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Die Debatte um die Existenz moralischer Dilemmas

David O. Brinks Argumente der deontischen Logik gegen die Existenz moralischer Dilemmas

Titel: Die Debatte um die Existenz moralischer Dilemmas

Seminararbeit , 2012 , 20 Seiten , Note: 6

Autor:in: Samuel Schawalder (Autor:in)

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
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Die vorliegende Seminararbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob die den Argumenten der Dilemma-Gegner zugrundeliegenden Prinzipien deontischer Logik wirklich unkontrovers sind. Dabei werde ich aufzuzeigen versuchen, dass die betreffenden Prinzipien keinesfalls so unkontrovers sind, wie Dilemma-Gegner gerne behaupten.

November 1940: Seit knapp einem Jahr tobt der Zweite Weltkrieg über Europa. Bereits Anfang 1940 ist es den Briten gelungen, den deutschen Funkcode zu entschlüsseln. Winston Churchill erfährt dank der Entschlüsselung des deutschen Enigma-Codes von der Operation Mondscheinsonate. Unter diesem Decknamen plant die deutsche Luftwaffe am Abend des 14. Novembers einen Luftangriff auf die britische Industriestadt Coventry. Im Wissen des bevorstehenden deutschen Luftangriffs steht Winston Churchill vor einer schweren Entscheidung: Soll er Coventry evakuieren um so die Bewohner der Stadt zu retten? Wenn er dies täte, würden die Deutschen herausfinden, dass ihr Funkcode geknackt worden ist. In der Folge wären die Alliierten nicht mehr in der Lage die deutschen Funksprüche zu entschlüsseln und man gäbe damit ein wichtiges Mittel im Kampf für ein baldiges Kriegsende und die Rettung unzähliger weiterer Menschenleben aus der Hand. Doch sollte Churchill die Stadt nicht evakuieren, so würde er viele Einwohner von Coventry dem sicheren Tode überlassen. Was hätte Winston Churchill tun sollen?

Hinter all diesen Fragen verbirgt sich die Debatte um die Existenz moralischer Dilemmata. Wenn es – wie viele Philosophinnen und Philosophen denken – moralische Dilemmata gar nicht geben kann, so ist entweder die Rettung der Einwohner von Coventry oder die Nichtevakuierung der Einwohner von Coventry Churchills moralische Pflicht. Wenn es allerdings – wie einige andere Philosophinnen und Philosophen denken – moralische Dilemmata geben sollte, so ist sowohl die Rettung der Einwohner von Coventry als auch die Nichtevakuierung der Einwohner von Coventry Churchills moralische Pflicht. Doch kann es überhaupt sein, dass es Situationen geben soll, in welcher jemand moralisch verpflichtet ist, eine Handlung A zu tun und moralisch verpflichtet ist eine Handlung B zu tun, obwohl die- oder derjenige unmöglich sowohl A als auch B tun kann? Mit andern Worten, ist es möglich, dass es Situationen gibt, in welcher moralische Pflichten so miteinander in Widerspruch geraten, dass jemand sich letztlich dazu gezwungen sieht, eine ihrer bzw. seiner Pflichten zu verletzen?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Debatte um die Existenz moralischer Dilemmas

2.1 Was sind moralische Dilemmas?

2.2 Argumente der deontischen Logik gegen die Existenz moralische Dilemmas

2.2.1 Paradox 1

2.2.1.1 Das Agglomerationsprinzip

2.2.1.2 Ought implies Can

2.2.2 Paradox 2 & 3

2.2.2.1 Obligation Execution Principle

2.2.2.2 Weak Obligation-, Weak Impermissibility- & Correlativity Principle

2.3 Ausblick: Wie soll die Debatte weitergehen?

3. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht kritisch die Argumente der deontischen Logik, die gegen die Existenz moralischer Dilemmata angeführt werden. Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, dass die als unkontrovers geltenden Prinzipien der Logik – wie etwa „Ought implies Can“ oder das „Agglomerationsprinzip“ – keineswegs als hinreichende Begründung ausreichen, um die Existenz moralischer Dilemmata prinzipiell auszuschließen.

  • Charakterisierung moralischer Dilemmata nach Sellmaier und Brink
  • Analyse der Paradoxien 1 bis 3 als logische Gegenargumente
  • Kritische Hinterfragung der Prinzipien OIC, AP, OEP und WOP
  • Diskussion über die Adäquatheit moralischer Theorien

Auszug aus dem Buch

2.2.1.1 Das Agglomerationsprinzip

Das Agglomerationsprinzip besagt, dass wenn ein Akteur sowohl eine Handlung A als auch eine Handlung B tun soll, so soll er beide Handlungen (A&B) tun. Der vorliegende Abschnitt befasst sich mit den Einwänden gegen dieses Prinzip. Dabei geht es, wie einleitend gesagt, darum aufzuzeigen, dass das Agglomerationsprinzip kein Prinzip ist, welches einfach so vorausgesetzt werden kann.

Gegen die Plausibilität des Agglomerationsprinzips spricht gerade in Konfliktfällen hauptsächlich eine andere sehr plausible Intuition. Es ist die Intuition, dass ein Akteur im Falle von konfligierenden Pflichten nicht beide Handlungen – was er im Übrigen auch nicht kann – ausführen soll. Sondern “lediglich“ die eine oder die andere Handlung tun soll. Formal lässt sich dieses Prinzip wie folgt darstellen:

(O (A) & O (B) & ~◊ (A&B)) → O (A v B)19

Dem würde Bernard Williams beipflichten, da kein Akteur im Bewusstsein der Konfliktsituation denkt, dass es seine Pflicht ist, beide Handlungen zu tun. Was er denkt, ist einzig, dass er jede der zwei Handlungen tun soll, nicht aber beide:

„for no agent, conscious of the situation of conflict, in fact thinks, that he ought to do both of the things. What he thinks is that he ought to do each of them; and this is properly paralleled at the level of ‘can’ by the fact that while he cannot do both of the things, it is true of each of the things, taken separately, that he can do it.”20

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Problematik moralischer Dilemmata anhand des historischen Beispiels von Winston Churchill und der Zielsetzung der Arbeit.

2. Die Debatte um die Existenz moralischer Dilemmas: Darstellung der theoretischen Grundlagen und der verschiedenen Definitionen eines moralischen Dilemmas.

2.1 Was sind moralische Dilemmas?: Detaillierte Definition und Charakterisierung moralischer Dilemmata nach Sellmaier und Brink.

2.2 Argumente der deontischen Logik gegen die Existenz moralische Dilemmas: Einleitung in die logischen Paradoxien, die von Gegnern moralischer Dilemmata verwendet werden.

2.2.1 Paradox 1: Untersuchung der ersten Paradoxie basierend auf den Prinzipien OIC und AP.

2.2.1.1 Das Agglomerationsprinzip: Kritische Analyse der Plausibilität des Agglomerationsprinzips in Konfliktsituationen.

2.2.1.2 Ought implies Can: Diskussion der Relation zwischen 'Sollen' und 'Können' als konversationelle Implikatur statt begrifflicher Implikation.

2.2.2 Paradox 2 & 3: Untersuchung der weiteren Paradoxien unter Einbeziehung des OEP, WOP und CP.

2.2.2.1 Obligation Execution Principle: Überprüfung der moralischen Angemessenheit und logischen Strenge des OEP.

2.2.2.2 Weak Obligation-, Weak Impermissibility- & Correlativity Principle: Analyse der logischen Prinzipien und Darstellung von Gegenbeispielen.

2.3 Ausblick: Wie soll die Debatte weitergehen?: Reflektion über die Ausrichtung der Debatte basierend auf den Überlegungen von Terrence McConnell.

3. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Argumentationslinien und Schlussfolgerung zur Adäquatheit moralischer Theorien.

Schlüsselwörter

Moralische Dilemmata, Deontische Logik, David O. Brink, Agglomerationsprinzip, Ought implies Can, Sollen, Können, Paradoxien, Moraltheorie, Ethik, Konflikt, Handlungsalternativen, Verpflichtung, Konversationelle Implikatur, Moralische Pflicht.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Seminararbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die philosophische Debatte über die Existenz moralischer Dilemmata und analysiert dabei kritisch die Argumente der deontischen Logik, die gegen deren Existenz sprechen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die Definition von moralischen Dilemmata, die logische Struktur moralischer Pflichten und die Hinterfragung klassischer Prinzipien der deontischen Logik wie „Ought implies Can“.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist aufzuzeigen, dass die logischen Argumente gegen moralische Dilemmata selbst auf umstrittenen Prinzipien basieren und somit keinen zwingenden Beweis gegen deren Existenz liefern.

Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?

Es wird eine analytische Herangehensweise gewählt, bei der philosophische Argumente formalisiert und auf ihre logische Konsistenz sowie ihre intuitive Plausibilität geprüft werden.

Was ist der Kerninhalt des Hauptteils?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung dreier Paradoxien, die jeweils moralische Prinzipien (wie OIC oder OEP) nutzen, um die Unmöglichkeit von Dilemmata abzuleiten, und deren Widerlegung durch philosophische Einwände.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?

Begriffe wie deontische Logik, moralische Dilemmata, Agglomerationsprinzip und konversationelle Implikatur sind zentral für das Verständnis der Argumentation.

Warum wird das Winston-Churchill-Beispiel verwendet?

Es dient als illustratives Fallbeispiel für eine reale Entscheidungssituation, in der sich moralische Pflichten scheinbar widersprechen, und führt somit anschaulich in die Problematik ein.

Welche Rolle spielt die „konversationelle Implikatur“ bei Sinnott-Armstrong?

Diese Interpretation hilft zu erklären, warum das Prinzip „Ought implies Can“ oft nur scheinbar ein 'Können' voraussetzt, und entkräftet somit eines der Hauptargumente der Dilemma-Gegner.

Was schlägt McConnell als Ausweg für die verhärtete Debatte vor?

Er schlägt vor, den Fokus von der bloßen Existenzfrage hin zu der Frage zu verschieben, welche Kriterien eine „gute“ moralische Theorie auszeichnen und ob Dilemmata deren Adäquatheit widersprechen.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Debatte um die Existenz moralischer Dilemmas
Untertitel
David O. Brinks Argumente der deontischen Logik gegen die Existenz moralischer Dilemmas
Hochschule
Universität Bern  (Philosophisches Institut Universität Bern)
Veranstaltung
Seminar "The Problem of Dirty Hands"
Note
6
Autor
Samuel Schawalder (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
20
Katalognummer
V344514
ISBN (eBook)
9783668343344
ISBN (Buch)
9783668343351
Sprache
Deutsch
Schlagworte
The Problem of Dirty Hands moralische Dilemmas Existenz moralischer Dilemmas Argumente der deontischen Logik gegen die Existenz moralischer Dilemmas Agglomerationsprinzip Ought implies Can Weak Impermissibility- & Correlativity Principle Weak Obligation Principle Obligation Execution Principle David O. Brinks Argumente der deontischen Logik
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Samuel Schawalder (Autor:in), 2012, Die Debatte um die Existenz moralischer Dilemmas, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/344514
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Leseprobe aus  20  Seiten
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