Schulung von Mitarbeitern. Exemplarische Durchführung einer Präsenzveranstaltung im Lehrgebiet „Pflegewissenschaften“


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

20 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretischer Exkurs

3 Hierarchische Kompetenzanalyse

4. Bildung von Aufgabenklassen

5. Entwicklung von Lernaufgaben

6. Prozedurale und unterstützende Informationen

7 Part-task practice

8 Didaktische Szenarien

9 Fazit

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: vereinfachende Annahmen

Tabelle 2: Aufgabenklassen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Fertigkeitenhierarchie

1 Einleitung

Zielsetzung:Diese Hausarbeit setzt sich mit der didaktischen Schulung von Mitarbeitern des Lehrgebiets „Pflegewissenschaften“ im Rahmen einer medialen Präsenzveranstaltung auseinander. Gerade in der heutigen Zeit ist es auch im medizinischen Bereich wichtig mediale Kompetenzen zu fördern, da diese während der fachspezifischen Studiengänge nicht adäquat vermittelt werden. Viele Mitarbeiter in medizinischen oder pflegewissenschaftlichen Lehrgebieten verfügen über eine fachgerechte pädagogische Ausbildung, jedoch nicht im medialen und didaktischen Bereich (www.berufenet.arbeitsagentur.de, 2014). Aufgrund dieser Thematik hat diese Hausarbeit das Ziel einen Schulungsentwurf für Mitarbeiter dieses Fachbereichs, mithilfe des 4CID- Modells von van Merriënboer, darzustellen.

4CID-Modell:Das 4CID-Modell wurde von van Merriënboer seit Mitte der 1980er Jahre entwickelt. Es versucht, durch die Einbindung von authentischen Aufgaben die Realität des Alltags wiederzugeben und ermöglicht so das erfolgreiche Erlernen von komplexen kognitiven Fähigkeiten (Bastiaens, Deimann, Schrader & Orth, 2014, S. 90). Wie der Name des Modells verrät besteht das Modell aus 4 Komponenten: einer Lernaufgabe, unterstützenden Informationen, Just-in-time Informationen und Part-task Practise.

Diese 4 Komponenten stehen wechselseitig in Beziehung zueinander.
Ein wichtiger Bestandteil des 4CID-Modells sind authentische Lernaufgaben, welche zur Übung ganzheitlicher Fertigkeiten beitragen und den Transfer von gelerntem Wissen zur Lösung komplexer Problemstellungen in der Praxis fördern. Zudem werden unterstützende Informationen benötigt um nicht-wiederkehrende Aufgaben zu meistern. Im Gegensatz zu den nicht-wiederkehrenden Aufgaben beschäftigt sich das 4CID-Modell auch mit wiederkehrenden Aufgaben. Dafür werden Just-in-time Informationen benötigt, welche bei Bedarf just-in-time abgerufen werden. Des weiteren versteht man unter dem Part-task Practise Übungen von wiederkehrenden Fertigkeiten, die automatisiert werden müssen (Bastiaens et al., 2014, S.92-93).

Da mit Hilfe des 4CID-Modells komplexe Fähigkeiten trainiert und gleichzeitig in ein übergeordnetes Lernziel transferiert werden können, ist das Modell eine geeignete thematische Grundlage für diese Hausarbeit (van Merriënboer, Clark&deCrook,2002,S.55).

Szenario:Gerade in der Pflegewissenschaft beschäftigen sich die Studierenden mit authentischen und realen Situationen des alltäglichen Lebens. Daher ist es wichtig, dass die Mitarbeiter des Lehrgebiets diese Situationen mit theoretischem Fachwissen verbinden und ebenfalls eine authentische Lernsituation schaffen, die Theorie und Praxis verbindet. Denn eine gute Lehrkraft zeichnet sich in der heutigen Zeit durch eine „effiziente Klassenführung, gutes Zeitmanagement, Variation der Aufgabenschwierigkeiten, Rücksicht auf Leistungsstärke der Schüler […], diagnostische Sensibilität, Rückmeldekultur“ (Gudjons, 2012, S.264) aus. An einer Universität in Niedersachsen mit dem Lehrgebiet „Pflegewissenschaften“ wird eine solche Qualität von den Studierenden vermisst und beim zuständigen Professor bemängelt. Dieser stellt fest, dass ein solcher Themenkomplex nicht zur hauptsächlichen Ausbildung eines Pflegewissenschaftlers gehört und es somit wichtig erscheint diese Kompetenzen nachträglich zu schulen. Aufgrund dessen wird ein Bildungswissenschaftler engagiert, der den Mitarbeitern des Lehrgebiets „Pflegewissenschaften“ weiteres Fachwissen im Umgang mit authentischen Präsenzveranstaltungen vermitteln soll. Die Schulung wird betriebsintern durchgeführt und betrifft einen Personenkreis von 10 Dozenten. Diese arbeiten erst seit maximal einem Jahren zusammen und sind in ihren Arbeitsabläufen teilweise noch nicht eingespielt. Somit wird ein geringes Vorwissen angenommen und die Schulung auf 2 Wochen festgelegt. Zur medialen Ergänzung dieser Schulung wird eine Online-Projektumgebung im Intranet der Universität eingerichtet, über die sich die Teilnehmer austauschen und zugleich auch Informationen beziehen können. Anhand dieser Schulung soll die Analyse von Rahmenbedingungen geschult werden, sodass die Teilnehmer erfahren, nach welchen Kriterien sich u.a. die Raumverteilung, die Teilnehmerzahl und die mediale Darstellung der Präsentation richten. Des weiteren wird den Pflegewissenschaftlern vermittelt wie die Inhalte erarbeitet und strukturiert werden. Somit ist es möglich, dass die Teilnehmer innerhalb des Schulungszeitraums eine mediale Veranstaltung eigenständig durchführen. Dabei werden sie vom Bildungswissenschaftler begleitet. Im Anschluss wird die Kompetenz der Evaluation vermittelt.

Überblick:Im weiteren Verlauf wird die Strukturierung des 4CID-Modells von van Merriënboer näher erläutert. Dazu wird nachfolgend ein theoretischer Exkurs in die Thematik einführen. Erläutert werden hier Themenschwerpunkte wie die Pfadabhängigkeit, der Unterschied zwischen Didaktik und Instruktionsdesign und die Bezugstheorie des 4CID-Modells. Im weiteren Verlauf der Hausarbeit wird auf die hierarchische Kompetenzanalyse eingegangen. Dazu wird u.a. eine Hierarchie erstellt und näher erläutert. Darauf aufbauend werden Aufgabenklassen gebildet, anhand derer Lernaufgaben entwickelt werden können. Anschließend werden die prozeduralen und unterstützenden Informationen beschrieben, die im Rahmen des 4CID-Modells eine wesentliche Bedeutung haben. Das nächste Kapitel beschäftigt sich mit part-task practise, dem Üben von Teilfertigkeiten. Abschließend werden didaktische Szenarien anhand der konzipierten Lernaufgaben aufgezeigt, bevor die Hausarbeit mit dem Fazit abschließt. Im Fazit lässt sich u.a. die Verortung des 4CID-Modells im ADDIE- Phasenmodell nachlesen.

2 Theoretischer Exkurs

Pfadabhängigkeit: Die allgemeine Didaktik kann auf eine 250 Jahre alte Geschichte zurückblicken, dessen Grundstein die „Didactica magna“ von Comenius bildet (Bastiaens et al., 2014, S.44). Das Instructional Design bildete sich im Unterschied zur Didaktik erst sehr viel später, im Zeitraum des Zweiten Weltkriegs, aus (Bastiaens et al, 2014, S.32).

Die Pfadabhängigkeit beschreibt, dass in der Vergangenheit getroffene Entscheidungen auf gegenwärtige Zustände, gegenwärtig zu treffende Entscheidungen und zukünftige Entwicklungen Einfluss nehmen. Bereits eingeschlagene Pfade versprechen ökonomischen Nutzen, da sich anfängliche Investitionskosten durch starke Verbreitung bezahlt machen. Je reifer der Prozess der Technikentwicklung, desto größer ist die Masse und desto schwerer werden Kurskorrekturen und Pfadabweichungen (Klebl, 2013, S.71). Im Bereich der Didaktik bedeutet dies, dass die schon viel früher entstandene Allgemeine Didaktik in Deutschland schon weit verbreitet und in den Alltag des Lehrens integriert war, so dass ein ökonomischer Nutzen zu verzeichnen war, den das Instructional Design nicht erreichen konnte. Um diese Stabilität beizubehalten hat die Gesellschaft an der allgemeinen Didaktik festgehalten und dem neuen Bereich des Instructional Design nur eine geringe Chance eingeräumt. Das alternative Modell des Instuctional Design wurde somit blockiert und hat den Zustand des „Locked-In“ eingenommen (Klebl, 2013, S.71).

Unterschied zwischen Didaktik und Instruktionsdesign:Die allgemeine Didaktik befasst sich mit der Lehre des Lernens im alltäglichen Unterrichtsgebrauch, wohingegen das Instructional Design auch auf andere Lehrsituationen, z.B. der außerschulischen Weiterbildung, übertragbar ist. In der Didaktik hat die Beschäftigung mit curricularen Fragen der Lehrinhalte und –ziele ein größeres Gewicht, während Instructional Design sich vor allem mit dem Vermittlungsaspekt beschäftigt (Kerres, 2013, S.48). Des weiteren ist das Instructional Design auf Konzepte von Gagné zurückzuführen, welche in der Lernpsychologie verortet sind. Als weiteren Unterschied kann genannt werden, dass das Instructional Design auf die Integration neuster Medien in den Lernprozess abzielt. Die allgemeine Didaktik hingegen befasst sich weniger mit neuen Entwicklungen im Bereich der Medien. (Bastiaens et al., 2014, S. 53)

Bezugstheorie des 4CID-Modells:Das 4CID-Modell beruht auf Überlegungen der Cognitive Load Theory, kurz CLT. Diese Theorie ist in den 1980er Jahren von Sweller und Chandler aufgestellt worden und beschäftigt sich mit der kognitiven Kapazität während des Lernprozesses. Sweller und Chandler haben festgestellt, dass die kognitive Kapazität durch drei Arten der Belastung beschränkt ist. Eine intrinsische kognitive Belastung, eine extrinsische kognitive Belastung und eine lernbezogene kognitive Belastung. Dies wird auch in der Schrift „Taking the Load Off a Learner’s Mind: Instructional Design for Complex Learning“ von van Merriënboer (2003) deutlich. Das Modell betont die Notwendigkeit unterstützender Informationen am Anfang des Lernprozesses, so dass die kognitive Kapazität des Lernenden nicht überstrapaziert wird. Aufgrund dessen sollen die Informationen möglichst komplett in die Lernaufgabe integriert werden (van Merriënboer, Kirschner, Kester, 2003, S.6). Im weiteren Verlauf kann die Unterstützung dann langsam abnehmen, so dass die kognitive Kapazität trainiert, die intrinsiche und extrinsische Belastung nicht mehr als solche wahrgenommen wird und die kognitive Kapazität dementsprechend weiter ausgebaut werden kann. „We conclude that CLT offers useful guidelines for decreasing intrinsic and extraneous cognitive load, so that sufficient processing capacity is left for genuine learning” (van Merriënboer et al., 2003, S.5). Diese Überlegungen schlagen sich im 4CID- Modell von van Merriënboer nieder, da es sich hierbei um ein Instruktionsdesign handelt, welches darauf ausgelegt ist, eine übergeordnete Lernaufgabe mithilfe komplexer kognitiver Fähigkeiten zu lösen. Diese komplexen kognititven Fähigkeiten werden im 4CID ebenso wie im CLT mittels unterstützender Informationen erreicht. Im Verlauf dieses Prozesses nimmt in beiden Theorien die Unterstützung ab, was auch mit dem Fachbegriff „Scaffolding“ bezeichnet werden kann.

3 Hierarchische Kompetenzanalyse

Hierarchieerstellung:Damit für die Schulung des Lehrgebiets „Pflegewissenschaften“ eine geeignete Hierarchie erstellt werden kann, bedarf es einer Analyse der bereits umgesetzten und der noch zu erlernenden Kompetenzen, um so das Defizit, welches geschult werden soll, genau zu benennen. Dieser Schritt ist notwendig, damit alle konstituierenden Fertigkeiten analysiert werden, die zusammen die Kompetenz ausmachen (Bastiaens et al., 2014, S. 95). Die Hierarchie stellt somit die analysierten Teilfertigkeiten dar, die als Ganzes gesehen die zu schulende Kompetenz „Als Mitarbeiter am Lehrgebiet „Pflegewissenschaften“ eine Präsenzveranstaltung durchführen“ ergeben. Diese Teilfertigkeiten stehen miteinander in Zusammenhang und werden horizontal und vertikal angeordnet. Horizontale Anordnungen, spiegeln temporäre Relationen wieder, und werden von links nach rechts gelesen. Hiermit wird die zeitliche Abfolge, die sequentiell oder auch zeitgleich sein kann, dargestellt (Bastiaens et al., 2014, S.95). In der nachstehenden Hierarchie ist deshalb der Fertigkeitenkomplex „Rahmenbedingungen analysieren“ dem Fertigkeitenkomplex „inhaltliche Schwerpunkte strukturieren“ vorgeschaltet, da dies nacheinander ablaufen muss. Erst nach erfolgreicher Analyse der Rahmenbedingungen kann sich ein Dozent mit der konkreten Strukturierung der Schwerpunkte befassen. Im Anschluss daran kann dann die Veranstaltung durchgeführt und im Nachhinein evaluiert werden.

Ist zwischen den Relationen ein Doppelpfeil eingefügt, sagt dieser etwas über den zeitgleichen Ablauf dieser Fertigkeiten aus. Somit ist in der nachstehenden Hierarchie dargestellt, dass die Teilfertigkeiten „strukturelle Bedingungen umsetzen“ und „Themenkomplexe darstellen“ zeitgleich ablaufen werden. Während der Präsenzveranstaltung muss der thematische Rahmen mit dem strukturellen Rahmen, z.B. geregelte Pausenzeiten, harmonieren.

Die vertikalen Anordnungen werden auch als konditionale Relationen bezeichnet und werden von unten nach oben gelesen. Die untere Fertigkeit ist Voraussetzung für eine darüber angeordnete Fertigkeit (Bastiaens et al., S. 95). Aus diesem Grund ist es zum Beispiel wichtig im Vorfeld der Präsenzveranstaltung zu wissen, welcher Raum laut Raumverteilungsplan zugeordnet wird, so dass anhand der Raumgröße und Bestuhlung die Teilnehmerzahl festgelegt werden kann.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Schulung von Mitarbeitern. Exemplarische Durchführung einer Präsenzveranstaltung im Lehrgebiet „Pflegewissenschaften“
Hochschule
FernUniversität Hagen
Veranstaltung
Allgemeine Didaktik und Mediendidaktik
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
20
Katalognummer
V344552
ISBN (eBook)
9783668349834
ISBN (Buch)
9783668349841
Dateigröße
673 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
DIe Hausarbeit ist eine Modulprüfung und beinhaltet die Umsetzung des 4CID Modells von van Merrienböer.
Schlagworte
4CID, Didaktik
Arbeit zitieren
Ilka-Maria Watermann (Autor), 2014, Schulung von Mitarbeitern. Exemplarische Durchführung einer Präsenzveranstaltung im Lehrgebiet „Pflegewissenschaften“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/344552

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