler Bedeutung. Welchen sozialen Nutzen Gerechtigkeit für die gesamte Gesellschaft haben kann, untersuchte bereits David Hume (1711-1776) in An Enquiry concerning the Principles of Morals (1751) und argumentiert indes für eine gewisse Gleichverteilung von Gütern und Eigentum. Zwar operiert Hume hierbei mit einem sehr eng gefassten Gerechtigkeitsbegriff, dennoch misst er den egalitären Prinzipien einen durchaus attraktiven Wert bei.
Jerry Cohen vertrat seine sozialistischen Überzeugungen bis zu seinem Tod und beschäftigte sich nebst seinen Arbeiten am analytischen Marxismus in seinem Spätwerk mit der Rechtfertigung des moralischen Egalitarismus. Doch innerhalb des modernen Gerechtigkeitsdiskurses setzte er sich vor allem mit John Rawls Entwurf des luck egalitarianism und seinem betriebenem Havard Style der Philosophie auseinander, wonach Egalitarismus primär darauf abziele, unfreiwillige Nachteile zu kompensieren. Des Weiteren kontrastiert Rawls Entwurf der Gerechtigkeit als Fairness Cohens egalitärer Ethos, wonach Gerechtigkeit als feste Norm – abseits jeglicher Instrumentalisierung – in die Gesellschaft implementiert ist. Ronald Dworkin konstatiert im Kontext der Gerechtigkeitstheorien – insbesondere des luck egalitarianism – sogenanntes option luck (wahlfreier (Un-)Glücksfall) und brute luck (nicht-wahlfreier (Un-)Glücksfall). Inwiefern sich Cohen von Dworkins Ansicht distanziert und diese modifiziert, liegt in seinem bekannten Aufsatz On the Currency of Egalitarian Justice offen zugrunde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in Gerald Allan Cohens egalitäre Position innerhalb des modernen Gerechtigkeitsdiskurses ein und kontrastiert diese mit libertären sowie anderen egalitären Ansätzen.
2. Rekonstruktion der Argumentation des Autors: Hier werden Cohens zentrale Prinzipien – Gleichheit und Gemeinschaft – anhand seines Werks „Sozialismus – Warum nicht?“ detailliert erläutert und in verschiedene Typen von Chancengleichheit unterteilt.
3. Kritische Auseinandersetzung: In diesem Abschnitt wird Cohens Entwurf einer sozialistischen Marktwirtschaft kritisch hinterfragt, insbesondere hinsichtlich der Praktikabilität und der Motivation innerhalb der Gesellschaft.
4. Zusammenfassung der Ergebnisse: Das abschließende Kapitel bündelt die zentralen Erkenntnisse über Cohens Theorie der fairen Chancengleichheit und vergleicht diese mit den Ansätzen von Dworkin und Rawls.
Schlüsselwörter
Egalitarismus, Gerald Allan Cohen, soziale Gerechtigkeit, faire Chancengleichheit, analytischer Marxismus, luck egalitarianism, Gemeinschaftsprinzip, Gleichheitsprinzip, Marktsozialismus, Motivationsproblematik, Willensfreiheit, bruter luck, option luck, Umverteilung, Wirtschaftsethik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Theorie der fairen Chancengleichheit nach Gerald Allan Cohen und dessen sozialistischer sowie egalitärer Sichtweise auf soziale Gerechtigkeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung zum libertären Marktverständnis, die Analyse der Prinzipien von Gleichheit und Gemeinschaft sowie die Diskussion um unterschiedliche Typen von Chancenungleichheiten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Cohens Konzeption einer fairen Chancengleichheit zu rekonstruieren und zu prüfen, inwiefern sein sozialistischer Entwurf eine tragfähige Alternative zum kapitalistischen Markt darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor nutzt die analytische Philosophie, insbesondere durch die Interpretation von Gedankenexperimenten wie dem „Zeltlager“ sowie die Auseinandersetzung mit Diskursen von Philosophen wie John Rawls und Ronald Dworkin.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Rekonstruktion von Cohens Argumentation, beginnend bei den Grundlagen bis hin zur differenzierten Betrachtung von Ungleichheitstypen und Motivationsfaktoren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Egalitarismus, Chancengleichheit, Gemeinschaftsprinzip, analytischer Marxismus und Gerechtigkeit.
Wie unterscheidet Cohen zwischen verschiedenen Typen der Chancengleichheit?
Cohen differenziert zwischen bürgerlicher, linksliberaler und sozialistischer Chancengleichheit, wobei jede Stufe eine Steigerung in moralischem Gehalt und dem Abbau von Hindernissen darstellt.
Welche Rolle spielt das „Zeltlager“ als Gedankenexperiment?
Es fungiert als strukturelle Mikroebene einer sozialistischen Gesellschaft, um zu verdeutlichen, wie Prinzipien der Gleichheit und Gegenseitigkeit jenseits von Marktanreizen funktionieren könnten.
- Arbeit zitieren
- Gordon Jung (Autor:in), 2016, Gerald Allan Cohens Theorie der fairen Chancengleichheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/344467