Untersuchung des Response-Kodierungs-Ansatzes im Rahmen des Social-Simon-Effects. Einfluss horizontaler und vertikaler Reiz-Reaktions-Kodierung


Bachelorarbeit, 2013
62 Seiten, Note: 1,85

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Theoretischer und empirischer Hintergrund
Einleitung
Theorien zur Erklärung sozialer Effekte in der Simon Aufgabe
Herleitung der Fragestellung

Experiment 1
Methode
Stichprobe
Material
Durchführung
Ergebnisse
Diskussion

Experiment 2
Methode
Stichprobe
Material
Durchführung
Ergebnisse
Diskussion

Experiment 3
Methode
Stichprobe
Material
Durchführung
Ergebnisse
Diskussion

Vergleich der Ergebnisse

Allgemeine Diskussion

Literaturverzeichnis

REIZ-REAKTIONS-KODIERUNG UND SOCIAL-SIMON-EFFECT

Anhang

Zusammenfassung

Viele bisherige Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass ein Simon Effekt in go-nogo Aufgaben sowohl durch soziale als auch durch nicht-soziale, räumliche Manipulationen auftreten kann, solange das Auftreten eines Kompatibilitätseffekts möglich ist. Nach der Ideomotor-Theorie wird bei der gemeinsamen Bearbeitung einer Aufgabe ein sozialer Simon Effekt ausgelöst, weil die Handlungen des anderen Mitarbeiters sozusagen mitgedacht werden. Genauso kann aber auch das bloße Ticken einer Uhr einen Simon Effekt in go-nogo Situationen auslösen. Die Uhr dient dabei als Referenz für die räumliche Kodierung der eigenen Handlungen. Durch die Elimination möglicher Kompatibilitätseffekte in der (sozialen) Simon Aufgabe, zeigt diese Studie, dass sich soziale Kodierungsreize von nicht- sozialen, räumlichen Kodierungsreizen durchaus unterschiedlich auf die Aufgabenbearbeitung auswirken. Zwischen sozialen und nicht-sozialen, räumlichen Kodierungsreizen zeigen sich sowohl signifikante Unterschiede bezüglich der Anzahl der richtigen Antworten als auch Unterschiede hinsichtlich der Reaktionen auf Stimuli, die an unterschiedlichen Stellen des Bildschirms präsentiert wurden. Es wird vermutet, dass der Simon Effekt in go-nogo Aufgaben, in bisherigen Forschungen, durch einen Kompatibilitätseffekt überlagert wurde und sowohl durch soziale als auch durch nicht-soziale Kodierungsreize ausgelöst werden kann. Tatsächlich ist aber eine soziale und keine räumliche Komponente für das Auftreten eines sozialen Simon Effekts verantwortlich. Die Ergebnisse sprechen daher für die Ideomotor-Theorie.

Theoretischer und empirischer Hintergrund

Einleitung

Fast täglich befinden wir uns in Situationen, in denen wir mit anderen Menschen interagieren. Händeschütteln, gemeinsames Tanzen oder das Tragen eines Tisches, all das setzt gute Koordinationsfähigkeiten voraus. Erfolgreiches, gemeinsames Handeln hängt zunächst von der Fähigkeit ab das Handeln anderer Personen zu verstehen und folglich vorhersagen zu können. Daraufhin werden beide Handlungen miteinander koordiniert. Die Handlungen anderer Personen werden demnach in das eigene Handlungssystem aufgenommen (Sebanz, Bekkering, & Knoblich, 2006). Eine Aufgabe, mit welcher sich das gemeinsame Handeln im Labor experimentell untersuchen lässt, ist die sogenannte soziale Simon Aufgabe (Sebanz, Knoblich, & Prinz, 2003).

Die klassische Simon Aufgabe lässt sich anhand des Experiments von Simon und Rudell (1967) gut erklären. In ihrem Experiment erhielten Probanden die Aufgabe, auf auditive Reize zu reagieren, welche ihnen mittels Kopfhörer dargeboten wurden. Bei den Reizen handelte es sich um die zwei Wörter ''rechts'' und ''links''. Diese wurden randomisiert entweder in das rechte oder in das linke Ohr übermittelt. Durch das Drücken einer rechts angeordneten Taste sollte auf das Wort ''rechts'' reagiert und durch das Drücken einer links angeordneten Taste sollte auf das Wort ''links'' reagiert werden. Für die Durchführung der Aufgabe war es dabei irrelevant, ob der Reiz über das rechte oder das linke Ohr erteilt wurde. Wurde beispielsweise das Wort ''rechts'' in das rechte Ohr erteilt, gab es eine räumliche Korrespondenz zwischen der Reizposition und der Position der Antworttaste. Wurde das Wort ''rechts'' jedoch in das linke Ohr erteilt, korrespondierten die Reizposition und die Position der

Antworttaste nicht miteinander. Es zeigte sich, dass die Reaktionszeiten der Probanden signifikant schneller waren, wenn Reiz und Reaktion räumlich miteinander korrespondierten, als wenn dies nicht der Fall war (Simon & Rudell, 1967). Seitdem wird diese Phänomen als Simon Effekt bezeichnet.

Weitere Forschung zeigte, dass der Simon Effekt ebenso bei visuell präsentierten Reizen auftritt (Craft & Simon, 1970). Auch hier waren die Reaktionszeiten schneller, wenn die für die Bearbeitung der Aufgabe die eigentlich irrelevante Reizposition und die Position der Antworttaste miteinander korrespondierten. Es zeigte sich also ein räumlicher Kompatibilitätseffekt. In der Simon Aufgabe tritt also ein räumlicher Kompatibilitätseffekt auf, obwohl sich das relevante Reizmerkmal nicht räumlich zuordnen lässt.Es korrespondieren also die irrelevanten, räumlichen Reizmerkmale mit den Merkmalen der dargebotenen Reaktion.

Die Prozesse, welche dem räumlichen Kompatibilitätseffekt zugrunde liegen, lassen sich anhand des Modells der dimensionalen Überlappung (Kornblum, Hasbroucq, & Osman, 1990; Kornblum, 1994) erklären. Räumliche Kompatibilitätseffekte treten demnach dann auf, wenn sich die Reizmerkmale und die Reaktionsmerkmale perzeptuell, konzeptuell oder strukturell ähnlich sind, sie haben also eine dimensionale Überlappung. Kornblum et al. (1990) unterscheiden in ihrem Modell zwischen zwei Verarbeitungsprozessen, dem automatischen und den kontrollierten Prozess. Bei dem automatischen Prozess wird bei der Präsentation eines Reizes, das räumliche, irrelevante Reizmerkmals verarbeitet, wodurch automatisch eine räumlich korrespondierende Reaktion aktiviert wird. Der kontrollierte Prozess hingegen verarbeitet das relevante Reizmerkmal und aktiviert die entsprechende Reaktion. Stimmen die Reaktionen des automatischen und des kontrollierten Prozesses miteinander überein, erfolgt die Reaktion auf den präsentierten Reiz relativ schnell. Zu verlangsamten Reaktionen und einem Reaktionskonflikt kommt es, wenn der automatische und der kontrollierte Prozess zwei unterschiedliche Reaktionen aktivieren (Kornblum & Lee, 1995).

Erhält ein Proband jedoch die Anweisung, immer nur auf eine von zwei Farben zu reagieren, so verschwindet der Simon Effekt unter den meisten Umständen (Hommel, 1996). Das Verschwinden des Simon Effekts, in dieser sogenannten go-nogo Aufgabe, ist höchstwahrscheinlich darauf zurückführen, dass die andere Handlungsalternative hier nicht automatisch aktiviert wird, da nur eine einzige Handlung mit einem einzigen Reizelement verknüpft wird. (Kornblum et al., 1990).

Theorien zur Erklärung sozialer Effekte in der Simon Aufgabe

Zur Untersuchung der Prozesse, welche dem gemeinsamen Handeln zu Grunde liegen, ließen Sebanz et al. (2003) Probanden eine go-nogo Aufgabe zu zweit (soziale Simon Aufgabe) bearbeiten. In ihrer Studie, saßen zwei Probanden nebeneinander vor einem Computerbildschirm, auf dem ihnen Bilder von menschlichen Händen präsentiert wurden. Diese zeigten mit ihrem Zeigefinger entweder auf die linke Seite, auf die Mitte oder auf die rechte Seite des Computerbildschirms. Zusätzlich hatten sie entweder einen roten oder einen grünen Ring an ihrem Zeigefinger. Ein Proband erhielt die Anweisung, nur auf die grüne Ringe, durch Drücken einer einzelnen Antworttaste, zu reagieren. Der andere Proband hatte nur auf die roten Ringe reagieren. Die Richtung, in welche der Finger zeigte, war für die Bearbeitung der Aufgabe völlig irrelevant. Hinsichtlich des Ergebnisses, schlugen Sebanz et al. (2003) drei mögliche Theorien zur Erklärung vor. Sollte kein sozialer Simon Effekt auftreten, die Ergebnisse also denen einer normalen go-nogo Aufgabe ähneln, dann wäre es zum einen möglich, dass die Handlungen des anderen Probanden in keiner Weise repräsentiert wurden und somit auch keinen Einfluss auf die eigenen Handlungen hatten. Das Nicht-auftreten eines sozialen Simon Effekts könnte aber auch anhand der Theorie der sozialen Erleichterung erklärt werden. Diese nimmt an, dass bei einfachen Aufgaben, die Leistung einer Gruppe besser ist, als die einzelne, individuelle Leistung eines jeden Gruppenmitglieds. Die Ideomotor-Theorie könnte herangezogen werden, wenn ein sozialer Simon Effekt auftreten würde. Diese nimmt nämlich an, dass die Aufgaben des anderen Probanden mitgedacht werden und sich aufgrund dessen die Leistung verschlechtert. Die Ergebnisse der Studie von Sebanz et al. (2003) wiesen einen deutlichen sozialen Simon Effekt auf. Obwohl der einzelne Proband eine einfache go-nogo Aufgabe auszuführen hatte, zeigte sich ein Kompatibilitätseffekt. Die Reaktionen waren langsamer in Testdurchgängen, in denen das irrelevante Reizmerkmal des Ortes der Reizpräsentation (Finger zeigt z.B. nach rechts) mit der geforderten Reaktionen (Proband, der links sitzt soll auf seine Farbe reagieren) nicht übereinstimmte, als wenn eine Korrespondenz zwischen Präsentationsort des Reizes und erforderlicher Reaktion bestand (der Finger trug den Ring mit der Farbe, auf die der rechte Proband reagieren sollte und der Finger zeigte auch nach rechts). Die Ergebnisse sprechen demnach für die Ideomotor-Theorie. Sebanz et al. (2003) interpretierten ihrer Ergebnisse dahingehend, dass Personen die Handlungen eines Mitarbeiters in ihr eigenes Handlungssystem miteinbeziehen, obwohl dies die Leistung beeinträchtigt. Es entstehen also geteilte Handlungsrepräsentationen, welche durch psychologische und soziale Faktoren aktiviert werden.

Tsai, Kuo, Hung und Tzeng (2008) konnten anhand ihrer Studie ebenfalls zeigen, dass geteilte Handlungsrepräsentationen für das Auftreten eines sozialen Simon Effekts eine Rolle spielen. Ihren Probanden wurde mitgeteilt, dass sie eine go-nogo Aufgabe mit einem anderen Versuchsteilnehmer durchführen würden, dieser wäre jedoch in einem anderen Raum. In Wirklichkeit, gab es jedoch keinen anderen Versuchsteilnehmer. Der einfache Glaube daran, dass die Aufgabe nicht alleine, sondern zu zweit bearbeitet wird, erzeugte einen sozialen Simon Effekt.

Eine Studie von Vlainic, Liepelt, Colzato, Prinz und Hommel (2010) stützt diese Ergebnisse zusätzlich. Ein sozialer Simon Effekt trat auch dann auf, wenn den Probanden die Augen verbunden wurden und sie sich somit nicht gegenseitig sehen konnten. Zu wissen, dass mit einem Interaktionspartner zusammen gearbeitet wird, reicht für das Bilden von Handlungs- und Aufgabenrepräsentationen schon aus. Weitere Forschung zeigte, dass geteilte Handlungsrepräsentationen jedoch nicht aktiviert werden, wenn zwei Individuen miteinander konkurrieren und somit die Beziehung als negativ empfunden wird (Iani, Anelli, Nicoletti, Arcuri, & Rubichi, 2011).

Die Annahme, dass nur der soziale Kontext und die geteilten Handlungsrepräsentationen für das Auftreten eines sozialen Simon Effekts verantwortlich sind, kann durch mehrere Befunde widerlegt werden (Guagnano, Rusconi, & Umiltà, 2010; Dolk, Hommel, Colzato, Schütz-Bosbach, Prinz, & Liepelt, 2011; Dittrich, Rothe, & Klauer, 2012; Dolk, Hommel, Prinz, & Liepelt, 2013). Guagnano et al. (2010) ließen jeweils zwei Probanden zwei unabhängige Detektionsaufgaben durchführen. Während der Durchführung saßen die Probanden in Armreichweite voneinander entfernt. Es tauchte ein sozialer Simon Effekt auf, obwohl die Probanden keine komplementäre go-nogo Aufgabe bearbeitet hatten, sondern jeweils zwei unabhängige Aufgaben. Saßen die Probanden jedoch weiter voneinander weiter entfernt, (1,5 m), so trat kein sozialer Simon Effekt mehr auf. Die Ergebnisse stützen die Annahme, dass eine räumliche Komponente für das Auftreten eines sozialen Simon Effekt verantwortlich ist. Die Probanden bilden automatisch einen räumlichen Referenzrahmen, wenn sie in Armreichweite nebeneinander sitzen. Durch diesen Referenzrahmen kodieren sie ihre Antwort in Bezug auf die Handlung des anderen Probanden entweder als rechts oder links. Dies kann jedoch nur geschehen, wenn der andere Proband selbst auch aktiv ist, also eine Aufgabe bearbeitet (Sebanz et al., 2003). Bei einem zu großen Abstand (ab 1,5 m) wird kein räumlicher Referenzrahmen mehr gebildet, woraufhin die eigene Handlung auch nicht mehr räumlich kodiert wird.

Darüber hinaus konnten Dolk et al. (2011) zeigen, dass ein sozialer Simon Effekt selbst dann auftritt, wenn überhaupt kein zweiter Proband anwesend ist. In ihrem Experiment führte ein Proband alleine eine auditive Simon Aufgabe (go-nogo) durch. Der Proband hatte also, über das ganze Experiment hinweg, durch das Drücken einer rechten Antworttaste ausschließlich auf ein Geräusch zu reagieren. Manipuliert wurde das Experiment durch einen Apparat, an dem ein Pinsel angebracht war. Randomisiert wurden die Probanden auf jeweils zwei Bedingungen verteilt. In einer Bedingung wurde den Proband, während der Bearbeitung der Aufgabe mithilfe des Apparats, über die linke Hand gestreichelt. In der anderen Bedingung war der Apparat nicht mehr präsent. Ein signifikanter Simon Effekt trat in der Bedingung auf, in der dem Probanden über die Hand gestreichelt wurde. Das Ergebnis deutet darauf hin, dass lediglich die Aktivität des Apparats nötig ist, um eine Referenz für das räumliche Kodieren der eigenen Handlung zu bilden.

Zusätzlich konnten auch Dolk et al. (2013) nachweisen, dass jedes Ereignis, solange es Aufmerksamkeit erregt und einen räumlichen Referenzrahmen für die Kodierung der eigenen Handlung bereitstellt, einen (sozialen) Simon Effekt auslösen kann. In ihren Experimenten lösten verschiedene nicht-soziale räumliche Kodierungshinweise einen (sozialen) Simon Effekt aus. Der nicht-soziale räumliche Kodierungshinweis war zunächst eine japanische Winkekatze (siehe Anhang P), welche links neben dem Probanden platziert wurde, während dieser eine auditive go-nogo Aufgabe durchführte. In zwei weiteren Experimenten wurde die japanische Winkekatze durch eine Uhr und anschließend durch einen Metronom ersetzt. In allen drei Experimenten wurde ein signifikanter Simon Effekt gefunden. In einem abschließenden Experiment wurde ein Metronom neben die Versuchsperson gesetzt, das diesmal keine Geräusch mehr machte. In diesem Fall wurde kein signifikanter Simon Effekt gefunden. Die bloße Anwesenheit eines Objekt reicht also nicht aus, um einen Simon Effekt auszulösen. Das Objekt muss im gewissen Ausmaß immer Aufmerksamkeit erregen.

Herleitung der Fragestellung

In allen bisherigen Studien bearbeiteten die Probanden durchgehend eine Simon Aufgabe, genauer gesagt eine Simon Aufgabe als go-nogo Version, wodurch ein möglicher Kompatibilitätseffekt durch soziale oder räumliche Kodierungshinweise zustande kommen konnte. Es besteht demnach die Möglichkeit, dass sich soziale Effekte und Kompatibilitätseffekte überlagern und in den bisherigen Experimenten nicht eindeutig zu trennen waren.

In folgender Studie wurde der Versuch unternommen einen sozialen Effekt, im Sinne der Ideomotor-Theorie (Sebanz et. al., 2003) in einer go-nogo Situation, unabhängig von einem räumlichen Reiz-Reaktions-Kompatibilitätseffekt, aufzudecken. Zu diesem Zweck haben wir ein Design entwickelt, bei dem geteilte Handlungsrepräsentationen möglich waren, jedoch kein Kompatibilitätseffekt auftreten konnte. Das Auftreten möglicher Kompatibilitätseffekte wurde durch eine Verschiebung der Reizpräsentation von horizontal nach vertikal und der Beibehaltung von horizontal angeordneten Antworttasten verhindert. Es wurde geprüft, ob sich soziale und nicht-soziale räumliche Kodierungsreize unterschiedlich auf die Aufgabenbearbeitung auswirken.

Experiment 1

In erster Linie sollte das Experiment 1 als Kontrollgruppe für die nächsten beiden Experimente dienen. In einer üblichen Simon-Aufgabe reagieren Probanden durch Drücken einer rechten oder linken Antworttaste auf die nicht-räumlichen Attribute eines Stimulus, der randomisiert auf der rechten oder linken Bildschirmseite erscheint. Die gewöhnlichen Befunde für diese Aufgabe zeigen, dass Probanden bessere Leistungen erbringen, wenn der Stimulus auf der Seite der richtigen Antworttaste erscheint (Simon & Rudell, 1967). Es gibt also einen Kompatibilitätseffekt. In unserem Experiment jedoch wurden die Stimuli nicht horizontal, sondern vertikal präsentiert. Die Antworttasten blieben allerdings horizontal angeordnet. Das Auftreten eines Kompatibilitätseffekts war also gar nicht möglich, da die Reizposition und die Position der Antworttaste nie miteinander korrespondierten. Demnach nahmen wir für dieses Experiment an, dass keine signifikanten Effekte der Farbe oder des Orts der Reizpräsentation auftreten würden.

Methode

Stichprobe. Die Probandenrekrutierung erfolgte mit Hilfe von Aushängen (siehe Anhang M), die an diverse schwarze Bretter der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Deutschland angebracht wurden und somit Interessenten zur Teilnahme am Experiment bewegen sollten. Ausgeschlossen von der Teilnahme am Experiment wurden Personen mit einer Rot-Grün-Sehschwäche. Insgesamt nahmen N = 30 gesunde, freiwillige Versuchspersonen (n = 4 männlich, n = 26 weiblich) an dem Experiment teil. Die altershomogene Stichprobe (Alter M = 21.59, SD = 2.06) setze sich aus Studenten (hauptsächlich der Psychologie) der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf zusammen. Nach einer Ausreißer-Analyse standen n = 29 Datensätze für die Auswertung zur Verfügung. Als Aufwandsentschädigung für die Teilnahme am Experiment, wurde den Versuchspersonen 3€ sowie den Psychologiestudierenden eine halbe Versuchspersonenstunde angeboten. Zu Beginn las sich jeder Teilnehmer die Erklärung (siehe Anhang N) zu dem Experiment durch und bestätigte danach auf einer separaten Liste, mit einer Unterschrift, die freiwillige Teilnahme am Experiment. Erfasste Substanzabhängigkeiten oder Substanzkonsum in den letzten 24 Stunden vor der Testung (außer Nikotin und Koffein), bestehende oder in der Vergangenheit aufgetretene psychiatrische und neurologische Erkrankungen, Farbenfehlsichtigkeit, nicht korrigierte Sehstörungen und Schlafmangel waren Ausschlusskriterien für die Untersuchung. Alle drei Experimente entsprechen den ethischen Richtlinien der APA (American Psychological Association, 2010).

Material. Als Materialien für das Experiment standen vier Computer zur Verfügung, sowie die dazugehörigen Tastaturen und Mäuse. Die Testung konnte demnach als Einzel- oder Gruppentestung stattfinden. Da nur die Tasten ''y'' und ''-'' für das Experiment relevant waren, waren auf allen vier Tastaturen die Tasten ''y'' und ''-'' durch einen gelben Punkt markiert. Bei dem Experiment handelte es sich um eine sogenannte ''two-choice'' Aufgabe. Auf der oberen oder unteren Bildschirmhälfte erschien entweder ein grüner oder ein roter Kreis, auf welchen die Versuchsperson durch Drücken der Tasten ''y'' oder ''-'' reagieren mussten. Die Reaktion der Versuchspersonen auf die vertikal präsentierten Reize erfolgte demnach horizontal. Die 30 Versuchspersonen wurden randomisiert noch einmal auf zwei Gruppen verteilt, um auszuschließen, dass ein Effekt aufgrund der Händigkeit in Verbindung mit einer bestimmten Reizfarbe entsteht. Somit war es die Aufgabe der Gruppe 1 so schnell wie möglich, die Taste ''y'' zu drücken, wenn ein grüner Kreis erschien und die Taste ''-'', wenn ein roter Kreis zu sehen war. Gruppe 2 musste im Gegensatz dazu die Taste ''y'' drücken, wenn ein roter Kreis erschien und die Taste ''-'', wenn ein grüner Kreis präsentiert wurde.

In diesem Experiment galten die Reaktionszeit und die Anzahl richtiger Antworten als abhängige Variablen. Die unabhängigen Variablen teilten sich in Zwischensubjektfaktoren und Messwiederholungsfaktoren auf. Die Farbe (rot, grün) und der Ort (oben, unten) der Kreise waren die Messwiederholungsfaktoren. Das Geschlecht (männlich, weiblich), sowie die Version (Gruppe 1, Gruppe 2) wurden als Zwischensubjektfaktoren eingesetzt. Das experimentelle Design war hier ein within-subject-design, also ein Design mit Messwiederholung.

Ebenfalls musste jede Versuchsperson zu Beginn eine Einwilligung zum Experiment unterschreiben. Mit ihrer Unterschrift bestätigte sie ihre freiwillige Teilnahme an dem Experiment. Zusätzlich erhielt jede Versuchsperson einen Anamnesebogen (siehe Anhang O) zur Erfassung der relevanten Ausschlusskriterien. Der Anamnesebogen erfasste Angaben zu demographischen Daten (Geschlecht, Alter, Muttersprache, Händigkeit, Händigkeit des Vaters, Händigkeit der Mutter, Lese-/Rechtschreibschwäche, Farbenfehlsichtigkeit), zum Konsum von bestimmten Substanzen (Nikotin, Alkohol, Cannabis, Tranquilantien, Opiate/Heroin, Psychostimulatien, Halluzinogene), zur letzten Nahrungsaufnahme, zur allgemeinen Anamnese (Hörbehinderung, Sehbehinderung, Fehlsichtigkeit, Anfallsleiden, Schädel-/Hirntrauma, Psychiatrische Erkrankungen, Neurologische Erkrankungen, Allergien, kontinuierliche Medikamenteneinnahme, sonstige relevante Behinderungen), zur Menstruation und zum Schlaf der letzten Nacht. Versuchspersonen, welche als Aufwandsentschädigung das Geld wählten, mussten zusätzlich eine Erklärung unterschreiben, aus der hervorging, dass sie das Geld erhalten hatten.

Durchführung. Die Untersuchung fand im April/Mai 2013 an der Heinrich-Heine- Universität Düsseldorf, Deutschland statt. Nach der Bekanntmachung des Experiments nahmen 30 Personen freiwillig daran teil. Die Durchführung fand in der Abteilung für ''Mathematische und Kognitive Psychologie'' in einem Labor statt. Dort befanden sich vier Computer, welche durch Trennwände voneinander abgeschirmt wurden. Die Testung wurde bei Tageslicht oder, falls notwendig, bei Raumlicht durchgeführt.

Zu Beginn des Experiments setzte sich jede Versuchsperson an einen Platz ihrer Wahl. In der Mitte des Tisches, vor den Versuchspersonen, stand ein Computerbildschirm. Auf dem Tisch lagen bereits ein Stift, sowie die Einwilligung zum Experiment und der Anamnesebogen. Da die Teilnahme am Experiment anonym war, wurde jeder Anamnesbogen, durch den Versuchsleiter, mit einer Probandennummer versehen. Dadurch konnte später jeder Anamnesebogen den Daten der jeweiligen Versuchsperson zugeordnet und gegebenfalls gelöscht werden. Das Unterschreiben der Einwilligung und das Ausfüllen des Anamnesebogens dauerten zusammen etwa fünf Minuten. Nachdem die Versuchspersonen durch ein Handzeichen signalisiert hatten, dass sie die Einwilligung und den Anamnesebogen fertig ausgefüllt hatten, wurde das Experiment durch den Versuchsleiter am Computer gestartet. Bevor das eigentliche Experiment startete, musste noch das Alter, das Geschlecht und die Nummer der Versuchsperson eingegeben werden. Daraufhin erschien die Instruktion für das Experiment auf dem Computerbildschirm, die sich jede Versuchsperson durchlas. Die Instruktion, welche die Gruppe 1 erhielt, lautete:

,, Hallo und herzlich willkommen zu diesem Experiment! Du wirst heute eine Aufmerksamkeitsaufgabe in verschiedenen Versionen bearbeiten. Vor dir siehst du eine Tastatur, auf der 2 Tasten (eine linke und eine rechte Taste) markiert sind. Zur Bearbeitung dieser Aufgabe lege zunächst deinen linken Zeigefinger auf die linke Taste und deinen rechten Zeigefinger auf die rechte Taste. Du wirst nun eine Aufgabe bearbeiten, die aus mehreren Durchgängen besteht. Zu Beginn eines jeden Durchgangs siehst du ein Kreuz in der Mitte des Bildschirms. Bitte fixiere dieses Kreuz. Anschließend wird ein Kreis erscheinen. Der Kreis kann entweder grün oder rot sein und entweder auf der oberen oder der unteren Bildschirmhälfte auftauchen. Deine Aufgabe ist es, auf die linke Taste mit deinem linken Zeigefinger zu drücken, wenn ein grüner Kreis erscheint und auf die rechte Taste mit deinem rechten Zeigefinger zu drücken, wenn ein roter Kreis erscheint. Ob der Kreis auf der oberen oder unteren Seite erscheint, ist völlig egal. Bitte bearbeite die Aufgabe so schnell wie möglich und versuche gleichzeitig Fehler zu vermeiden! Wenn du noch Fragen hast, kannst du diese jetzt dem Versuchsleiter stellen. Mit der Leertaste kannst du nun den Übungsdurchgang starten.“

Die Instruktion für die Gruppe 2 war ähnlich, der Unterschied lag hier darin, dass die Antworttasten umgekehrt waren. Die Probanden hatten die linke Taste zu drücken, wenn ein roter Kreis erschien und die rechte Taste, wenn ein grüner Kreis zu sehen war. Nachdem sich jede Versuchsperson die Instruktion durchgelesen hatte, führte sie das Experiment durch.

Die Instruktion erschien in weißer Schrift auf schwarzem Bildschirmhintergrund. Das Experiment startete zunächst mit 20 Übungsdurchgängen. Darauf folgten 180 Experimentaldurchgänge, diese waren in drei Blöcke mit jeweils 60 Durchgängen gegliedert.

Zwischen den drei Blöcken lag immer eine Pause von 30 Sekunden, die als Countdown sichtbar war. In 50% der Durchgänge innerhalb eines jeden Blocks erschien ein roter Ring. Davon waren 50% auf der oberen und 50% auf der unteren Seite sichtbar, dasselbe galt für den grünen Ring. Die Reihenfolge der Stimulus-Präsentation war in diesem Fall randomisiert. Zu Beginn jeden Durchgangs erschien ein graues Fixationskreuz (1x1 cm) auf schwarzem Hintergrund für 1000 ms zentral auf dem Bildschirm. Danach wurde ein roter oder grüner Ring, 4,5 cm über oder unter dem Fixationskreuz, für 800 ms präsentiert. Für die Reaktion hatten die Probanden 1000 ms Zeit, danach startete automatisch ein neuer Durchgang. Nach dem letzten Durchgang erschien in der Bildschirmmitte das Wort „Danke''. Somit wussten die Probanden, dass das Experiment beendet war. Die Durchführung der two-choice Aufgabe dauerte etwa 15 Minuten.

Nach Beendigung des Experiments erhielt jeder Proband, je nach eigener Wahl, 3€ oder ihm wurde eine halbe Versuchspersonenstunde auf seinen Versuchspersonenzettel aufgeschrieben. Probanden, welche sich für das Geld entschieden, mussten zusätzlich noch eine Erklärung unterschreiben, aus dem hervorging, dass sie eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 3€ erhalten hatten.

Ergebnisse

Es sollen nun die Ergebnisse der two-choice Bedingung vorgestellt werden. Mit Hilfe von varianzanalytischen Verfahren wurde überprüft, wie sich die Farb- und Ortsmanipulation auf die Reaktionszeiten und die Anzahl der richtigen Antworten ausgewirkt haben. In einem zweiten Schritt wurde dies sowohl für das Alter der Probanden, als auch für die Faktoren Gruppe und Geschlecht kontrolliert. Für multiples Testen wurde in allen drei Experimenten

[...]

Ende der Leseprobe aus 62 Seiten

Details

Titel
Untersuchung des Response-Kodierungs-Ansatzes im Rahmen des Social-Simon-Effects. Einfluss horizontaler und vertikaler Reiz-Reaktions-Kodierung
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Mathematische und Kognitive Psychologie)
Note
1,85
Autor
Jahr
2013
Seiten
62
Katalognummer
V344478
ISBN (eBook)
9783668378506
ISBN (Buch)
9783668378513
Dateigröße
1120 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Simon-Effect, Response-Kodierungsansatz, Ideomotor Theorie, Reaktionszeitaufgabe
Arbeit zitieren
Katrin Simon (Autor), 2013, Untersuchung des Response-Kodierungs-Ansatzes im Rahmen des Social-Simon-Effects. Einfluss horizontaler und vertikaler Reiz-Reaktions-Kodierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/344478

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